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Buchtipps zu Münster

Klaus Uhlenbrock: Nur ein Spiel Ein Münsterland-Krimi, 223 Seiten, Maße: 12,7 x 19,2 cm, Kartoniert (TB), Deutsch, Tecklenborg 2009, ISBN-10: 3939172642, ISBN-13: 9783939172642, Preis 9,90 Euro

Ein achtlos im Wald geparkter Umzugslaster im Süden Schwedens gibt zunächst Rätsel auf, ein Rätsel, dessen Lösung im Münsterland zu suchen ist und auch mit dem Unfalltod des Journalisten David Leander und der in einem Heim für Demenzkranke untergebrachten ehemaligen Kinderheimleitern Jelena Modritz zu tun hat. Paula, die Witwe des Unfallopfers und selbst Journalistin, ist ganz wesentlich daran beteiligt herauszufinden, ob David Leander wirklich Opfer eines Wildunfalls geworden ist – darauf weisen Rehhaare an der Stoßstange des Unfallfahrzeugs - oder nicht. Doch dass Paulas Neugier an dem „Fall David Leander“ überhaupt geweckt wurde und sie damit dem Tal der Depressionen und Trauer entkam, hängt mit einem Anruf von Walter Behrendt, dem Leiter eines Seniorenheims in der Nähe von Nottuln, zusammen. spielEr bittet Paula um einen Besuch bei Jelena Modritz. Dass die Begegnung mit der alten Dame und eine Reise nach Südschweden ans Tageslicht bringt, dass David Leander nicht David Leander ist und welche Gräuel Heimkinder in den 1950er und 1960er Jahren erleben mussten, gehört zur Dramaturgie dieses höchst spannenden mit ein wenig Sozialkritik gewürzten Münsterland-Krimis. Zur Dramaturgie gehört auch, dass das Verschweigen der Vergangenheit sich in der Gegenwart einen Weg bahnt, der nicht beherrschbar wird. Durch Paulas Recherche kommt ans Tageslicht, welche Beziehungen zwischen den handelnden Personen und dem toten David bestehen. Alles nahm, so stellt sich im Verlauf der Handlung heraus, in der Zeit seinen Anfang, als Jelena Modritz noch Kinderheimleiterin war – gestreng, unbarmherzig und kalt, auch gegenüber dem eigenen Sohn, ganz zu schweigen von all den anderen Zöglingen, die ihre psychischen Deformationen auch im Erwachsenenalter mit sich herumtragen. Einer, ja einer, ist gar am Tod von David Leander beteiligt und versucht auch die Stiefschwester aus dem Weg zu räumen. Doch wer? Das wird hier nicht verraten, sonst ginge beim Lesen des vorliegenden Münsterland-Krimis ja die gesamte Spannung verloren. © fdp


Ketteler, Caroline von / Ketteler, Philipp von: Münster – Stadtgeschichte/n für Kinder, 96 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Klappenbroschur, 24 x 17 cm Querformat, Münster 2010, ISBN 978-3-402-12864-0, Preis 12,80 EUR

