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Reiseführer Celle

Klein-Texas in der Heide

Ein Besuch im Deutschen Erdölmuseum in Wietze

 

 

Wietze

Mitten in Wietze: eine Anlage, die kein Erdöl mehr pumpt

Nähern wir uns Wietze, so reiben wir uns die Augen: Bohrtürme wie in Texas können wir in der Ferne erkennen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1963 sprudelte hier „flüssiges Gold“ aus der Erde. Über 2000 Bohrungen wurden im Laufe der Zeit niedergebracht und vor dem Ersten Weltkrieg erlebte die Gemeinde Wietze einen wahren Erdölrausch. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde sogar Erdölbergbau betrieben, um Sickeröl und Ölsand aus einer Tiefe von etwa 300 Metern zu fördern.


Bewahrt wird die Geschichte von „Klein-Texas in der Heide“ im sehenswerten Deutschen Erdölmuseum. Dieses Museum existiert seit 1970 und zeigt unter anderem neben einer Feldbahn die Bohr- und Förderanlage „Mohr 3“, einen Schlammbock mit Schlammbüchse und die Gerätschaften der Bohrung HW 99 aus dem Jahr 1909 sowie eine Aufwältigungs- und Messwinde für den Tiefpumpenbetrieb – technische Denkmäler der Geschichte der norddeutschen Erdölförderung.

Erdölmuseum Wietze

Öl wurde auch im Untertagebau gefördert

Wer allerdings heute vor „Mohr 3“ steht, steht vor einem Nachbau, der nur ein Drittel so groß wie das Original ist und einst auf dem Erdölfeld Ölheim im Landkreis Peine stand. Angetrieben wurde der Pumpenschwengel ursprünglich von einer Dampfmaschine. 1881 sprudelte bei der dritten Bohrung Öl in solchen Mengen an die Oberfläche, dass man Mühe hatte, es aufzufangen. Übrigens, die vorhandene Pumpe kann man ausprobieren. Allerdings Öl wird dabei nicht gefördert, sondern nur Wasser gepumpt.

Erdölmuseum Wietze

Bohr- und Förderanlage "Mohr 3" (Nachbau) in 1/3 des Originals

Ein Blick in die Kaue

Inszeniert wurde auf dem Museumsgelände auch ein Bergwerk zur Gewinnung von Sickeröl und Ölsande. Zu einem solchen Bergwerk gehörte stets die Kaue, wo sich die Bergleute umkleideten. Die ausgestellte Bank und für Haken für Kleiderkörbe stammt nicht aus einem Bergwerk zur Ölsandgewinnung, sonder aus der Kalisalzgrube Mariaglück in Höfer, in der bis 1996 Stein- und Kalisalz gefördert wurden.

Bis zu 650 Menschen arbeiteten im Bergwerk Wietze. Frauen waren nur im Büro tätig. Unter Tage malochte man in drei Schichten zu je acht Stunden. Die aufwändige Reinigung der Bergleute, die von Kopf bis Fuß von Sickeröl verschmutzt waren, zählte nicht zur Arbeitszeit. Um sich zu reinigen, mussten sich die Bergleute erst mit Waschpetroleum vorreinigen und dann duschen. Jedem der 370 Bergleute einer Kaue standen täglich ein ¾ Liter Waschpetroleum zur Verfügung. Doch auch nach intensivster Körperpflege haftete den Männern immer noch ein Geruch von Erdöl an.

Erölmuseum Wietze

Ein Tiefpumpenbock, den man ausprobieren kann

Erfolgreiche Ölförderung

In der Ausstellung zur Geschichte der deutschen Erdölförderungen lesen Besucher, dass in Wietze mehr als 2000 Bohrungen niedergebracht wurden, um die Schweröllagerstätten ausbeuten zu können. Die Erschließung der Lagerstätten durch ein Bergwerk begann 1920. Gefördert wurden von diesem Jahr an bis zur Stilllegung 1963 749800 Tonnen Sickeröl und 214400 Tonnen Ölsand.

