Reisemagazin schwarzaufweiss

Lanzarote, geboren aus Feuer und Wasser

 

Text: Ralf Nestmeyer
Fotos: Karl-Heinz Antelmann (außer wie ausgewiesen)

Beim Anflug auf den Flughafen von Arrecife entfaltet der Zauber von Lanzarote erstmals seine Kraft. Matt schimmert das scheinbar vegetationslose Eiland in der Sonne.

Die weißen Sprengel entpuppen sich allmählich als menschliche Behausungen und verdichten sich stellenweise zu Dörfern. Erst wenn das Charterflugzeug in einem weitausholenden Bogen zur Landung ansetzt, wird man des ovalen und rechteckigen Blaus der Schwimming-Pools im nahen Ferienzentrum Puerto del Carmen gewahr.

Das touristische Zauberwort auf Lanzarote heißt "Urbanisation": künstlich geschaffene Feriendörfer, die auf engstem Raum alle erforderlichen touristischen Annehmlichkeiten bereithalten.

Feriensiedlung

Solche Urbanisationen konzentrieren sich aber nur auf wenige Orte der Insel: Außer in Puerto del Carmen findet man sie fast ausschließlich im Nordosten bei Costa Teguise und an der Südküste bei Playa Blanca. Allen drei Ferienorten ist die Nähe zu den schönsten Sandstränden Lanzarotes gemein. Puerto del Carmen zum Beispiel, zieht sich mit seinen mehr als 30.000 Gästebetten auf einer Länge von rund sieben Kilometern die Küste hinunter. Egal, in welchem Hotel oder Appartement man auch wohnt, das Meer ist stets nur wenige Schritte entfernt. Puerto del Carmen wirkt trotz seiner Ausdehnung nicht unpersönlich, kaum ein Hotel ragt über Palmenhöhe hinaus, zudem ist der Blick auf den Atlantik bis auf wenige Stellen unverbaut. Die Errichtung von Hotelhochhäusern wurde untersagt, so dass der Anblick gigantischer Appartementblocks - wie in anderen spanischen Badeorten - erspart bleibt. Dennoch ist es kaum vorstellbar, dass es 1966 nur 140 Betten gegeben haben soll.

Nirgendwo auf Lanzarote läßt es sich so schön promenieren wie auf der blumengesäumten Strandstraße Avenieda de las Playa in Puerto del Carmen, wenngleich sich hier die touristische Infrastruktur auf allzu dichtem Raum ballt. In trister Monotonie reiht sich hier Restaurant an Boutique, Supermarkt an Fotoshop, Spielhalle an Café, Immobilienbüro an Autoverleih. Nach nur hundert Metern geht es wieder von vorne los: Restaurant neben...

Nur rund um den "alten" Ortskern, am Fischerhafen mit dem an sich wenig einladenden Namen La Tiñosa, die Schäbige, stößt man auf gewachsenere Strukturen. Hoch her geht es am Morgen, wenn die Fischer ihre nächtlichen Fänge an Land bringen. Von Restaurantbesitzern und Touristen umlagert, werden die Fische an Ort und Stelle sortiert, ausgenommen und verkauft. Wer will, kann für wenige Peseten Sardinen eimerweise ins Appartement schleppen. Aufgrund der reichen Fanggründe der nahem Saharabank werden nirgendwo auf den Kanarischen Inseln mehr Sardinen gefangen als von den Fischern Lanzarotes. Arrecife, die Inselhauptstadt, ist übrigens der drittgrößte Fischereihafen des Archipels.

Abseits der Tourismuszentren gilt es auf Lanzarote jedoch, eine archaische Landschaft mit relativ ursprünglichen Dörfern zu entdecken.

Ursprüngliches Dorf abseits der Touristenzentren (Foto: Ralf Nestmeyer)

Letztere haben ihren Charakter gerade deswegen so gut bewahren können, weil es außer zwei oder drei Restaurants oftmals nichts gibt, was zu einem längeren Aufenthalt verlocken könnte. Sobald sich die Nacht ankündigt, sind auch die Touristen verschwunden.

