Reisemagazin schwarzaufweiss

Nicht immer trockenen Fußes

Mit Kanu und Stechpaddel durch die Lüneburger Heide

Text: Ferdinand Dupuis-Panther
Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther, Sven-Lukas Müller

Lüneburger Heide – waren das nicht Wandergruppen, Volkslieder auf den Lippen und Hermann Löns im Gepäck? Mag sein, doch es geht auch anders. Denn die Heide ist keine karge Sandlandschaft, sondern durchzogen von Hunderten von kleinen Flüssen und Nebengewässern. Natur pur ist deshalb auch vom Boot aus zu erleben. Begleiten wir unseren Autor auf seiner Paddeltour auf romantischen Heideflüsschen.

Deutschland Heide Schild

Sie heißen Örtze, Fuhse, Lachte, Oste und Aller. Die mäandernden Flüsschen fließen zumeist durch Wiesen, haben hier und da niedrige Prallhänge ausgewaschen, auf denen Eichen und Buchen stehen. Zu entdecken sind weiß blühender Holunder und Schlehe, aber auch einige typische Wiesenpflanzen, ob nun Riesensauerampfer oder Beinwell. Weiden lehnen sich mit ihrem Geäst weit über die Flussufer. Schwarzbunte und Rotbunte grasen links und rechts der Flüsschen.

Balance-Akte zwischen den Weiden

Paddeln bei schönem Wetter macht Spaß, doch wir erfahren, dass ein wenig Regen das Erlebnis auch nicht vermiest. Trotz feinem Nieselregen ließen wir uns nicht davon abhalten, die Örtze im Kanu zu erkunden.

Deutschland Heide zwei Paddler

© Sven-Lukas Müller

Ein Bootsverleiher vor Ort stellte Boote und Paddel, hatte nicht nur an Schwimmwesten in Erwachsenengröße gedacht, sondern auch an Regenponchos, um möglichst trocken von Hermannsburg-Baven nach Eversen Brücke zu kommen.

Ehe wir die Boote zu Wasser ließen, gab es noch eine kleine Einführung in die richtige Steuertechnik und ein paar andere lebenswichtige Verhaltensregeln. Da Wasser bekanntlich keine Bretter hat und niemand unbedingt in die kalte Örtze tauchen wollte, wurden wir ermahnt, im Boot nicht hin- und herzurutschen, auch wenn wir auf die herabhängen Weidenzweige stießen. Auch das Aufstehen im Boot führt mit hundertprozentiger Sicherheit zu einem Bad im kühlen Nass.

Deutschland Heide Oste

Das Steuern schien bei der Trockenübung noch unverständlich, aber bei den ersten ausholenden Kreisbewegungen des Steuermannes, der links paddelte, merkte jeder schnell in welche Richtung die Fahrt ging. Nach und nach gelang es auch die Strömung zu lesen, so dass bei der Fahrt auf dem stark mäandernden Flüsschen kein unnötiges Stoppen und Vor- und Zurückmanöver notwendig war. Bisweilen konnten wir uns auch in der Strömung gleiten lassen, hatten Zeit einen Blick auf die Kirche von Hermannsburg zu werfen, die wir passierten, oder die Flora am Ufer zu betrachten.

Mit dem Boot durch einen wilden Heide-Garten

Neben den Weidenarten, die ihr lichtes Laub über die Örtze wölben, kann man am Ufersaum zahlreiche Wildpflanzen entdecken: Sternförmig sind die kleinen violetten, der Kartoffelpflanze ähnelnden Blüten des Bittersüßen Nachschatten, der berauschende Substanzen enthält, die aber in Mengen tödlich wirkt. Zartviolett sind die trichterförmigen Blüten des Gemeinen Beinwells, einer Pflanze, die im Mittelalter als Heilmittel bei der Behandlung von Knochenbrüchen Verwendung fand.

Deutschland Heide Blume

Himmelblaue Tupfer im Grün verraten, dass hier Ufervergissmeinnicht gedeiht. Während die „Pantoffelblüten“ des Wilden Dosts ein zartes Rosa aufweisen, erstrahlen Blüten des Hahnenfußes und der Schwertlinie in leuchtendem Gelb. Und auf dem Wasser macht sich eine teilweise dichte „Pflanzendecke“ breit: Der Flutende Hahnenfuß. Seine einzelnen Blüten sind fünfblättrig und weiß; seine untergetauchten Blätter mit eine Länge von 15 Zentimetern treiben wie ein „Fadenteppich“ im klaren Wasser.

Wer seine Aufmerksamkeit allzu sehr auf die Flora der Umgebung lenkt, muss aufpassen, nicht auf einen unter Wasser liegenden dicken Ast aufzufahren oder gar einen querliegenden Baum zu übersehen.

Deutschland Heide Baumstamm

In beiden Fällen wäre ein Kentern wahrscheinlich. Und auch Brücken bescheren so manche Tücke: Zwei von uns versuchten das Kunststück dicht am Ufer zwischen den Brückenpfosten hindurchzupaddeln. Gut, dass sie von ihrem Vorhaben abließen, denn sonst hätten sie sich zwischen Böschung und Pfeiler festgefahren. Rückwärtspaddeln wäre keine Lösung gewesen, da es keinen Platz zum Einstechen des Paddels gab.

Während wir unterwegs sind, fängt es kräftig an zu regnen. Brillenträger wünschen sich nun Scheibenwischer, um überhaupt noch zu sehen, wohin die Fahrt geht. In wenigen Passagen schützt ein Waldsaum den Fluss und Paddler vor einfallenden Winden und dem Regen. Nach etwa zweieinhalb Stunden sind wir in Eversen, wenn auch nicht trockenen Fußes, so doch ohne Kentern angekommen, und ziehen die Boote an Land. Leicht ausgekühlt wünscht sich nun jeder von uns eine heiße Dusche oder Sauna.

Der „Kampf“ mit dem Boot

Am nächsten Tag herrschte Hochbetrieb an der Einstiegsstelle in Brauel. Eine Kirchengruppe wartete mit ihren Booten, Kanus und Kajaks, darauf loszupaddeln. Insgesamt ein halbes Dutzend Boote musste zu Wasser gelassen werden, ehe wir unsere Leihboote einsetzen konnten.

Deutschland Heide Einstieg

Bereits nach den ersten Paddelschlägen freilich merkte jeder von uns, wie kippelig sie waren, was an dem hohen Schwerpunkt lag. Zudem waren sie besonders leicht und reagierten auf jeden nicht gleichzeitig und mit gleichem Kraftaufwand ausgeführten Schlag. Da wir keine Experten waren, ging es hin und wieder in Slalomfahrweise von Ufer zu Ufer voran.

Aber nachdem wir uns ein wenig hatten zurückfallen lassen, gehörte die Oste uns. Nun konnten wir unseren eigenen Paddelschlag setzen. Holunder, Weiden, einige Acker- und Wiesenblumen, die wir zuvor an der Örtze gesehen hatten, waren wieder unsere floralen Begleiter. Die etwa zweistündige Tour endete an der Eitzter Wassermühle, deren Wasserrad seit 1941 still steht. Über Jahre war sie danach dem Verfall preisgegeben, ehe sie 1991 vom Mühlenschutzverein Selsingen erworben und unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Deutschland Heide Wassermühle

In der Mühle betreiben nun Landfrauen am Wochenende ein Café - ein willkommener Rastplatz mit Kaffee und leckeren Torten nicht nur für Wasserwanderer. Für uns der Startpunkt zur nächsten Etappe der Paddeltour durch die Lüneburger Heide.

 

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