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Die Hinteren Seen (Houhai)


Westlich und nordwestlich des Kaiserpalastes erstrecken sich insgesamt sechs künstliche Seen, die teilweise schon in der Yuan-Daynastie (1279–1368) angelegt wurden. Sie werden traditionell in die drei Vorderen und die drei Hinteren Seen unterteilt. Während vorne die Politprominenz vorherrscht, amüsiert sich hinten das einfache Volk in zahllosen Bars, Restaurants, Kneipen und Diskos sowie beim Bötchenfahren.

Die Hinteren Seen, Houhai, Peking


An den beiden südlichsten Seen (Zhongnanhai) hat sich schon zur Mao-Zeit die Kaderelite eingerichtet und eine neue „verbotene Stadt“ geschaffen. Für damalige Verhältnisse waren die Häuser luxuriös, für heutige sind sie eher schlicht, so dass die meisten hohen Kader der KP heute in gigantischen Villen in den Westbergen wohnen, während sich die mittleren Kader mit Anwesen in der Umgebung des Sommerpalastes begnügen müssen.
Den nördlichen der drei Vorderen Seen umgibt der Beihai-Park, der seit dem Sturz der Monarchie (1911) öffentlich zugänglich ist.
Über Kanäle sind der Palastgraben des Kaiserpalastes sowie die sechs Seen mit dem ebenfalls künstlich angelegten Kunming-See im Sommerpalast verbunden. In der Yuan-Dynastie waren Kanäle und Seen wohl noch wesentlich tiefer, denn es gibt Berichte, dass die voll beladenen Getreidebarken bis in die Seen gelangen konnten, um ihre Fracht zu löschen. Als der Palast um 1420 gebaut wurde, ging durch die Aushebung des Palastgrabens und die Vergrößerung der Seen jedoch soviel Wasser verloren, dass nur noch flachere Barken verkehren konnten. Die Seenlandschaft wurde in einen Freizeitbereich für den Hof umgewidmet, wenngleich der Personenverkehr zwischen Palast und Sommerpalast aufrechterhalten wurde. An den Ufern der Hinteren Seen baute sich der Adel ausgedehnte Wohnhäuser, die zum Teil in den letzten Jahren restauriert wurden. Die ganze Seengegend gilt inzwischen als überaus angesagte Wohngegend.


Wer sich ein Hofhaus dort nicht leisten kann, kann wenigstens die lauen Sommernächte am See verbringen. Das Wasser wurde nämlich gereinigt, die Uferwege wieder befestigt, und sofort öffnete eine schon unübersichtliche Menge an Restaurants, Kneipen, Bars und Diskotheken. Am West- und Nordufer des Qianhai (des südlichsten der Hinteren Seen) locken die Etablissements mit ausladenden Sofas und bequemen Sesseln die Kundschaft an. Wenn man dort entlang bummelt, gelangt man zur Silberbarrenbrücke (Yingdingqiao), die heute ob des Verkehrs kaum noch auffällt und seit sie 1984 neu errichtet wurde auch nicht mehr so ansprechend ist. Ihre Geschichte reicht jedoch bis ins 18. Jahrhundert, denn von hier hatte man einen berühmten „klassischen Ausblick“: Bei Sonnenuntergang musste man von der Brücke nach Westen schauen, dann erschien das Wasser als silberner Fluss und die Abendwolken zogen über den Westbergen auf. Dieser Blick heißt „Von der Silberbarrenbrücke aus die Berge betrachten“ und wird in klassischen Gedichten vielfach beschrieben und in Gemälden dargestellt.
Heute ist der Blick auf die Berge natürlich längst durch Häuser verstellt und Muße zum Genießen des Abendrots hat man auch nicht mehr. Denn auch hier gibt es zahllose Restaurants und Kneipen, aus denen mehr oder weniger interessante Musik dröhnt.
Wenn man hinter der Brücke nach links abbiegt, also am Nordufer des Sees entlanggeht, erreicht man das Song-Qingling-Museum mit dem Wohnhaus der ehemaligen Vizepräsidentin und Ehefrau des Republikgründers Sun Yatsen.


Im Gassengewirr südlich des Sees liegt das Anwesen des Prinzen Gong (Gongwangfu). Prinz Gong (1833-98), ein Bruder des Xiangfeng-Kaisers, war Mitte des 19. Jh. ein einflussreicher Außenpolitiker, der sich immer wieder mit den Kolonialmächten herumzuschlagen hatte und mit ihnen einige Verträge aushandelte. Seine Residenz liegt in einem großen, teilweise wie ein Park gestalteten Garten. Lange, gezackte Wege verbinden die einzelnen Gebäude miteinander. Der Prinz war ein besonderer Liebhaber der Peking-Oper, so dass er sich ein eigenes Theater in seinen Garten setzen ließ. Dieses ist inzwischen renoviert und steht an den manchen Abenden mit Vorführungen der Öffentlichkeit zu Verfügung.

Tipp des Autors


Wer sich gemütlich durch die Hutongs an den hinteren Seen oder in der Umgebung des Glockenturms und des Trommelturms chauffieren lassen will, kann dies auch in einer Fahrradrikscha tun. Kräftige junge Männer mit farblich auffälligen Westen bieten sich an mehreren Stellen für Touren an. Sie dauern etwa zwei bis drei Stunden. Der Fahrpreis muss unbedingt ganz eindeutig vor Abfahrt vereinbart, aber erst zum Schluss gezahlt werden; angemessen sind etwa 50 bis 80 Yuan pro Stunde pro Rikscha (2 Pers.). Bei größeren Gruppen ist eine Anmeldung nötig, etwa bei To the Hutong, Tel. 6612 3236, oder Fang Hua Ting, Tel. 8402 3404.

 

 

 

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