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Redu – ein Dorf und seine Bücher

Nicht nur zur Nacht des Buches im August zieht es Bücherfreunde nach Redu, sondern auch das ganze Jahr über. Ob Fahrenheit 451 oder De Griffel und La Barque Saoûle – man findet hier so gut wie jede Lektüre, Comics ebenso wie eine Strindberg-Ausgabe oder Monografien zur belgischen Geschichte.

Belgien - Wallonien - Redu - Einst ein Bauerndorf, heute eine Pilgerstätte für Bücherwürmer © fdp
Einst ein Bauerndorf, heute eine Pilgerstätte für Bücherwürmer © fdp

Seit 1984 existiert das Bücherdorf Redu, das weit über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt ist. Vorbild für Redu ist das walisische Haye-on-Wye, das der Journalist Nöel Anselot Ende der 1970er Jahre besuchte und sofort von der Idee eingenommen war, auch in Belgien ein entsprechendes Bücherdorf zu etablieren. Redu, zur damaligen Zeit weitgehend entvölkert, schien ihm der passende Ort für ein derartiges Projekt zu sein. Leerstehende Scheunen, Werkstätten und Ställe schienen wie gemacht dafür, Regalreihen mit Secondhand-Büchern aufzunehmen. Mit der ersten Bücherausstellung begann der unvorhergesehene Aufschwung in diesem bescheidenen Ardennendörfchen. Waren es anfänglich nur einige Tausend, die pro Jahr kamen, so ist die Zahl derer, die Redu aufsuchen, heute auf einige Zehntausend angewachsen.

Auch hinter dieser Fassade findet man antiquarische Bücher © fdp
Auch hinter dieser Fassade findet man antiquarische Bücher © fdp

Dominiert wird das Ortsbild durch Bauernhäuser, die aus rötlich-braunem Bruchstein errichtet wurden. Einzelne von ihnen beherbergen Stallungen ebenso wie den Wohnbereich. Geranien vor den Fenstern und tannengrüne Fensterläden sind ebenso typisch wie ein flaches breites Satteldach. Das eine oder andere Haus hat himmelblau angestrichene Türen, so auch die Librairie Le Mât de Cocagne, die für Architekturbücher ebenso bekannt ist wie für Musikpartituren. Nicht zu übersehen ist das steinerne Buch, das unweit der Kirche vor La Maison de l'instit seinen Platz gefunden hat und am besten zum Ausdruck bringt, was Redu ausmacht: Lesestoff in Buchform und das in Zeiten, in denen Netzlektüre immer mehr verbreitet ist.

Belgien - Wallonien - Redu - Dem Buch wurde in Redu ein Denkmal gesetzt © fdp
Dem Buch wurde in Redu ein Denkmal gesetzt © fdp

Art. 31 weist darauf hin, dass es hier auch deutschsprachige Literatur neben niederländischer und französischer zu erstehen gibt. Mörikes sämtliche Werke warten ebenso auf einen Käufer wie August Strindbergs „Entzweit-Einsam“ aus dem Georg Müller Verlag München/Leipzig. Clifton Adams „La parole est aux Colts“ und Françoise Girouds „Le Bon Plaisir“ gehören zu den Büchern aus dem preiswerten Taschenbuchangebot. Wer sich für die Geschichte des Ersten Weltkriegs interessiert, wird im Art. 31 ebenso wenig enttäuscht wie Eltern, die nach einem Bilderbuch für ihre Kleinsten Ausschau halten. Comic-Fans besuchen stattdessen La Barque Saoûle in der Rue de la Prairie und schmöckern in den angebotenen Bildergeschichten, ob nun „Tintin“ oder „Boule et Bill“. Librairie Ardennaise hat im Freien Pappkarton neben Pappkarton mit Büchern aufgebaut. In diesen Kisten kann man nach Publikationen wie „L'ancien regime“ ebenso stöbern wie nach den „Cahiers marxistes“ suchen.

Kaum glauben kann man, dass unterdessen 22 Buchläden jährlich mehr als 200000 Besucher nach Redu locken. Das ist ein Vielfaches der Einwohnerzahl des Ardennendörfchens, in dem selbstverständlich die Kirche in der Dorfmitte ihren Platz hat.

Belgien - Wallonien - Redu - Wie wäre es denn mit einer Strindberg-Lektüre © fdp
Wie wäre es denn mit einer Strindberg-Lektüre © fdp

Neben Buchläden findet man in Redu auch ein Museum, das sich mit dem Buchdruck befasst. Zudem gibt es eine Werkstatt, in der noch handgeschöpftes Papier hergestellt wird. Auch für das leibliche Wohl der Besucher ist gesorgt, ob man nun im Au Clocher oder im Gourmandine einkehrt. Wie wäre es mit einem Rhabarberwein oder einem Waldfruchtaperitiv? Bierliebhaber haben im Au Clocher die Qual der Wahl zwischen Gauloise brune, Apple Bocq, einem Weißbier mit Apfelgeschmackt, und einem Ampounette de Redu, einem Bier mit Himbeernote. Chouffe serviert man ebenso wie Saint Monon ambrée au miel, sehr hopfig und mit einem Hauch Honig abgeschmeckt. Im Le Fournil kann man unter 35 Bieren wählen, darunter sind auch sechs verschiedene Trappistenbiere. Wer Jambonneau béarnaise (Schweinehaxe mit Sauce Béarnaise) oder Entrecôte mit Pilzen schätzt, steuert das Gourmandine in der Rue St-Hubert 16 an. Bevorzugt man hingegen als Gaumenfreude Wildgerichte, so ist man im Le Fournil gut aufgehoben: Civet de Marcassin à l'ancienne (Junges Wildschwein auf alte Art) steht ebenso auf der Karte wie Hirschsteak in Himbeerbier-Sauce. (fdp)

Weitere Informationen

Redu, Village du Livre asbl
www.redu-villagedulivre.be

Maison du Tourisme
Place d l'esro 60
www.haute-lesse-tourisme.be

Musée des Imprimes en Luxembourg
Rue de St-Hubert 14
Tel. 061/65 62 28

Atelier de Fabrication de Papier
Cour de ancienes écoles
Tel. 061/65 66 99

Busanreise
www.infotec.be



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