Ein Streifzug durch Kiel

 

Der Fährhafen

Kiel - Fähre der Color Line

Oslofähre der Color Line

Wenn es laut und über weite Strecken vernehmlich tutet, weiß man, dass auf der Förde etwas Größeres im Gange ist. Von der Nikolaikirche ist man schnell am Ostseekai und am benachbarten Schwedenkai (4). Für Shipspotter heißt es hier die Kamera zu zücken. Regelmäßig legen vom Schwedenkai sowie vom gegenüber gelegenen Norwegenkai die großen Fähren der Stena Line und der Color Line Richtung Göteborg bzw. Oslo an oder eben ab. Die großen „Pötte“ sind wahrlich ein echter Hingucker und sorgen andernorts an der Ostseeküste wie in Warnemünde bei Rostock für ein kurzes fest eingeplantes Vergnügen bei Wassersportlern: Wellenreiten auf den in Strandnähe anrollenden Bugwellen. Da allerdings viele Hafenbereiche für Dritte, wie guckende Touristen, auch in Kiel gesperrt sind, muss man sich andere Plätze für das persönliche unverstellte Erinnerungsfoto suchen.

Eine gute Möglichkeit bietet die Hörnbrücke, die seit 1997 das Westufer auf Höhe des Bahnhofs mit dem gegenüber liegenden Ufer auf Höhe des Germaniahafens verbindet. Die Brücke ist eine dreigliedrige Faltbrücke und als solche nicht jederzeit begehbar, weil hochgeklappt oder nur für den Verkehr gesperrt, etwa wenn kleinere Schiffe in den hinteren Teil des dort endenden Hafenbeckens wollen oder die Oslofähre der Color Line am Mittag ablegt ( Infos www.kiel.de/leben/verkehr/bus_bahn_und_schiff/hoernbruecke.php).

Kiel - German Naval Yards - U-Boote im Bau

U-Boote im Bau

Eine weitere gute Möglichkeit für das Shipspotting und einen Überblick darüber, was sich sonst so auf oder am Wasser abspielt, bietet das Gebäude der Stena Line, das eine auch über eine Außentreppe zugängliche Aussichtsplattform besitzt. Auf derselben Ebene residiert das Restaurant „Längengrad“ mit eigener Sonnenterrasse. Von der Aussichtsplattform hat man nicht nur einen Blick auf den Fährbetrieb, sondern unter anderem auf eine der größten Werften in Deutschland, die ehemalige Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH, kurz HDW, die heute mit weiteren Werften unter dem Namen der Dachgesellschaft German Naval Yards firmiert. Das lukrative Geschäft und der Export von maritimem Kriegsgerät, das auch auf dieser Werft gebaut wird, sorgt bekanntlich immer wieder für Schlagzeilen und zurecht hitzige Diskussionen. Auch geachtet dessen, ruft etwa der Anblick von U-Booten Bilder aus Wolfgang Petersen’s Film „Das Boot“ und aus der Berichterstattung über den tragischen - allerdings nicht kriegsbedingten - Untergang des russischen atomgetriebenen U-Bootes „Kursk“ im August des Jahres 2000 ins Gedächtnis und sorgt zumindest bei mir nicht nur für eine unangenehme Gänsehaut. Ich empfehle dazu auch einen Besuch in Laboe, aber dazu später mehr.

Kiel - Schifffahrtsmuseum

Schon lange nicht mehr Fischhalle, sondern Schifffahrtsmuseum

Wer mehr über die maritime Geschichte Kiels wissen möchte, kann am Sartorikai das 1978 erstmals eröffnete und nach mehrjähriger Sanierung und Modernisierung 2014 wiedereröffnete Schifffahrtsmuseum (5) besuchen. Das Museum ist in einer ehemaligen Fischauktionshalle untergebracht, die 1909 errichtet wurde und seit 1972 unter Denkmalschutz steht. Die Ausstellung gibt medial aufbereitet und mit Hilfe von Objekten Einblicke in die Geschichte des Schiffbaus, der Fischerei und der Marine in der zeitweise zur Hanse gehörenden Stadt. Ebenso findet der in die Förde mündende Nord-Ostsee-Kanal Beachtung sowie der Segelsport. An der Museumsbrücke nahe des Baus mit seinem charakteristischem Tonnenspitzdach liegen einige Museumsschiffe, die in den Sommermonaten auch besichtigt werden können.

