Aktivurlaub im Südosten Rügens

 

Nordperd: Wandern durch den Wald an das Steilufer

 

Göhren auf Rügen - Blick auf das Nordperd

Blick auf das Nordperd

Der größtenteils bewaldete Vorsprung, so die Bedeutung des Wortes Perd im Slawischen, ist Teil des Biosphärenreservats Mönchgut. Und tatsächlich ragt das Areal aus der Luft gesehen wie ein grünes spitzes Dreieck ins Meer. Vorbei am alten Wasserturm in der Nordperdstraße, führt der Weg einige Meter weiter hinauf zum Sturmsignal aus den 1930er Jahren, heute ein technisches Denkmal, in den bewaldeten Teil.

Göhren auf Rügen - Wandern auf dem Nordperd

Unterwegs im Herbst auf dem Nordperd

Viele Wege führen kreuz und quer durch das hügelige Gelände zum Teil bis dicht an die Kanten des Kliffs. Da das Nordperd aus eiszeitlichen Ablagerungen wie Geschiebemergel und Geschiebelehm besteht, kommt es am Steilufer wetterbedingt immer wieder zu gefährlichen Abbrüchen und Erdrutschen. Wanderer sollten also unbedingt Vorsicht walten lassen und etwaige Warnhinweise absolut ernst nehmen. Attraktiv ist eine Wanderung vor allem deshalb, weil man vom Steilufer einen sehr weiten Blick über die Ostsee und entlang der Küste hat.

Rügen - Nordperd bei Göhren

Baumpilze im weitgehend naturbelassenen Wald

Man könnte fast sagen zwei Küsten, denn das spitze Kap teilt den Strand in zwei Teile, den schon erwähnten Nordstrand mit dem größten Findling Deutschlands im Wasser, dem meist von Seevögeln besetzten Buskam, und den mehrere Kilometer lang bis Thiessow und das Südperd reichenden Südstrand. Der Küstenbereich dazwischen wurde teilweise durch Steinwälle befestigt, um einen Abtrag der vergleichsweise losen Landmasse zumindest zu verlangsamen.

Göhren auf Rügen - Dat Rookhus - Museum

Nett anzusehendes Ensemble mit dem Roohus in der Mitte

Für eine schöne Wanderung am Wasser geht es zunächst am Rookhus und an der "Luise" in der Thiessower Straße vorbei zum Südstrand. "Dat Rookhus", das Rauchhaus, ist mit Baujahr 1720 übrigens eines der ältesten Gebäude Rügens und eine Besonderheit, denn es hat keinen Schornstein - ein Umstand, der dem kleinen niedrigen Fachwerkbau mit Reetdach seinen Namen verdankt. Stattdessen zog der Rauch von der offenen Herdstelle durch kleine "Uhlenlöcher", also Eulenlöcher, durch den schmalen First nach außen, was für das Gebälk aus Eichenholz eine Konservierung wie in einem Räucherofen mit sich brachte. Das Manteldach des Hallenhauses wird von zwei Ständerreihen getragen. Die Bewohner teilten sich den knappen Raum unter einem Dach mit ihren Tieren und landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Hier wurde gelebt und gearbeitet, so wie es vielfach auch in Bauernhäusern in anderen Regionen üblich war. Wie es hier zu jener Zeit zuging, zeigt die Ausstellung in dem Museum.

Göhren auf Rügen - Strandzugang

Strandzugang beim Museumsschiff "Luise"

Nach dem kleinen Museumsausflug führt uns unser Weg durch den Sand der Ostsee an dem Örtchen Lobbe (2) vorbei bis ans Strandende in Thiessow, für ausdauernde Wanderer von Göhren aus eine ordentliche Strecke, immer mit einer salzigen Brise um die Nase. Da sich die Möglichkeiten zur zwischenzeitlichen Einkehr in Grenzen halten, ist etwas Proviant und Trinkwasser durchaus hilfreich, ebenso natürlich der Sonnenschutz. Zurück geht’s dann komfortabler mit dem Bus, falls die Beine nicht mehr tragen.

Rügen - Strand zwischen Göhren und Lobbe

Strand zwischen Göhren und Lobbe

Auf dem Weg nach Lobbe passiert man ein kleines Stück Hochufer, an dem sich zur Brutzeit zwischen Ende April und Ende Juni mit Glück Uferschwalben beobachten lassen. Mit rund 12 cm Länge gehören die im Flug äußerst wendigen Vögel zu der kleinsten europäischen Schwalbenart. Wie hier, brüten sie oft in abgebrochenen Steilwänden aus sandigen Schichten und legen unterhalb der Abbruchkante und der Vegetationsschicht etwa 70 cm tief ins Erdreich ragende Röhren als Brutplatz an. Auch wenn sich die eigentliche Nistkammer am Ende des Ganges befindet, ist es für die Vogelkolonie ein nicht ungefährliches Unterfangen, denn wo einmal etwas abgebrochen ist, kann zu fast jeder Zeit weiteres Material den Gesetzen der Schwerkraft folgen und abrutschen. Das kann übrigens nicht nur für die Vögel tödlich enden.

