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Reiseführer Celle

Bomann-Museum Celle

 

 

Biedermeierhaus, Bomann-Museum Celle

Blick ins Ambiente eines Biedermeierhauses
Foto: © Bomann-Museum

Das Museum ist ein kulturhistorisches Museum, das sich nicht nur der Industriegeschichte der Stadt widmet, sondern auch dem städtischen Leben und der Ur- und Frühgeschichte. Ohne den Textilfabrikanten Wilhelm Bomann wäre es allerdings nie zu einem solchen Museum gekommen. Er war Vorsitzender des Museumsverein, der anfänglich die Trägerschaft des Museums besaß. Bomann ist auch der Museumsbau zu verdanken, der 1907 eröffnet wurde. Behandelt werden zurzeit in den Ausstellungsräumen Themen wie „Städtische Hygiene“, „Licht und Wärme“, „Celle in alten Ansichten“ sowie „Tabak und Rauchen“. Bis zum Frühjahr 2013 erhält das Haus eine Frischzellenkur, sodass im Laufe der nächsten Monate Teile der Sammlung nicht zu sehen sein werden und daher die nachstehende Beschreibung der Sammlung nur einen allgemeinen Überblick bieten soll.


In ländliche Wohnkultur entführt uns eine Stube von der Elbinsel Finkenwerder. Ein gusseiserner Ofen mit Kachelaufsatz wärmte die Stube, die auch einen Alkoven zum Schlafen besitzt. Dekorativ steht ein Buddelschiff auf einer Truhe. In einem Eckschrank werden kurze Tabakpfeifen verwahrt. Der Tisch ist zum Kaffee gedeckt. Zu sehen ist zudem eine Wendländer Bauernstube aus Reetze, die recht spartanisch eingerichtet ist. Der Webstuhl in der Stube verweist auf die Arbeit, der die Bewohner nachgingen. Neben diesen Bauernstuben gibt es auch Inventar zu sehen wie die Rückwand eines Truhenschranks mit Blumendekor, eine Waschmangel mit zwei Trögen oder einen Armlehnstuhl mit Lübecker Adler in der Rückenlehne.

Im Bomann-Museum in Celle wird die Heide inszeniert

Hier wird die Heide inszeniert
Foto: © Bomann-Museum

Inszeniert wurde im Haus ein „Heidezimmer“ mit Heidschnucken, Heidekraut und Bienenständen. Passend dazu wird Wissenswertes über die Wachserzeugung und Honiggewinnung vermittelt. Wussten Sie, dass für ein Kilo Honig vier Millionen Blüten angeflogen werden müssen?

Zeitreise ins Biedermeier

Betreten wir das Biedermeierhaus, so sehen wir bürgerliche Wohnkultur mit Hang zu edlen Möbeln. Zum Geist der Biedermeierzeit gehört neben der romantischen Verklärung des Mittelalters – man betrachte „Vedute von Rom“ von Georg Heinrich Busse“ -, auch ein ganz eigenes Rollenbild der Frau. Diesem Rollenbild widmete sich Suzette Henry, die Tochter von Daniel Chodowiecki. Sie schuf eine achtteilige Bilderfolge zu Themen wie „Die gute und die schlechte Erziehung des Mädchen“ sowie „Die gute und die böse Hausfrau“ und „Die Genesung des Vaters“. Das Familienbild jener Zeit spiegelt auch das Porträt der Kaufmannsfamilie Jakobs – gemalt von August Wilhelm Dankworth – wider. Jener Kaufmann hatte 1830 eine Seidenhandlung in Celle gegründet. In dem gezeigten Porträt steht der Vater im Mittelpunkt, unmittelbar neben ihm die beiden Ältesten der insgesamt zehn Kinder, die vom Maler in Dreiergruppe positioniert wurden.

