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Die Chinesische Mauer

 

Himmelstempel in Peking

 

Das moderne China

 

Kalligraphie

Fotos:
Dirk Renckhoff





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurzportrait

Das Land, das gerne auf seine langjährige Geschichte verweist, ändert sein Gesicht gerade radikal. Die noch vor 20 Jahren zwar ausgedehnten, aber beschaulichen Städte wachsen zu Hochhauswäldern heran, durchschnitten von vielspurigen Straßen, auf denen sich der Verkehr staut. Tempel und andere historische Gebäude liegen wie winzige Inseln in einem Meer angeblicher Modernität. Auch die Idylle der Reisfelder ist nur noch selten anzutreffen. Zwar trägt die Landwirtschaft weiterhin in erheblichem Maße zur Wirtschaftstätigkeit bei, doch sind weite Landstriche ökologisch verseucht, durch Abholzung und Erosion zerstört und unbewohnbar gemacht worden. Dennoch ist China natürlich auch weiterhin mehr als eine Reise wert, denn zahlreiche Kulturschätze warten auf die Besucher, und immer neue Zeugnisse der Vergangenheit werden gefunden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Städte haben sich zu lebhaften Zentren entwickelt, in denen es inzwischen sogar so etwas wie ein Nachtleben gibt.

Peking, Kaiserpalast

Im Kaiserpalast von Peking

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China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde, aber längst nicht das geografisch größte. Dennoch bietet es eine landschaftliche Vielfalt, die mit der ganz Europas zu vergleichen ist. Die Tiefebene im Nordosten, die ehemalige Mandschurei, umrahmen Mittelgebirge an den Grenzen zu Nordkorea und Russland. Dies ist traditionell ein Gebiet der Ausbeutung von Bodenschätzen und der Schwerindustrie. Weiter nach Südwesten schließen sich die ebenen Weideflächen der Inneren Mongolei an, über die heute noch nomadische Hirten ihre Herden treiben.

Das Kernland Chinas unterscheidet sich vor allem zwischen einem 100 bis 500 km breiten Küstenstreifen, der dicht besiedelt und von intensiver Landwirtschaft bewirtschaftet ist, und den weiten Gebieten im Westen, die wegen ihres extremen Klimas nur wenig Erträge bringen und deshalb nur sehr dünn besiedelt sind. Die Grenze zwischen dem Norden und Süden Chinas bildet traditionell der Yangzi, mit 6300 km der längste Fluss des Landes, heute mehr denn je in der öffentlichen Diskussion, weil ein gigantisches Dammprojekt mehr als 2 Mio. Menschen zur Umsiedlung zwang und der entstehende Stausee nicht nur die berühmten Yangzi-Schluchten überfluten wird, sondern auch das ökologische Gleichgewicht einer riesigen Region zerstört und mehreren bedrohten Tierarten die Lebensgrundlage entzieht.

Das urspüngliche Siedlungsgebiet der Han-Chinesen ist die Lößlandschaft entlang des Huanghe im Nordwesten des Landes. Sie wird im Süden durch Gebirgszüge vom äußerst fruchtbaren Sichuan-Becken abgetrennt, in dem zwei bis drei Reisernten im Jahr möglich sind. Noch weiter südlich ragt dann das Qinghai-Tibet-Plateau auf etwa 4-5000 m auf. Es bildet die Vorstufe zur Himalajakette, durch die sich Chinas Grenze zu Pakistan, Indien, Nepal und Bhutan zieht. Als wäre sie gerade wie ein Tropfen abgerissen, hängt im Süden die Insel Hainan an der Kontinentalplatte. Sie erfreut Besucher durch lange Sandstrände, tropische Früchte und reiche Fischgründe.

Minggräber, China

Figur an der Geisterallee der Minggräber

Die meisten Chinareisenden bewegen sich heute auf einer eher kurzen Route durch das Land. Sie umfasst die Hauptstadt Peking, die Stadt der Tonkrieger Xi'an, die Hafenmetropole Shanghai, das inmitten einer Karstlandschaft am Li-Fluss gelegene Guilin, die dynamische Hafenstadt Kanton sowie die Finanzmetropole Hongkong.

