Ein Streifzug durch Kiel

 

Entlang der Kiellinie mit Altem Botanischen Garten, Gorch Fock und Flandernbunker

Kiel - Alter Botanischer Garten

Im Alten Botanischen Garten

Wasser auf der einen und viel Grün auf der anderen Seite, die Kiellinie ist im innenstadtnahen autofreien Abschnitt eine maritime Flaniermeile par excellence mit kleinen Marinas, Restaurants, Bars, Cafés und dem einen oder anderen obligatorischen mobilen Stand mit Fischbrötchen, Backfisch usw., die zu Zeiten der Kieler Woche noch dichter bevölkert wird, schließlich gibt es von hier einen freien Blick auf den Schiffsverkehr auf dem Wasser. Offenbar wissen auch viele Landespolitiker diesen Streifen zu schätzen, liegen doch Gebäude der Landesregierung Schleswig-Holsteins in Ufernähe mit Blick auf die Förde - sei es ihnen gegönnt, solange es die politischen Entscheidungen nicht verwässert ...

Kiel - Alter Botanischer Garten - Araukarie

Blätter einer Araukarie, die eigentlich auf der Südhalbkugel beheimatet ist

Auf natürliche Weise gut gewässert werden allerdings die Pflanzen im Alten Botanischen Garten (10), zu dem ein Wegweiser von der Kiellinie aus führt. Anders als der erste seiner Art in Kiel über 200 Jahre zuvor und weitere später folgende, existiert der 1884 eröffnete Alte Botanische Garten auch heute noch. Seine ursprüngliche Bedeutung hat die Grünanlage allerdings verloren, als Mitte der 1970er Jahre auf dem Uni-Campus ein neuer Botanischer Garten angelegt wurde und in der Folgezeit viele Pflanzen dorthin umzogen. Zurück blieben vor allem Bäume wie Araukarie, Ginkgo, Tamariske, Urweltmammutbaum und Sträucher wie etwa eine in China beheimatete Rauhe Hortensie. Es ist wohl dem „Verein zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens Kiel e.V.“ zu verdanken, dass die Anlage heute nicht nur als Natur- und Kulturdenkmal ausgewiesen ist, sondern als öffentlicher Park, der von vielen Kielern auch gerne angenommen und besucht wird.

Kiel - Alter Botanischer Garten - in China beheimatete Rauhe Hortensie

In China beheimatete Rauhe Hortensie im Alten Botanischen Garten

Viele Fußwege schlängeln sich durch den 2,5 Hektar großen und mit immerhin 20 Metern Höhenunterschied für norddeutsche Verhältnisse ziemlich hügeligen Garten. Vorbei auch an einem Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Fachwerkhaus auf dem Areal, in das 1998 das Literaturhaus Schleswig-Holstein eingezogen ist, das den Park selbst mitunter als Aktionsfläche nutzt. An höchster Stelle der Anlage erhebt sich seit 1988 neben dem ehemaligen Gewächshaus in Erinnerung an den technischen Leiter des Botanischen Gartens Hermann Jacobsen ein achteckiger Backsteinpavillon mit einem kleinen Ausstellungsraum im Inneren und einem über eine schmale Treppe begehbaren Flachdach, das von einer schmiedeeisernen offenen Haube überspannt wird. Anders als von den zahlreichen Sitzbänken im Park, hat man von eben jenen dort oben sogar einen Blick durch die Baumkronen auf die Förde.

Kiel - Alter Botanischer Garten - Backsteinpavillon

Wieder zurück auf der Kiellinie endet die Ruhe, wenn die autofreie Zone zur Straße mit nun deutlich schmalerem kombiniertem Fuß-und Radweg ohne Abgrenzung zur Wasserseite wird. Da heißt es dann für Radler und Fußgänger: Augen auf im Straßenverkehr, sonst endet der Weg etwa für „Smartphone-Gaffer“ schnell mal im Nass der Ostsee. Das dagegen ist für die Sommermonate genau das Geschäft des Seebades Düsternbrook (11), das mit 60-Meter-Bahn, Sprungbrett und auch einem Nichtschwimmerbereich für einen Besuch wirbt. Das Bad ist der hintere Teil einer Seebrücke, wie sie ab Ende des 19. Jahrhunderts an zahlreichen Orten an der Ostsee-Küste errichtet wurden, etwa auf Rügen oder auf Usedom. Ganz so spektakulär im Erscheinungsbild präsentiert sich die ganzjährig geöffnete Seebar auf Stelzen im Wasser der Kieler Förde nicht, aber einen Besuch ist sie dennoch wert, auch wenn das dahinter gelegene Seebad gerade keine Saison hat, schon allein durch das Ambiente.