Für unterwegs ist die Veröffentlichung eher unhandlich, ist das Format doch denen von Bilderbüchern muensterkidsim Querformat ähnlich. So fragt man sich denn auch, wie ernsthaft die Stempelstellen in der Stadt gemeint sind und welche Funktion sie eigentlich haben. Zur Vorbereitung eines Münsterbesuchs mit Kindern ist der Band, der durchweg mit gezeichneten Illustrationen und nicht mit Fotos versehen ist, auf jeden Fall bestens geeignet. Interessant sind die ausgewählten Themen wie der Besuch der astronomischen Uhr im Dom unter dem Stichwort „Ich schaue mal eben schnell, wie spät es ist ...!“. Zu erfahren ist unter anderem, dass zu jeder viertel Stunde der Tod schlägt und dass um 12 Uhr mittags die Heiligen drei Könige aus der Uhr „heraustreten“. Sonn- und feiertags „verspäten“ sich die Monarchen allerdings um eine halbe Stunde. Beim Besuch des Domplatzes mit dem Dom – und das ist der Start der Stadterkundung, die sich die beiden Autoren ausgedacht haben – steht aber nicht nur die astronomische Uhr auf dem Programm, sondern auch das Denkmal des Kardinals Clemens August von Galen – in einem farbigen Kasten vorgestellt – und das Kreuzigungsmonument am Horsteberg. Dass auf dem Domplatz auch ein Markt abgehalten wird, erfährt der Leser so nebenbei. Nach dem Domplatz wenden sich die Autoren der „guten Stube“ Münsters, dem Prinzipalmarkt, zu. Dabei verweisen sie auf die 48 Häuser mit den 48 unterschiedlichen Giebeln, die keinerlei Werbeinschriften tragen dürfen, außer in Goldlettern den Namen des Geschäftsinhabers. Das Rathaus mit seinem Schaugiebel – zu sehen sind Karl der Große wie auch das Stadtwappen und die Segnung Mariens – besucht der „junge Münsteraner Stadtpfadfinder“ schon allein, um mehr über den Westfälischen Frieden zu erfahren, dem sich die Autoren recht ausführlich widmen. Wer die Wiedertäufer waren und was das mit St. Lamberti zu tun hat, bleibt den jungen Stadtbesuchern nicht verborgen. In einem bunten Bilderbogen wird auf die Schreckensherrschaft der Wiedertäufer auch visuell eingegangen. Schon mal davon gehört, was ein Türmer ist? Auch das bleibt kein Geheimnis, wenn St. Lamberti, die Stadt- und Marktkirche Münsters, aufgesucht wird. Besucher von heute wissen wohl kaum, dass der Dichterfürst Goethe 1792 in der Stadt weilte und als steinerner Evangelist Lukas an der Lamberti-Kirche verewigt wurde. Auf den Spuren des bedeutenden Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun – dessen Biografie ist in einem farbig unterlegten Kasten nachzulesen – begeben wir uns, wenn wir von der Salzstraße zum Erbdrostenhof, zur Clemenskirche und zum Stadtmuseum sowie zur Stadtbücherei schlendern – so der Vorschlag der Autoren. Zur Geschichte Münsters gehört auch die der „Heulenden Kurve“, einer Straßenbahn, die ursprünglich in Münster verkehrte. Will man wissen, was ein Erbdroste ist, blättert man zum entsprechenden Kapitel. Hinter dem avantgardistischen Neubau der Stadtbücherei tummeln sich im Übrigen 50 kleine Gestalten – dank sei Tom Otterness aus New York. Unter den insgesamt neun Tourvorschlägen ist auch eine Tour zwischen Roggenmarkt und Schonhaus, wobei auch der Zwinger unterwegs aufgesucht wird. Zwischen Neubrücken- und Kreuztor hingegen stoßen Unternehmungslustige auf die Apostelkirche, bei deren Anblick man sich schon fragen muss, ob Kirchen einen Turm brauchen. In die Zeit vor dem Supermarkt entführt uns das Standbild des Kiepenkerls, der in der Kiepe seinen Kunden bestellte landwirtschaftliche Produkte lieferte. 25 Kilometer pro Tag, so ist im vorliegenden Stadtführer nachzulesen, legten die Kiepenkerle zurück. Verkaufswagen, die über Land fahren, gab es halt auch noch nicht. Dass sich die Autoren mit der Bierkultur in Münster befassen, ist eher nichts für junge Münsterbesucher, aber dafür umso mehr für deren Eltern, die bei Pinkus Müller einkehren. Durchs bunte Kuhviertel führt der Weg ebenso wie zu den Kultfiguren aus dem Münster-Krimi „Wilsberg“. Neugierig geworden? Na dann schnell den vorliegenden Stadtgeschichtenführer bestellen und einen Münsterbesuch organisieren! © fdp


Klaus Kösters (Hg.): Anpassung | Überleben | Widerstand - Künstler im Nationalsozialismus, 272 Seiten, mit Abbildungen, Klappenbroschur, 21 x 25 cm, Münster 2012, ISBN 978-3-402-12924-1, Preis 19,80 EUR

