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Rund um den Aasee

Münster ist grün, man denke nur an die Promenade, an den Schlosspark mit dem Botanischen Garten, vor allem aber an den Aasee. Kaum einer weiß heute, dass dieser See eigentlich nur angelegt wurde, um die Überflutung der Stadt durch die Aa zu vermeiden.

Münster - Aasee
Auf dem Weg zum Aasee

Zu verdanken ist die Anlage des Sees und des acht Kilometer langen Rundweges dem ersten Zoodirektor Münsters Prof. Hermann Landois. Er hatte sich dabei vorgestellt, dass der See vielfach genutzt werden könne, zur Trinkwasserversorgung, als Anglerparadies, als Segelrevier für im Wind kreuzende Jollen und zum Baden. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begannen die Arbeiten zur Aufstauung der Aa in den sumpfigen Wiesen vor den Toren der Stadt. Erst in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren wurde das Projekt vollendet. Die Fläche des nicht einmal zwei Meter tiefen Sees wurde dann noch einmal in den 1970er Jahren verdoppelt und auch eine Ruderregattastrecke geschaffen. Am Rande des Sees entstanden das Freilichtmuseum Mühlenhof, der Allwetterzoo und das Naturkundemuseum.

Münster - Skulptur am Aasee
Claes Oldenburgs Billardkugel am Ufer des Aasees

Freilichtmuseum Mühlenhof

 Text: Helmuth Weiss

Die Gebäude und Einrichtungsgegenstände des Freilichtmuseums lassen den Lebens- und Arbeitsalltag unserer Vorfahren lebendig werden. Im Zentrum des Museums, das seit 1961 existiert, steht eine weithin sichtbare Bockwindmühle.

Auf dem 15 000 qm großen Areal des Freilichtmuseums wird der bäuerliche Alltag vergangener Jahrhunderte in seinem Facettenreichtum präsentiert: Neben Bauernhaus, Scheune und Bauerngarten, Backhaus und Bienenhütte vermitteln Dorfschmiede und Schuhmacherhaus, Schreinerei und Landschule auch die Lebensbereiche jenseits der eigentlichen bäuerlichen Tätigkeiten. Vor allem das alte Haus- und Hofgerät lässt die Besucher die bäuerliche Welt der Vergangenheit wirklichkeitsnah erleben.

Gräftenhof und Bockwindmühle

Wie der Salon des „Gräftenhofes“, dessen Haupthaus aus dem Jahr 1720 stammt, mit seinem gediegen eingerichteten Salon deutlich macht, zählten die einstigen Bewohner dieses Anwesens zur bäuerlichen Oberschicht. Der anschließende Bauerngarten, nach historischen Vorbildern angelegt, zeigt mit seiner Mischung aus Gemüse, Heilkräutern und Ziergewächsen typische Pflanzen jener Zeit. Bescheidener ging es wohl im Mühlenhaus aus dem Jahr 1619 zu, dem ältesten Gebäude des Freilichtmuseums. In dem reetgedeckten Bau lebten Mensch und Tier eng in einem Raum zusammen, der Rauch der offenen Feuerstelle zog durch das Dach nach draußen, da ein Kamin fehlte. Noch heute wird bisweilen der so genannte Westfälische Himmel über dem offenen Feuer mit Wurst und Schinken bestückt, geräuchert wird wie eh und je mit Buchenholz.

Münster - Bockwindmühle im Mühlenhof
Die Bockwindmühle im Mühlenhof

Auch die 24 Meter hohe Bockwindmühle, die eine stolze Flügelspannweite von 23 Metern aufweist, kann heute noch in Gang gesetzt werden – bis zu 200 Zentner Korn konnten hier täglich gemahlen werden.

Aus Wegwarte wurde Kaffee

Dorfschmiede, Schreinerei und Schuhmacherhaus sind Beispiele für die eng an die bäuerliche Welt angegliederten Handwerke, die häufig nur als Nebenerwerbstätigkeiten ausgeführt werden konnten. Das Produkt der Zichorienmühle aus der Zeit um 1780 ist meist nur noch älteren Besuchern des Museums ein Begriff: Das Mehl der Zichorie, auch Wegwarte genannt, diente früher als Kaffeezusatz oder auch Kaffee-Ersatz. Bis ins Jahr 1954 reichte der aktive Schulbetrieb in der kleinen Landschule, die im Jahr 1823 als Bildungsstätte für ungefähr 130 Kinder erbaut worden war. Stets mussten mehrere Jahrgänge gleichzeitig in dem einräumigen Fachwerkbau unterrichtet werden. Genauso wie die Einrichtung der Schule dürften Dorfladen und Dorfkrug bei dem einen oder anderen Besucher eine wehmütige Erinnerung an die eigene Kindheit hervorrufen.

