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Reiseführer Hamburg

Speicherstadtmuseum

 

Speicherstadtmuseum

So wurde Stückgut in Säcken richtig gestapelt – eine Inszenierung im Speicherstadtmuseum

Der Geschichte der Speicherstadt, die im Wesentlichen zwischen 1885 und 1927 entstand, widmet sich das Museum. Zugleich mit der Baugeschichte dieses Quartiers für das Lagern und Umschlagen hochwertiger Importgüter wie Kakao, Gewürze, Nüsse und Kaffee wirft die Ausstellung des Hauses auch einen Blick auf die Arbeit der Quartiersleute und der Lagerhalter, die einst die jeweiligen Güter begutachteten und sortierten. Quartiersleute und Lagerhalter gibt es heute in der Speicherstadt nicht mehr.


Wenn es auch im Rahmen des Konzepts „Wachsende Stadt“ und der Aufhebung des stadtnahen Freihafens dramatische Veränderungen im Gebiet südlich der Altstadt gegeben hat, nach wie vor existieren die in Anlehnung an die Architektur der Gotik mit Zinnen, Lauben, Erkern und Türmchen ausstaffierten Speicher entlang der Fleete. Über diese wurden früher die Waren mit Schuten (Lastkähnen) in die Speicherstadt gebracht. Doch mit der Verdrängung des Transports auf dem Wasserwege und der Zunahme des Lastwagentransports verschwanden die Schuten im Stadtbild mehr und mehr. Spätestens seit der Durchsetzung des Containerschiffsverkehrs ist neben den Schuten auch der traditionsreiche Beruf des Ewerführers (Schutenführer) ausgestorben.

Ursprünglich befand sich das Speicherstadtmuseum auf zwei Lagerböden eines Speichers am St. Annenufer. Seit Kurzem jedoch residiert das Museum, jedenfalls vorläufig, auf einem Lagerboden eines Speichers am Sandtorkai, ganz in der Nachbarschaft zum Spicy's Gewürzmuseum. Die gute Seele des Museums ist Henning Rademacher, der selbst mal zur See gefahren ist und seit einigen Jahren die Geschicke des Hauses lenkt.

Gestapelte Säcke, ein blauer Briefkasten und Kaffee
Bereits beim Betreten des Museums fallen die gestapelten Säcke ins Auge, in denen die importierten Waren als Stückgut im Hamburger Hafen gelöscht wurden. Dass man nicht einfach Sack auf Sack lagerte, sondern sich bestimmte Stapeltechniken entwickelten, zeigt dieser Bereich der Ausstellung. Die ausgestellte Schottsche Karre war anfänglich ein wichtiges Transportmittel, um derartiges Stückgut innerhalb und außerhalb des Hafens zu transportieren. Insgesamt 17 Säcke Kaffee konnte man auf die Karre laden, die bis in die 1950er Jahre hinein im Stadtbild zu sehen war.

Speicherstadtmuseum

Auffallend ist der aufgestellte blaue Briefkasten, und man fragt sich, wozu der eigentlich gedient hat. Es handelt sich um einen Sonderbriefkasten für Kaffeeproben im Staatsspeicher am Kehrwieder. Doch 1939 wurde dieser Briefkasten außer Dienst gestellt. Zuvor diente er dazu, zollfrei Rohkaffeeproben mit einem begrenzten Gewicht zu versenden. Eine in den Briefkasten integrierte Waage sorgte für die entsprechende Mengenkontrolle. Das Thema „Kaffee“ illustrieren zudem die Dosen mit sogenanntem Hamburger Terminkaffee, worin Warenproben aufbewahrt wurden. Kaffeehändler nahmen diese zu ihren Kunden mit, um sie von ihrem Kaffee zu überzeugen. Für den Kaffeehandel in Hamburg steht auch die in der Nähe des Museums liegende Kaffeebörse, die im Zuge der Umgestaltung der Speicherstadt demnächst als Veranstaltungsort eines Hotels ihrer Zukunft entgegensieht. In der am 23. März 1956 wiedereröffneten Kaffeebörse der Nachkriegszeit wurden nur für sehr kurze Zeit Termingeschäfte mit Kaffee abgewickelt.

Dass es überhaupt zu einer derartigen Eröffnung kam, lag auch an der Neubautätigkeit in der Speicherstadt, die teilweise schwer zerstört war. Über eine Glasbrücke ist das Gebäude der einstigen Kaffeebörse bis heute mit dem Block O und Block H verbunden. Beide Blocks sind wie die Kaffeebörse Nachkriegsbauten. Der Entwurf dafür stammt von dem bekannten Hamburger Architekt Werner Kallmorgen, der zusammen mit Schramm & Elinigus für die Realisierung verantwortlich zeichnete.

