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Reiseführer Madrid

Plaza Tirso de Molina / Lavapiés

Plaza Tirso de Molina
Die moderne Anlage dieses Platzes mit seinem vielen Straßencafés und dem hübschen Blumenmarkt lässt auf den ersten Blick nicht auf seine lange Tradition schließen. Die Geschichte der Plaza Tirso de Molina reicht aber tatsächlich bis ins 16. Jahrhundert zurück. An der Nordwestseite des Platzes befand sich bis ins 19. Jahrhundert der Convento de la Merced, in dem im Jahr 1632 ein Mönch namens Tirso de Molina literarische Weltgeschichte schrieb. Er verfasste mit dem Don Juan, dem Theaterstück um einen perfiden und glaubenslosen Frauenverführer, einen der großen Mythen der Weltliteratur. Aus diesem Grund ist der Platz nach zahlreichen Umbenennungen mittlerweile auch dem illustren Mönch und Dramatiker des spanischen Barock gewidmet, an den eine Statue an der Ostseite des Platzes erinnert.

Madrid, Plaza Tirso de MolinaSeit den siebziger Jahren geriet dieser Ort als Zentrum der Straßenkriminalität in Madrid immer mehr in Verruf. Gegen die anhaltende Verwahrlosung machte eine Anwohnerinitiative erfolgreich Front, und in Zusammenarbeit mit Polizei und Stadtverwaltung erarbeitete man ein Konzept, dessen Resultat man heute sehen kann. Über die höher gelegten, geschwungenen Bänke, die das Übernachten von Bettlern verhindern sollen, kann man ästhetisch sicher geteilter Meinung sein. Die Sicherheit des Platzes wie auch sein soziales Leben hat sich seit der Umgestaltung im Jahr 2006 jedoch erheblich verbessert. Die Plaza Tirso de Molina ist saniert, dafür sind Drogenkriminalität und Straßenprostitution in andere Regionen des Stadtzentrums abgewandert.

Lavapiés
Die Plaza Tirso de Molina ist nicht nur ein polemischer Platz, sondern auch ein strategisch wichtiger Ort. Sie verbindet drei der traditionellsten Madrider Stadtteile miteinander: La Latina, Lavapiés und das so genannte Dichterviertel Huertas. Insbesondere das südlich angrenzende Lavapiés hat dabei eine ganz ähnliche Geschichte wie Latina. Von Anfang an, das heißt seit dem Spätmittelalter, war es Wohnviertel der kleinen Leute. Bis heute dauern unter Historikern die Spekulationen über seine vermeintlichen jüdischen Ursprünge an. Dies würde zumindest seinen Namen (übersetzt „Wasch die Füße!“) zum Teil erklären. Es fehlt nicht an Forschern, die in der Nähe der heutigen Plaza de Lavapiés Reste eines ehemaligen jüdischen Ritualbades entdeckt zu haben glauben, das nach dieser These den Eingang zum Madrider Judenviertel darstellte. Ein weiteres Indiz für die jüdische Vergangenheit von Lavapiés ist die Tatsache, dass seine Bewohner bis heute im Volksmund „manolos“ genannt werden. Dies geht auf die Häufigkeit dieses Namens in jenem Stadtviertel zurück. Auch hier fehlen die Theorien nicht, die hierin eine Reminiszenz an den alttestamentarischen Namen Manuel sehen, mit denen die zum Christentum zwangskonvertierten Juden ab dem 16. Jahrhundert eine symbolische Verbindung zu ihrer Vergangenheit herstellten. Wie dem auch sei, im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden die manolos und ihr weibliches Pendant der manolas zum Inbegriff des typisch Spanischen, und im 18. und 19. Jahrhundert zum Gegenentwurf jeder französischer und höfisch inspirierter Mode. Kein Wunder, dass beim Volksaufstand gegen die napoleonischen Truppen am 2. Mai 1808 die manolos und manolas aus Lavapiés an vorderster Front mitmischten.

Veränderte sich Lavapiés im 19. Jahrhundert zu einem der übervölkertsten Arbeiterstadtteile in Madrid, so kam es in den neunziger Jahren zu einer neuerlichen Transformation. Inzwischen ist Lavapiés in ganz Spanien Synonym für Immigration, denn der Anteil von Einwanderern aus Lateinamerika, Nordafrika und Osteuropa an der Gesamtbevölkerung ist mittlerweile auf über 30% angewachsen. Aus diesem Grund ist Lavapiés mit Sicherheit der bunteste, vitalste aber auch sozial brisanteste aller Stadtteile.

 



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