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Reina Sofía Museum (Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía)

Etwas weiter von der Glorieta de Carlos V zurück versetzt ist ein Gebäudekomplex zu sehen, der aus einem klassizistischen Teil und einem futuristisch-modernen Teil besteht. Hierbei handelt es sich um das Museum und Kunstzentrum Reina Sofía, oder schlicht und einfach um „das Reina Sofía“. Es ist der letzte Bestandteil des am Paseo del Prado entstandenen Paseo del Arte und vervollständigt den durch Prado und Thyssen-Bornemisza gebotenen Überblick über die Kunstgeschichte. Im Reina Sofía geht es um die moderne und die zeitgenössische Kunst sowie um die aktuellsten Strömungen und Tendenzen.

Der direkt an die Glorieta Carlos V angrenzende, klassizistische Bauteil beherbergt dabei die ständige Kollektion des Museums. Zum Zeitpunkt seiner Erbauung, im 18. Jahrhundert, war er ein Seitentrakt des gigantischen Hospital General, einem durch den italienischen Architekten Francesco Sabatini fertig gestellten Krankenhauskomplex. Nach dem Ende des Bürgerkriegs verlor dieses Gebäude seine Funktion als Krankenhaus und stand mehrere Jahrzehnte lang leer. Während der Franco-Zeit wurde sogar kurz über den kompletten Abriss nachgedacht. Zum Glück kam es aber nicht so weit, denn in den späten siebziger Jahren fand sich dank der Arbeit einer Bürgerinitiative eine neue Bestimmung für das ehemalige Krankenhaus. In einen Teil zog das Musikkonservatorium ein, in den anderen, restaurierten Teil ab 1992 das von der Königin höchstpersönlich eingeweihte Museo Reina Sofía.
Im Jahre 2005 wurde das Museum und Kunstzentrum erneut einer Schönheitsoperation unterzogen. Der französische Architekt Jean Nouvel erweiterte die Institution um einen neuen Komplex aus Aluminium und Zink. Diese Baumaterialien geben den drei Einzelgebäuden, die um einen öffentlichen Platz herum gruppiert sind, etwas raumschiffartig Futuristisches.Die neue Ausstellungsfläche beträgt gigantische 29.000 Quadratmeter, mit dem Centre Pompidou in Paris als unerreichtem Vorbild. In dem Erweiterungsbau sind vor allem die Büros, die Räume für die Sonderausstellungen, der Konzertsaal sowie die riesige Bibliothek im Keller untergebracht.

Die ständige Sammlung des Reina Sofía Museums
Von Anfang an verfügte das Reina Sofía über einen umfangreichen Bestand an zeitgenössischer Kunst, der bis heute auf mehr als 10.000 katalogisierte Werke angewachsen ist. Hierbei ist der Hauptschwerpunkt natürlich die moderne spanische Kunst, die aber immer wieder auch im Zusammenhang mit den entsprechenden internationalen Strömungen präsentiert wird. Zu den Highlights dieser Sammlung zählt ohne Zweifel das Bürgerkriegsgemälde “Guernica” von Pablo Picasso, das extra zur Gründung des Reina Sofía im Jahr 1992 vom Prado hierher gebracht wurde. Neben etlichen anderen Picassos gibt es aber auch Werke aller anderen namhaften spanischen Maler des 20. Jahrhunderts zu sehen: Dalí, Miró, Tapiès, Juan Gris etc.
Im Folgenden geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die Struktur der ständigen Sammlung.

Im ersten Teil, der die ersten 17 Räume umfasst, geht es um die Entwicklung der spanischen Kunst vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Den Auftakt markieren dabei dem katalanischen und baskischen Modernismus zugerechnete Künstler der Jahrhundertwende wie Santiago Rusiñol oder Ignacio Zuloaga.

