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Reiseführer Madrid

Das Prado-Museum (Museo del Prado)

Madrid, Museu del Prado

Das touristisch bedeutendste Bauwerk am gesamten Paseo del Prado ist sicherlich das Prado-Museum, dessen Gründung eng mit der beeindruckenden Gemäldesammlung der spanischen Könige verbunden ist. Diese besaßen nämlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine der weltweit bedeutendsten Kollektionen mit ca. 5000 Gemälden und Skulpturen. Zu jenem Zeitpunkt fungierten die Königsschlösser als königliche Privatpinakotheken, zu denen nur ein sehr enger Kreis an Eingeweihten und Privilegierten Zutritt hatte. Doch im Zuge der Aufklärung mit ihrer Forderung nach Popularisierung von Wissen und Kunstgenuss kam langsam aber sicher die Idee auf, die private Sammlung auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang war die Gründung des Pariser Louvre-Museums gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Initialzündung für die Museumsidee, die nun auch in anderen europäischen Ländern großen Auftrieb erfuhr.

Für eine derart wichtige Sammlung wie die der spanischen Könige musste natürlich erst ein würdiger Ausstellungsort gefunden werden. Der Blick viel sehr schnell auf den repräsentativen Paseo del Prado und auf eines seiner größten und imposantesten Gebäude, das so genannte „Kabinett der Naturwissenschaften“, das sich seit dem Jahr 1785 an dieser Stelle befand. Dieses Gebäude beherbergte ganz im Sinn der Aufklärung eine Art Forschungsakademie und war von dem bourbonischen Hofarchitekten Juan de Villanueva erbaut worden. Der zweistöckige, längliche Bau eignete sich allein schon wegen seiner großzügigen Ausmaße (200 Meter lang, 40 Meter breit) blendend für die Funktion eines königlichen Museums. Zudem entsprach das im klassizistischen Stil errichtete Bauwerk mit seinen stilistischen Anlehnungen an die antike Baukunst ganz dem Geschmack des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Durch die französische Besatzung nach 1808 sowie die Kämpfe während des nachfolgenden Unabhängigkeitskrieges war das Gebäude, wie das gesamte nebenan liegende Palastgelände des Retiro allerdings schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Mit der Rückkehr der spanischen Bourbonen auf den Thron in Gestalt des despotischen Ferdinand VII. wurde die Idee der Errichtung eines Museums wieder aufgegriffen. 1819 zog ein Teil der königlichen Gemäldesammlung in die restaurierten Räumlichkeiten des ehemaligen wissenschaftlichen Kabinetts ein. Zunächst wurden hier allerdings nur rund 300 Gemälde ausgestellt, wobei der Schwerpunkt auf Werken des spanischen Barock lag und bedeutende Künstler wie El Greco oder Goya völlig ausgeklammert blieben. Auch die Öffnungszeiten waren alles andere als modern, denn das gemeine Publikum hatte nur mittwochs Zugang zu den heiligen Hallen.
Im Jahr 1826 wurde das Museum von Grund auf renoviert und die Kollektion auf 750 Werke aufgestockt. Eine faire Geste an das Publikum war auch die Ausdehnung der Öffnungszeiten auf zwei Tage pro Woche (Samstag und Mittwoch).

Im Jahr 1869, nach einer erfolgreichen Revolution gegen Königin Isabel II., wanderte der Prado in Staatsbesitz: das Königliche Gemälde- und Skulpturenmuseum wurde ganz offiziell zum Nationalmuseum oder kurz „Museo del Prado“.Seine Leitung wurde von einem Senat übernommen, der nicht nur aus Adligen, sondern nun auch aus Künstlern, Wissenschaftlern, Galeristen und namhaften Sammlern bestand. Dieser Senat existiert noch bis heute in nahezu unveränderter Form, doch seit 1970 werden alle neuen Kunstkäufe für die Sammlung über das spanische Kultusministerium abgewickelt.