Kiel - Seebad Düsternbrook

Seebad Düsternbrook

Von der Seebrücke ist der Marinestützpunkt Tirpitzhafen im Stadtteil Wik schon in Sicht. Benannt nach Alfred von Tirpitz, der Flottenadmiral zur Zeit Kaiser Wilhem II. und einer der Köpfe des aus heutiger Sicht größenwahnsinnigen Plans war, das Empire jenseits des Ärmelkanals zur See besiegen zu wollen. Wie die Geschichte zu berichten weiß, wurde daraus trotz auch aus damaliger Sicht irrsinniger finanzieller Investitionen in den Bau von Dickschiffen nichts - sie kamen seltener zum Einsatz als geplant, in Kiel meuterten schließlich im November 1918 die Matrosen und läuteten damit mit das Ende des Krieges ein und 1919 versenkten deutsche Offiziere fast alle der 74 Schiffe der Hochseeflotte in Scapa Flow, einer Bucht vor den Orkney Inseln, wo die Flotte interniert war. Wenn die Deutschen ihre Kaiserliche Kriegsflotte nicht behalten durften, sollte sie eben keiner bekommen, so die damalige Meinung. Heute ist der Schiffsfriedhof vor dem schottischen Archipel ein beliebtes Ziel für Wracktaucher.

Wirklich viel sieht man von dem strategisch günstig in unmittelbarer Nähe zum Nord-Ostsee-Kanal und der offenen Ostsee gelegenen Hafen und den gerade darin vertäuten Schiffen nicht, so vielleicht die Aufbauten von den Booten des hier stationierten 3. Minensuchgeschwaders. Ein Highlight ist allerdings das ebenfalls hier beheimatete Segelschulschiff Gorch Fock (II). Die 1958 gebaute Bark der Marine mit ihrem weißem Metallrumpf und unter Fahrt ebensolchen Segeln ist nicht nur ein beeindruckender Anblick für Fans großer Windjammer. Dagegen erscheinen die Boote der Freizeitsegler in der vorgelagerten Marina dann doch eher wie Nussschalen.

Kiel - Gorch Fock II am Tirpitzhafen

Die Gorch Fock II am Tirpitzhafen

Schräg gegenüber des Marinestützpunktes steht seit 1943 als nahezu unzerstörbares Relikt einer dunklen Zeit der sogenannte Flandernbunker (12). Auch wenn das seit Anfang 2005 unter Denkmalschutz stehende Gemäuer durch nachträglich eingebaute große Fenster über alle drei Etagen ein etwas freundlicheres Äußeres bekommen hat, kann man sich vorstellen, wie die Menschen hinter den zweieinhalb Meter dicken hässlichen, absichtlich ungetüncht belassenen Betonmauern und unter einem noch über einen Meter stärkeren Dach ausharrten, während am Himmel über Kiel die Motoren der alliierten Bomber dröhnten. Aber nicht nur die Zivilbevölkerung suchte hier Zuflucht, hier war die Flugabwehr- und Notkommando-Zentrale des Marinehafens untergebracht. Da ein Abriss des 12,5 Meter hohen Betonklotzes selbst mit heutigen technischen Mitteln eine Herausforderung wäre, steht der Bunker bis heute.

2001 erwarb der Verein „Mahnmal Kilian e.V.“ den Bunker und betreibt ihn seit dem Umbau als Begegnungs- und Bildungsstätte, Museum und Mahnmal, in dem auch Ausstellungen stattfinden. Der Name des 1995 gegründeten Vereins geht auf die Ruine des U-Bootbunkers Kilian am Ostufer der Förde zurück, die als Kulturdenkmal zu erhalten sich der Verein gegründet hatte. Nach dem vergeblichen Versuch, ist der Verein mit dem Flandernbunker sichtbar erfolgreicher. Dessen Name leitet sich übrigens von dem damals in der Nachbarschaft stehenden Flandern-Denkmal ab, das 1927 zur Erinnerung an die Gefallenen des nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im November 1914 gegründeten Marinekorps Flandern errichtet worden war. Das Denkmal wurde 1945 zerstört.

Kiel - Flandernbunker

Denkmal und Mahnmal - der Flandernbunker im Stadtteil Wik

Der bereits erwähnte Großadmiral Tirpitz war es auch, der die nicht weit von Marinehafen und Flandernbunker entfernt in der Weimarer Straße gelegene evangelische Petrus-Kirche errichten ließ. Klingt erstmal eigenartig, aber der Bau aus rotem Backstein wurde zwischen 1905 und 1907 als Garnisonskirche errichtet für die damals zunehmende Zahl an Angehörigen der Marine, sie ersetzte die zu klein gewordenen Vorgängerin an anderer Stelle. Entworfen wurde die Jugendstilkirche, übrigens eine der größten und bedeutensten Jugendstilkirchen in Deutschland, von den namhaften Architekten Robert Curjel und Karl Moser, die dem Sakralbau einen breiten, wuchtig wirkenden Turm angedeien ließen. Gedenktafeln im Inneren und im Außenbereich, sowie dort auch ein Denkmal erinnern bis heute an die Toten der Kaiserlichen Marine.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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