Den ersten Höhepunkt der Kollektion markiert dabei der voll und ganz José Gutierrez Solana gewidmete Raum. Dieser in der Tradition eines Zurbarán oder Goya stehende Expressionist zeichnet sich durch eine ausgesprochene Vorliebe für volkstümliche Feste und alltägliche Figuren aus, die er in größtenteils düsteren Farben darstellt. Die scharf umrissenen und gleichzeitig monumental wirkenden Figuren und Szenerien stehen in einer Linie mit der durch andere spanische Maler wie Goya aufgegriffenen Thematik des düsteren und rückständigen Spanien, „la España negra“.

Ein weiterer im Ausland relativ unbekannter spanischer Maler des frühen 20. Jahrhunderts wird im Anschluss an Gutierrez Solana ebenfalls mit einem eigenen Raum gewürdigt. Es handelt sich um Juan Gris, der seit dem Jahr 1906 in Paris als Maler und Illustrator arbeitete und dort immer mehr unter den Einfluss Picassos und des Kubismus geriet. Mit „Gitarre vor dem Meer“ („Guitarra ante el mar“) ist eines seiner Hauptwerke zu sehen.

Selbstverständlich kommt eine Sammlung zur spanischen Moderne nicht an dem Genie schlechthin, Pablo Picasso, vorbei. Werke aus nahezu allen Schaffensperioden des aus Málaga stammenden Künstlers sind im Reina Sofía zu sehen. Hervorzuheben sind hierbei sicherlich „Frau in blau“ („Mujer en azul“) sowie „Guernica“. Ersteres Werk aus dem Jahr 1901 markiert den Beginn des künstlerischen Schaffens Picassos und ist noch stark von Symbolismus und Naturalismus beeinflusst. Ganz anders das Hauptwerk der gesamten Sammlung, „Guernica“. Das Gemälde war eine Auftragsarbeit des Künstlers für die Zweite Spanische Republik im Jahre 1937 und stellt in verzerrter Form die Bombardierung der baskischen Kleinstadt durch die deutsche Luftwaffe im selben Jahr dar. Inmitten der Apokalypse tauchen deutlich erkennbar Pferd und Stier auf, beides immer wieder kehrende Symbole sowohl im Werk Picasso als auch in der Repräsentation der gesamten spanischen Kultur.

Gleich im Anschluss an Picasso bekommt der Besucher eine weitere Größe der spanischen Moderne zu sehen, Joan Miró. Hierbei präsentiert das Reina Sofía nicht nur etliche dem Surrealismus der zwanziger Jahre zugerechnete Arbeiten, sondern auch alle anderen Schaffensperioden des katalanischen Malers. Die Spanne reicht dabei von den Collagen der dreißiger Jahre bis hin zu den nahezu gigantischen, großformatigen Werken der sechziger, siebziger und achtziger Jahre. Inmitten aller Veränderungen, die Mirós Schaffen im Laufe der Jahrzehnte kennzeichneten, treten dabei doch immer wieder die Motive der Frau, des Vogels, der Sterne, der Sonne und des Mondes auf.

Ein spezieller Schwerpunkt der ständigen Sammlung liegt natürlich auf dem Surrealismus, dessen theoretischer Einführung ein eigener Raum zugeordnet ist. Und wenn man von Surrealismus spricht, so  meint man natürlich Salvador Dalí. In den Räumen des Reina Sofía ist jedoch auch die vom Kubismus beeinflusste Phase zu sehen, die dem Surrealismus im Werk des Künstlers unmittelbar vorausging. Dalí, seit 1928 in Paris lebend, ging jedoch noch über einen ausschließlich surrealistischen Ansatz in seiner Kunst hinaus. Vielmehr verfolgte er in seinen Arbeiten auch eine tiefenpsychologische Vorgehensweise, die er selbst in seiner unbescheidenen Art mit dem pseudo-wissenschaftlichen Ausdruck „paranoid-kritische“ Methode belegte. Neben einem Porträt des surrealistischen Weggefährten Luis Buñuel sind diverse skandalumwitterte Werke des Künstlers zu sehen, so zum Beispiel das Gemälde mit dem provokativ-programmatischen Titel „Der große Masturbator“ („El gran masturbador“).

