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Spanien im Überblick

"Wäre es nicht besser, statt von Spanien über 'die Spanien' zu sprechen?" hat der bekannte Dichter Juan Goytisolo einmal gefragt. Unterschiedlich wie all die Wirklich- und Befindlichkeiten der Regionen sind ihre landschaftlich-kulturellen Schätze. Da gibt es die grünen Buchten Kantabriens und die Halbwüstengebiete Almerías, die kargen Klippen La Gomeras und die sonnendurchfluteten Strände der Costa del Sol, die maurischen Schätze Andalusiens und die präromanischen Kirchen Asturiens - und natürlich Top-Museumsadressen wie das Guggenheim-Museum von Bilbao.

Puente la Reina

Die romanische Brücke von Puente la Reina

Die Drei-Millionen-Hauptstadt liegt mittendrin, im geografischen Herzen der Iberischen Halbinsel. Seit den Zeiten Philipps II., der sie 1561 zur Hauptstadt erhob, ist Madrid mit den Zugewanderten gewachsen und zeigt sich als ein munter zusammengewürfeltes Stück Spanien. Und als Stadt von Welt, die niemals schläft und Besucher zu jeder Jahreszeit mit seiner musealen Hochkultur und all den Theatern, Plätzen, Kinos, Restaurants und Kneipen auf Citytrip lockt. Zu den Ereignissen zählen Opern im Teatro Real (Plaza de Oriente) und Musicals im Teatro Lope de Vega (Gran Vía 57). Das "goldene Kulturdreieck" wird von den Museen Prado, Thyssen-Bornemisza und Reina Sofía geformt. Die Spanne reicht von den alten Meistern Velázquez und El Greco (Prado), Rubens und van Gogh (Thyssen-Bornemisza) bis zu Picassos weltberühmten Antikriegsgemälde "Guernica" im Kunstzentrum Reina Sofía. Ein ganz besonderer Kunst-Tipp für jene, die ungern auf ausgetretenen Pfaden à la Prado wandeln: die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in der Calle Alcalá 13 mit Werken von Rubens, Goya und Zurbarán. Weitere "Pflichten" in Madrid sind der Palacio Real (Königspalast mit prachtvoll ausstaffierten Sälen), der allsonntägliche Rastro-Trödelmarkt, der Parque del Retiro, die Ermita de San Antonio de la Florida (mit Goyas Deckenfresko und seinem Grab) sowie die beiden Klöster Descalzas Reales und Encarnación, hinter deren Mauern die Ordensschwestern seit Jahrhunderten wertvolle Kunstschätze horten.

Von Madrid aus kann man sternförmig ausschwärmen und zahlreiche Ziele von Weltruf angehen, die die UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben hat: im Osten die alte Universitäts- und Klosterstadt Alcalá de Henares (hier wurde Cervantes geboren), im Süden Toledo mit seiner mittelalterlichen Altstadt und den Spuren aus jüdischen und maurischen Zeiten (außerdem: El-Greco-Museum), im Nordwesten die prächtig ausstaffierte Klosterresidenz El Escorial (mit dem Pantheon zahlreicher spanischer Monarchen), Ávila mit seinem mittelalterlichen Ringwall (hier wurde die Mystikerin Teresa von Ávila geboren) sowie Segovia, in dem der römische Aquädukt, die Kathedrale und der Alcázar hervorstechen. Richtung portugiesische Grenze ist die weltberühmte Universitätsstadt Salamanca erreicht (prächtiger Zentralplatz), weiter südlich breitet sich das "spanische Armenhaus" aus, die . Weil die Region seit jeher arm und abgeschieden war, hat es von hier aus zahlreiche Auswanderer und Glücksritter in die Welt hinausgetragen. So wie Hernán Cortés (1485-1547), der in Mexiko das Reich der Azteken unterwarf, und Francisco Pizarro (1478-1541), der das Imperium der Inka auslöschte. Zu den verborgenen Glanzlichtern der Extremadura zählen Mérida mit seinem römischen "Wunder-Aquädukt" (Acueducto de los Milagros) und Cáceres mit seiner prächtigen Altstadt.

Picos de Europa

Die Picos de Europa im Norden der Iberischen Halbinsel

Mitten durch den grünen zieht sich der Jakobsweg von den Pyrenäen zum Grab des Apostels Jakobus nach . Schon im Mittelalter strömten Pilger dorthin, seit einigen Jahren erlebt der "Camino de Santiago" eine riesige Renaissance. Unterwegs öffnen sich Kathedralen und Klöster als kunsthistorische Schatzkammern, umrahmt von facettenreicher Natur. Der Jakobsweg führt durch die frischen Höhenzüge Navarras, die Weinregion La Rioja, die endlosen Weiten der Meseta, dann bergauf bergab über Galiciens fruchtbare Hügel bis ins äußerste Nordwesteck der Iberischen Halbinsel. Von mysteriösen Lichtern geleitet, entdeckte Einsiedler Pelayo dort zu Beginn des 9. Jahrhunderts das Grab des Apostels Jakobus - Legende und Wunder als Springquell des Pilgerwesens. Die Frage nach dem "wahren Jakob" sei erlaubt, die Antwort ist Glaubens- und für viele Nebensache. Hier gilt das alte Pilgermotto: Der Weg ist das Ziel - und der ist von Höhepunkten gesäumt. Dazu zählen das mittelalterlich geprägte Pamplona (bekannt auch wegen der Stiertreiben während der großen Sanfermines-Fiesta vom 6.-14. Juli), die romanische Brücke von Puente la Reina, die Rioja-Hauptstadt Logroño, die gotischen Prachtkathedralen von Burgos und León und die Templerburg von Ponferrada. Die Altstadt von Santiago de Compostela zeigt sich als Freilichtmuseum in Stein und wird - wie könnte es anders sein - von der himmelsstürmenden Kathedrale beherrscht. Westlich und südlich von Santiago ist die herrliche Fjordlandschaft Galiciens rasch erreicht. Wildromantisch geht es rund um den Meeresarm von Muros sowie um das Fisterra-Kap zu, beliebte Feriengebiete sind O Grove und Sanxenxo.

