Buchtipps zu Münster
S.Hänsel/S.Rethfeld: Architekturführer Münster, Reimer Verlag Berlin 2008, 480 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos sowie 223 Pläne und Aufrisse sowie Fotos von 40 Skulpturen, ISBN 978-3-496-01276-4, Preis 24,90 Euro
Gewiss für ein Paperback hat die vorliegende Veröffentlichung einen stolzen Preis. Doch der Inhalt rechtfertigt diesen Preis allemal. Hier werden nicht ausgetretene Pfade beschritten, sondern Münsters Architektur auch jenseits von Barock präsentiert. Dankenswerterweise haben die beiden Autoren auch das Mega-Kunst-Ereignis am Aasee miteinbezogen, die seit 1977 alle zehn Jahre organisierten Skulptur-Projekte. Dass für den vorliegenden Band in der Vergangenheit andere Autoren wesentliche Vorarbeiten geleistet haben, wird im Vorwort besonders hervorgehoben. Dabei ist Max Geisberg besonders zu erwähnen, dem ein sechsbändiges Werk zu den Bau- und Kulturdenkmälern der Stadt zu verdanken, ist. Architektenbüros, die am Wiederaufbau der Stadt nach 1945 beteiligt waren, haben mit ihrem Wissen gleichfalls zu der aktuellen Veröffentlichung beigetragen. Der Abhandlung einzelner, nach Stadtteilen geordneter Baudenkmäler sind Abhandlungen zu dem Event Skulptur-Projekte und zur Stadt- und Baugeschichte vorangestellt. Dabei wird der Zeit der Wiedertäufer und der Aufklärung unter Franz von Fürstenberg ebenso Raum eingeräumt wie dem Stadtumbau seit 1990. Ausgangspunkt der architektonischen Spurensuche ist der Domplatz mit dem Dom und der Dompropstei sowie dem Bankhaus Lampe, einem Entwurf aus den frühen 1960er Jahren. Der Rosenhof, dessen Grundriss an eine Ahornnase erinnert, befindet sich bereits im Überwasserviertel. Hier steht auch das Wohnhaus Wiedemann (1931/32), das ganz im Geist von Bruno Taut gestaltet wurde. Stets wird in der Vorstellung der Architektur auch auf die vorhandenen Skulptur-Projekte eingegangen, unter anderem auf die von Per Kirkeby gestaltete Bushaltestelle am Hindenburgplatz. Das Universitätsviertel mit St. Petri sowie dem Universitätsbau (1892/93) lädt genauso zu einem Architekturspaziergang ein wie das Ludgeriviertel mit St. Ludgeri, den Münster-Arkaden (2002-2006) und dem Geschäftshaus Jansen (1928/30). Für diesen Bau stand wohl die Architektur von Erich Mendelsohn Pate, wie die Autoren bemerken. Das repräsentative Schaufenster der Stadt, der Prinzipalmarkt, wird in seiner bewegten Baugeschichte ausführlich beschrieben. Dabei verweisen die Autoren darauf, dass das Brinkmann-Haus eines derjenigen Bauwerke ist, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden haben. Ein Hingucker ist die in zwei Bauteile gesplittete Stadtbücherei, die 1987 bis 1993 entstand. „Neues Bauen“findet man gleichfalls im Lambertiviertel: der Kiffe-Pavillon von Walter Rüschenschmidt. Ein Leuchtturm der Barockarchitektur ist St. Clemens im Servatiiviertel, wo man außerdem auf den Twickelschen Hof und die zweijochige Kirche St. Servatii (13. Jh.) trifft. Wie dem Prinzipalmarkt so wird auch der Promenade ein etwas ausführlicherer Text gewidmet. Dabei wird das Neutor ebenso vorgestellt wie der Zwinger und der Buddenturm. Nahezu eine Seite umfasst der Beitrag zum Schlossgarten, womit wir im Bereich Schloss und Umgebung angelangt sind. Immer wieder stößt man, im Kreuzviertel oder anderswo, auf architektonische Juwelen der 1950er und 1960er Jahre, die anderenorts längst der Spitzhacke zum Opfer gefallen sind. Zu erwähnen ist u. a. das Schlosstheater sowie die Versöhnungskirche (Uppenberg) und die Autogarage in der Karlstraße, ein Entwurf von Werner Mach. Neben Büro- und öffentlichen Bauten werden von den Autoren außerdem Einzelhäuser herausgestellt, so das Wohn- und Atelierhaus Bröker (Kreuzviertel). Der Hafen, das Ostviertel, der Aasee sowie die eingemeindeten Orte Roxel, Kinderhaus und Hiltrup werden mit ihren Architekturhighlights zum Abschluss der Publikation beschrieben. Im Anhang finden sich – und das ist besonders lobend hervorzuheben – Architektenbiografien ebenso wie ein Glossar. Denn nicht jeder Leser weiß etwas mit Fischblase und Gadem anzufangen. Objekt-, Architekten-, Straßen- und Historisches Register runden den überaus umfänglichen Band ab. Fazit: Für Architekturliebhaber ist der vorliegende Architekturführer ein unbedingtes Muss für den nächsten Besuch von Münster. © fdp