Während des Spanischen Bürgerkriegs und der Belagerung Madrids durch die Franco-Truppen im Jahre 1936 blieb auch der Prado nicht von den Auswirkungen des Waffengangs verschont. Die republikanische Regierung berief Pablo Picasso zum Direktor des Museums, doch Picasso blieb lieber im französischen Exil und führte dort eine bald weltberühmte Auftragsarbeit für die Spanische Republik aus: das Anti-Kriegsgemälde „Guernica“ (heute im Museo Reina Sofía zu sehen). Die Bombardierungen, mit denen die Franco-Truppen die spanische Hauptstadt überzogen, machten jedoch auch vor den Kunstschätzen des eigenen Landes nicht Halt. Nach einigen schweren Bombentreffern wurde die Prado-Kollektion im Jahr 1937 nach Genf abtransportiert, von wo sie erst zwei Jahre später nach Spanien zurückkehrte.

Das Anwachsen der Bestände auf über 7.000 Werke erzwang seit den siebziger Jahren immer wieder groß angelegte Erweiterungen. Ein nicht abgerissener Teil des barocken Retiro-Palastes (Casón del Buen Retiro) sowie das nebenan befindliche Heeresmuseum (Museo del Ejército) wurden als neue Ausstellungsräume für Teile der Sammlung hergerichtet. Im Herbst 2007 wurde unter Federführung des spanischen Architekten Rafael Moneo eine neuerliche Erweiterung mit einem völlig neuen Bauteil durchgeführt und die spätgotische Iglesia de los Jerónimos in den neuen Museumskomplex integriert. Mit dieser Vergrößerung wurden nicht nur neue Räume für die Sammlung erschlossen, sondern auch die Platzprobleme angesichts der Besucherzahl von mehr als 2 Millionen Personen pro Jahr gemildert.
Diese Erweiterung steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der beiden anderen großen Museen, die sich am Paseo del Prado befinden, dem Reina Sofía und dem Museo Thyssen-Bornemisza. Mit diesen neuen Mega-Museen soll am Paseo del Prado ein imposanter Kunstraum entstehen, der Madrid auf eine Stufe mit Paris und London stellen soll. Aus dem Paseo del Prado wird immer mehr ein Paseo del Arte.

Die Sammlung des Prado-Museums
Ohne jeden Zweifel beherbergt der Prado mit seinen weit über 8.000 Kunstwerken die weltweit umfassendste Sammlung der spanischen Malerei. Dabei umfasst diese Kollektion einen Zeitraum von sieben Jahrhunderten und spiegelt die sammlerischen Schwerpunkte der spanischen Könige wieder, vor allem aber die der Habsburger. Bei dem strengen Katholizismus, der von dieser Dynastie praktiziert wurde, ist die Dominanz der religiösen Malerei nicht überraschend. Dies durchzieht auch die Epochen der Renaissance und des Barock als meist vertretene Stile. In geographischer Hinsicht ist vor allem die Malerei derjenigen Länder vertreten, zu denen das habsburgische Spanien enge Kontakte unterhielt: Italien, Flandern und die Niederlande.

Der in der Prado-Sammlung meist vertretene Maler gehörte jedoch weder der Renaissance noch dem Barock an. Wer sich einen detaillierten Einblick in das Werk Francisco de Goyas (1746 – 1828) verschaffen möchte, der bekommt im Prado mit insgesamt 114 Gemälden und ca. 50 Zeichnungen des aragonesischen Genies einen einzigartigen Überblick. Nach der Häufigkeit der ausgestellten Werke rangieren Rubens (83 Werke), Velázquez (50), Murillo (40), Tizian (36) und El Greco (33) auf den weiteren Plätzen.

Wir können hier natürlich nur einen sehr groben Einblick in diese fast unendliche Kollektion geben, wollen aber einige Künstler und Werke beispielhaft für Sie aussuchen. Es empfiehlt sich, der Anordnung dieser riesigen Sammlung zu folgen und sich dabei vor allem an den einzelnen Ländern zu orientieren.