Kiel - Museumsschiffe

Die "Kieler Sprotte" und Museumsschiffe im Hintergrund

Das Kieler Schloss und der Schlosspark

Ebenfalls unter Denkmalschutz steht das Kieler Schloss (6), zu dem ein Wegweiser Besucher oberhalb des Museums führt. Die Nebenresidenz und nur für kurze Zeit Hauptresidenz der Gottorfer Herzöge, die von 1544 bis Anfang des 18. Jahrhunderts die Herzogtümer Schleswig und Holstein, später nur noch Holstein regierten, präsentiert sich, anders als der auch heute noch sehenswerte ehemalige herzogliche und namensgebende Stammsitz Schloss Gottorf bei Schleswig, schlicht. Der Profanbau wurde im letzten Krieg erheblich getroffen und brannte teilweise aus. Reste des ursprünglichen Ostflügels lassen sich von der Fördeseite noch als Sockel des 1961 darauf errichteten Neubaus finden. Der 1695 erbaute Westflügel, der Rantzaubau, hat den Krieg dagegen mit deutlich geringeren Schäden überstanden und lässt heute einen Eindruck darüber aufkommen, wie die gesamte Residenz einmal ausgesehen hat.

Kiel - Schloss - Zar Peter III. von Russland zugleich Herzog Carl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf

Zar Peter III. von Russland zugleich Herzog Carl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf, im Hintergrund der Westflügel des Schlosses

Wie sehr die jeweiligen Historien der europäischen Nationen miteinander verknüpft sind, zeigt sich einmal mehr auch an der Geschichte des Hauses Gottorf, das in einer Nebenlinie dem Haus Oldenburg entsprungen war und von 1751 bis 1818 vier schwedische Könige stellte. Der erste in der Reihe war der jüngere Sohn von Christian Albrecht, jenem Herzog, der 1665 die Kieler Universität gegründet hatte. Ein Spross des Holsteiner Zweiges wurde 1762 gar als Peter III. zum russischen Zaren gekrönt, allerdings regierte er nur sechs Monate. Nachdem seine Ehefrau erfolgreich intrigiert hatte, setzte sie die Regentschaft als Zarin Katharina II., wohl besser bekannt als Katharina die Große, fast bis zum Ende des Jahrhunderts fort, während Peter III. noch im selben Jahr unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Kiel - Schlossgarten - Kaiser Wilhelm I.

Kaiser Wilhelm I. im Schlossgarten

Im weitläufigen angrenzenden Schlosspark haben die Schleswig-Holsteiner einem anderen Herrscher hoch zu Pferde ein Denkmal gesetzt, dem ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I.. Er war zusammen mit Otto von Bismarck maßgeblich daran beteiligt, dass das heutige Bundesland gegen die Dänen im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und wenig später gegen die Interessen Österreichs ein Teil des Deutschen Reiches wurde.

Kiel - Schlossgarten - Denkmal zur Erinnerung an gefallene Soldaten im Krieg 1870/71

Denkmal zur Erinnerung an den Deutsch-Fransösischen Krieg 1870/71

Doch bevor letzteres in Form eines Nationalstaates überhaupt Realität wurde, kam es zum 1870/71 zum Krieg mit Frankreich, an den und die auf deutscher Seite gefallenen Soldaten ebenfalls im Schlosspark mit einem Denkmal erinnert wird. Aber Kaiser, die Gottorfer und andere ungewählt Herrschende sind fort, im Park herrscht jetzt die Ruhe, und zahlreiche Bänke laden zum Päuschen ein, bevor es rings herum wieder geschäftiger wird.

Kiel - Pflanzen im Schlossgarten

 

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