anpassungDer Herausgeber dieser Veröffentlichung zu einer nahezu vergessenen Generation westfälischer Maler stellt uns in seinem einleitenden Beitrag die einzelnen Künstler und ihre Lebenswege vor. Dabei setzt er sich auch mit der Vorstellung auseinander, dass der Expressionismus ein Aufbruch in der Krise und ein Aufbruch aus der Mitte des konservativen, wilhelmischen Deutschlands war und welchen Einfluss der Expressionismus auf die Künstler Westfalens hatte. Dass mancher dieser Künstler wie der Grafiker Walter Steinecke den Schritt aus der „Kriegsgemeinschaft“ zur nationalsozialistischen Karriere vollzog, verdeutlicht Kösters in seinen Ausführungen ebenso wie die Tatsache, dass die in Farbexplosionen versinkende Moderne die Kunst einer Minderheit war, während sich die Mehrheit der bildenden Künstler in Besinnung auf den Begriff der Heimat in nostalgischer Verherrlichung von Romanik und Gotik gefiel. Ja, es gab in Westfalen auch fortschrittliche Künstler, die sich in Arbeiter- und Soldatenräten engagierten, so Magnus Zeller, oder aber wie Aloys Röhr und Eberhard Viegener ein Bekenntnis zum Expressionismus abgaben. Daneben existierte eine völkisch orientierte Heimatschutzbewegung, Boten eines Trends, der in der Kampagne der Nazis gegen sogenannte entartete Kunst endete. Zur entarteten Kunst – und darauf weist Kösters hin – zählten zum Beispiel Werke des Hagener Bildhauers Karel Niestrath. Dass es unter westfälischen Künstlern stramme Parteianhänger der NSDAP gab, „enthüllt“ Kösters in dem einleitenden Katalogbeitrag gleichfalls. Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang Carl Busch. Es gab zudem „Maler in Uniform“ wie Wilhelm Renfordt. Das genaue Gegenteil stellte Karl Schwesig dar, der trotz Folter und Lagerhaft stets seiner „linken“ Überzeugung treu blieb, auch in seinem künstlerischen Schaffen. Den überwiegenden Teil des Katalogs nehmen Monografiebeiträge zum Schaffen westfälischer Künstler ein, angefangen bei Ernst Bahn bis zu Magnus Zeller. Dabei schauen die Autoren der Abhandlungen genau auf die wechselvolle Biografie einiger und beleuchten auch das Nachkriegsschaffen der jeweiligen Künstler. Carl Baumann, ein Künstler mit Kontakten zur Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ wird ebenso vorgestellt wie der Bauhausschüler Fritz Levedag. Geschildert wird der Gesinnungswandel des ertaubten Malers Reinhard Alexander Hilker, der sich zu einem „Kämpfer für Adolf Hitler“ entwickelte, getreu der Devise des Reichsbundes der Gehörlosen Deutschland. Der Leser erfährt außerdem von einem der besten Industriemaler des Ruhrgebiets, Friedrich F. Einhoff, und dessen Lebensweg als beamteter Lehrer, der selbstverständlich im Nationalsozialistischen Lehrerbund und in der NSDAP Mitglied war. Erstaunlich ist das Frühwerk des Künstlers, zu dem Frankfurter Stadtansichten und Industrielandschaften rund um die Zeche Auguste Victoria zählen. Wie gespalten das Leben im NS-Staat war, unterstreicht die Tatsache, dass Einhoff seine expressionistischen und sozialrealistischen Arbeiten hinter der Abtrennung im Schlafzimmer versteckte, wie Klaus Kösters in seinem Beitrag darlegt. Unabhängig von den jeweiligen Ausstellungen unter dem Titel „Anpassung, Überleben, Widerstand“ besticht die Publikation durch die ungeschminkten „Enthüllungen“ der Biografie und durch die zumeist farbigen Abbildungen der Arbeiten, die so ganz und gar nicht an Künstler im zweiten Glied denken lassen. © fdp


Christian Steinhagen: Münster: Die großen Kriminalfälle, 2. Auflage / 216 Seiten, mit Fotos, kart., 14 x 22 cm, Münster 2012, ISBN 978-3-402-12753-7, Preis 16,80 EUR

