Der Marktplatz
Einst wie heute ist der Marktplatz das machtpolitische Zentrum Bremens und Anziehungspunkt für Tausende von Touristen, was ohne Zweifel auf das besondere architektonische Ambiente zurückzuführen ist. Fast unauffällig und schmucklos nimmt sich die Bürgerschaft, das Bremer Parlament, in der Nachbarschaft zu dem prächtigen alten Rathaus aus. Von dem ursprünglichen, 1410 errichteten spätgotischen Backsteinbau sind nur noch Teile vorhanden. Die Renaissance-Fassade, die heute dem von der UNESCO geschützten Bau das schmucke Aussehen verleiht, wurde zwischen 1605 und 1616 errichtet. Besonders oberhalb der Arkaden an der Marktseite ist sie üppig verziert mit verschiedenen Darstellungen aus antiken Mythologien, die sich mit christlicher Symbolik, stadtbremischen Symbolen und anderen Darstellungen auf eigenwillige Weise mischen. Die Maße des Rathauses, die den heutigen aufgrund von Erweiterungsarbeiten Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings nicht mehr ganz entsprechen, sind übrigens auf eine ziemlich eigentümliche Aktion vor der Grundsteinlegung zurückzuführen. Die Bemessungsgrundlage für das neue Rathaus ergab sich aus der Idee, alle stimmberechtigten Bürger sich auf der Bürgerweide in einem Rechteck aufstellen zu lassen, zu messen und diese Maße als Grundriss zu verwenden. Das Ergebnis lautete 40 mal 13 Meter, was vermutlich nicht einmal 200 teilnehmenden Bürgern entsprach.

Teil des UNESCO Weltkulturerbes: das Bremer Rathaus
Genutzt wird das historische Rathaus heute vor allem zu repräsentativen Zwecken. So findet etwa unter dem verschwenderischen Prunk der Renaissance- und Barockzeit in der oberen Rathaushalle seit 1545 das traditionsreiche Schaffermahl statt. Da die Statuten nur Männern die Teilnahme gestatten, steht die nach außen etwas steif wirkende Veranstaltung seit etlichen Jahren in der Kritik von weiblicher Seite. In der unteren Rathaushalle finden dagegen vor allem öffentliche Veranstaltungen wie Ausstellungen und der jährliche Kunsthandwerksmarkt in der Vorweihnachtszeit statt. Die dreischiffige Halle, die durch das 1660 entstandene Rathausportal an der linken Querseite des Gebäudes zugänglich ist, trägt noch die schlichten Züge der Spätgotik. Einst herrschte hier reges Leben, wurde gehandelt, wurden Steuern entrichtet und Recht gesprochen. Links neben dem Eingang zur unteren Rathaushalle findet sich eines der Wahrzeichen der Stadt, die Bremer Stadtmusikanten.
In den Kellergewölben des Rathauses residiert der Ratskeller, eine Wein-Gastronomie mit einer bis in das 15. Jahrhundert zurück reichenden Geschichte. Bis zu einer Dreiviertel Million Flaschen deutscher Wein lagern in Hochzeiten vor allem in der Schatzkammer, dem Weinkeller der Hauses. Der wahre Schatz lagert allerdings im Rosekeller. Er beherrbergt die ältesten deutschen Fassweine bis zurück in das 17. Jahrhundert. Damit steht der Ratskeller auch stellvertretend für die lange Tradition Bremens als Weinstadt.

Der Roland auf dem Marktplatz
Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus steht seit 1404 der Roland, Symbol der Freiheit Bremens in Sandstein, und eine der ältesten Rolandstatuen. „Freiheit verkündige ich Euch, die Karl und mancher andere Fürst fürwahr dieser Stadt gegeben hat“. Ob Karl der Große dies tatsächlich je getan hat, wie es so auf dem Schild des Riesen zu lesen steht, oder das ebenso falsch ist, wie die Dokumente, die zum Beweis dieser Freiheit und der kaiserlichen Privilegien damals vorgelegt wurden, bleibt dahin gestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass die Bremer ihr Ziel erreichten. Denn der Blick des Rolands ist nicht zufällig auf den St. Petri Dom gerichtet, in dem damals der kirchliche Machthaber in Person des Erzbischofs saß. Da sich der Rat der Stadt aber nur dem Kaiser verpflichtet fühlte und nicht der Kirche und seinen Vertretern, kam es wie es kommen musste. Bei dem Ringen um die Stadtfreiheit zog der Erzbischoff schließlich den Kürzeren.

Der Schütting gegenüber dem Rathaus
Am Rande des Marktplatzes erhebt sich der Schütting, das Haus der Kaufmannschaft. Der zwischen 1536 und 1538 von einem Antwerpener Baumeister errichtete Bau ist bereits der zweite Schütting an dieser Stelle. Bis heute fast gänzlich im Original erhalten geblieben ist nur der Ostgiebel.
Das elegante Erscheinungsbild des Neubaus mit seinem Zierrat übertraf den Glanz des zu jener Zeit noch gotischen Rathauses, was die Ratsherren ziemlich geärgert haben dürfte. Denn Kaufmannschaft und Stadtrat waren seit langem in Rivalitäten miteinander verstrickt. So hat der nicht zufällig gewählte Standplatz des Schütting, frontal zum Rathaus, etwas damit zu tun, dass die Kaufleute dem Rat der Stadt ganz offensichtlich die Stirn boten.
Oberhalb des Eingangsportals, das allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts angebaut wurde, steht der auf Bürgermeister Gildemeister zurückgehende, nahezu jedem Bremer bekannte Spruch: „Buten un Binnen, Wagen un Winnen“ (Draußen und drinnen, wagen und gewinnen). Ein Leitmotiv Bremischen Handel(n)s seit Jahrhunderten. Heute hat die Handelskammer ihren Sitz im Schütting, sowie unten im Hause der „Club zu Bremen“. Die kleine recht unscheinbare Gasse auf der linken Seite des Schütting führt übrigens zur Böttcherstraße , einer der sehenswertesten Straßen Bremens.

Kaufmannshäuser mit dem Roland
Vor der Kulisse der Kaufmannshäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert gegenüber der Bürgerschaft lässt sich bei einem erfrischenden Getränk an einem der Café-Tische auf dem Marktplatz gut ein Päuschen einlegen. Von hier hat man Rathaus, Roland, Schütting und Dom gut im Blick und man könnte sich fast in eine andere Zeit zurück versetzt fühlen, würde die 1966 errichtete Bürgerschaft nicht architektonisch etwas aus dem Rahmen fallen. Im Oktober findet auf dem Marktplatz parallel zum großen Freimarkt der kleine Freimarkt mit Buden und Karussels statt, zwei Monate später in der Vorweihnachtszeit wird hier der Weihnachtsmarkt veranstaltet und zu Sylvester ist der Platz voll von Menschen, die das neue Jahr begrüßen wollen.