Die spanische Malerei
Der Prado bietet einen umfassenden Überblick über die spanische Malerei zwischen 1100 und 1850. Einige schöne Beispiele der spanischen Romanik und der spanischen Gotik finden Sie im Untergeschoss. Im Vergleich zu den nachfolgenden Stilepochen sind diese beiden Zeitalter jedoch nach wie vor unterrepräsentiert. Nach einem Spaziergang durch die Renaissance-Abteilung mit einigen interessanten Künstlern wie Pedro Berruguete oder dem habsburgischen Hofmaler Alonso Sánchez Coello stoßen wir im Erdgeschoss auf den ersten wirklichen Höhepunkt innerhalb der spanischen Malerei.

El Greco (1541- 1614)
Domenico Theotokopoulos, wie dieser auf Kreta geborene Maler in Wirklichkeit hieß, kam über die Zwischenstationen Venedig und Rom um 1577 an den spanischen Königshof Philipps II. Der Grieche war auf der Flucht vor der gnadenlosen Konkurrenz unter den italienischen Malern und auf der Suche nach Arbeit. Letztere hoffte er im Escorial zu finden, jenem nordwestlich der neuen Hauptstadt Madrid gelegenen, gigantischen Königsschloss, für dessen Innenausstattung am spanischen Hof Hände ringend Künstler und Kunsthandwerker gesucht wurden. El Greco malte in königlichem Auftrug ein Fresko, das jedoch bei Philipp II. wegen seiner Zerrissenheit und Dramatik durchfiel. Am Habsburgerhof war man auf der Suche nach dem Ideal des Monumentalen und Majestätischen, fernab jeder spirituellen Unruhe – eine Nachfrage, die der griechische Neuankömmling nicht befriedigen konnte und wollte.
El Greco verschlug es darauf hin in die ehemalige Hauptstadt Toledo. Unter den Humanisten und Klerikern der kastilischen Metropole fand er ein Ambiente, das seinem Stil aufgeschlossener gegenüber stand und erhielt sehr schnell die ersten Aufträge: Gemälde für die Kathedrale sowie Arbeiten für diverse andere Kirchen und Adelspaläste (unter ihnen die beiden weltberühmten Werke „Entkleidung Christi“ sowie „Das Begräbnis des Conde Orgaz“).
Aus den im Prado vertretenen Werken ragen vor allem die „Wiederauferstehung Christi“ (Resurección“) sowie die „Anbetung der Hirten“ („La Adoración de los pastores“) hervor, beides religiöse Gemälde von riesigen Dimensionen. In diesen Werken kommen die stilistischen Besonderheiten El Grecos am besten zum Ausdruck, die mystische Atmosphäre, die manieristisch verlängerten Figuren, die spektakulären Lichteffekte und gewagten Perspektiven.
Als Beispiel für die Porträtmalerei sei hier das Werk „El caballero de la mano en el pecho“ zitiert, des einen spanischen Caballero des frühen 16. Jahrhunderts darstellt und in dem El Greco sein psychologisches Gespür als Porträtmaler unter Beweis stellt. Strenge und Schwere des Porträtierten kommen ebenso meisterhaft zum Ausdruck wie sein Stolz und seine strenge Disziplin.

José de Ribera (1588 – 1650)
An den durch El Greco vertretenen Manierismus schließt sich direkt das „Goldene Zeitalter“ der spanischen Kunst an, das Siglo de Oro des 17. Jahrhunderts. Als ersten herausragenden Repräsentanten möchten wir hier José de Ribera erwähnen, dessen wichtigste Arbeiten ganz exponiert im Hauptgang platziert sind, der das gesamte Prado-Museum im Erdgeschoss durchzieht. Dieser aus Valencia stammende Künstler verbrachte nahezu sein gesamtes Malerleben in Italien, lernte in Rom, Parma und Neapel sowohl die großen Meister als auch den neuen Stil des Caravaggio kennen. Im spanisch dominierten Neapel erhielt er den Beinamen „Spagnoletto“, unter dem er in Italien bis heute bekannt ist.
In seinem Werk wechseln sich Arbeiten einer venezianisch inspirierten Farbpalette mit anderen, düster-tenebristischen Gemälden ab. Stets sticht Riberas Sinn für die perfekte Komposition seiner Szenen ins Auge, genau wie die beeindruckende Monumentalität seiner Figuren.
Eines seiner Meisterwerke ist im Prado zu bewundern, „Das Martyrium des Hl. Philipp“ („El martirio de San Felipe“), in dem der Maler interessanterweise den Akzent auf die Vorbereitungen zur Folter legt. Laut Heiligenlegende starb Philipp einen eigenartigen Märtyrertod, denn er kam nicht durch Nägel gekreuzigt, sondern an Strängen aufgehängt und in die Höhe gezogen ums Leben. Ribera präsentiert uns diese Szene mit großer Liebe zum Detail, aber auch mit leuchtenden Farben, die in deutlichem Kontrast zu den düsteren Licht-Schatten-Kontrasten seiner Frühwerke stehen.