Speicherstadtmuseum Hamburg

Doch das Thema „Kaffee“ beschränkt sich nicht allein auf die Nachkriegszeit, nein, die Besucher erfahren außerdem Wissenswertes über den Aufschwung des Kaffeehandels im Kaiserreich und auch darüber, dass der Kaffeehandel in der Weimarer Republik der Devisenbewirtschaftung unterlag. Während der NS-Zeit wurde der freie Handel mit Kaffee gänzlich eingestellt und durch Kompensationsgeschäfte ersetzt. Deutsche Waren gegen importierten Kaffee, so lautete die Devise. Im Verlauf der Zeit wurde zudem eine Überwachungsstelle für Kaffee eingerichtet und die Abgabe von Kaffee an die Verbraucher staatlich geregelt. Im Zuge der „Arisierung“ - auch dieses Geschichtskapitel behandelt das Museum - enteigneten die „braunen Herren“ jüdische Unternehmen, auch solche, die in der Speicherstadt im Kaffeehandel aktiv waren. Zu diesen gehörte der Kaffee-Agent Otto Hesse und die Firmen Hildesheim & Co. Sowie Wolff & Co., um nur einige zu nennen.

Man muss den Kaffee probieren

Neben diesem Aspekt kann das Museum auch einen typischen Kleinröster zeigen, den es ursprünglich in vielen Kaffeegeschäften gab. Es ist der Ladenröster LE 3, mit dem man drei Kilo Rohkaffee rösten konnte. In Zeiten, in denen Kaffee achtelpfundweise verkauft wurde, reichte diese Kapazität völlig aus, um Kundenwünsche zu befriedigen. Übrigens, mit einem solchen Ladenröster werden in der Speicherstadt Kaffeerösterei, gleich um die Ecke vom Museum, immer noch kleine Mengen geröstet! Zu den Großexponaten der Museumssammlung gehört auch eine Lesemaschine. Hier wurden zerbrochene und verkümmerte Bohnen, aber auch Fremdkörper aussortiert. Per Hand – und das übernahmen Frauen – mussten anschließend noch sogenannte fehlfarbene Stinkerbohnen ausgelesen werden. Eine Frau hatte ein Tagespensum von 60 Kilo Kaffee je Acht-Stunden-Schicht!

Speicherstadtmuseum Hamburg

Wie man Kaffee richtig zubereitet und welche Rolle der Melitta-Schnellfilter dabei spielt, wird anhand von entsprechenden Exponaten und Texten gleichfalls in der Museumsausstellung behandelt. Schließlich wird der Besucher in das Probierzimmer „entführt“. Zu dessen typischem Inventar gehören eine Kaffeemühle, ein Probenröster, Dosen, Schälchen, ein Wasserkessel und Tassen. Sowohl beim Einkauf als auch bei der Lieferung von Kaffee, so ist zu erfahren, wurden stets Kaffeemuster in einem Probierzimmer verkostet.

Geschichte und Architektur der Speicherstadt

Neben dem Thema „Kaffee“ sind es vor allem die Speicherstadt und ihre Entwicklung, denen sich das Museum in Exponaten und Saaltexten angenommen hat. Dabei wird auch auf die Rolle des Architekten Werner Kallmorgen eingegangen, der ganz entscheidend am Wiederaufbau der Speicherstadt beteiligt war. Das heutige Erscheinungsbild der historischen Speicherstadt ist der sogenannten Hannoverschen Schule geschuldet, deren geistiger Vater der Architekt Conrad Wilhelm Hase war. Sichtmauerwerk bestimmt die Fassadengestaltung der historischen Lagerhäuser der Speicherstadt. Dabei griffen die Baumeister ganz bewusst auf die Backsteingotik als Vorlage zurück.

Neben Kallmorgen, der die Baugeschichte der Speicherstadt bis in die 1950er Jahre bestimmte, werden auch andere Architekten vorgestellt, ohne die die Speicherstadt nicht das wäre, was sie ist, ein Beispiel für historistische Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Zu den zu nennen Architekten gehört Georg Thielen, der die zwischen 1885 und 1892 erbauten Teile der Speicherstadt konzipierte. Hervorgehoben werden muss, dass die Speicherstadt – und das war ein Novum zur Zeit ihrer Entstehung – vollständig elektrisch beleuchtet wurde. Energiezentrale der Speicherstadt war die Maschinenzentralstation und das Kesselhaus. In der Zentralstation standen die Generatoren und die Pumpen für die Windenhydraulik der Brücken, die mit Dampf aus dem benachbarten Kesselhaus betrieben wurden. Im Kesselhaus – dessen nachgebildete hohe Schornsteine sind weithin zu sehen – befindet sich heute neben einem Café auch eine Ausstellung der Entwicklung der HafenCity.

Weitere Informationen

Speicherstadtmuseum
Am Sandtorkai 36
20457 Hamburg
Tel. 040 / 32 11 91
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober: Mo–Fr 10–17 Uhr, Sa, So und Feiertage 10–18 Uhr, 1. November bis 31. März: Di–So 10–17 Uhr
Regelmäßig finden im Museum Teeverkostungen statt. Zudem werden Speicherstadtrundgänge angeboten, auch für Kinder!
www.speicherstadtmuseum.de/



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