Was sich hinter den Kriminalfällen unter Überschriften wie "Feuer, Galgen, Schwert", "Falscher Hase im Landesmuseum" oder "Der Griff in den Domschatz" verbirgt, erfährt der Leser, wenn er im vorliegenden Buch blättert. krimiDabei muss man nicht unbedingt jeden Fall lesen, sondern kann sich jeweils diejenigen Geschichten zum Verbrechen in Münster aussuchen, die bereits wegen ihrer Überschrift neugierig machen. Nicht jeder Fall ist so spektakulär wie die Entführung des Olympiareiters Hendrik Snoek, spannend sind die aufgeführten Fälle mit ihren jeweils eigenen Tätercharakteristiken ohne Zweifel. Das gilt für den Anschlag einer gewissen Zebedea Spitzbart auf ihre Nachbarin im Jahr 1586 genauso wie für den Mord, der eine rauschende Ballnacht zu einer Tragödie werden ließ. Beteiligt waren an der fatal endenden Ballnacht zwei Domherren, die dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatten. Dass ein Muttersöhnchen aus Hildesheim während seiner Zeit in Münster den Verlockungen des Silbers nicht widerstehen konnte, führte nicht nur dazu, ein Verbrechen aufklären zu müssen, sondern auch dazu, dass es zwischen Münster und Hildesheim beinahe zu unschönen diplomatischen Verwicklungen gekommen wäre. Warum? Weil der Silberdieb, schon in seiner Heimatstadt kein unbescholtener Bürger, der Sohn eines angesehenen Ratsherren aus Hildesheim war. So beließ man es dabei, den Übeltäter an den Pranger zu stellen und ihn mit Prügel zu strafen. Auf eine Zwangstätowierung als Zeichen der Ausweisung verzichtete man aus Rücksicht auf die "feine Herkunft" des Delinquenten. Dass zwei Männer aus dem sogenannten Zwölfmännerhaus in ein Verbrechen verstrickt waren, erzählt uns der Autor ebenso wie die Geschichte des wegen Hochverrats verfolgten Juristen und Politikers Jodokus Temme, der am Oberlandesgericht Münster als Vizepräsident tätig war. Nur wenige Leser dürften wissen, dass Hermann Löns, der "Dichter der Lüneburger Heide", während seiner Studentenzeit in Münster mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Christian Steinhagen rollt den Fall des "Sohns des Pauliners" – Löns Vater war Lehrer am angesehenen Paulinum – für uns minutiös auf. Wir erfahren dank Steinhagen außerdem, dass ein Feuerteufel aus Gera in Münster sein Unwesen trieb und im Januar 1911 ein aufsehenerregender Prozess gegen eine Gruppe Fälscher stattfand. Dass die Sonnenmonstranz aus dem Domschatz einst im Mittelpunkt eines Kriminalfalles stand, gehört ebenso zur Stadtgeschichte Münsters wie der Fall eines 19-jährigen Balkonmonsters, der 1989 als Serienvergewaltiger in Münster unterwegs war. Nach der Haft verbringt der zur Tatzeit Heranwachsende nun weitere Jahre in Sicherungsverwahrung. All diese Fälle sind genauso spannend wie ein fiktiver Krimi und gehören zu den Schattenseiten der Friedensstadt am Aasee. © fdp


Nieschlag, Lisa / Wentrup, Lars: Anni backt in Münster - mit 33 Rezepten, Illustrationen und Münster-Impressionen von Julia Cawley, 112 Seiten, Münster 2011, ISBN 978-3-402-12916-6, Preis 16.80 €

Nach der erfolgreichen Veröffentlichung von „Anni kocht in Münster“ gibt es nun zu diesem regionalen Kochbuch eine „Fortsetzung“. Beim Lesen von Annis Rezepten läuft einem das Wasser im Munde zusammen, ob nun rosa Pflaumentaschen oder Ebo-Plätzchen gebacken werden. Doch ehe die Plätzchen probiert werden können, ist der Teig auszurollen und mit einem Glas auszustechen. Acht bis zehn Minuten beträgt die Backzeit. Nach dem Auskühlen kommt ein Klecks anniJohannisbeermarmelade auf das eine Plätzchen. Das andere nimmt man als „Verschluss“. Puderzucker und Zitronensaft sind die Bestandteile für den Guss, den man auf gar keinen Fall vergessen darf. Münsterland ohne ein Pumpernickel-Rezept ist nicht denkbar. So backt Anni aus Pumpernickelbrösel, Zucker, Schokoladenstückchen, Eigelb und Mehl leckere Pumpernickel-Herzen. Schon mal von Apfel im Schlafrock gehört? In Annis Backbuch wird der Leser mehr dazu erfahren. Was sind denn eigentlich Stutenkerle, die es zum 6. Dezember, also zu Nikolaus gibt? Das ist ein Hefegebäck mit Rosinen in der Gestalt von Männern, den sogenannten Stutenkerlen. Grießschnitten mit Himbeerkompott gelingen dank Annis Rezept ebenso wie der Apfelbettelmann, für den man unbedingt Apfelspalten, zerbröseltes altbackenes Schwarzbrot, Zucker, Zimt und Rum benötigt. Westfälischer Pflaumenkuchen und der Kastenpickert, ein westfälisches Kartoffelbrot mit Rosinen, haben auch Eingang in dieses Regionalkochbuch gefunden, bei dessen Lesen man Lust aufs Backen bekommt. Na dann, Ärmel hochkrempeln, Teig kneten und rollen und dann ab in den Ofen mit den süßen Verführungen! © fdp