Kinderzeiten

„Kinderwelten“ begegnen dem Besucher des Museums in Gestalt von Gesellschaftsspielen wir dem Feder- oder Zitterspiel. Auch ein Vorläufer von „Mensch ärgere dich nicht“ hat seinen Platz im Museum, mal abgesehen vom Geschichtslotto mit bunten Fragekarten. Ein Tretroller mit Wippvorrichtung aus der Zeit um 1950 und ein Kinderauto mit beweglichem Lenker für den Vortrieb sind gleichfalls zu sehen. Reklamemarken und Sammelalben wie „Max und Moritz“ oder „Deutsche Heimat“, die Schokoladenunternehmen und Zigarettenfirmen herausgaben, waren bei Kindern ebenso beliebt wie der Anker-Steinbaukasten, der 1865 erstmals auf den Markt kam.

Der blaue Dunst

Eine gesonderte Abteilung des Museums widmet sich dem Tabakgenuss, zeigt aber auch die Maschinen, die für die Tabakherstellung von Wichtigkeit waren, so eine Tabakschneidemaschine mit Vorschub, die in der Burgdorfer Tabakfabrik Gnippel bis 1902 in Gebrauch war. Das Rauchen von Tabak kam im Königreich Hannover, zu dem Celle zeitweilig gehörte, erst nach Aufhebung eines entsprechenden Verbots im Jahr 1848 in Mode. Dann erst durfte in der Öffentlichkeit geraucht werden. In jener Zeit existierten in Celle sechs Tabakfabriken, darunter die Tabakfabrik Bruns mit bis zu 90 Beschäftigten.

Stadt und Hygiene

Passend zum Thema entdeckt man einen Lehnstuhl mit Toilettenschüssel. Zugleich aber kann man entsprechende Straßenreglements lesen, die die Füllung der Kloaken festschreiben und die komplette Straßenreinigung im Winter bis 9 Uhr vorsehen.

In Celles Vergangenheit entführen Stiche und Grafiken sowie Postkarten, ob nun eine Ansicht des Rathauses, der Kaserne, der Ludwig-Kirche oder Celle von Altenhagen aus gesehen.

Das Handorfer Zimmer, eine der historischen Bauernstuben im Bomann-Museum in Celle

Eine der historischen Bauernstuben, das Handorfer Zimmer
Foto © Bomann-Museum

Handwerk und Industrie in Celle

Carl Isensee begrüßt uns in seiner Drechslerei zwar nicht persönlich, doch seinem Fotoporträt stehen wir gegenüber. 1865 hatte er in der Bergstraße 20 seinen Betrieb im Hinterhaus gegründet. Im Vorderhaus verkaufte er Tabakpfeifen, Stöcke und andere Drechselprodukte. 1978 schloss der Betrieb für immer seine Pforten. Zum alteingesessenen Gewebe zählte in Celle auch die Klempnerei Rantze in der 2.Querstraße 1, die im Museum inszeniert wurde. Hier verkaufte man Haushaltswaren aller Art und verstand sich auf Arbeiten aus Weißblech, Messing, Neusilber und Zink. Im inszenierten Laden sieht man neben einer Bördelmaschine zum Verschluss von Dosenwurst und Dosenfleisch, Milchkannen, Eimer, Backformen und Kessel. Ein Telefon besaß die Klempnerei auch.

Durch das ehemalige Werkstor der Firma Trüller betreten wir ein Stück Celler Industriegeschichte. Imposant ist das zweiflügelige Werkstor mit seiner Höhe von 2,80 Metern. Kekse, Schokolade und Zwieback produzierte man bei Trüller. Erfolgreich war das Unternehmen, das belegt zum Beispiel die Goldene Medaille bei der Weltausstellung in St. Louis. Marketing war für Trüller kein Fremdwort: „Edelweiss-Waffel“ist die Perle unter den Waffeln“, so wurde eines der vielen Produkte aus dem Hause Trüller angepriesen. „Trüller Zwieback - das ideale Kaffeegebäck, ist und bleibt allzeit voran“ war ein anderen recht einprägsamer Werbespruch aus dem Hause Trüller.