Rügen - Uferschwalben brüten am Steilufer

Uferschwalben brüten am Steilufer

Wie vielerorts auf Rügen, wachsen auch dort am Südstrand bei Lobbe zahllose Büsche von Sanddorn, der auch Haffdorn, Seedorn, Rote Schlehe, Sandbeere oder salopp Zitrone des Nordens genannt wird. An den bis zu 6 Meter hohen Sträuchern wachsen ab Anfang August ovale orangerote bis gelbe Beeren bis zu einer Größe von 6-8 mm heran. Die Früchte sind nicht nur Teil des Nahrungsangebotes für Vögel vor allem im Herbst, sondern stehen auch bei den größeren Zweibeinern hoch im Kurs. Die Beeren sind ziemlich reich an Vitamin C und werden auf der Insel zu allerlei Produkten verarbeitet, darunter auch Saft.

Rügen - Sanddorn-Büsche bei Lobbe

Sanddorn-Büsche bei Lobbe

Von Lobbe aus sind es noch fünf Kilometer bis zum Ostseebad Thiessow (4). Parallel zum Strand und zwischen Strand und Straße verläuft für Radfahrerinnen un Radfahrer der "Rügen-Rundweg", der über die gesamte Insel führt und hier auch Teil des "Ostseeküsten-Radweg" ist. Teilweise liegt der Weg in einem Wald.

Hafen in Gager

Rügen - Stand auf dem Rügen-Markt

Stand auf dem Rügen-Markt

Dienstags und Donnerstags findet zwischen Anfang Mai und Ende Oktober in Thiessow in dem an den Campingplatz grenzenden Hafenbereich am Zicker See der sehenswerte Rügen-Markt statt. Angeboten werden Schmuck, Textilien, Kunsthandwerk aus verschiedenen Materialien, Dinge des alltäglichen Gebrauchs und Kulinarisches in fester sowie flüssiger Form zum Mitnehmen oder gleich vor Ort zu verzehren. Wer nicht mit Rad oder zu Fuß kommen kann oder will, kann alternativ zum Auto auch den Bus der Linie 21 nehmen.

Rügen - Boote in Klein Zicker mit Blick auf den Hafen in Thiessow im Hintergrund

Boote in Klein Zicker mit Blick auf den Hafen in Thiessow im Hintergrund

Vom Hafen kann man durch die unter Naturschutz stehenden Salzwiesen über die Halbinsel Klein Zicker zum gleichnamigen Dorf laufen. Hier endet auch die Buslinie. Die Hauptstraße geradeaus durch den kleinen netten Ort endet an der Steilküste am Westufer. Von dort führt ein etwa 1 Kilometer langer Rundwanderweg über die Hügellanschaft der Halbinsel und endet wieder im Ort an der Endstation des Busses, wo man beim "Imbiss am Bodden" am Bodden einen Imbiss nehmen kann. :-)

Rügen - Imbiss am Bodden in Klein Zicker

Imbiss am Bodden in Klein Zicker

Das Highlight der kurzen Wanderung ist allerdings die schöne Aussicht über den Greifswalder Bodden im Westen sowie Südwesten und über den Zicker See hinweg auf den Ort Groß Zicker und die dahinter liegenden 66 Meter hohen Zicker Berge an die sich an der Landspitze das Zickersche Höft anschließt. Der unbeschwerte Gang durch die Natur wurde allerdings erst durch umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen möglich, wie eine Infotafel vor Ort zeigt.

Rügen - Rundwanderweg in Klein Zicker

Der Rundwanderweg beginnt am Steilufer, im Hintergrund die Zicker Berge und an der Landspitze das Zickersche Höft

Während von einer Anfang des 18. Jahrhunderts angelegten schwedischen Schanze nur unbedeutende Reste erhalten sind, ist die Radarstation der Sowjetarmee komplett abgebaut worden. Von Mitte 1967 bis zum Abzug am 20. Juni 1991 standen auf dem Gebiet zahlreiche Wohn- und Lagergebäude sowie die dazugehörige Infrastruktur. Seit der nachfolgenden Renaturierung, bei der 37.000 Kubikmeter Erdreich bewegt wurde, bestimmt eine Trocken- und Magerrasenflora das Bild der Landschaft.

Klein Zicker auf Rügen - Sukkulenten auf einem Grasdach

Sukkulenten auf einem Reetdach

 

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