Reisemagazin schwarzaufweiss

Im Südwesten Mallorcas

Peguera und Umgebung entdecken

Text und Fotos: Stephan Eigendorf

Manch einer erinnert sich vielleicht an die Satire „Man spricht deutsch“, in der der Schauspieler und Kabarettist Gerhard Polt als Vater einer ‘typisch deutschen’ Urlauberfamilie das Verhalten deutscher Touristen im Ausland sehr unterhaltsam karikierte und sämtliche Klischees bediente. Anders als der Titel vermuten lässt, gab es dann allerdings doch das Verwirrung stiftende eine oder andere Sprachverständigungsproblem. So etwas kann dem deutschen Touristen in Peguera (kastilisch Paguera) auf der Baleareninsel Mallorca allerdings eher selten passieren, denn der rund 24 Kilometer von Palma de Mallorca entfernt im Südwesten gelegene Ort sei der Urlaubsort der Deutschen auf der Insel, hatte ich vor der Reise in einem Reiseführer gelesen.

Mallorca - Peguera - Blick auf den Platja Palmira

Blick auf Peguera und den Platja Palmira

Ein Bummel über den Bulevar de Peguera, mit seinen Cafés, Restaurants und den vielen Geschäften in denen man wenig nicht kaufen kann, offenbart jedenfalls schnell, wer Hauptadressat der Angebote ist. Auf Menütafeln werden auf deutsch auch Sauerkraut, Kohlrouladen, Thüringer Bratwurst und deutsches Bier angepriesen, Sonderangebotsschilder laden auf deutsch zur Schnäppchenjagd ein und die Kellner in den Hotels sprechen oft verständlicher unsere Sprache als manch mundartlicher Bayer für einen Norddeutschen. Alles also fest in deutscher Hand. Angesichts der nahezu totalen Abhängigkeit vom Tourismus können sich die Mallorquiner nicht einmal eine Identitätskrise erlauben.

Mallorca - Peguera - Platja de Tora

Platja de Torá

Parallel zum vielbefahrenen Bulevar de Peguera, der seit einiger Zeit Einbahnstraße ist, verläuft die Strandpromenade, wo sich Cafés, Restaurants und Hotels aneinander reihen. Sucht man andernorts mitunter vergeblich nach einem Fleckchen Strand, hat Peguera (1) mit dem Platja Palmira, dem Platja de Torá und dem Platja de la Romana gleich drei schöne Strände, die auch für Kinder zum Baden gut geeignet sind. Während Palmira, der größte der drei, und Torá über den Bulevar erreichbar und nur durch einen Felsvorsprung voneinander getrennt sind, liegt der kleinste, der Platja de la Romana, etwas abseits am Waldrand und ist am besten über einen Fußweg vom mittleren Strand aus zu erreichen.

Ist der Touristenandrang in der Nebensaison noch überschaubar und so manches Geschäft bis Anfang April noch geschlossen, herrscht an den Stränden im Sommer tagsüber dann doch eher Belagerungszustand und nach Einbruch der Dunkelheit Nightlife in den Straßen. Wer mal etwas anderes sehen möchte und Abwechslung braucht, findet in der Umgebung von Peguera allerdings einiges, das einen Besuch wert ist.

Cala Fornells und Wanderung nach Camp de Mar

Mallorca - Cala Fornells

Cala Fornells

Wirklich lohnenswert ist eine Wanderung von Peguera aus in die Nachbarbucht Cala Fornells und das dahinter liegende Naherholungsgebiet. Eine Treppe am rechten Ende der Strandpromenade des Platja Palmira kürzt einen Teil der Straße nach Cala Fornells deutlich ab. Hoch über dem Meer führt der Weg dann direkt an der Küste entlang. Architektonisch ansprechende Häuser säumen die schmale Straße zu beiden Seiten und ziehen sich den steilen felsigen Hang hinauf.