Eines der Bindeglieder zwischen den Strömungen der Vorkriegszeit und der spanischen Kunst der Nachkriegsperiode ist sicher der in Deutschland weitgehend unbekannte Künstler Benjamín Palencia. Bereits vor dem Bürgerkrieg als Maler aktiv, entwickelten sich vor allem die fünfziger und sechziger Jahre zu seiner fruchtbarsten Schaffensperiode. In dieser Zeit war Palencia zusammen mit anderen Künstlern in der so genannten „Schule von Vallecas“ aktiv, die sich durch einen zunehmend abstrakten Charakter der Arbeiten sowie durch eine Verwendung von Materialien wie Erde, Asche und Sand auszeichnete. Das Ziel bestand darin, der immer abstrakter werdenden Nachkriegskunst natürliche Textur zurückzugeben und sie so wieder „an die Ursprünge“ heranzuführen.

Die bis in die Gegenwart hinein reichende Präsentation der spanischen Nachkriegskunst brilliert mit zwei berühmten Namen: Antoni Tàpies und Eduardo Chillida. Ähnlich wie vor ihm Palencia wendete sich Tàpies während seines Schaffens vom Surrealismus ausgehend immer mehr der Verwendung „ärmlicher“ Materialien für seine Kunstwerke zu. Dabei stand Tàpies in den sechziger Jahren durchaus in Zusammenhang mit der italienischen „arte póvera“. Seit den achtziger Jahren vollzog sich in seiner Malerei allerdings wieder eine Hinwendung zu hellen, kräftigen, traditionellen Farben. Erwähnenswert ist sicher die Aktivität Tàpies´ auf allen künstlerischen Terrains, von der Malerei über die Skulptur bis hin zur Grafik. Selbstverständlich ist der Katalane im Reina Sofía mit einem eigenen Raum vertreten, der einen ersten Einblick in sein Gesamtwerk bietet.

Von dem auch in Deutschland berühmten Eduardo Chillida sind in der ständigen Ausstellung etliche seiner bis in die achtziger Jahre hergestellten Skulpturen zu sehen. Dabei sticht die Kraft der Materialien ins Auge, die Chillida stets für seine Skulpturen auswählte. So wirken die Alabasterplastiken wie eine einzige Lichtquelle, während die aus Holz hergestellten Arbeiten wie aus einem Baumstamm gemeißelt sind. Die teilweise monumentalen Werke verfehlen ihre Wirkung auf den Betrachter nicht, wodurch der Chillida-Raum zu einem der Höhepunkte des zweiten Teils der Sammlung zählt.

Dies ist natürlich nur ein unvollständiger Überblick über die im Reina Sofía ausgestellte Kunst und beschränkt sich im Wesentlichen auf die spanischen Künstler des 20. Jahrhundert. Dabei muss jedoch erwähnt werden, dass man in der ständigen Sammlung des Reina Sofía darum bemüht ist, die spanische Gegenwartskunst mit den entsprechenden internationalen Strömungen des gesamten 20. Jahrhunderts zu verzahnen. Dabei sind etliche für die gegenwärtige Kunst so bedeutende Namen wie Yves Klein, Bruce Nauman, Rebecca Horn oder Matthias Gursky vertreten – um nur einige von ihnen zu nennen. Allerdings werden sie alle im Kontext präsentiert und sind jeweils mit nur wenigen Werken vertreten.

Ganz seiner Selbstdefinition als Kunstzentrum gemäß finden im Reina Sofía mit großer Häufigkeit auch Veranstaltungen statt, die die Dauerausstellung ergänzen. Über etliche parallel stattfindende Sonderschauen (im neuen Bauteil von Jean Nouvel) über Performances, Filme, Workshops und Symposien. Alles in allem ein ganzer künstlerischer Kosmos an einem einzigen Ort.

 



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