Aktivurlaub im Südosten Rügens

 

Durch den Wald zum Jagdschloss Granitz

 

Rügen - Totholz in der Granitz

Totholz hält den Wald lebendig, auch in den geschützten Waldgebietes Rügens

Rund 5 Kilometer sind es von Sellin über Waldwege hinauf zum Jagdschloss Granitz. Ist man zu Fuß unterwegs kann man auf eigene Gefahr zunächst den Hochuferweg durch unwegsames Gelände nehmen, mit dem Rad gibt es weitere besser ausgebaute Wege. Alle Wege treffen später aufeinander und führen gut ausgeschildert zum Schloss und nach Binz. Je nach gewähltem Weg kommt man am "Schwarzen See" im Naturschutzgebiet Granitz vorbei, zu dem man durchaus einen kurzen Abstecher machen kann. Der idyllisch gelegene rund 15 Meter tiefe nährstoffarme Kesselsee ist ein sehr seltener Gewässertyp mit Zwischenmoor- und Hochmoorbildungen in Randbereichen, wie eine Schrifttafel erklärt. Dennoch konnten wir im Wasser Fische schwimmen sehen und im Uferbereich flogen Libellen. Schwimmen gehen ist hier natürlich nicht angesagt.

Rügen - Schwarzer See in der Granitz

Der Schwarze See in der Granitz

Der Anstieg zum Schloss im letzten Streckenabschnitt ist durchaus nicht ganz trivial, weder zu Fuß, noch mit dem Rad, zumal der Untergrund uneben und etwas steinig ist. Festes Schuhwerk ist also nicht von Nachteil, ebensowenig wie eine vernünftige Gangschaltung oder/und E-Motorunterstützung am Rad und gut funktionierende Bremsen für den Rückweg.

Rügen - Jagdschloss Granitz auf dem Tempelberg

Jagdschloss Granitz auf dem Tempelberg

Am höchsten Punkt des so genannten Tempelbergs im Waldgebiet der Granitz öffnet sich eine Lichtung mit dem Jagdschloss. Als Ankömmling erwartet einen kein düsteres geheimnisumwittertes mittelalterliches Gemäuer oder ein architektonisch verspieltes Märchenschloss, sondern ein in der Grundfläche quadratischer Bau im Stil der Renaissance aus hellem Stein, der heute Museum ist.

Rügen - Jagdschloss Granitz - Speisesaal

Der Speisesaal im Jagdschloss

Auftraggeber für den zweigeschossigen Bau war der 1807 von dem schwedischen König Gustav IV. Adolf vom Grafen- in den Fürstenstand erhobenen Wilhelm Malte I. zu Putbus. Das 1726 von einem seiner Vorgänger als Herr zu Putbus errichtete zweigeschossige Jagdhaus war trotz einer umfassenden Modernisierung im neogotischen Stil im Jahre 1814 nicht mehr standesgemäß, sodass ab 1830 Planungen für einen Neubau reiften.

Jagdschloss Granitz auf Rügen - Relief

Postamentrelief vom Denkmal für Fürst Wilhelm Malte I.: Karl Friedrich Schinkel im Gespräch mit dem Maler Carl Wilhelm Kolbe und dem Bildhauer Thorvaldsen. Die Kunstwerke der Gesprächspartner schmückten einst die Räume des Schlosses

Der Architekt und Baumeister Johann Gottfried Steinmeyer aus Berlin war der Verantwortliche, der das Schloss in seiner heutigen Form mit seinen vier runden Ecktürmen in der verhältnismäßig langen Bauzeit zwischen 1837 und 1846 realisierte. Der 38 Meter hohe Mittelturm stammt allerdings von dem mit ihm befreundeten preußischen Baumeister und Architekten Karl Friedrich Schinkel. Der Aussichtsturm ersetzte ein Fachwerk-Belvedere, das die Putbuser Grafen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hier für die Aussicht errichten lassen hatten und das 1810 abgebaut worden war. Nach Fertigstellung des Jadgschlosses wurde auch das alte Jagdhaus abgerissen.