Mallorca - Cala Fornells - Blumen

Dennoch hat man schon vom Fußweg aus immer wieder über mit Palmen, Kakteen und blühenden Büschen bepflanzte Gärten und Terassen hinweg einen weiten Blick über die Bucht und auf das offene Mittelmeer. Fast wieder am Meeresniveau angekommen führt die kurvenreiche Straße zwischen einigen Hotels hindurch an einem wirklich kleinen Sandstrand vorbei. Zwar ist benachbarte Teil des Uferbereichs flach betoniert, so dass man auch mit Liegen und Stühlen direkt am Wasser sein kann, aber wer einen langen Sandstrand bevorzugt, ist hier definitiv falsch.

Mallorca - Cala Fornells

Cala Fornells

Vorbei an den Hotels endet die Asphaltstraße endgültig als Schotterpiste auf einem Waldparkplatz im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet Cap Andritxol. 184 Hektar des Gebietes wurden 1991 unter Schutz gestellt und eignet sich hervorragend auch für stundenlange Wanderungen durch das hügelige Gelände. Nimmt man im Pinienwald die richtige Abzweigung, gelangt man zur Caló des Monjo, zur rund 230 Meter tiefen Mönchsbucht. Da unterwegs keine Wegweiser die Richtung zeigen, sollte man sich vorab auf der Infotafel am Parkplatz orientieren. Bei schönem Wetter wirkt der Meereseinschnitt nahezu traumhaft, durch die nur 150 Meter breite Öffnung ist das Wasser ruhig und klar, wenn nicht gerade der Wind von See kommt und die Wellen hineindrückt, die sich dann Gischt spritzend am Fels brechen.

Mallorca - Caló des Monjo

Caló des Monjo

Nicht weit von der Mönchsbucht entfernt, gibt es einen Pass über den hoch aufragenden Bergrücken in das nächste Tal nach Camp de Mar (2). Der kleine Badeort mit Sandstrand ist auch ein wenig ein Ort der Reichen und der Schönen, was nicht zuletzt auch dem ausladenen Golfhotel am Ortsausgang mit seinen Greens zu beiden Seiten der Ausfallstraße geschuldet ist. Wer sich nach einer Ortsbesichtigung nicht wieder per Pedes auf den Weg nach Peguera machen möchte, kann kurz hinter dem Kreisverkehr nahe des Golfhotels in den Bus Richtung Palma (102) steigen.

Mallorca - Strand von Camp de Mar

Am Strand von Camp de Mar

Im Hafenort Port d’Andratx

Wenige Kilometer von Camp de Mar entfernt liegt der Hafenort Port d’Andratx (3) , ein beliebtes touristisches Ausflugsziel, das man ebenfalls mit dem Bus Nr. 102 erreicht. Geschäfte und zahlreiche Cafés direkt am Kai laden zum Bummeln und Verweilen in Nachbarschaft zu den schaukelnden Booten in der Marina ein. Wem der Ausflug in den Hafenort nicht reicht, kann von hier mit dem Boot auf die „Dracheninsel“, Sa Dragonera, eine unter Naturschutz stehende unbewohnte Felsinsel übersetzen. Es ist allerdings angeraten Verpflegung und vor allem Getränke mitzunehmen.

Mallorca - Boote in Port d'Andratx

Boote in Port d'Andratx

Von Peguera durch den Wald nach Costa de la Calmà und Santa Ponça

Hinter der Hotelanlage HAPIMAG am anderen Ende von Peguera am Platja de la Romana führt ein kleiner Wanderweg in ein direkt an der Küste gelegenes Waldgebiet. Der Hauptweg ist in regelmäßigen Abständen durch blaue Markierungen an Bäumen kenntlich gemacht, aber mitunter lohnt ein kleiner Abstecher über einen der Trampelpfade nach rechts unmittelbar an den Rand des felsigen Ufers. Denn der Nadelwald liegt einige Meter über dem Meeresspiegel und der Ausblick von dort oben zurück auf Peguera, den rauhen Küstenstreifen und Costa de la Calmà bzw. Santa Ponça ist sehr sehenswert. Der Gang durch die Natur endet allerdings etwas abrupt schließlich in Costa de la Calmà (4).