In der langjährigen Hauptstadt Peking und ihrer Umgebung gibt es eine Vielzahl von Kulturschätzen zu sehen, von denen sich mehrere auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes befinden. Natürlich stehen auch eine Pekingoper und gutes Essen aus den verschiedenen Küchen des Landes (nicht zuletzt die knusprige Pekingente) auf dem Programm. Doch wer mehr Zeit hat, sollte auch einen Blick auf etwas weiter entfernte Schätze werfen, etwa Chengde mit seinem Sommerpalast und einigen schön restaurierten Tempeln oder auf die Hafenstadt Tianjin, die in knapp zwei Stunden von Peking aus zu erreichen ist und für ihre Antiquitätenläden und Teppichmanufakturen berühmt ist. Etwas weiter nördlich liegt das Seebad Beidaihe, in dem sich im Sommer auch die Parteikader erholen.
Für die wenig ruhmreiche deutsche Kolonialgeschichte stehen noch einige Gebäude in der Hafenstadt Qingdao (Tsingtau) in der Provinz Shandong. Gerne erinnert man sich allerdings an die unter dem Stadtnamen gegründete Brauerei, die auch heute wieder das beste Bier des Landes herstellt. Weiter landeinwärts wurde der chinesische Staatsphilosoph Konfuzius im Ort Qufu geboren; Häuser und Tempel seiner Familie können besichtigt werden.

Nach Xi'an fahren die meisten Besucher wegen der unüberschaubaren Armee von Terrakottastatuen, die das Grab des ersten Kaisers von China, Qin Shihuangdi, bewachen. Nicht verpassen sollte man allerdings die Museen der Stadt, die Wildganspagoden sowie das lebhafte muslimische Viertel in der Umgebung der Großen Moschee. Außerhalb Xi'ans befinden sich weitere Kaisergräber, bei denen teilweise auch die unterirdische Grabkammer zugänglich ist. Und natürlich lohnen auch die großen buddhistischen Höhlen von Luoyang einen Ausflug.

Die Hafenmetropole Shanghai gehört zu den Städten Chinas, die ihr Gesicht in den letzten Jahren am energischsten verwandelt haben. War sie einst von ein- bis zweistöckigen Stadthäusern und von Europäern errichteten Villen bestimmt, so herrschen heute breite Straßen und Hochhäuser vor.

Wer in die chinesische Kultur eintauchen will, findet dazu in der Umgebung Shanghais genügend Gelegenheit. Hangzhou ist wegen seines idyllischen Westsees, der Teeplantagen in der Umgebung und der Seidenproduktion bekannt. Suzhou hingegen ist geradezu ein Synonym für die chinesische Gartenbaukunst. Nur wenig weiter entfernt stößt man auf Wuxi und den Taihu, einen berühmten großen See, in den poröse Gesteinsbrocken für einige Jahre versenkt werden, wodurch sie eine skurrile Gestalt bekommen, die dann zur Zierde der Gärten dient. Durch diese Gegend zieht sich der Große Kanal, auch als Kaiserkanal bekannt, einst die wichtigste Transportverbindung zwischen Chinas Süden und Norden, auf der man heute einmal einen Tagesausflug auf einem Kahn unternehmen kann.
Kanton hat sich zu einer der dynamischsten Wirtschaftsstädte Chinas entwickelt. Dies ging natürlich nicht ohne erhebliche Bautätigkeit, doch die alten Tempel und einige Kolonialgebäude blieben wenigstens als eine Art Museum erhalten. Und natürlich ist Kanton eine Hochburg der Gourmets und der Nachtschwärmer.

Pekingoper

Vorbereitung auf die Pekingoper

Außer der Hauptroute durch China sollte man noch einige andere Gebiete nicht vergessen. So lohnt sich eine manchmal etwas abenteuerliche Reise entlang der Seidenstraße von Xi'an nach Westen durch das inzwischen trockene Tal des Tarim mit der Oase Turfan bis in die Stadt des großen Basars nach Kashgar (Kashi). Von hier kann man der Seidenstraße weiter nach Pakistan folgen, demnächst wohl auch in die zentralasiatischen Republiken, etwa in das legendäre Samarkand.
Solange der Yangzi-Damm noch nicht fertiggestellt ist (vermutlich bis 2003) kann man auch noch die Kreuzfahrt auf dem Yangzi durch die berühmten Schluchten unternehmen. Am besten startet man in Chongqing und fährt dann in drei Tagen flussabwärts nach Wuhan. Weiter westlich gibt es in Sichuan sehr fruchtbare Reislandschaften zu sehen, in den Bambuswäldern tummeln sich die letzten wild lebenden Exemplare des Pandabären, und der heilige Berg Emei Shan lädt zu einem anstrengenden Aufstieg ein.