Diego Velázquez  (1599 – 1660)
Unumstrittener Höhepunkt und Aushängeschild des spanischen Barock in zahlreichen seiner Varianten: Königsporträts, religiöse Malerei, Landschaftsmalerei, mythologische Malerei, aber auch Werke mit einem ausgeprägt realistischen Ton.
Velázquez stammte, wie viele anderen Maler des spanischen Barock auch, aus Sevilla. Erst im zweiten Anlauf fasste er in Madrid Fuß, wurde 1623 von Philipp IV. zum Hofmaler ernannt. Am Madrider Hof schloss der junge Mann enge Freundschaft zu einer anderen Künstlergröße, dem Flamen Peter Paul Rubens. Sein Italienaufenthalt zwischen 1628 und 1631 wurde für Velázquez zu einem einschneidenden Erlebnis, denn die Werke Rafaels und Miguelangelos übten auf den Spanier eine überwältigende Wirkung aus. Nach seiner Rückkehr nach Spanien widmete sich Velázquez vorrangig Herrscherporträts für Philipp IV. und dessen Hofstaat. Seine beiden Meisterwerke „Die Weberinnen“ („Las hilanderas“) sowie „Die Hoffräulein“ („Las Meninas“) entstanden in seinen letzten Lebensjahren.
In letzterem kommt das ganze Genie des Hofmalers zum Ausdruck. Die Szenerie des Bildes ist das Atelier des Malers, in dem er ein Porträt des Königspaares malt und von der Infantin Margarita samt ihren Hofdamen besucht wird. Herausragend ist die psychologische Fähigkeit des Hofmalers, aber auch die philosophische Tiefe, die Velázquez diesem Werk über das Spiel mit den Perspektiven verleiht.
Dabei ist es kein Zufall, dass Velázquez selbst in diesem Porträt auftaucht: er war eigentlich der erste spanische Maler, der sich ganz selbstbewusst als Künstler und nicht nur als Kunsthandwerker darstellte. Ein Novum, mit dem der Andalusier zum Vorbild für unzählige ihm nachfolgende spanische Malergenerationen wurde.

Bartolomé Esteban Murillo (1617 – 1682)
Dieser aus Sevilla stammende Maler ist heute im Verhältnis zu Velázquez etwas in den Hintergrund getreten. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass Murillo bis weit ins 19. Jahrhundert hinein als das Aushängeschild der spanischen Malerei gesehen wurde – weit vor Velázquez, El Greco und auch Goya.
Anfangs noch stark von dem tenebristischen Stil Zurbaráns beeinflusst, der seine Figuren stets in einen düsteren Hintergrund tauchte, entwickelte Murillo sich schnell weiter. Seine Werke wurden immer dynamischer, lichtumfluteter, luftiger. Murillo griff dabei hingebungsvoll die Sinnlichkeit und Religiosität seiner Heimatstadt auf und wurde nach und nach zum Meister auf allen Gebieten: Altarbilder, Porträts, Landschaftsmalerei. Bedingungslos seinem Werk verschrieben erschuf Murillo während seines Lebens mehr als 400 großformatige Arbeiten und avancierte dabei zum produktivsten und best bezahlten spanischen Maler seiner Zeit.
„La Inmaculada Concepción de Soul“ ist dabei sein unumstrittenes Meisterwerk. Die Madonna wird bis heute auf zahllosen Postkarten verewigt und ist mit ihrer Leichtigkeit, dem Gewirr der Engel um sie herum und mit den feinen Farbkontrasten bereits eine Vorwegnahme des späteren Rokokostils. Den eigenartigen Namen trägt dieses Madonnenbild wegen des französischen Marschalls Soul, der das Bild beim Abzug der napoleonischen Besatzungstruppen 1813 mit nach Frankreich nahm. Zum Glück kam das Gemälde aber wenig später wieder an seinen Bestimmungsort zurück.    