Mallorca - Blick auf Peguera

Weiter Blick auf Peguera

Während man links hinunter zurück zum Ausgangspunkt in Peguera kommt, führt der Weg rechts zunächst bergab durch ein Villenviertel und weiter unten im Tal an zahlreichen relativ großen Hotelkästen vorbei Richtung Strand, zum Platja de Santa Ponça (5). Der eine oder andere Irish Pub und Angebotsschilder für Fish & Chips sowie englisches Frühstück zeigen, dass hier mehrheitlich Briten ihren Urlaub verbringen. Unsere auf Englisch gestellte Frage nach dem richtigen Weg, quittierte der spanische Ladenbesitzer allerdings mit einer Gegenfrage nach unserer Nationalität, um schließlich zu bemerken „ich spreche deutsch, kein Problem ...“. Da war es wieder, man(n) spricht deutsch.

Leider ist die lang gestreckte Bucht zu beiden Seiten bis ans Ufer ziemlich dicht bebaut, so dass man von dem breiten Strand am Ende der Cala de Santa Ponça stets auch die teilweise siebenstöckigen und architektonisch wenig ansprechenden Hotels im Blick hat, wenn man aufs Wasser schaut, schade. Hinter dem Strand fährt auch hier der Bus Nr. 102 zurück nach Peguera oder in die andere Richtung nach Palma.

Durch die Altstadt von Palma de Mallorca

Mallorca - Palma de Mallorca - Kathedrale

Die Kathedrale von Palma de Mallorca

Wer Palma de Mallorca (6) nur durch die Scheiben des Mietwagens oder Transferbusses gesehen hat, mag die Inselhauptstadt als wenig einladend empfunden haben, schließlich ist die Stadt mit einer halben Million Einwohnern, anders als die vielen Touristenorte der Insel, eine Großstadt mit allem was dazu gehört. Allerdings sollte man sich nicht abschrecken lassen, die Altstadt ist unbedingt einen Besuch wert, insbesondere die riesige gotische dreischiffige Kathedrale direkt hinter der alten Wehrmauer.

Palma de Malorca - eine der zahlreichen Kapellen in der Kathedrale

Eine der zahlreichen Kapellen in der Kathedrale

Der beeindruckende auf einem Küstenfels errichtete Kalksteinbau wurde bereits 1306 begonnen und 1601 beendet. Nicht minder beeindruckend ist das Innere des Sakralbaus, der neben der Präsentation von wertvollen Gegenständen wie z.B. einer Monstranz in goldlegiertem Silber aus dem Jahr 1585, Wandteppichen aus dem 16. Jahrhundert und Gemälden aus dem 15. Jahrhundert mehr als ein Dutzend zum Teil kostbar dekorierte Kapellen in den Seitenschiffen beherbergt. Um einen Überblick zu behalten nimmt man am Eingang am besten gleich einen dort ausliegenden kostenlosen Museumsführer mit. Doch nicht nur das Interieur, allein schon die Höhe des Zentralschiffs mit seinen 43,14 Metern wirkt Respekt einflößend.

Mallorca - Palma de Mallorca - Palau de l'Almudaina

Palau de l'Almudaina

Der Bau neben der Kathedrale ist übrigens der Palau de l'Almudaina. Der als maurische Festung errichtete Palast, wurde im 14. Jahrhundert nach der Vertreibung der Araber von dem spanischen König Jaume II zum Sommerplast umgebaut. Noch heute nutzt der spanische König den prächtigen Palast zeitweise, weshalb er nur teilweise für Führungen freigegeben ist.

Palma de Mallorca

In der Altstadt

Bevor Sie sich durch die Altstadt mit ihren netten schmalen Gassen mit den zahlreichen Plätzen aufmachen, empfehle ich Ihnen, sich bei der Tourist Information nahe der Bushaltestelle vor der Kathedrale einen kostenlosen Stadtplan zu besorgen. Darin sind neben den Straßen auch die sehenswertesten Gebäude in der Altstadt eingetragen. Wen es allerdings mehr ans Wasser zieht, der findet jenseits der Altstadt auch in der Hauptstadt lange Sandstrände.

 

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