Kunming, die Hauptstadt der Provinz Yunnan, wird gerne "Stadt des Ewigen Frühlings" genannt, weil auf der Hochebene die Temperaturen das ganze Jahr über sehr angenehm sind. Deshalb werden hier Obst, Gemüse und Tabak angebaut. Touristen freuen sich am meisten auf den Besuch im Steinwald, in dem bizarr geformte Steinnadeln auf einer großen Fläche versammelt sind. Zu Ausflügen laden die lieblichen Landschaften von Xishuangbanna und Dali ein.

Tibet hat eine ganz andere Kultur als China, und die Regierung in Peking setzt gerade alles daran, diese systematisch und planmäßig zu zerstören. Im Mittelalter hat der Kaiserhof mit dem tibetischen Adel und dem Dalai Lama Militärbündnisse geschmiedet und durch eine strategische Heiratspolitik den Nachbarn im Süden an sich gebunden. Selbst die heutige Regierung in Peking beruft sich noch auf solche Feudalpakte. Doch 1951 wurde das Land erneut besetzt, Aufstände wurden brutal niedergeschlagen, und der Dalai Lama floh nach Indien. Lange versuchte man das Land nur durch das Militär niederzuhalten, jetzt wird durch die erzwungene Ansiedlung von Han-Chinesen der Rest der tibetischen Kultur zerstört. Zwar wurden einige Tempel, vor allem der Potala in der Hauptstadt Lhasa, renoviert, doch sind diese heute mehr Museen als Stätten des Glaubens. Reisen nach Tibet müssen genehmigt werden und werden besonders streng kontrolliert.

Die ehemaligen Kolonialgebiete sind ins Reich zurückgekehrt: Hongkong am 1. Juli 1997 und Macau am 20. Dezember 1999. Sie sind jetzt Sonderverwaltungsgebiete der VR China, denen die Pekinger Regierung noch 50 Jahre eigene Rechte und die Beibehaltung der Wirtschaftsordnung garantiert hat. Auch für Touristen hat sich nichts geändert: Bürger der EU und der Schweiz brauchen kein Visum. Doch schon nach kurzer Zeit hat sich die Stimmung in den beiden Städten geändert, greift Peking in die Wirtschaft, die Pressefreiheit und die Justiz ein.

Das erfreulichste an einer Chinareise ist zweifellos das chinesische Essen. Es hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit den unglaublichen Dingen, die man in den meisten kontinentaleuropäischen Chinarestaurants vorgesetzt bekommt, sondern bietet eine ungeheure Vielfalt aus den unterschiedlichen Küchen des Landes.
Etwas mehr Vielfalt kehrt jetzt auch bei den Reiseformen ein. Man kann einige sportliche Aktivitäten an den Tag legen, etwa auf der Chinesischen Mauer wandern, Rad fahren oder Berge besteigen. Und auf der Insel Hainan gibt es sogar einige richtige Resorthotels an langen Sandstränden.

Franz Josef Krücker

Adressen, Links, Musik und Bücher



Reiseinfos


Beste Reisezeit sind die Monate Mai und September/Oktober. Die Winter sind hingegen recht kühl und im Norden trocken. Wer in Peking ein warmes Hotelzimmer hat, in das er notfalls fliehen kann, wird auch an einer Winterreise Gefallen finden; für eine Rundreise eignet sich der Winter allerdings nicht. Die Sommermonate Juni und Juli sind meist warm und feucht: In Peking fällt dann mehr als die Hälfte des Niederschlags eines Jahres. Den Süden kann man auch noch im November besuchen, den äußersten Süden bis Weihnachten.

Für die Einreise benötigt man ein Visum, das man persönlich bei der nächstgelegenen diplomatischen Vertretung (Botschaft oder Konsulat) im Heimatland beantragen muss. Bei Gruppenreisen übernimmt dies der Veranstalter. Wesentlich schneller bekommt man ein Visum in Hongkong. Zuhause schickt man einen mit der eigenen Adresse versehenen und frankierten Umschlag an die nächstgelegene diplomatische Vertretung und erhält dann Formulare und Merkblätter. Man sollte dies mindestens vier Wochen vor Abreise in die Wege leiten.

Die ärztliche Versorgung ist in der Regel gewährleistet. Man wendet sich zuerst an sein Hotel, das meist einen in westlicher Medizin ausgebildeten Vertragsarzt hat. Der wird Barzahlung verlangen, so dass man sich vorher mit der Krankenkasse über eine ev. Erstattung verständigen sollte. Regelmäßig benötigte Medikamente sollte man in ausreichender Menge mitnehmen.