Heinrich Peuckmann:Aus dem Nichts Kriminalroman Aschendorff Crimetime, 221 Seiten, kart., 13,5 x 21 cm, Münster 2011, ISBN 978-3-402-12933-3, Preis 12,80 €

krimiAnselm Peter ist ein später Vater und genießt sein Glück mit dem Filius in vollen Zügen, auch wenn er zwischen seiner neuen Familie in Münster und seiner eigenen Bude in Werne sowie seinem Job als Kommissar in Dortmund pendeln muss. Ist er in Münster, dann ist er stolzer Vater, der mit seinem Sohn Robin den Prinzipalmarkt besucht. Schließlich will man ja mit fast 43 zeigen, dass der kleine Hosenscheißer Vatis ganzer Stolz ist. Die Vaterfreuden werden jedoch getrübt, denn zwei mysteriöse Anschläge fordern Anselm Peters ganze Aufmerksamkeit. Pampers wechseln und das Fläschchen machen weichen daher konzentrierter Ermittlungsarbeit und dem Rückzug in die eigene Wohnung in Werne. Peter fragt sich angestrengt, ob die Opfer, ein erfolgreicher Autor und der Besitzer einer Kleindruckerei, gemeinsame Feinde haben. Neidische Schriftstellerkollegen der eine, frustrierte Mitarbeiter der andere scheint eine naheliegende Vermutung. Doch im Verlauf der polizeilichen Arbeit erweist sich dies als falsche Spur, zumal noch ein weiterer Anschlag geschieht. Diesmal ist der Ausgang allerdings tödlich. Heinrich Petermann erzählt nicht nur die spannende Geschichte der Aufklärung des Falls, sondern auch die Tatvorbereitungen und Ausführungen der Täter, die allerdings bis beinahe zum Schluss namenlos bleiben und nur bei ihren Tatvorbereitungen beobachtet werden. Wer hätte anfänglich gedacht, dass ein Lehrer und ein einstiges Fußballtalent als Täter in Fragen kommen? Anselm Peter genauso wenig wie der Leser dieses zwischen Ruhr und Ems angesiedelten Krimis mit Lokalkolorit. © fdp


muenster-coverS.Hänsel/S.Rethfeld: Architekturführer Münster, Reimer Verlag Berlin 2008, 480 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos sowie 223 Pläne und Aufrisse sowie Fotos von 40 Skulpturen, ISBN 978-3-496-01276-4, Preis 24,90 Euro

Gewiss für ein Paperback hat die vorliegende Veröffentlichung einen stolzen Preis. Doch der Inhalt rechtfertigt diesen Preis allemal. Hier werden nicht ausgetretene Pfade beschritten, sondern Münsters Architektur auch jenseits von Barock präsentiert. Dankenswerterweise haben die beiden Autoren auch das Mega-Kunst-Ereignis am Aasee miteinbezogen, die seit 1977 alle zehn Jahre organisierten Skulptur-Projekte. Dass für den vorliegenden Band in der Vergangenheit andere Autoren wesentliche Vorarbeiten geleistet haben, wird im Vorwort besonders hervorgehoben. Dabei ist Max Geisberg besonders zu erwähnen, dem ein sechsbändiges Werk zu den Bau- und Kulturdenkmälern der Stadt zu verdanken, ist. Architektenbüros, die am Wiederaufbau der Stadt nach 1945 beteiligt waren, haben mit ihrem Wissen gleichfalls zu der aktuellen Veröffentlichung beigetragen. Der Abhandlung einzelner, nach Stadtteilen geordneter Baudenkmäler sind Abhandlungen zu dem Event Skulptur-Projekte und zur Stadt- und Baugeschichte vorangestellt. Dabei wird der Zeit der Wiedertäufer und der Aufklärung unter Franz von Fürstenberg ebenso Raum eingeräumt wie dem Stadtumbau seit 1990. Ausgangspunkt der architektonischen Spurensuche ist der Domplatz mit dem Dom und der Dompropstei sowie dem Bankhaus Lampe, einem Entwurf aus den frühen 1960er Jahren. Der Rosenhof, dessen Grundriss an eine Ahornnase erinnert, befindet sich bereits im Überwasserviertel. Hier steht auch das Wohnhaus Wiedemann (1931/32), das ganz im Geist von Bruno Taut gestaltet wurde. Stets wird in der Vorstellung der Architektur auch auf die vorhandenen Skulptur-Projekte eingegangen, unter anderem auf die von Per Kirkeby gestaltete Bushaltestelle am Hindenburgplatz. Das Universitätsviertel mit St. Petri sowie dem Universitätsbau (1892/93) lädt genauso zu einem Architekturspaziergang ein wie das Ludgeriviertel mit St. Ludgeri, den Münster-Arkaden (2002-2006) und dem Geschäftshaus Jansen (1928/30). Für diesen Bau stand wohl die Architektur von Erich Mendelsohn Pate, wie die Autoren bemerken. Das repräsentative Schaufenster der Stadt, der Prinzipalmarkt, wird in seiner bewegten Baugeschichte ausführlich beschrieben. Dabei verweisen die Autoren darauf, dass das Brinkmann-Haus eines derjenigen Bauwerke ist, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden haben. Ein Hingucker ist die in zwei Bauteile gesplittete Stadtbücherei, die 1987 bis 1993 entstand. „Neues Bauen“findet man gleichfalls im Lambertiviertel: der Kiffe-Pavillon von Walter Rüschenschmidt. Ein Leuchtturm der Barockarchitektur ist St. Clemens im Servatiiviertel, wo man außerdem auf den Twickelschen Hof und die zweijochige Kirche St. Servatii (13. Jh.) trifft. Wie dem Prinzipalmarkt so wird auch der Promenade ein etwas ausführlicherer Text gewidmet. Dabei wird das Neutor ebenso vorgestellt wie der Zwinger und der Buddenturm. Nahezu eine Seite umfasst der Beitrag zum Schlossgarten, womit wir im Bereich Schloss und Umgebung angelangt sind. Immer wieder stößt man, im Kreuzviertel oder anderswo, auf architektonische Juwelen der 1950er und 1960er Jahre, die anderenorts längst der Spitzhacke zum Opfer gefallen sind. Zu erwähnen ist u. a. das Schlosstheater sowie die Versöhnungskirche (Uppenberg) und die Autogarage in der Karlstraße, ein Entwurf von Werner Mach. Neben Büro- und öffentlichen Bauten werden von den Autoren außerdem Einzelhäuser herausgestellt, so das Wohn- und Atelierhaus Bröker (Kreuzviertel). Der Hafen, das Ostviertel, der Aasee sowie die eingemeindeten Orte Roxel, Kinderhaus und Hiltrup werden mit ihren Architekturhighlights zum Abschluss der Publikation beschrieben. Im Anhang finden sich – und das ist besonders lobend hervorzuheben – Architektenbiografien ebenso wie ein Glossar. Denn nicht jeder Leser weiß etwas mit Fischblase und Gadem anzufangen. Objekt-, Architekten-, Straßen- und Historisches Register runden den überaus umfänglichen Band ab. Fazit: Für Architekturliebhaber ist der vorliegende Architekturführer ein unbedingtes Muss für den nächsten Besuch von Münster. © fdp