Francisco de Goya (1746 – 1828)
Heute erscheint uns Goya als einsamer Malergigant in der langen Dürre zwischen dem Ende des spanischen Barock und dem Aufstieg einer neuen Riege vom Schlage eines Dali oder Picasso. Lange Zeit war der gebürtige Aragonese in seinem Heimatland jedoch wegen seiner liberalen Gesinnung verfemt und wurde erst im 20. Jahrhundert in seiner wahren Bedeutung gewürdigt.
Erst relativ spät begann dabei Goyas Aufstieg zum wichtigsten Maler seiner Epoche. Ab 1773 in Madrid lebend, startete er seine Karriere bei Hof als Maler für die Königliche Teppichfabrik. Über die Posten des Hofmalers und Mitglieds der Königlichen Akademie der Künste kam Goya immer mehr in Kontakt zum spanischen Hochadel und brachte es bald als Porträtmaler zur unumstrittenen Meisterschaft. Im Prado sind dabei mit dem mysteriösen Porträtpaar „La maja desnuda/ la maja vestida“ sowie mit dem an Velázquez angelehnten Porträt der Königsfamilie („La familia de Carlos IV“) zwei hervorragende Beispiele zu sehen. Herausragend hierbei vor allem der psychologische Scharfsinn des Malers, aber auch seine Liebe zum modischen Detail, die ihn fast zu einer Art Modemaler seiner Zeit werden ließ.
Doch Goya wäre nicht Goya, wenn seine Existenz und sein Werk nicht auch etwas Abgründiges hätten. Sowohl seine beginnende Taubheit als auch die dramatischen Wechselfälle, in die sein Leben im Zuge des Unabhängigkeitskrieges gegen Napoleon geriet, werden in seinem Werk reflektiert. Der Prado verfügt mit den „Erschießungen des 2. Mai 1808“ („Los fusilamientos del 2 de mayo“) sowie der in seinem Madrider Landhaus entstandenen Serie „Las Pinturas negras“  über etliche Beispiele für diese Dimension des Malers. Goya präsentiert sich dabei nicht nur als unbestechlicher Kriegschronist, er stellt sich auch den eigenen inneren Ungeheuern, die weder die Aufklärung noch der eigene Erfolg in Schach halten konnte. Der Spaziergang durch diese Abteilung des Prados wird somit fast zu einem Abenteuer. 
    
Andere Länder, andere Maler
Flandern/ Niederlande
Natürlich liegt der Schwerpunkt unseres Rundgangs auf der spanischen Malerei. Dennoch gehen wir an dieser Stelle noch kurz auf einige der Meisterwerke aus anderen europäischen Regionen ein, die im Prado zu sehen sind. Einer der Lieblingsmaler der habsburgischen Könige war zweifellos der Holländer Hieronymus Bosch, von dem mit dem „Garten der Lüste“ („El jardín de las delicias“) einer der frühen Höhepunkte der europäischen Malerei zu sehen ist. Das um 1500 entstandene Gemälde zeigt auf teilweise drastische Art und Weise Szenen aus dem Paradies, der irdischen Welt und der Hölle.
Ein anderer Lieblingsmaler der spanischen Könige aus dem flämisch-holländischen Umfeld war der Flame Peter Paul Rubens (1577 – 1640), enger Vertrauter von Diego Velázquez und lange Jahre am spanischen Hof in Madrid präsent. Von ihm ist mit dem „Garten der Liebe“ („El jardín del amor“) ein Spätwerk vertreten, das ihn mit seiner zweiten, gerade mal 16 Jahre alten Ehefrau zeigt. Die bukolische Atmosphäre des Bildes wird noch verstärkt durch die Anwesenheit der Liebesgöttin Venus, eines Engels und der drei Grazien als Symbole der Jugend. Eine Hymne Rubens´ auf das Leben und die Liebe.
Der Niederländer Rembrandt (1606 – 1669) ist mit einem Werk namens „Artemisa“ zu besichtigen, das die Königin von Pergamon repräsentiert. Für viele Kritiker ist das Gemälde jedoch ein verstecktes Porträt von Rembrandts erster Frau, die er im Entstehungsjahr des Bildes (1634) geheiratet hatte. Das Gemälde wurde erst im 18. Jahrhundert unter dem Bourbonen Karl III. erworben, geht also nicht auf die habsburgische Sammeltätigkeit zurück.

