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Münster sakral

Dass Münster ein geistliches Zentrum war und ist, verraten die zahlreichen, dank ihrer Türme weithin sichtbaren Kirchen. Der Stadtflaneur ist nur wenige Schritte gegangen, so steht er erneut vor einem Gotteshaus. Dom und Liebfrauen-Überwasser-Kirche sind ebenso benachbart wie zum Beispiel Clemenskirche und St. Servatii.

Münster - Kirchturm von St. Lamberti
Noch hängen sie, die Käfige am Turm von St. Lamberti,
wo in Zeiten von Reformation und Gegenreformation die
Leichname von drei Wiedertäufern zur Schau gestellt wurden

Käfige für die Wiedertäufer

Die als Hallenkirche erbaute Lambertikirche mit ihrem in den Himmel ragenden, aus durchbrochenem Sandstein errichteten Turm ist, wie man an der im Mauerwerk angebrachten Jakobsmuschel erkennen kann, Station auf dem Weg nach Santiago de Compostela. An ihr führt der Westfälische Jakobsweg – er beginnt in Osnabrück und endet in Wuppertal – vorbei. Während einige andere Kirchen unter der Herrschaft der Wiedertäufer quasi um einen Kopf kürzer gemacht wurden – sie verloren ihre Turmhelme –, behielt St. Lamberti, eine typische Bürgerkirche Münsters, ihre „Kopfbedeckung“.

Münster - Prächtiger Bauzier an der Bürgerkirche von Münster
Prächtiger Bauzier an der Bürgerkirche von Münster

Die Kirche überragt den Prinzipalmarkt als Teil des so genannten Immunitätsbezirks außerhalb des Dombezirks. Kleinteilig parzelliert sind die Grundstücke mit ihren schmucken Kaufmannshäusern, mit Zinnen bewehrt sind die einen, mit einem Halsgiebel abgeschlossen andere. Was, so fragt sich der staunende Besucher, hat es bloß mit den drei leeren Käfigen am Turm von St. Lamberti auf sich? Im Zuge der Reformation hatten radikale Anhänger des Reformators Zwingli die Macht in der Stadt übernommen. Diese religiösen Eiferer lehnten die alleinige Kindstaufe ab und ließen sich als Erwachsene erneut taufen. In Münster wollten sie das „Neue Jerusalem“ schaffen, doch hatten sie nicht mit ihren Widersachern wie dem Bischof Franz von Waldeck und seinen Truppen gerechnet. Diese belagerten die Stadt erfolgreich und ließen nach ihrem Sieg die Wiedertäufer aus der Stadt vertreiben. Für drei ihrer prominenten Köpfe, darunter Jan van Leiden, kannten die Sieger keine Gnade. Sie wurden gefoltert und öffentlich hingerichtet. Ihre toten Leiber stellte man zur Abschreckung in den drei Käfigen am Turm von St. Lamberti zur Schau.

Münster - Die Jakobsmuschel an der Fassade von St. Lamberti stifteten Pilger, die auf dem westfälischen Jakobsweg unterwegs waren
Die Jakobsmuschel an der Fassade von St. Lamberti stifteten Pilger, die
auf dem westfälischen Jakobsweg unterwegs waren

Dass die Wiedertäufer nochmals für Aussehen sorgen sollten, konnte im 16. Jahrhundert niemand ahnen. Jürgen Kehrer jedoch nahm sich dieser Geschichte der Stadt in „Wilsberg und die Wiedertäufer“ an. Der immer abgebrannte, phlegmatisch wirkende Buchantiquar und Privatdetektiv Georg Wilsberg – in Fernsehverfilmungen von Leonard Lansink glänzend verkörpert – muss sich im Auftrag des Bischofs von Münster mit den ominösen Erpressungen eines Kommandos Jan van Leiden beschäftigen. Auch der schnell entfernte gelbe Anstrich der Käfige am Turm von St.Lamberti sorgt für Aufregungen bei den Herren in schwarzen Soutanen. Nachts scheint heute der Geist der Wiedertäufer wieder lebendig zu sein. Drei Irrlichter flirren in den Käfigen, eine Kunstintervention von Lothar Baumgarten für das Skulptur Projekt 1987.