Information

Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster
Theo-Breider-Weg 1
48149 Münster
http://www.muehlenhof-muenster.de

Münster - Segelboote auf dem Aasee
Hisst die Segel, macht die Leinen los – ein Tag auf dem Aasee

Ponys, Delfine und Erdmännchen

Mit den Eisbärkindern Flocke und Knut und dank TV-Serien wie „Giraffe, Erdmännchen & Co“ in der ARD sind Zoos verstärkt ins Blickfeld von Groß und Klein gerückt, der Münsteraner Allwetterzoo (http://www.allwetterzoo.de/) mit seinen Erdmännchen und Nashörnern macht da keine Ausnahme. Brillenpinguine gehen hier auf ihre tägliche Wanderschaft und im Frühjahr sorgen Mongolenponys, Kamele und Zebras für Nachwuchs, den kleine Zoobesucher gerne streicheln möchten. Putzige Kattas in der begehbaren Affenanlage stehen ebenso im Mittelpunkt des Besucherinteresses wie die Delfine im Delphinarium. Für Pferdenarren steht der Kinder- und Pferdepark offen, wo eine hautnahe Begegnung mit Wild- und Hauspferden wie Islandponys, Dülmener Ponys und Przewalskipferden  möglich ist. Wer Wildpferde außerhalb eines Zoos sehen möchte, der muss in den Merfelder Bruch bei Dülmen fahren, wo jeweils Ende Mai der Wildpferdefang ein besonderes Ereignis ist.

Tiere ganz anderer Art, nämlich solche aus grauer Vorzeit, findet der Besucher im LWL-Museum für Naturkunde (http://www.lwl.org), darunter auch den mit 1,80 Meter größten Ammoniten der Welt. Doch vor allem die Welt der Dinosaurier weiß zu faszinieren, und das nicht erst seit Steven Spielbergs „Jurassic Park“. Dank einer lebensechten Rekonstruktion werden der Sichelkrallendinosaurier Deinonychus und der große Raubsaurier Allosaurus im Museum wieder lebendig.

Münster - Skulptur am Aasee
Henry Moores Wirbel – Kunst am Hang über dem Aasee

Natur und Kunstgenuss

Der Aasee ist nicht nur die „Kulisse“ für die weltweit bekannten Skulptur Projekte – man denke nur an Henry Moores „Wirbel“ oder Donald Judds titellose Architekturschnecke auf einem Hang oberhalb des Sees -, sondern auch das wohl wichtigste Naherholungsgebiet der Münsteraner. Im wechselnden Wind kreuzen kleine Segelboote. Sonnenbadende haben es sich auf dem Pier, einem Kunstprojekt von Jorge Pardo, bequem gemacht. An der zentrumsnahen Seespitze treffen sich Studenten an Claes Oldenburgs riesigen Billardkugeln, die bisher niemand mit einem gekonnten Stoß vom Fleck bewegt hat. Besonders am Herrentag sind Männer mit Bollerwagen und einem oder zwei Fässchen Bier am Seeufer unterwegs.

Münster - Kunst am Aasee
Kunst erfüllt auch andere Zwecke: Pier von Jorge Pardo

Unterdessen kann man am Seeufer dank einiger Schautafeln auch den Spuren des Malers Otto Modersohn folgen, der zeitweilig mit seiner Frau Paula-Modersohn-Becker in Münster ansässig war. Im Tal der Aa entstanden frühe Skizzen und auch das Gemälde „Sommerfreuden“ (1889).

Münsters Krimiwelten

Während Jürgen Kehrer sich für seine Krimiserie Georg Wilsberg erdachte, schuf Ursula Meyer für ihre Münsterkrimis Sieglinde Züricher, die in „Endstation Aasee“ in einer Mordsache ermittelt. Der Tote, der von Handwerksmeister Kotte in seinem Wagen entdeckte wurde, ist ein Münsteraner Prominenter und dieser Tote wirft für die gerade nach Münster gewechselte Sieglinde Züricher zahlreiche Rätsel auf. Wer hatte etwas gegen den Kommunalpolitiker Rehberg, der zugleich Schulleiter, Musiker und auch Kunstsammler war? Nur die Leser dieses Münsterkrimis wissen am Ende des Rätsels Lösung.

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