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Hotspot HafenCity

Hamburgs neuer Stadtteil

Text und Fotos: Hilke Maunder

Direkt an der Elbe, mitten in Hamburg, nimmt seit 2003 das größte innerstädtische Bauprojekt Europas Gestalt an – die HafenCity. Mit 155 Hektar ist Hamburgs jüngster Stadtteil mit seinen zehn Quartieren fast 14 Mal so groß wie der Potsdamer Platz in Berlin. Voller Leben und Flair sind bereits Sandtorkai und Dahlmannkai im Westen der HafenCity – die östlichen Bereiche der HafenCity mit dem Überseequartier sollen sukzessive bis 2025 fertig gestellt werden.

Hamburg - HafenCity - Queen Mary 2

Queen Mary 2

Das neue Viertel am Nordufer der Elbe entsteht nicht auf der "grünen Wiese", sondern in einem Gebiet, das schon immer ureigenstes Stadtgebiet war. Die Wurzeln bewahren und Zukunft wagen, ist daher auch Leitidee der Architektur in der HafenCity. Historische Hafenbecken, Kaimauern, Kräne und Brücken kontrastieren dort spannungsreich mit neuen Häusern, die nach internationalen Architektenwettbewerben entstanden – jeder der acht Neubauten am Sandtorkai (1) ist ein Unikat aus Stahl, Glas, Holz und Stein – und fügt sich doch harmonisch in die Architektur der Stadt ein. Straßennamen wie Osaka-Allee, Magellan-Terrassen, Marco-Polo-Platz und Koreastraße erinnern an die weltweiten Verbindungen des Hamburger Hafens, Denkmäler an die turbulente Geschichte des größten deutschen Universalhafens. Besonders grausam ging es zur Zeiten der Hanse zu. Die private Vereinigung von Kaufleuten und Kapitänen musste sich damals immer wieder gegen die Übergriffe von Seeräubern schützen. Besonders die "Vitalienbrüder" oder "Likedeeler" – so genannt, weil sie zu gleichen Teilen ihre Beute aufteilen – mit ihren Anführern Godeke Michels und Klaus Störtebeker wurden zur Gefahr für den Handel. 1400 wurden sie gefangen, am 21. Oktober 1401 durch Enthaupten hingerichtet. In Scharen pilgerte das Volk zur Hinrichtungsstätte am Grasbrook, damals eine sumpfige Insel vor den südlichen Stadtmauern, heute im Herzen der HafenCity, wo auf dem Spielplatz "Schatzinsel" Kinder zu Seeräubern werden – im Schatten der Statue Störtebekers.

Bis 1550 wurden insgesamt 383 Piraten auf dem Grasbrook hingerichtet. Ihre Schädel wurden anschließend auf Pfähle gespießt und am Ufer aufgestellt, damit jeder Seemann erfuhr, wie es demjenigen ergeht, der sich gegen Hamburg stellt.

Hamburg - HafenCity

Übergang zur Speicherstadt

Und noch heute wird jede Kritik, die beim Hamburger Prestigeprojekt laut wird, sogleich negiert. Als der renommierte Stadthistoriker Hermann Hipp 2007 äußerte, die HafenCity sei eine "an den Haaren herbeigezogene Kopfgeburt" mit "langweiligen" Gebäuden, konterte Oberbaudirektor Jörn Walter umgehend: "Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir hier weltweit das beste Projekt seiner Art realisieren werden. Wir bauen hier Stadt – und nicht einzelne Häuser." Heute scheint es, als habe Walter Recht behalten: Die HafenCity funktioniert – als spannendes Quartier zum Leben, Wohnen und Arbeiten, das längst auch Szenegänger, Nachtschwärmer und Künstler anzieht.

Hamburg - HafenCity - Bürogebäude

Bürogebäude

Ihr Wahrzeichen im Westen ist die Elbphilharmonie (2), die seit 2007 auf dem Dach des Kaispeichers A entsteht. Spektakulär wie die Akustik der künftigen Konzerthalle ist ihre Fassade – sie wurde aus 1.089 Glaselementen zusammengesetzt. Einen Vorgeschmack auf das Musikprogramm vermitteln die Elbphilharmonie-Konzerte, Einblicke in Bau und Programm der Pavillon Elbphilharmonie (Magellan-Terrassen, Tel. 0 40 43 28 39 28, www.elbphilharmonie.de).

Hamburg - HafenCity - Traditionsschiffhafen

Traditionsschiffhafen

Im Sandtorhafen (3) (1860), Hamburgs erstes künstlich angelegtes Hafenbecken, wecken drei restaurierte Hafenkräne und die 380 m lange, geschwungene Pontonanlage des Traditionsschiffhafens, an der während des Sommers alte Dampfer und Segler festgemacht sind, maritime Nostalgie. Das Hafenbecken endet an den 5.000 großen Magellan-Terrassen, im Sommer mit ihren drei Ebenen, Rampen und Treppen Treffpunkt der Skater und Bühne für Straßentheater, Lesungen, Kleinkunst und Konzerte. Abends lässt eine geschwungene, zehn Meter hohe und 200 m langes Krone aus Stahl den Platz leuchten.

Jenseits des Großen Grasbrook wurde 2010 der hügelige Sandtorpark (4) mit seinen 20 Jahre alten Sumpfeichen, Esskastanien, Magnolien, Amberbäumen und weiß blühenden Zierkirschen als erste Grünfläche der HafenCity eingeweiht. Größter Aussichtsplatz der HafenCity sind die 6.400 qm großen Marco-Polo-Terrassen mit ihren Holzliegen und Bäumen – sehnsüchtig blickt Klaus Störtebeker von seiner Statue in die Ferne. Den Strandkai dominieren der 55 m hohe Luxuswohnturm "Marco-Polo-Tower" und das Unileverhaus, das für seine nachhaltige Bauweise zahlreiche internationale Preise einheimste. Das öffentlich zugängliche Foyer ist mit DoveSpa, Rama-Kochstudio, Unilever-Shop und Langnese-Café samt Hafenblick Forum für Unilevers Markenwelten. Immer neue Perspektiven auf die wachsende Stadt und die Traumschiffe des Kreuzfahrtterminals HHC-HafenCity erlaubt der orangefarbene, 13 m hohe ViewPoint. Autofreie Shoppingmeile der HafenCity ist der Überseeboulevard mit zahlreichen Cafés, Boutiquen und Galerien. Das erste Teilstück des Lohseparks als größte grüne Oase des Quartiers und Gedenkort für NS-Deportierte soll 2013 fertig gestellt werden. In der benachbarten historischen Speicherstadt informiert das Kesselhaus (5) mit Vorträgen, Ausstellungen, Modellen und Führungen über Hamburgs neuen Stadtteil am Wasser.

Hamburg - HafenCity

Sandtorpark

 

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