Dorothea Puschmann: Zwickmühle – ein Münsterland-Krimi, Gmeiner-Verlag GmbH Meßkirch 2009, ISBN 978-3-89977-811-3, Preis 9,90 Euro

Während andere Krimiautoren zum übermäßigen Alkoholkonsum und zur Verschrobenheit neigende Kriminalkommissare in den Mittelpunkt ihrer Geschichte rücken, ist dies bei Dorothea Puschmann zum Glück nicht der Fall. Auch ein Ex-Rechtsanwalt muensterland-krimi und Buchantiquar aus Münster, der eigentlich lieber in Mordfällen
ermittelt, ist nicht die Sache der Autorin, die mit „Zwickmühle“
ihr Debüt gibt. Katharina Fröhlich und Julian Frey heißen
Puschmanns Ermittler, die eine eigene Detektei führen,
seit sie den Dienst als Polizeibeamte quittierten. Der Prolog
des Romans ist voller Dramatik, die sich erst im Laufe der Handlung entschlüsseln lässt. Dann erfährt der Leser auch, wer die junge Frau war, die sich einer Abtreibung hat unterziehen müssen, nicht aus freien Stücken, sondern von ihrem Liebhaber dazu gedrängt.

Etwas unvermittelt springt die Autorin nach dem Vorspann in die eigentliche Geschichte, die sich um das erfolgreiche Detektivgespann Frey/Fröhlich rankt. Nach der Verhinderung eines Diamantenraubs im IC Hamburg-München – warum eigentlich nicht im ICE? - verbringt das Paar gemeinsame Ferien am Ammersee. Doch dieser Urlaub ist bald zu Ende, da eine gute Freundin, von Beruf Kinderärztin und mit schauspielerischen Talenten gesegnet, die Hilfe der beiden anfordert. Claudia, so heißt die Freundin, bangt um ihren entführten Mann. Die Entführer scheinen zum Äußersten bereit. Ein abgeschnittenes Fingerglied ist die erste Warnung, keine Polizei einzuschalten und das stattliche Lösegeld zu besorgen. Merkwürdig ist nur, dass fast zeitgleich auch der Bauamtsleiter von Münster laut einer Zeitungsnachricht verschwunden ist. Gibt es vielleicht Zusammenhänge zwischen den beiden Vorfällen? Dass die gute Freundin Dreck am Stecken hat und deren Ehemann, ein Jurist, in mehr als nur in dubiose Geschäfte verwickelt ist, wird den Ermittlern während ihres Freundschaftsdienstes erst nach und nach deutlich. Der Roman ist hier und da nicht ohne Länge. Dezent, und das ist wirklich angenehm, wird das münsterländische Lokalkolorit eingesetzt. Dass die Verfolgungsjagd des Entführers, der mit einem schweren Motorrad beinahe entkommt, mit dem IC Münster-Bremerhaven erfolgt, entspringt der reinen Fantasie der Autorin, da Bremerhaven schon lange von einer direkten IC-Verbindung abgekoppelt ist. Auf das leibliche Wohl muss der Leser von „Zwickmühle“ nicht verzichten, denn das Ermittlerpaar und dessen Freunde kochen und backen leidenschaftlich gerne, ähnlich wie Manuel Vázquez Montalbáns Pepe Carvalho. Salat Julian, umgedrehte Apfeltorte und Gratin Dauphinois mit Mangoldgemüse stehen zur Auswahl – und zum Nachkochen. © fdp