Dorothea Puschmann: Zwickmühle – ein Münsterland-Krimi, Gmeiner-Verlag GmbH Meßkirch 2009, ISBN 978-3-89977-811-3, Preis 9,90 Euro
Während andere Krimiautoren zum übermäßigen Alkoholkonsum
und zur Verschrobenheit neigende Kriminalkommissare in den
Mittelpunkt ihrer Geschichte rücken, ist dies bei Dorothea
Puschmann zum Glück nicht der Fall. Auch ein Ex-Rechtsanwalt
und Buchantiquar aus Münster, der eigentlich lieber in Mordfällen
ermittelt, ist nicht die Sache der Autorin, die mit „Zwickmühle“
ihr Debüt gibt. Katharina Fröhlich und Julian Frey heißen
Puschmanns Ermittler, die eine eigene Detektei führen,
seit sie den Dienst als Polizeibeamte quittierten. Der Prolog
des Romans ist voller Dramatik, die sich erst im Laufe der Handlung entschlüsseln lässt. Dann erfährt der Leser auch, wer die junge Frau war, die sich einer Abtreibung hat unterziehen müssen, nicht aus freien Stücken, sondern von ihrem Liebhaber dazu gedrängt.
Etwas unvermittelt springt die Autorin nach dem Vorspann in die eigentliche Geschichte, die sich um das erfolgreiche Detektivgespann Frey/Fröhlich rankt. Nach der Verhinderung eines Diamantenraubs im IC Hamburg-München – warum eigentlich nicht im ICE? - verbringt das Paar gemeinsame Ferien am Ammersee. Doch dieser Urlaub ist bald zu Ende, da eine gute Freundin, von Beruf Kinderärztin und mit schauspielerischen Talenten gesegnet, die Hilfe der beiden anfordert. Claudia, so heißt die Freundin, bangt um ihren entführten Mann. Die Entführer scheinen zum Äußersten bereit. Ein abgeschnittenes Fingerglied ist die erste Warnung, keine Polizei einzuschalten und das stattliche Lösegeld zu besorgen. Merkwürdig ist nur, dass fast zeitgleich auch der Bauamtsleiter von Münster laut einer Zeitungsnachricht verschwunden ist. Gibt es vielleicht Zusammenhänge zwischen den beiden Vorfällen? Dass die gute Freundin Dreck am Stecken hat und deren Ehemann, ein Jurist, in mehr als nur in dubiose Geschäfte verwickelt ist, wird den Ermittlern während ihres Freundschaftsdienstes erst nach und nach deutlich. Der Roman ist hier und da nicht ohne Länge. Dezent, und das ist wirklich angenehm, wird das münsterländische Lokalkolorit eingesetzt. Dass die Verfolgungsjagd des Entführers, der mit einem schweren Motorrad beinahe entkommt, mit dem IC Münster-Bremerhaven erfolgt, entspringt der reinen Fantasie der Autorin, da Bremerhaven schon lange von einer direkten IC-Verbindung abgekoppelt ist. Auf das leibliche Wohl muss der Leser von „Zwickmühle“ nicht verzichten, denn das Ermittlerpaar und dessen Freunde kochen und backen leidenschaftlich gerne, ähnlich wie Manuel Vázquez Montalbáns Pepe Carvalho. Salat Julian, umgedrehte Apfeltorte und Gratin Dauphinois mit Mangoldgemüse stehen zur Auswahl – und zum Nachkochen. © fdp
bikeline: Ems-Radweg: Von der Quelle zur Mündung mit Dortmund-Ems-Kanal, Radtourenbuch und Karte 1:75 000, Verlag Esterbauer Rodingersdorf 2007, ISBN 978-3-85000-041-3, Preis 11,90 Euro
Am Fuß des Teutoburger Waldes entspringt die Ems, die nach 371 Kilometern bei Emden in die Nordsee mündet. Die vorliegende Veröffentlichung begleitet den Radwanderer von der Emsquelle bei Paderborn durch die münsterländische Parklandschaft ins Emsland und nach Emden. Den einzelnen Abschnitten des Radweges, der mit zwei welligen E und einem blauen Linienband gekennzeichnet ist, sind hilfreiche Angaben zur An- und Abreise, zu den zentralen Infostellen und zum Radtransport und -versand vorangestellt worden. Kurz und knapp gehalten sind die Angaben zu den Sehenswürdigkeiten wichtiger Etappenorte wie Paderborn. Was allerdings fehlt, sind entsprechende Hinweise auf verfügbare Infos im Netz, sei es zum Museum für Stadtgeschichte in Paderborn oder zur Kunsthalle in Emden. Die angegebenen Telefonnummern und Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten sind hilfreich, allerdings nur dann, wenn sie noch aktuell sind. Das setzt allerdings eine häufigere Neuerscheinung voraus.
