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Gent - Zentrale Universitätsbibliothek der Reichsuniversität Gent

Henry van de Velde – dieser Name hat in der Architekturgeschichte einen Klang. Seine Entwürfe, so auch der so genannte Genter Bücherturm, sind Meilensteine der Architektur. Ohne ihn gäbe es das Bauhaus nicht, hatte er doch zuvor die Kunstschule in Weimar konzipiert, aus der das Bauhaus hervorging. In Deutschland ist van de Velde auch kein Unbekannter. So verdanken wir ihm unter anderem den Hohenhof in Hagen, das Karl-Osthaus-Museum am gleichen Ort und das Haus Esche in Chemnitz.


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Mit dem Belfried und dem Turm der St.-Bavo-Kathedrale streitet der 64 Meter hohe Bücherturm mit seinen 21 Geschossen über die Lufthoheit über der Stadt. Der Bau, der seit 1992 unter Denkmalschutz steht, ist schlicht und ohne Dekors. Lediglich die vertikalen „Fensterschlitze“ in der Haut des Turms und das Belvedere mit Art-deco-Anmutungen können als sehr zurückgenommener Bauschmuck angesehen werden. Das Funktionale beherrscht die Form – das ist das ins Auge springende Credo.

An den Bücherturm schließen sich u-förmig der Katalog- und Lesesaal sowie der Verwaltungsblock an. Allein 46 Kilometer Buch- und Zeitschriftenbestände sind im Bücherturm untergebracht. Entstanden ist das funktionale Bauwerk zwischen 1935 und 1940. Zu diesem Zeitpunkt war Henry van de Velde bereits 70 Jahre alt. Er sollte die ehemalige Cité Ouvrière auf dem Blandijnberg überplanen. Ohne langes Zögern entschied sich der brillante Architekt für eine Landmarke, einen Turm, der weithin sichtbar ein Symbol für Wissenschaft und Weisheit darstellen sollte. Unumstritten war die Idee von van de Velde nicht. So wurde nach einer Alternative gesucht und Armand Cerulus um einen Gegenvorschlag gebeten. Doch Henry van de Velde hielt unbeirrt an seinem Konzept fest: Ein Turm aus Rohbeton, dessen Sockel mit Steinen ummantelt ist und die Form eines griechischen Kreuzes besitzt, musste es sein. Ohne Unterstützung durch die Kompetenz eines Gustave Magnel und Jean-Norbert Cloquet, die sich mit Betonbauten auskannten, hätte der Bau jedoch nicht begonnen werden können. Dass die Wahl auf Beton als Werkstoff fiel, war dabei ein Bekenntnis zu moderner Bautechnik.

Van de Velde steht aber auch für den Begriff des Gesamtkunstwerks. So entwarf er auch die schwarzen Profilrahmen, die Verkleidung der Radiatoren, das Mobiliar und die Türgriffe. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs mussten allerdings Abstriche an den Gebrauch bestimmter Materialien gemacht werden. Beispielsweise wurden nicht alle Möbelentwürfe realisiert. Lediglich die Kunstwerke von Karel Aubroeck und Jozef Cantré wurden ausgeführt, andere wurden aufgegeben.

Da der Zahn der Zeit an dem modernen Bau nagte, ergaben sich bereits in den 1980er Jahren Ansätze, die Restaurierung in Angriff zu nehmen. Doch die hohen Kosten verhinderten nicht nur zu diesem Zeitpunkt, sondern auch später die Umsetzung der notwendigen Arbeiten. 2003 schätzte man die Kosten auf 41 Mio. Euro, für die es allerdings keine Finanzierung gab. So wurde es wieder still um den Bücherturm. Erst im Dezember 2005 gab es die finanziellen Mittel, um dieses Meisterwerk der Moderne instand zu setzen.

Bücherturm/Boekentoren/Unibibliothek
Rozier 9
9000 Gent
Tel. 0032 - (0)9 - 2 64 38 51
Fax 0032 - (0)9 - 2 64.38.52
secretariaat@mail.lib.ugent.be
http://www.boekentoren.be/
www.lib.ugent.be



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