Ein Streifzug durch Kiel

 

Ein Besuch in Laboe

Vom Hauptbahnhof fährt ein Schnellbus nach Laboe am Ostufer der Kieler Förde. Viele meinen vielleicht, der beliebte Urlaubsort sei ein Stadtteil Kiels, die Gemeinde gehört aber zum Kreis Plön. 19 Kilometer trennen das 5.000-Seelen-Örtchen von der großen Stadt in der Nachbarschaft und auf dem Weg dorthin vorbei an Mönkeberg und Heikendorf könnte man kurzzeitig den Eindruck gewinnen, man befände sich auf einer Landpartie, so landwirtschaftlich geprägt und spärlich besiedelt zeigt sich das Hinterland.

Laboe - Haupstrand an der Promenade

Hauptstrand

Die Buslinie endet im Hafenbereich und sofort ist man mitten drin, im touristischen Getümmel. Direkt an den Hafen mit vielen Freizeitbooten und Rettungsstation der DGzRS, grenzt der kostenpflichtige Hauptstrand mit zahlreichen Strandkörben auf dem feinen Sand. An der Promenade unmittelbar dahinter finden sich gastronomische Angebote für fast jeden Geschmack und was man sonst für einen gelungenen Urlaub braucht oder zu brauchen glaubt. Alles, was man hier nicht bekommt, findet man in den Läden weiter im Ort. Wenn das Wetter mal nicht mitspielt, ist ein „Plan B“ nicht schlecht, z.B. baden gehen - im überdachten und beheizten Meerwasserschwimmbad direkt am Strand mit Ostseeblick.

Laboe - Fischgeschäft an der Promenade

"Fish to go" an der Promenade

Das liegt auf dem Weg zu der Sehenswürdigkeit, die wohl jeder Besucher von Laboe zumindest von außen schon gesehen hat, gemeint ist das Marine-Ehrenmal (20). Der 85 Meter über der Ostsee aufragende Turm aus rotem Backstein ist schon von weitem und sogar von der anderen Seite der Förde aus zu sehen. Ursprünglich wurde die Anlage als Stätte zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Kaiserlichen Marine geplant und nach einem aus Kostengründen abgewandelten Entwurf des Architekten Gustav August Munzer in Auftrag gegeben. Der Grundsteinlegung 1927 folgte aufgrund der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise bald ein Baustopp, der dazu führte, dass der Bau erst 1936 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Der Ehrung der Gefallenen der Marine später aus beiden Kriegen, folgte nach 1954 eine Neuausrichtung dahin gehend, dass man zusätzlich auch die toten Soldaten anderen Nationen aus den beiden Weltkriegen in das Gedenken aufnahm. Seit einer letzten Umwidmung 1996 ist das Ehrenmal nun ein Denkmal und schließlich - deutlich ziviler ausgerichtet - Gedenkstätte für alle Seeleute jeder Nation, die auf den Meeren den Tod fanden.

Laboe Marine-Ehrenmal

Marine-Ehrenmal

Der wenig schmucke, eher bedrohlich und abweisend wirkende Turm, erinnert in seiner Architektur etwas an einen stilisierten U-Boot-Turm, was vom Architekten allerdings wohl nicht beabsichtigt war. In Ausstellungsräumen im Inneren erfahren Besucher vor allem etwas über militärische und zivile Schifffahrt, angereichert mit reichlich Anschauungsmaterial wie Bildern, Karten, Schiffsmodellen und Flaggen. Wen Geschichte und Gegenwart in diesem thematischen Zusammenhang nicht interessieren, kann sich von der Aussichtsplattform hoch oben einen Überblick über die Gegend verschaffen, 85 Meter über dem Wasser reicht das schon für einen guten Blick in die Ferne. Man erreicht die Plattform über zwei Fahrstühle, sportliche Geister suchen die Herausforderung natürlich auf den 341 Treppenstufen.

Auf den ersten Blick mehr Faszination als das gemauerte Denkmal, löst allerdings das gegenüber auf dem Trockenen liegende U-Boot aus. Das auf der Werft Blohm & Voss in Hamburg gebaute und als U-995 1943 in Dienst gestellte Boot wurde als technisches Museum 1972 dort in Strandnähe sozusagen auf die grüne Wiese gestellt, nachdem andere Standorte aus finanziellen Gründen abgesagt hatten, sie befürchteten zu hohe Kosten allein für Transport und Aufstellung.

Laboe - U-Boot

U-Boot U-995

Unter deutscher Flagge fuhr das Kriegsschiff nur zwei Jahre, dann war der Krieg zu Ende und das Boot wurde dort wo es war, im norwegischen Drontheim, außer Dienst gestellt. Die Königliche Norwegische Marine übernahm das Boot und ließ es weitere Jahre unter der Flagge des skandinavischen Landes fahren, bis die deutsche Bundesmarine es 1965, zwanzig Jahre nach Kriegsende, als ein Akt der Aussöhnung geschenkt bekam. Das vom Marinearsenal in Kiel weitestgehend in den originalen und einen museumstauglichen Zustand versetzte U-Boot gehört nach wie vor der Marine, wird aber als Leihgabe vom Deutschen Marinebund e.V. betrieben, dem das Marine-Ehrenmal gehört.

Laboe - U-Boot U-995 - Turm

Wer unter Klaustrophobie leidet sollte von einer Besichtigung des Bootsinneren absehen. Es lässt sich nur erahnen, wie es den Männern unter Wasser in dieser engen Stahlröhre bei ihren Feindfahrten im Nordmeer erging, die Angst durch Treffer von Wasserbomben oder Torpedos versenkt zu werden und wie die Ratten zu ersaufen vermutlich immer präsent. E-Maschine im Heck beim Einstieg, Dieselmotor, Schlafkojen, Toilette, Küche, Kommandozentrale mit Periskop, Funkerraum - stehen bleiben und sich länger umschauen ist eigentlich nur möglich, wenn der Besucherandrang gering ist oder die „Karawane“ aus anderen Gründen stoppt, etwa weil jemand Schwierigkeiten hat, durch die kleine Öffnung des Schotts zu steigen, das die Zentrale im Ernstfall vom vorderen Bereich des Bootes trennen sollte. Entspannter wird die Besichtigung im Tropedoraum im Bug, denn hier ist auch schon der Ausgang.

Laboe - Strand

Strand jenseits der Touristenmeile

Der Enge des Raumes folgt die Weite am Strand, wenn man das erinnernde und mahnende Ensemble aus Stahl und Stein hinter sich gelassen hat. Hier finden sich all jene ein, die mit Strandkörben nichts am Hut haben, mit ihrem Hund an den Strand wollen oder einfach mehr individuellen Freiraum und Ruhe suchen. Ahoi!

 

Die Reise des Autors wurde weder von offiziellen Stellen gesponsort, noch von anderer Seite durch Sachleistungen unterstützt.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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