Rügen - Jagdschloss Granitz - Möbel aus Geweih

Möbel aus Geweih wurden erstmalig auf der Weltausstellung 1851 in London gezeigt und kamen danach in Mode. Bei der Verarbeitung nutzte man hauptsächlich die Abwurfstangen, die das Wild ohnehin einmal jährlich verlor

Das Bauwerk blieb bis 1945 im Besitz der Fürstenfamilie und im Laufe der Zeit besuchten viele Prominente und Adelige das Schloss, wie die Ausstellung im Museum zeigt. Darüber hinaus erfährt man in Wort und Bild viel darüber, wie es einst im Jagdschloss zuging und wie es aussah, denn darüber gibt es noch viele historische Fotografien. Nicht soviel erhalten ist leider von der originalen Einrichtung, wie man etwa im einst waffenstarrenden Rittersaal sieht, wo nur einige wenige Waffen und eine Rüstung geblieben sind.

Jagdschloss Granitz auf Rügen - Im Rittersaal

Im Rittersaal des Jagdschlosses in der Granitz

Dennoch ist ein Besuch des umfassend restaurierten und denkmalgeschützen Jagdschlosses empfehlenswert und kann sogar zur Mutprobe werden. Denn wer die Aussicht vom Mittelturm aus 144 Metern über NN genießen möchte, muss zuerst die einzigartige freitragende Wendeltreppe mit ihren 154 gusseisernen Stufen ebenso bezwingen, wie unter Umständen den inneren Schweinehund. Schon alleine der Anblick aus dem Treppenhaus den Turm hinauf ist respekteinflößend.

Rügen - Jagdschloss Granitz - Wendeltreppe im Aussichtsturm

Round and round heißt es auf der Wendeltreppe im Aussichtsturm, ein Mitarbeiter des Museums limitiert den Zugang, damit nicht zuviele Menschen gleichzeitig unterwegs sind

Das Schloss liegt auch an der Strecke des Rasenden Roland, etwa einen Kilometer muss man hinunterlaufen zur Station. In anderer Richtung sind es gut 3 Kilometer durch den Wald nach Binz. Von dort fährt der Bus Linie 22 Richtung nach Göhren zurück, mit Umsteigen in die Linie 20 an Serams Wendeplatz. Die RADzfatzBusse nehmen zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober auch Ihr Fahrrad auf speziellen Anhängern mit. Mehr erfahren Sie über die Aushänge an den Haltestellen.

 

Kunst und mehr in Binz, dem größten Seebad Rügens

Soweit die Füße tragen ... Wenn Göhren der Ausgangspunkt der Wanderung ist, ist Binz (8) als Ziel schon eine Herausforderung auch für trainierte Wanderer, rein entfernungsmäßig versteht sich, wenn auch landschaftlich reizvoll durch Strand und bewaldetes Hochufer.

Rügen - Fährschiff Bäderlinie

Eine gute Alternative ist da auch eines der Schiffe, die, je nach Jahreszeit, häufiger oder eben weniger oft zwischen den Landungsstegen der Seebäder von Binz bis Göhren im Pendelverkehr unterwegs sind. Da die Schiffe nicht sehr groß sind und bei stärkerem Wind schon mal etwas heftiger auf den Wellen tanzen, sollten sich Landratten, die sich ihrer eigenen Seetauglichkeit nicht so ganz sicher sind, das Landemanöver anschauen, um für sich eine Entscheidung zu treffen. Fische füttern über der Bordwand ist doch ziemlich unangenehm, zumal mit Zuschauern ...