bikeline: Ems-Radweg: Von der Quelle zur Mündung mit Dortmund-Ems-Kanal, Radtourenbuch und Karte 1:75 000, Verlag Esterbauer Rodingersdorf 2007, ISBN 978-3-85000-041-3, Preis 11,90 Euro

emsradwegAm Fuß des Teutoburger Waldes entspringt die Ems, die nach 371 Kilometern bei Emden in die Nordsee mündet. Die vorliegende Veröffentlichung begleitet den Radwanderer von der Emsquelle bei Paderborn durch die münsterländische Parklandschaft ins Emsland und nach Emden. Den einzelnen Abschnitten des Radweges, der mit zwei welligen E und einem blauen Linienband gekennzeichnet ist, sind hilfreiche Angaben zur An- und Abreise, zu den zentralen Infostellen und zum Radtransport und -versand vorangestellt worden. Kurz und knapp gehalten sind die Angaben zu den Sehenswürdigkeiten wichtiger Etappenorte wie Paderborn. Was allerdings fehlt, sind entsprechende Hinweise auf verfügbare Infos im Netz, sei es zum Museum für Stadtgeschichte in Paderborn oder zur Kunsthalle in Emden. Die angegebenen Telefonnummern und Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten sind hilfreich, allerdings nur dann, wenn sie noch aktuell sind. Das setzt allerdings eine häufigere Neuerscheinung voraus.

Neben Kurzangaben zu den Highlights in den einzelnen Orten entlang der Strecke findet der Nutzer eine Streckenbeschreibung aus sehr übersichtlichen Kartenausschnitten. Da ein Radler unterwegs auch mal eine Panne erleiden kann, sind Angaben zu Zweiradwerkstätten in die „Facts und Figures“ der einzelnen Orte aufgenommen worden. Ausreichend für die Erstinformation sind die knappen Ausführungen zu Naturschutzgebieten wie das Steinhorster Becken, das auf der Tour gen Emden umrundet wird.

Dem sogenannten Bibeldorf Rietberg und Rheda-Wiedenbrück stattet der Radwanderer ebenso einen Besuch ab wie der Reiterstadt Warendorf. Dass man bei seiner Tour immer direkt am Emsufer entlang radelt, wird wohl keiner erwarten, insbesondere dort nicht, wo die Ems sich als Wiesenfluss durch die Landschaft schlängelt. Die einzelnen Etappen sind für jeden zu bewältigen, ob man nun nur 20 Kilometer oder noch weniger zurücklegen möchte, weil man Zeit für das Sightseeing haben möchte. Jeder Nutzer ist gewiss so mündig, dass er sich aus den angebotenen Etappen die eigene Tour zusammenstellen kann. Wer also 80 Kilometer und mehr am ersten Tag radeln will, der steigt in Hövelhof in den Sattel und radelt gleich bis Warendorf, alle anderen machen halt Zwischenstopps, ob in Rheda-Wiedenbrück oder Marienfeld. Über Münster findet der Nutzer ein sehr ausführliches Textkapitel mit Angaben zu den zahlreichen Museen und Kirchen der Stadt. Wollte man diese alle besuchen, bräuchte man mehr als nur einen Tag. Warum auch nicht, kann man doch in Münster gut und gerne einen Ruhetag einlegen, ehe es weitergeht. Wer ein Bett für die Nacht sucht, der schaut in den Anhang des bikeline-Radbuches, um sein Nachtquartier festzumachen. Die Aufnahme von Werbung in die Publikation mit handlicher Spiralbindung ist aus Sicht des Verlags zur Senkung der eigenen Kosten nachvollziehbar, doch vielleicht nicht jeder Nutzer mag ein solches Konzept. © fdp


Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.): Jakobswege – Wege der Jakobspilger in Westfalen, Band 6, 240 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, J.P. Bachem-Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-7616-2210-0, Preis 12,95 Euro