Neben Kurzangaben zu den Highlights in den einzelnen Orten entlang der Strecke findet der Nutzer eine Streckenbeschreibung aus sehr übersichtlichen Kartenausschnitten. Da ein Radler unterwegs auch mal eine Panne erleiden kann, sind Angaben zu Zweiradwerkstätten in die „Facts und Figures“ der einzelnen Orte aufgenommen worden. Ausreichend für die Erstinformation sind die knappen Ausführungen zu Naturschutzgebieten wie das Steinhorster Becken, das auf der Tour gen Emden umrundet wird.
Dem sogenannten Bibeldorf Rietberg und Rheda-Wiedenbrück stattet der Radwanderer ebenso einen Besuch ab wie der Reiterstadt Warendorf. Dass man bei seiner Tour immer direkt am Emsufer entlang radelt, wird wohl keiner erwarten, insbesondere dort nicht, wo die Ems sich als Wiesenfluss durch die Landschaft schlängelt. Die einzelnen Etappen sind für jeden zu bewältigen, ob man nun nur 20 Kilometer oder noch weniger zurücklegen möchte, weil man Zeit für das Sightseeing haben möchte. Jeder Nutzer ist gewiss so mündig, dass er sich aus den angebotenen Etappen die eigene Tour zusammenstellen kann. Wer also 80 Kilometer und mehr am ersten Tag radeln will, der steigt in Hövelhof in den Sattel und radelt gleich bis Warendorf, alle anderen machen halt Zwischenstopps, ob in Rheda-Wiedenbrück oder Marienfeld. Über Münster findet der Nutzer ein sehr ausführliches Textkapitel mit Angaben zu den zahlreichen Museen und Kirchen der Stadt. Wollte man diese alle besuchen, bräuchte man mehr als nur einen Tag. Warum auch nicht, kann man doch in Münster gut und gerne einen Ruhetag einlegen, ehe es weitergeht. Wer ein Bett für die Nacht sucht, der schaut in den Anhang des bikeline-Radbuches, um sein Nachtquartier festzumachen. Die Aufnahme von Werbung in die Publikation mit handlicher Spiralbindung ist aus Sicht des Verlags zur Senkung der eigenen Kosten nachvollziehbar, doch vielleicht nicht jeder Nutzer mag ein solches Konzept. © fdp
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Jakobswege – Wege der Jakobspilger in Westfalen, Band 6, 240 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, J.P. Bachem-Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-7616-2210-0, Preis 12,95 Euro
Es scheint, als gäbe es mehr und mehr einen Boom in Sachen Jakobsweg. Es existiert heute kaum eine Region, die keinen Jakobsweg hat, ob Gegenbach in Baden-Württemberg oder Ochsenhausen und Nürnberg in Bayern. Nun ist auch der westfälische Jakobsweg von Osnabrück nach Wuppertal ausgeschildert worden. Zugleich mit der durchgehenden Markierung mit der klassischen gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund ist die vorliegende Publikation erschienen. Autoren sind neben Ulrike Spichal und Horst Gerbaulet Volker Honemann und Cornelia Kneppe. Deren Intention war es nicht allein die Denkmäler entlang eines historischen Pilgerweges zu beschreiben, sondern sich auch mit den historischen Wegespuren zu befassen, zumal der nunmehr ausgewiesene Jakobsweg in einigen Streckenabschnitten von der historischen Route abweicht. Landes- und Bundesstraße, die die alten Handelswege – auf ihnen waren die Pilger unterwegs – ersetzt haben, können von heutigen Pilgern nicht mehr genutzt werden. Asphalt unter den Fußsohlen zu haben, ist allerdings nicht die Ausnahme, sondern die Regel, begibt man sich auf eine Pilgertour. Dabei haben die Autoren es versäumt, auf die Alternative ÖPNV zu verweisen, um lange asphaltierte Wegstrecken, insbesondere in Osnabrück und Münster, umgehen zu können.