Münster - Der Dom am Domplatz
Der Dom am Domplatz

Hier ruht der „Löwe von Münster“

Gewaltig wirkt der Dom am Domplatz, neben dem die überlebensgroße Plastik Clemens August von Galens, des „Löwen von Münster“, steht. Seine letzte Ruhe fand er in der Ludgeruskapelle, die zum Kapellenkranz des Chores gehört.

Die Gesamtlänge des im 13. Jahrhundert errichteten Doms beträgt mehr als 100 Meter. Wer dieses Gotteshaus, das dem heiligen Paulus geweiht ist, betritt, tut dies durch die Paradies genannte Vorhalle.

Münster - Daniel Buren 4 Tore, 1987 (teilrealisiert)
Ein Blick in das Paradies des Doms

Während man äußerlich nur wenig Bauzier findet, ist dies im Inneren gänzlich anders. Lebensgroß in Stein gehauen erwarten die Apostel, darunter auch Paulus, die Eintretenden. Neben Bischof Clemens III. – an der Mitra gut zu erkennen – steht der hl. Laurentius. Anziehungspunkt vieler Münsterbesucher ist die Astronomische Uhr am Eingang zum Chorumgang. Für viele Gläubige ist außerdem das Grab des „Löwen von Münster“ von Bedeutung. Betrachtet man die skulpturale Gestaltung des Sebastian-Altars der Maximus-Kapelle, so bleibt kein Zweifel an der hohen Schule der westfälischen Bildhauerkunst. Die modernen Buntglasfenster des Umgangs stammen von Georg Meistermann, der sich motivisch mit dem Buch des Propheten Daniel beschäftigte und daher auch „Daniel in der Löwengrube“ bildlich umsetzte.

Kirche ohne Haupt

Münster - Kein Turmhelm ziert den Turm der Kirche Liebfrauen-Überwasser
Kein Turmhelm ziert den Turm der
Kirche Liebfrauen-Überwasser

Nur wenige Schritte sind es vom Domplatz zu einem weiteren imposanten Gotteshaus an den Ufern der Aa: Unter dem Domhügel erhebt sich die Pfarrkirche Liebfrauen-Überwasser. Dass dem Turm des Gotteshauses der Turmhelm fehlt, ist den Wiedertäufern zu verdanken: Sie ließen die Turmspitze herunterstürzen, um auf der Plattform Geschütze gegen die anstürmenden Belagerer zu platzieren. Wertvolle Steinfiguren des Gotteshauses dienten den Wiedertäufern zur Verstärkung der Stadtmauern von Münster. Beim Betreten der Kirche richtet sich der Blick auf die drei Buntglasfenster hinter dem Altar. In Anlehnung an die mittelalterliche Gestaltung entwarf Peter Valentin Feuerstein die Chorfenster mit Themen wie „Deinen Tod, o Herr verkünden wir“.

Romanisch war sie, gotisch ist sie: St. Ludgeri

Münster - St. Ludgeri
Eine Landmarke: der Turmstumpf der St. Ludgeri-Kirche

Wie der Kirche Liebfrauen-Überwasser fehlt der Kirche St. Ludgeri ein Turmhelm. Der ursprünglich aus Bruchstein errichtete Sakralbau ist bis heute in seiner Dreischiffigkeit erhalten geblieben, wenn auch der Lauf der Geschichte über das Gotteshaus hinweggefegt ist. Geweiht ist die Kirche dem heiligen Ludgerus, der in Stein gehauen im Bogenfeld des Westportals zu sehen ist. Wie jede bedeutende Kirche aus der Zeit des Mittelalters besitzt St. Ludgeri eine wertvolle Reliquie, auch wenn das wundertätige Kreuz mit Reliquien des heiligen Ludgerus nicht mehr vorhanden ist. Allerdings sind im Altar in der Vierung weitere Reliquien des frommen Kirchenpatrons eingelassen, den Kaiser Karl der Große mit der Missionierung der Sachsen beauftragt hatte.