Italien
Die Verbindungen zwischen Spanien und Italien waren immer sehr eng, und sowohl Habsburger als auch Bourbonen waren politisch und kulturell stets auf der italienischen Halbinsel präsent. So ist es auch nicht verwunderlich, dass italienische Kunst zu den beliebtesten Sammelobjekten beider Dynastien zählte. Zahlreiche berühmte Künstler sind in der Sammlung des Prados vertreten.
Es ist immer schwierig und subjektiv, aus einer Reihe spektakulärer Kunstwerke die „besten“ auszuwählen. Aber sicherlich ist das Kardinalsporträt Rafaels (1483 – 1520) („Retrato de un cardenal“) aus dem frühen 16. Jahrhundert sehenswert. Ganz in Renaissancemanier steht der Mensch, und nur der Mensch, im Mittelpunkt des Interesses. In diesem Fall ist es ein selbstsicherer Repräsentant der römischen Renaissanceelite, den uns Rafael in satten Rottönen zeigt.
Mit zahlreichen Werken ist Tizian vertreten, seines Zeichens Lieblingsmaler des ersten Habsburgers Karl I. Bezeichnenderweise ist eines seiner wichtigsten Werke, das der Prado noch heute besitzt, ein Porträt des Kaisers nach einer erfolgreichen Schlacht gegen die deutschen Protestanten. „Kaiser Karl V. in Mühlberg“ („Emperador Carlos V, a caballo, en Mühlberg”). In dem Reiterporträt aus dem Jahre 1548 zeigt uns Tizian eine monumentale und doch zugleich vitale Einheit von Reiter und Pferd, in der der Kaiser vor einer fast ins Unendliche reichenden Landschaft präsentiert wird. Karl als problematischer Sieger, nicht siegestrunken, sondern in Gedanken versunken.
Auch den großen Revolutionär der Malerei, Tintoretto (1518 – 1594), können wir im Prado bewundern. Die Auflösung der vertikalen und horizontalen Linien in Diagonalen, die den oft blutrünstigen Szenen eine ungeahnte Dynamik verleihen, bekommen wir auch in einem seiner wichtigsten Werke zu sehen, in „Die Fußwaschung“ („El lavatorio“). Die biblische Szene wird dabei von dem Maler in einer damals neuartigen elliptischen Komposition realisiert, in der im Gegensatz zum Renaissancedogma die Fußwaschungsszene in der äußersten linken Ecke des Bildes angesiedelt ist.
 
Die französische, englische und deutsche Malerei ist im Unterschied zu den oben genannten Ländern nur sehr sporadisch vertreten. Dafür ist die kleine Sammlung deutscher Malerei hochklassig. Das Aushängeschild ist dabei sicher Albrecht Dürers Selbstporträt. Das Werk, kurz nach dem ersten Italienaufenthalt des Meisters entstanden, zeigt uns einen selbstbewussten Maler, der sich in einer für Nordeuropa neuartigen Art und Weise als Individuum in Szene setzt.

Aus diesen im Prado unterrepräsentierten Regionen stechen außerdem erstklassige Werke der französischen Barockmaler Poussin und Lourrain hervor, die neben den oben genannten Gemälden Dürers einen kurzen Abstecher in die abgelegeneren Gefilde dieser Pinakothek lohnenswert machen

 



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