Famagusta - Armenische Kirche

Famagusta, Armenische Kirche

Die Marienkirche der einst in Famagusta lebenden Armenier stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sie war die Kapelle des untergegangenen Klosters Surp Asdvadzadzin Ganchvor. Es werden armenische Flüchtlinge gewesen sein, die den Klosterkomplex errichten ließen. 1364 soll die Kirche geweiht worden sein. Wenn die unsicheren Nachrichten zutreffen, kamen viele Armenier um 1322 durch Vermittlung des Lusignankönigs Henri II. nach Zypern. In jenem Jahr hatten ägyptische Mamluken-Heere das armenische Kilikien („Klein-Armenien“) im südöstlichen Kleinasien angegriffen und mit Laiazzo (türk. Ayas, griech. Aigeai) den wichtigsten Hafen der Armenier eingenommen. Henri II. schickte Schiffe für die Rettung fluchtwilliger Armenier. 1.500 von ihnen sollen sich in Famagusta angesiedelt haben.

Fast zweihundert Jahre vor ihnen waren bereits armenische Flüchtlinge aus Kilikien in der Stadt an Zyperns Ostküste sesshaft geworden. Der byzantinische Kaiser Johannes II. Komnenos hatte ihnen 1137 die Flucht aus ihren an die türkischen Seldschuken verlorenen Gebieten ermöglicht.

Die zeitweise große armenische Gemeinde in Famagusta hatte ihren eigenen Bischof und soll nach alten Aufzeichnungen noch zwei weitere Kirchen, St. Sergis und St. Barbara, besessen haben. Wo diese lagen und welches Schicksal sie erlitten, ist unbekannt.

Die im typisch armenischen Stil erbaute Marienkirche ist recht klein, dabei ungewöhnlich hoch im Verhältnis zu ihrer Grundfläche. Auffallend: die kräftigen quadratischen Strebepfeiler an den Ecken, die dem Schub von Dach und Wänden Paroli bieten. Es ist ein eleganter Bau mit nur einem Schiff plus Apsis und einem Mauerwerk von hoher technischer Qualität. In den 1930er und 1940er Jahren nahm die armenische Community Renovierungen vor. Während der Unruhen 1963/65 wurde die Kirche von den Armeniern aufgegeben, zyperntürkische Flüchtlinge nutzten sie als Quartier. 1974, als die türkische Armee Famagusta einnahm, lebte eine arme Familie in der Kirche. Das Gelände ringsum war von nun an mililtärischer Sperrbezirk. Für die mittelalterlichen Bauten in diesem Stadtviertel eine Katastrophe. Fehlnutzung und Verfall setzten ihnen zu.

Nach Aufhebung der Sperre und quälend langen Übergangsfristen nahm sich das bikommunale Technical Committee on Cultural Heritage in Cyprus (TCCH) der Baudenkmäler dieses Quartiers an. Neben dem Einsatz von Bodenradar (2013/14), das die Grundmauern einstiger Klostergebäude nachweisen konnte, machte man sich an die Reinigung und Konservierung der Wandfresken und entdeckte im Verlauf der Arbeiten die Abbilder der heiligen Theodor, Helena, Paraskevi wieder sowie Fresken, die Johannes den Täufer darstellen und Mariae Entschlafung. Später wurde das Gebäude gründlich instand gesetzt. 2018 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Die Kirche ist täglich für Besucher von 9 bis 17 Uhr geöffnet.





Das könnte Sie auch interessieren

.