Die chinesische Währung ist der Renminbi (RMB), der nur in kleinen Mengen ein- und ausgeführt werden darf. Man zählt die Währung in Yuan; ein Yuan unterteilt sich in 100 Fen. Am einfachsten tauscht man Bargeld oder Reiseschecks an den Bankschaltern der Hotels. Der Kurs ist überall gleich. In internationalen Hotels, bekannten, modernen Restaurants und großen Läden (vor allen den Freundschaftsläden) kann man mit Kreditkarte zahlen. Die Bargeldbeschaffung über die Kreditkarte ist sehr teuer.

In allen größeren Städten verkehren heute zahlreiche Taxis mit Taxameter, die man auch für längere Ausflüge mieten kann, was allerdings einiges Verhandlungsgeschick erfordert. Andernfalls kann man Wagen im Hotel mieten.

Statistik


Einwohner: ca. 1,5 Mrd., eine neue Volkszählung wurde Ende 2000 durchgeführt

Lage: am östlichen Ende des eurasischen Kontinents, an das Ostchinesische und das Südchinesische Meer grenzend. Im Norden lange Landgrenzen mit Russland und der Mongolei, im Westen mit den zentralasiatischen Republiken, im Südwesten im Himalaja mit Indien, Pakistan, Nepal und Bhutan und im Süden mit Burma, Laos und Vietnam.

Hauptstadt: Peking, ca. 12 Mio. Einwohner

Wirtschaft: Ab 1978 wurden zunächst Reformen in der Landwirtschaft eingeleitet. Die Volkskommunen Maos wurde wieder abgeschafft, die Verfügungsgewalt, nicht aber das Eigentum am Boden wurde den Familien übertragen. Dadurch kamen wesentliche Ertrags- und Einkommenssteigerungen der Bauern zustande, die auch die Entwicklung der Industrie beflügelten. Es wurden kleine Betriebe zugelassen, wodurch eine Normalisierung in der Wirtschaft einkehrte. Ab 1983 wurden in Sonderwirtschaftszonen auch ausländische Investitionen erlaubt, die vor allem von Auslandschinesen über Hongkong getätigt wurden. In Lohnveredelungsgeschäften verarbeitete man importierte Einzelteile zu Waren, die dann wieder ausgeführt wurden. Später wurden Investitionen in anderen Landesteilen zugelassen; sie müssen in der Regel in Form von Joint Ventures (gemeinsamen Betrieben) organisiert werden.
Mit der Reform der eigenen Industrie ist China nicht wesentlich weiter gekommen. Zwar wurden viele Betriebe geschlossen und dadurch Hunderttausende arbeitslos, doch noch immer beherrschen die großen Staatskonglomerate die Wirtschaft. In Produktion und Vertrieb haben sich eigentlich nur die Joint Ventures innovativ hervorgetan.
Die größten Probleme der Wirtschaft sind derzeit die extrem hohe Arbeitslosigkeit, die allgegenwärtige Korruption und die immer stärker werdende ungleiche Verteilung des Wohlstandes.
Unabhängige Forscher gehen davon aus, dass es in China etwa 200 Mio. Arbeitslose gibt, von denen etwa 150 Mio. umherwandern und sich auf Baustellen oder als Tagelöhner verdingen. Alle sozialen Errungenschaften, für die noch Mao sich so lobte, sind inzwischen wieder abgeschafft worden, für Schule und Krankenversorgung sind hohe Beträge zu zahlen, eine Arbeitslosenversicherung gibt es nicht, andere Sozialsysteme sind gerade erst im Aufbau. So geht es vielen Leuten, die in den küstennahen Wirtschaftszentren leben, wesentlich besser als früher, einige stellen sogar extremen Reichtum zur Schau, während es den meisten Menschen, vor allem im fernen Westen, immer schlechter geht.

Politisches System: Einparteienherrschaft der Kommunistischen Partei in strenger Befehlshierarchie von der Parteizentrale bis ins letzte Dorf. In China hat es noch nie demokratische Wahlen gegeben.Die Kommunistische Partei hat die Unterstützung der Bevölkerung verloren und herrscht durch ihren Polizeiapparat und die auf ihren Befehl hin agierende Justiz. Organisationen wie amnesty international berichten von systematischer Folter und einer großen Zahl von politischen Gefangenen in Arbeits- und Umerziehungslagern. In China werden jedes Jahr mehr Menschen hingerichtet als in der gesamten restlichen Welt zusammengenommen.