Stechuhr und Stechkarte bestimmen auch bei Trüller den Arbeitsrhythmus der Beschäftigten, die wir auf einigen Schwarz-Weiß-Fotos aus der Bäckerei und der Verpackungsabteilung entdecken. Der Celler Presse vom 12./13.12.1964 können wir entnehmen, dass unter den Beschäftigten auch Frauen aus Griechenland waren, für die damals ein Wohnheim errichtet wurde.

Aus der umfangreichen Textil-Sammlung des Bomann-Museums in Celle

Aus der umfangreichen Textilsammlung des Museums
Foto © Bomann-Museum

Wer sich für Mode interessiert, der muss sich in die oberste Etage begeben, wo sich die umfangreiche Textilsammlung des Museums befindet.

Gezeigt werden im Museum im Wechsel außerdem die umfänglichen Arbeiten von Eberhard Schlotter, von dem die Eberhard-Schlotter-Stiftung mehr als 4500 grafische Werke, 300 Ölgemälde und mehr als 400 Aquarelle besitzt.

Hinzuweisen ist zum Schluss auf die Ehrenhalle, gleichsam ein Museum im Museum. Konzipiert wurde die Halle nach Plänen des Architekten Alfred Sasse als Kubus mit Türmen und hohem Steildach. Im Inneren ist die Ostwand von einem Monumentalgemälde eingenommen, das die Schlacht an der Göhrde vom 16. September 1813 zeigt. Nicht zu übersehen ist das sogenannte Schlachtkreuz. Die aufgenommenen Schlachten, ob der 30-jährige Krieg, der Erste Türkenkrieg oder die Schlacht bei Minden oder Langensalza stehen im Zusammenhang mit der Beteiligung der Truppen der Fürsten von Braunschweig-Lüneburg oder hannoverscher Truppen.

Ein neues Profil
Drei übergreifende Themen werden in Zukunft des Museums strukturieren: Mensch und Siedlung, Mensch und Arbeit und Mensch und Mobilität. Im Konzept des Hauses heißt es: „Vor allem Inszenierungen historischer Momente, Lebensverhältnisse und alltagstypischer Begebenheiten werden die neue Darstellungsweise prägen. Die inszenierten Inhalte werden dabei von klassischen Ausstellungssequenzen ebenso wie von modernen Medieneinheiten flankiert.“ So wird der Besucher zu Beginn mit „Kellu“, dem späteren Celle vertraut gemacht und die Stadtgeschichte zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert intensiv vorgestellt, stets mit Rückblicken auf das Mittelalter. Zu einer solchen Betrachtung gehört auch das Thema „Alltag auf dem Land“. In diesem Kontext befasst man sich auch mit der Rolle von Albrecht Daniel Thaer bei der Revolutionierung der Landwirschaft. Das Ausstellungssegment „Behaglichkeit mit Brüchen“ behandelt die Zeit zwischen 1810 und 1859, einer Periode, die als Biedermeier bezeichnet wird. In dieser Zeit gab es nicht zuletzt wegen des Wiener Kongresses und der Revolutionen von 1830 und 1848 grundlegende gesellschaftliche Verwerfungen. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft bündelt sich in dem Ausstellungskapitel „Zeig mir deine Küche und ich weiß, wie du lebst“. Im Rahmen von „Mensch und Arbeit“ befasst sich das Museum nicht nur mit den Waffeln der Firma Harry Trüller, sondern auch mit den Farben der Chr. Horstmann-Steinberg-Farbenfabriken. Was es mit Kieselgur und Berkefeld Filtern aus Celle auf sich hat, wird ebenso anschaulich dargestellt wie das Thema der wandernden Gesellen – Teil des Themenkomplexes „Mensch und Mobilität“. Zur Neugestaltung gehört auch der Umzug des Cafés buchkunstcafé in die ehemalige Hofapotheke.




Bomann-Museum
Schlossplatz 7
29221 Celle
http://www.celle.de



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