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Buchtipp Mons

Rolf Minderjahn: MONS - Unterwegs in der Kulturhauptstadt Europas 2015, 160 Seiten, 13 x 21 cm, Umschlag mit 2 Klappen und Übersichtskarten, Grenzecho Verlag, Eupen 2014, ISBN 978-3-86712-087-6, Preis: 15,00 €

Wer Mons liest, erwartet auch, dass die entsprechende Veröffentlichung die Kulturhauptstadt Mons im Detail vorstellt. Das kann man beim aufmerksamen Lesen und Blättern von dem vorliegenden Reiseführer nur bedingt sagen. Ja, etwa 60 Seiten sind Mons vorbehalten.

Mons als Bierstadt zu bezeichnen, weil hier gerade mal eine Zweigbrauerstätte der Brauerei Dubuisson vorhanden ist, scheint mir dann doch ein wenig weit hergeholt. Einer Pflichtübung gleichen wie in ähnlichen Reiseführern die ersten Seiten des vorliegenden Buchs mit Ausführungen zur Wirtschaft, mit dem „Ritt durch die Stadtgeschichte“ und mit Exkursen zur Borinage, dem alten Kohlerrevier der Region von Mons, sowie zu den italienischen Einwanderern, die u. a. mit der Cantine des Italiens nachhaltige Spuren hinterlassen haben. Entgegen der Angabe des Autors befindet sich diese Cantine des Italiens, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand, nicht nahe des alten Hebewerks Nr. 4 des historischen Canal du Centre, sondern nahe des Hebewerks Nr. 1!

Besonders schneller Halbwertzeit unterliegen die ausführlichen Programmaussichten für das Festjahr 2015, in dem sich Mons von seiner besten Seite zeigen möchte. Wer in diesem Jahr nach Mons reisen möchte, findet dank der gemachten Angaben gute Tipps für ein Wochenende in Mons.

Dass Mons Architektur der Moderne und der aktuellen Gegenwart zu bieten hat, wird vielen Lesern unbekannt sein. Zwei der Leuchttürme der Architektur, der neue Bahnhof, entworfen vom Stararchitekten Santiago Calatrava, und das neue Kongresszentrum nach dem Entwurf von Daniel Liebeskind stellt uns Rolf Minderjahn ausführlich vor. Dabei wird dann schnell übersehen, dass der Bahnhof erst 2017 fertiggestellt sein wird, wenn der Zeitplan nicht ins Wanken gerät. Andere Architekturhighlights werden m. E. eher stiefmütterlich behandelt.

Wer sich für den Maler Vincent van Gogh wie auch für den Schriftsteller Paul Verlain und deren Beziehungen zu Mons interessiert, der wird beim Lesen des aktuellen Reisebuchs fündig. Gleiches gilt für die zahlreichen Museen der Stadt. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten werden „enzyklopädisch“ abgehandelt, ohne jedoch dem Leser eine oder mehrere Stadttouren an die Hand zu geben.

Weit mehr als Mons stehen jedoch Teile des Hennegaus wie die dortigen 19 UNESCO-Welterbestätten, einschließlich des Umzugs der Riesen von Ath, im Fokus des Buches. Gleiches gilt für die Schlösser dieser wallonischen Provinz, darunter die Schlösser von Seneffe oder Beloeil. Lücken in der Darstellung muss der Leser dabei in Kauf nehmen. So verschweigt der Autor zum Beispiel, dass das Schloss Seneffe jedes Jahr mit großen Sommerausstellungen aktueller Kunst im Schlosspark von sich Reden macht.

Schließlich: Wieso gibt es eigentlich kein Sach- und Personenregister, um schneller Zugriff auf bestimmte Themen zu bekommen, fragt man sich bei der Buchlektüre. Insgesamt macht der vorliegende Band hier und da den Eindruck, mit schneller Nadel gestrickt worden zu sein, um noch rechtzeitig vor dem Kulturhauptstadtjahr auf den Markt zu kommen.

Fazit: Wer mit summarischen Übersichtskapiteln zu bestimmten Sachthemen zufrieden ist, dem bietet die Veröffentlichung eine gute Planungsgrundlage für den Besuch von Mons und Umgebung. Wer allerdings inhaltlichen Tiefgang erwartet, wird nur sporadisch auf seine Kosten kommen, so wenn er zum Beispiel die Abschnitte zum Kloster Chimay oder zu den Festen und Umzügen zwischen Mons und Charleroi liest.

© ferdinand dupuis-panther


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