Lanzarote / Teguise

Teguise (Foto: Dirk Renckhoff)

Weder in der alten Inselhauptstadt Teguise, wo sich seit einigen Jahren eine ausländische Künstler- und Esoterikszene etabliert hat, noch in die an eine Oase erinnernde Ortschaft Haría sind Übernachtungsmöglichkeiten offiziell ausgewiesen.

Kraterlandschaft im Nationalpark Timanfaya

Lanzarote, die "schwarze Perle im Atlantik", ist eine aus Feuer und Wasser geborene Insel. Noch immer ist die Erdhitze an einigen Stellen so stark, dass sie sich unter den Schuhsohlen unangenehm bemerkbar macht. Im Restaurant des Nationalparks Timanfaya werden gar Hähnchenschenkel, Fleischspieße und Fisch über einer Felsspalte in einem demonstrativen Spektakel auf dem Vulkangrill zubereitet. Gleich in der Nähe des Besucherzentrums Islote de Hilario werfen die Wächter des Nationalparks Reisig in kleine Erdkuhlen, das sich augenblicklich entzündet.

Wie ein Damoklesschwert schwebt über Lanzarote die Frage, wie lange die unter der Erdoberfläche schlummernden Kräfte noch ruhen werden. Zehn Jahre, hundert Jahre oder gar für immer? Die letzte Vulkantätigkeit datiert ins Jahr 1824. Damals war das Inferno von Rauch und Feuer, herausgeschleuderten glühenden Gesteinsklumpen und zähflüssigem Magma vergleichsweise harmlos, nur über eine Fläche von drei Quadratkilometern ergossen sich die Lavaströme, die noch vor der Ortschaft Mancha Blanca wie durch ein Wunder zum Stillstand kamen. Überglücklich errichteten die verschont gebliebenen Bewohner die Kirche Eremita Nuestra Señora de los Volcanes, wussten sie doch noch vom Hörensagen, zu welch katastrophalen Folgen die drei Generationen zurückliegenden Vulkanausbrüche geführt hatten. Sechs Jahre lang, von 1730 bis 1736, war es im Westen der Insel zu wiederholten Eruptionen gekommen, dabei wurde die Kornkammer Lanzarotes zusammen mit elf Dörfern für immer unter einer gewaltigen Lavaschicht begraben. Wenigstens die Dorfbewohner hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können, so dass kein einziger Toter beklagt werden musste.

Nur die in allen Erdfarben schimmernden Feuerberge (Montañas del Fuego), wie die bizarren Vulkane genannt werden, ragen aus dem Lavameer (Mar de Lava) empor.

Vulkan im Nationalpark Timanfaya

Die Farbnuancen der Hänge leuchten stellenweise rostrot und ockerfarben, dann wieder kupferbraun, andernorts herrschen violette oder hellgraue Töne vor. Nicht von ungefähr erinnern die unregelmäßigen, von metertiefen Spalten zerrissenen Krümmungen der scharfkantigen Lava an eine Mondlandschaft: Die Mondfahrzeuge der US-Astronauten wurden vor den Apollo-Flügen hier getestet.

Das Herz des Nationalparks darf nicht mit dem eigenen Fahrzeug befahren werden. Die strengen Vorschriften dienen dem Schutz der empfindlichen Flechtengesellschaften. Wer zu Fuß durch die Vulkanlandschaft streifen will, muss sich einer geführten Wanderung auf speziellen Pfaden anschließen. Für eine Rundfahrt auf der Ruta de los Vulcanos stehen Busse bereit. Diese vierzehn Kilometer lange Straße wurde 1950 eigens für den Besuch von General Franco angelegt.

Lebhaft geht es an der zum Nationalpark gehörenden Dromedarstation Echardero del los Camellos zu. Mehr als hundert Dromedare ziehen mit ihrer menschlichen Fracht in langen Karawanen eine Schleife durch den schwarzen Lavasand.

Dromedarreiten im Nationalpark

Ein groteskes Schauspiel! Auf einem dachförmigen grünen Holzgestell sitzt links und rechts des Höckers jeweils ein Tourist. Lacherfolge sind garantiert, wenn zum Gewichtsausgleich einer oder gar mehrere Säcke mit Lavabrocken befestigt werden müssen. Spätestens nach einem kurzen Ritt auf dem Lavataxi weiß man, warum Dromedare "Wüstenschiffe" genannt werden.

 

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