Am Mittelmeer sieht die Welt zunächst ähnlich rau aus - allerdings liegen die sommerlichen Badetemperaturen um ein paar Grad höher als die des Atlantiks. Einstiegsregion von Frankreich her ist Katalonien mit seiner Costa Brava, der rund 200 km langen "Wilden Küste". Hier züngeln Felsenzungen weit ins Meer hinein, hier stemmen sich Klippen gegen peitschende Winde und Wogen, hier ragen bizarre Inseln wie Haifischflossen empor. Dazwischen findet man immer wieder verträumte kleine Buchten, lange Strände wie Roses und das berühmt-berüchtigte Lloret de Mar sowie charmante Altstädte im Stil von Tossa de Mar. Taucher und Schnorchler zieht es zu den Medes-Inseln, Kulturfreaks geradewegs hinein ins "Dalí-Dreieck". In seinem Haus in Port Lligat, im Teatre-Museu von Figueres und im Schloss von Púbol hat es Salvador Dalí unzweifelhaft auf die surrealistische Spitze getrieben.

Als vibrierende Mittelmeer-Metropole zeigt sich - ein Stück weiter südlich - Barcelona. Hier schlendert man über die Flaniermeile Rambles und rund um den Olympiahafen, taucht ins altehrwürdige Gotische Viertel ein und geht im vorzüglich aufbereiteten Aquarium auf Rollbandfahrt durch den Glastunnel, umgeben von Haien und vier Millionen Litern Salzwasser. Barcelonas Stadtteil Eixample steht für die Jahrhundertarchitektur Antoni Gaudís. Wahrzeichen ist der Temple Expiatori de la Sagrada Família, die Sühnekirche, deren Bildersprache und Symbolik sich um das Geheimnis der Kirche sowie Geburt, Leiden und Verherrlichung Jesu Christi dreht; bis heute ist das Gotteshaus unvollendet, Baugerüste und surrende Kräne werden voraussichtlich noch ein weiteres Jahrhundert das Bild bestimmen. Zum Citytrip Barcelona gehören weitere lohnende Ziele: die Kathedrale, der Palau Reial Major (vormaliges Königspalais), der Palau de la Música Catalana (Katalanischer Musikpalast), Gaudís Parc Güell und die Casa Milà (kuriose Dachterrasse mit skulpturengleichen Schornsteinen und Belüftungstürmen), die Museen Picasso und Miró, das in den alten königlichen Werften untergebrachte Seeschifffahrtsmuseum und der Aussichtsberg Tibidabo.

Olvera

Fast ganz in Weiß: Olvera

Am Mittelmeer reihen sich die Küstenabschnitte Ost- und Südspaniens mit klingenden Namen auf: die "Goldküste" um Tarragona (Costa Dorada), die "Orangenblütenküste" um Castellón de la Plana (Costa del Azahar), die Küste um berühmte Fiestastadt (Fallas Mitte März) die "Weiße Küste" bei Alicante (Costa Blanca) und die andalusische "Sonnenküste" um Málaga und Marbella (Costa del Sol). Vieles liegt fest in deutscher Hand, ebenso wie auf den Balearen und den . Beide Archipele stehen nicht nur bei Sonnenhungrigen, sondern auch bei Wanderern und anderen Naturliebhabern hoch im Kurs. Überall grünt und blüht und gedeiht es, ob Orangen auf , Mandeln auf oder Bananen auf La Gomera. Und auf der rauen, von ihren "Feuerbergen" geprägten Kanareninsel erwachsen Weintrauben aus Vulkanerde.

Zurück auf dem Festland, in , macht man Bekanntschaft mit der Kultur von Vertriebenen: den steinernen Erbstücken der Mauren, die Spaniens Süden 711-1492 ihr unnachahmliches orientalisches Gepräge gaben. Architektonische Höhepunkte sind die Alhambra und das Albaycín-Stadtviertel in , die Moschee der alten Kalifenstadt Córdoba sowie die Giralda in , ein heute zur Kathedrale gehöriges Minarett. Andalusien steht auch für seine berühmten "Weißen Dörfer" wie Vejer de la Frontera und Cómpeta, den köstlichen luftgetrockneten Schinken aus Jabugo und Trevélez sowie lauschige Hinterlandstädte wie Ronda, die schon den Dichter Rainer Maria Rilke ins Schwärmen gerieten ließen.

Andreas Drouve

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