Barocke Universitätskirche

Münster - Außen barock, innen Gotik: die evangelische Universitätskirche
Außen barock, innen Gotik:
die evangelische Universitätskirche

Zu Füßen des Domhügels erhebt sich die ehemalige Klosterkirche der Franziskanerobservanten, die heute als evangelische Universitätskirche genutzt wird. Dieser barocke Kirchenbau wurde aus Backsteinen und Sandstein nach Plänen eines Ordensbruders im 17. Jahrhundert errichtet. Wenn auch die Fassade mit ihren Rundbogenfenstern barock ist, so ist das Innere noch von der Gotik geprägt, betrachtet man zum Beispiel die spitzbogigen Gewölbe.

Münster - Der Buddeturm erinnert an die einstige Stadtbefestigung
Der Buddeturm erinnert an die einstige Stadtbefestigung

Unweit der mittelalterlichen Stadtmauer

Nahe dem Buddeturm, einstmals als Wehrturm genutzt, stößt der Besucher Münsters auf die Johanniskapelle (Bergstr. 36-38), die zur Kommende des Johanniterordens gehörte und als einzige Kapelle in der Altstadt die Wirren der Geschichte überdauerte. Die Kommende allerdings wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Seit Jahrzehnten finden in diesem beschaulichen Gotteshaus evangelische Gottesdienste statt.

Münster - An der Bergstraße: die einstige Kapelle des Johanniterordens
An der Bergstraße: die einstige
Kapelle des Johanniterordens

Ein barockes Meisterwerk und eine schlichte Pfarrkirche:
Clemenskirche und St. Servatii

Münster - Barocke Innenausmalung der Clemenskirche
Barocke Innenausmalung der Clemenskirche

Ein Barockbaumeister, der weit über das Münsterland hinaus bekannt ist, ist Johann Conrad Schlaun. Ihm ist der prächtig ausgestattete Rundbau der Clemenskirche zu verdanken, eine Stiftung des Kurfürsten Clemens August. Wie auch die übrige Stadt nahm diese prächtige Barockkirche im Zweiten Weltkrieg schweren Schaden und musste mitsamt der Ausstattung in jahrzehntelanger Restaurierung wieder hergestellt werden. Säulen und auch die Kanzel sind mit einer dünnen Schicht von Lapislazuli überzogen. Die Kuppel und die Laterne sind mit üppigen Fresken ausgeschmückt, denn am Anfang stand nicht das Wort, sondern das Bild, das zu dem gemeinen, des Lesens nicht mächtigen Kirchenvolk sprach.

Münster - Mit Lapislazuli belegt: die Kanzel der Clemenskirche
Mit Lapislazuli belegt: die Kanzel der Clemenskirche

Auf dem kleinen Platz zwischen Clemenskirche und St. Servatii steht die von Otto Freundlich geschaffene Plastik „Aufstieg“. Erst lange nach der Ermordung Freundlichs im KZ Maidanek wurde die Bronze aufgrund eines aufgefundenen Gipsmodells gegossen. Aus einzelnen Körpern, die sich nach oben zu einem Knäuel verbinden, ist diese aufgebrochene, bewegt erscheinende Plastik aufgebaut. Die einen sehen in ihr einen tatsächlichen Aufstieg, andere mögen eine geballte Faust ausmachen. Doch wem droht sie?

Münster - Ein sehr schlichtes Kirchlein: St. Servatii
Ein sehr schlichtes Kirchlein: St. Servatii

Verglichen mit der opulenten Ausschmückung der Clemenskirche ist die im 13. Jahrhundert erbaute Kirche St. Servatii in ihrer Baugestaltung und Ausstattung sehr bescheiden. Nur Kenner entdecken den romanisch geprägten Grundriss für ein frühgotisches Gotteshaus mit seiner in der Höhe gestuften Halle. Säulen und Pfeiler wechseln sich als tragende Elemente der Hallenkirche ab, die damit eine Sonderform dieses Bautyps darstellt. 

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