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Reiseführer Bergen

Tour 1: Bryggen - das hanseatische Erbe Bergens (Teil 2)

Kunst und Kunsthandwerk statt Stockfisch und Felle

Bryggen lebt, wenn auch ohne Trockenfisch und Handelskontore. Unterdessen sind vor allem Künstler und Kunsthandwerker in  diesem Teil der Altstadt Bergens zuhause. In sorgsam sanierten Häusern – dabei wurden alte Bautechniken eingesetzt – findet man neben skandinavischer Designer-Mode handgestrickte Pullover im klassischen norwegischen Folklorestil. Kunst begegnet man im Atelier Hetland, das in einem der Steinhäuser an der rückwärtigen Front von Bryggen zu finden ist. Nebenan lenkt ein ausgestopfter Elchkopf als „Hauszeichen“ den Blick des Besuchers auf sich. Hinter der Holzfassade hat sich Herr Nørdahl seine Lederwerkstatt eingerichtet. Nur wenige Schritte von hier entfernt geht ein Pfeifenmacher seinem Handwerk nach. In seiner Werkstatt, die wie ein riesiger Taubenschlag aus dem Dach eines weiß geschlemmten Steinhauses hervorlugt, kann man Baard Hansen jeweils mittwochs bei Pfeifendrehen zuschauen.

Bergen, Norwegen

Wo einst hanseatische Kaufleute lebten, sind heute Kunsthandwerker zuhause

Verschwunden sind die hölzernen Tonnen, in denen Fisch in Salzlagen konserviert wurde. Nirgendwo entdeckt man Sackkarren, mit denen diese Tonnen über die Planken der schmalen Passagen zwischen den Speichern und Kontoren hin- und hergefahren wurden. Der Duft von Trockenfisch, der einst über Bryggen lag, ist längst verschwunden. Wer solche sinnlichen Eindrücke vom einstigen Fischereianlegeplatz Bergen erleben möchte, der muss sich ins Fischereimuseum begeben. Dort ist nicht nur ein Speicher für Trockenfische inszeniert worden, sondern auch die Werkstatt eines Tonnenmachers. Zudem beherbergt das Museum zahlreiche Schiffsmodelle, die einen Überblick über die Entwicklung des norwegischen Schiffsbaus ermöglichen.

Fischereimuseum Bergen, Norwegen

In solchen Booten wurde der gefangene Fisch frisch gehalten (Fischereimuseum)

Nichts erinnert mehr daran, dass Lofotensegler an den Kaimauern von Bryggen festmachten und getrockneter Dorsch entladen wurde. Tran, Robben-, Schaf- und Ziegenfelle werden heute ebenso wenig gelöscht wie Holz für den Hausbau. 3000 Tonnen Stockfisch wurden während der Hansezeit über Bergen umgeschlagen. Was geblieben ist, auch wenn die Flammen das eine oder andere Mal Bryggen in Asche legten, sind die Doppelhöfe mit zwei parallelen Häuserreihen. Zumeist sind diese Häuser zweigeschossig und nicht breiter als vier bis sechs Meter.

Von außen kaum erkennbar, handelt es sich bei allen Häusern, die entlang von Gängen errichtet wurden um Blockbauten, die mit Schalbrettern verblendet wurden. Das heutige Bryggen mit seiner Bebauung stammt aus der Zeit nach dem Großen Brand von 1702. Wiederaufgebaut wurden die Kontorhäuser so, wie sie im Auftrag der hanseatischen Kaufleute aus Lübeck ursprünglich errichtet worden waren.

Noch nicht abschließend saniert ist das Gebäude Ve mit seinen drei Geschossen. Befreit ist es von seinem Eternitdach, dass 1944 als Notdach aufgesetzt wurde. Nun muss auch das übrige Haus Ständer für Ständer  restauriert werden. Wie zur Zeit der ursprünglichen Entstehung von Bryggen wird 140 bis 160 Jahre altes Kiefernholz als Baustoff und traditionelles Zimmermannswerkzeug beim sorgsamen Wiederherstellen der historischen Bausubstanz benutzt.

Wer an der Wasserseite an Bryggen entlangschlendert, entdeckt ein aufbäumendes Einhorn als Hauszeichen des Enhjørningsgården. Neben dem Einhorn findet sich in Bryggen als Hauszeichen auch ein goldener Hirsch und ein bärtiger Mann mit einer Brandaxt – Erinnerung an eine Zeit ohne Sprinkleranlagen, die heute Bryggen vor einer verheerenden Feuersbrunst bewahren sollen.


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