Rügen - Blick von der Seebrücke auf die Strandpromenade von Binz mit dem Kurhaus

Blick von der Seebrücke auf die Strandpromenade von Binz mit dem Kurhaus

Kommt man als Besucherin oder Besucher von der Seeseite fällt einerseits die Größe des Ortes im allgemeinen und das 1890 eröffnete Kurhaus als unübersehbar größter und beeindruckender Bau im Speziellen ins Auge. Auch in der Nebensaison ist Binz wesentlich quirliger und geschäftiger, als die Orte in der direkten Nachbarschaft. Historische Häuser im Stil der Bäderarchitektur auch hier, ob direkt an der Strandpromenade oder in den Flaniermeilen des Ortes. Und egal, ob man mit dem Schiff oder mit dem Bus ankommt, sofort ist man mittendrin im Geschehen.

Rügen - Kunsthandwerk auf der Kunstmeile in Binz

Auffallend ist auch hier, dass das Angebot in den Flaniermeilen durch viele Filialisten im Vergleich mit der Angebotspalette andernorts identisch und damit austauschbar ist, aber noch behaupten sich die „Individualisten“ dazwischen und das tut dem Flair des Ortes gut. Dazu gehört auch die Margarethenstraße, die Kunstmeile des Ostseebades, die etwas abseits direkt von der Strandpromenade abzweigt. Hier reihen sich die Werkstätten ansässiger Künstler, Galerien und Geschäfte aneinander, die Kunsthandwerk aus verschiedensten Produkten von Glas über Malerei bis zu Edelmetallen aus hiesiger und auswärtiger Produktion anbieten. Wer etwas Besonderes für sich selbst als Erinnerung oder als Urlaubsmitbringsel sucht, sollte hier fündig werden.

Rügen - Binz - Wolgasthaus Villa Undine

In der Straße steht mit der „Villa Undine“ auch eines der drei erhaltenen Wolgasthäuser auf der Insel. Der Mitte der 90er Jahre modernisierte und rekonstruierte unter Denkmalschutz stehende 1885 errichtete Bau ist heute ein Haus mit Ferienappartements, Die Holzvillen im Stil der Bäderarchitektur gelten als die ersten individuellen Fertighäuser. Ihre Namensbezeichnung haben die Gebäude durch ihre Erbauer, die „Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung“. die die Fertigteile in der Stadt Wolgast vor der Insel Usedom in der Zeit zwischen 1868 und 1910 gefertigt haben.

Rügen - Ostseebad Binz - Sandskulptur an der Promenade

Aus Sand gebaut und vergänglich

Aber zurück zur Kunst, auch jenseits der Kunstmeile hat Binz einiges an Kunst zu bieten, Kunst im öffenlichen Raum. Das wird zum einen an der Strandpromenade offenbar, wo Bronzeskulpturen das Stadtbild bereichern und zum anderen am Park der Sinne. Der Park, der sich am Ufer des Schmachter Sees entlang erstreckt, wurde 2003 angelegt und war Außenstandort der Internationalen Gartenausstellung (IGA). Neben der zum Teil, aus biologischer Sicht, außergewöhnlichen Bepflanzung, der Wasserspiele, sowie der Spiel- und Sitzmöglichkeiten, finden sich auch hier zahlreiche Skulpturen in Bronze vieler Künstler. Wer dem Trubel im Ort, an der Promenade und an dem zweifellos schönen und langgestreckten Ostseestrand kurzzeitig entfliehen möchte, findet im Park ein schönes Plätzchen.

Rügen - Binz - Bronzeskulpturen an der Promenade

Bronzeskulpturen an der Promenade

Göhren, Baabe, Sellin und auch Binz haben keinen Hafen, also keinen mit Berufsschifffahrt und größeren Schiffen. Dafür muss man dann schon etwas weiter fahren, und zwar nach Sassnitz. Und fahren hat dann doch Vorteile, da die Strecke von Binz aus rund 16,5 Kilometer beträgt. Das íst mit dem Bus Linie 22 kein Problem, wenn Sie einen der RADzfatzBusse erwischen, können Sie auch Ihr Fahrrad mitnehmen.

Rügen - Binz - Bronzeskultur im Park der Sinne

Skulpturen am Schmachter See

 

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