Historisches Quellenstudium stand am Beginn der Revitalisierung des westfälischen Jakobswegs. Die Autoren erörtern im vorliegenden Buch unter anderem die verschiedenen, von den Pilgern genutzten Pässe durch den Teutoburger Wald und leiten daraus die entsprechende aktuelle Trassierung über Lengerich und Ladebergen nach Münster ab. Auf eine archäologische Begleitung des Weges wird nicht verzichtet, so dass zum Beispiel auch auf das Großsteingrab von Lengerich-Wachte hingewiesen wird. Behandelt werden außerdem, die typischen Landschaftsformen zwischen Osnabrück und Wuppertal, so die Sandsteinbrüche im Verlauf des Teutoburger Waldes und die münsterländische Parklandschaft. Dass die Gräftenhöfe typisch für das Kernmünsterland sind, wird gleichfalls erwähnt.
Insgesamt zwölf Etappen stellen die sehr sachkundigen Autoren vor. Diese Etappen variieren stark in der Länge. So muss der Wanderer, der von Osnabrück aufbricht, gleich mehr als 25 Kilometer bewältigen, will er nach Lengerich. Bei einem solchen Wanderpensum schlagen die Autoren entsprechende Teilstücke des Jakobswegs als Alternative vor. Kurz und knapp wird jede Etappe mit der Wegbeschreibung und Hinweisen eingeleitet. Dabei werden Radler ebenso berücksichtigt wie Wanderer, da der westfälische Jakobsweg für Radfahrer und Wanderer – teilweise auf unterschiedlichen Trassen – angeboten wird. Die Sehenswürdigkeiten werden in der Wegbeschreibung kurz genannt, um dann im Anschluss ausführlich behandelt zu werden, ob nun der Dom in Osnabrück oder das Brunnenhaus in Gevelsberg oder das Haus Martfeld in Schwelm. „Sehenswertes entlang der Strecke“ lautet die entsprechende Kapitelüberschrift. Das vorhandene Kartenmaterial und Innenstadtplanausschnitte – so für Osnabrück und Münster – sind aufgrund ihrer Qualität ausreichend, um den Jakobsweg in Angriff zu nehmen.
Im Anhang finden sich nicht nur Adressen wie die der Jakobusgesellschaften, sondern auch Tipps zu Unterkünften – ob Jugendgästehaus Osnabrück oder Arnsteiner Patres in Münster und Hohensyburger Camping (Dortmund). Diese Unterkunftsangaben richten sich ausnahmslos an Pilger und weniger an Wanderer, die den Jakobsweg begehen, wie sie auch den Westerwaldsteig begehen. Zugleich werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit Telefonnummer und Öffnungszeiten vorgestellt. Ergänzend finden sich Netzadressen von Fremdenverkehrsämtern. © fdp
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Münster-Krimis
Jürgen Kehrer: Wilsberg und die Wiedertäufer, Kriminalroman, grafit, Dortmund 1994, 8. Auflage 2005, 179 Seiten, ISBN 3-89425-047-X, Preis Euro 7,90
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Ursula Meyer: Endstation Aasee, Waxmann-Verlag, Münster 1998, 4. Auflage 2008, ISBN 978-3-89325-650-1, Preis Euro 12,70
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