Ölsand wurde in einer Waschanlage gewaschen. Das geschah in Waschkesseln, in denen das geförderte Material 90 Minuten in Wasser kochte. Dann schwamm das Öl auf und konnte in einer Abscheideanlage aufgefangen werde. In Absetzbehältern ruhte das Ölkonzentrat und wurde dann in einer Kläranlage geklärt.

Bohrung HW 282 und ...

Wieder am Tageslicht durchstreifen wir das weitläufige Museumsfreigelände. Die Lok und die Feldbahn, die einst auf dem sich über sechs Kilometer großen Gelände unterwegs waren, wurden schon lange außer Dienst gestellt. Auch die Lok „Emma“, die im Erdölfeld Broistedt ihren Dienst tat, ist heute ein Museumsstück.

Bei der Bohrung HW 282, die 1930 abgeteuft wurde, kann man dank der nicht kompletten Verfüllung noch erahnen, wie mittels dem sogenannten Raky-Schlagbohrverfahren mit Spülungszirkulation das „Gold der Heide“ gewonnen wurde.

Ölmuseum Wietze

Vibrator-Fahrzeug, Bj. 1983, das Energiewellen aussendet,
um Gesteinslagen zu bestimmen

Auf eine Feldschmiede - sie diente unter anderem zur Reparatur und Nacharbeit der gebrauchten Schlagbohrmeißel - konnte man bei der Erdölförderung in Wietze ebenso wenig verzichten wie auf einen Kehrradantrieb für zwölf Tiefenpumpen. Dass auf dem Museumsgelände auch ein Öltank steht, verwundert nicht: Ein solcher Tank diente dazu, mittels Heizschlangen im Inneren das besonders dickflüssige Rohöl auf Temperatur zu halten.

Wer wissen möchte, wie ein Schlämmbock mit Schlämmbüchsen funktioniert und warum diese bei der Erdölförderung notwenig sind, erhält bei seinem Rundgang selbstverständlich auch darauf eine detaillierte Antwort.

Nicht nur historisches Gerät ist zu sehen, sondern auch modernes wie das Vibrator-Fahrzeug Baujahr 1983, mit dem mittels Energiewellen Gesteinschichten und damit auch Erdöl und Erdgas führende Schichten ermittelt werden.

Erdölmuseume Wietze

Tankwagen der Fa. I.G.Scharff (Lüneburg), Bj. 1908,
Dauerleihgabe der Stadt Lüneburg

Auf den Spuren von Georg Hunäus

Ein „Kulturhistorischer Lehr- und Wanderpfad“ mit zahlreichen Infotafeln führt vom Museum direkt dorthin, wo Georg Hunäus im Mai 1858 in der Wallmanschen Theerkuhle eine Bohrung niederbrachte und damit die Geschichte von „Klein-Texas in der Heide“ besiegelte. Unterwegs erfahren wir Wissenswertes über Friedrich Hasenbein, der 1898 auf der sogenannten Teufelsinsel nördlich der Wietze eine Bohrung niederbrachte und in 140 Meter Tiefe auf Erdöl stieß. Ein Jahr später waren bereits drei Unternehmen in Sachen Erdölförderung tätig, darunter auch Hannoversche-Westfälische Erdölwerke GmbH. Zu den Pionieren der Erdölförderung zählt Anton Raky, der ein Bohrgerät mit federnder Aufhängung und starrer Verbindung von Gestänge und Meißel erfand. Die Entwicklung eines transportablen Seismografen verdankt die Nachwelt Ludger Mintrop. Ihm gelang u.a. die Entdeckung des Salzstocks Meißendorf.


Weitere Informationen

Deutsches Erdölmuseum Wietze
http://www.erdoelmuseum-wietze.de

Erlebnis Wietze
www.erlebnis-wietze.de



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