Es scheint, als gäbe es mehr und mehr einen Boom in Sachen Jakobsweg. Es existiert heute kaum eine Region, die keinen Jakobsweg hat, ob Gegenbach in Baden-Württemberg oder Ochsenhausen und Nürnberg in Bayern. Nun ist auch der westfälische Jakobsweg von Osnabrück nach Wuppertal ausgeschildert worden. Zugleich mit der durchgehenden Markierung mit der klassischen gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund ist die vorliegende Publikation erschienen. Autoren sind neben Ulrike Spichal und Horst Gerbaulet Volker Honemann und Cornelia Kneppe. Deren Intention war es nicht allein die Denkmäler entlang eines historischen Pilgerweges zu beschreiben, sondern sich auch mit den historischen Wegespuren zu befassen, zumal der nunmehr ausgewiesene Jakobsweg in einigen Streckenabschnitten von der historischen Route abweicht. Landes- und Bundesstraße, die die alten Handelswege – auf ihnen waren die Pilger unterwegs – ersetzt haben, können von heutigen Pilgern nicht mehr genutzt werden. Asphalt unter den Fußsohlen zu haben, ist allerdings nicht die Ausnahme, sondern die Regel, begibt man sich auf eine Pilgertour. Dabei haben die Autoren es versäumt, auf die Alternative ÖPNV zu verweisen, um lange asphaltierte Wegstrecken, insbesondere in Osnabrück und Münster, umgehen zu können.

Historisches Quellenstudium stand am Beginn der Revitalisierung des westfälischen Jakobswegs. Die Autoren erörtern im vorliegenden Buch unter anderem die verschiedenen, von den Pilgern genutzten Pässe durch den Teutoburger Wald und leiten daraus die entsprechende aktuelle Trassierung über Lengerich und Ladebergen nach Münster ab. Auf eine archäologische Begleitung des Weges wird nicht verzichtet, so dass zum Beispiel auch auf das Großsteingrab von Lengerich-Wachte hingewiesen wird. Behandelt werden außerdem, die typischen Landschaftsformen zwischen Osnabrück und Wuppertal, so die Sandsteinbrüche im Verlauf des Teutoburger Waldes und die münsterländische Parklandschaft. Dass die Gräftenhöfe typisch für das Kernmünsterland sind, wird gleichfalls erwähnt.

Insgesamt zwölf Etappen stellen die sehr sachkundigen Autoren vor. Diese Etappen variieren stark in der Länge. So muss der Wanderer, der von Osnabrück aufbricht, gleich mehr als 25 Kilometer bewältigen, will er nach Lengerich. Bei einem solchen Wanderpensum schlagen die Autoren entsprechende Teilstücke des Jakobswegs als Alternative vor. Kurz und knapp wird jede Etappe mit der Wegbeschreibung und Hinweisen eingeleitet. Dabei werden Radler ebenso berücksichtigt wie Wanderer, da der westfälische Jakobsweg für Radfahrer und Wanderer – teilweise auf unterschiedlichen Trassen – angeboten wird. Die Sehenswürdigkeiten werden in der Wegbeschreibung kurz genannt, um dann im Anschluss ausführlich behandelt zu werden, ob nun der Dom in Osnabrück oder das Brunnenhaus in Gevelsberg oder das Haus Martfeld in Schwelm. „Sehenswertes entlang der Strecke“ lautet die entsprechende Kapitelüberschrift. Das vorhandene Kartenmaterial und Innenstadtplanausschnitte – so für Osnabrück und Münster – sind aufgrund ihrer Qualität ausreichend, um den Jakobsweg in Angriff zu nehmen.

Im Anhang finden sich nicht nur Adressen wie die der Jakobusgesellschaften, sondern auch Tipps zu Unterkünften – ob Jugendgästehaus Osnabrück oder Arnsteiner Patres in Münster und Hohensyburger Camping (Dortmund). Diese Unterkunftsangaben richten sich ausnahmslos an Pilger und weniger an Wanderer, die den Jakobsweg begehen, wie sie auch den Westerwaldsteig begehen. Zugleich werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit Telefonnummer und Öffnungszeiten vorgestellt. Ergänzend finden sich Netzadressen von Fremdenverkehrsämtern. © fdp
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Münster-Krimis

Jürgen Kehrer: Wilsberg und die Wiedertäufer, Kriminalroman, grafit, Dortmund 1994, 8. Auflage 2005, 179 Seiten, ISBN 3-89425-047-X, Preis Euro 7,90
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Ursula Meyer: Endstation Aasee, Waxmann-Verlag, Münster 1998, 4. Auflage 2008, ISBN 978-3-89325-650-1, Preis Euro 12,70
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