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Reiseführer Bergen

Tour 2: Ein Bummel durch Alt-Bergen

Auch jenseits des Museums Alt-Bergen und des hanseatischen Bryggen kann man beim Bummel durch Bergen die wechselvolle Geschichte der Stadt aufspüren, ob nun in den engen Gassen und Stiegen oberhalb von Bryggen oder im Bryggens Museum. Nicht zu übersehen sind die trutzig wirkenden Kirchen wie die Maria- und die Kreuzkirche sowie der Dom, ganz abgesehen von der Festung Bergenhus mit dem Rosenkrantzturm und der Håkonshalle.

Betritt man die Festungsanlage Bergenhus– sie wird teilweise noch heute militärisch genutzt –, so durchschreitet man das Haupttor und steht in einer Art Vorhof, der den Zugang zum Aufstieg auf den Rosenkrantz-Turm ermöglicht. Fast hätte man das Monogramm am Haupttor übersehen. Es ist das des schwedischen Königs Carl Johan, der wie andere Regenten die hafennahe Festung ausbauen und erweitern ließ.

Rosenkrantzturm in Bergen, Norwegen

Der Rosenkrantz-Turm in der Festung Bergenhus

Bergens Festung

Unterhalb des wuchtig wirkenden Rosenkrantz-Turms erhebt sich ein Böschungswall, der nicht nur diesen aus dem Mittelalter stammenden Burgturm schützt, sondern die gesamte über die Jahrhunderte gewachsene Festung. In diesem Turm, sichtbares Zeichen königlicher Macht gegenüber den deutschen Hansekaufleuten von Bryggen, residierte auch König Erik Magnusson, der als letzter König 1299 in Bergen Hof hielt. Im Keller dieses Wohnturms befand sich der obligatorische Kerker, der bis ins 19. Jahrhundert hinein genutzt wurde.  Was ursprünglich als mittelalterlicher Burgfried konzipiert war, wurde im Stil der Renaissance umgebaut. Der Turm ist von Zinnen bekrönt und links und rechts einer Mittelachse von symmetrisch gesetzten Fenstern durchbrochen. Genutzt wurde der Turm als Lager für Schießpulver und Munition, ehe er 1966 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Hakonshalle in Bergen, Norwegen

Hakonshalle

In die Zeit des frühen Mittelalters entführt die Håkonshalle mit ihrem charakteristischen Treppengiebel und der unverputzten Steinfassade. Neben der Halle entdeckt man die Mauerreste einer weiteren großen steinernen Halle, die auf  Håkon Håkonssonzurückgeht. Vermutlich wurde die Håkonshalle aus Anlass der Hochzeit des Prinzen Magnus als Repräsentationshalle erbaut. Links und rechts der Halle mit ihren frühgotischen Spitzbogenfenstern befinden sich das Stallgebäude und die Festungskommandantur aus einer anderen Ära der Festung. Hinter dem Stallgebäude, wie die Kommandantur ein Beispiel für die Militärarchitektur des 18. Jahrhunderts, zieht sich eine Ringmauer aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts entlang. Besonders beeindruckend und Beispiel frühgotischer Baukunst ist die von einer doppelten Fensterreihe durchbrochene Westfassade der „Königshalle“. Dicht bei der Ostfassade der „Königshalle“ finden sich weitere Ruinen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, als Bergen die Hauptstadt des norwegischen Königreichs war.

Sorgsam geschnittene Hecken markieren die Umrisse der Christuskirche, die bis zur Reformation Bergens Hauptkirche war. Sie war ursprünglich die Grablege norwegischer Könige wie Magnus Erlingsson, Sverre Sigurdsson, Håkon Galen Jarl und Håkon Håkonsson. Die letzte Blaublütige, die ihre Ruhestätte in der Kirche fand, ist Margareta Eiriksdatter, die 1290 verstarb. Aus strategischen Gründen wurde die Kirche zur Zeit der Reformation abgetragen. Der Reliquienschrein der aus Irland stammenden heiligen Sunnivas wurde eingeschmolzen, um ein für alle Mal mit dem alten Glauben zu brechen. Ein Denkmal mit Erinnerungstafeln zur Geschichte des Ortes und einer Madonna wurde vor einigen Jahrzehnten errichtet und gibt Auskunft über diesen Ort. Am äußersten Ende des Kirchenareals stößt man auf eine teilweise erhaltene Geschützstellung und eine Aussichtsplattform mit dem Denkmal für den Großvater des jetzigen Monarchen, Håkon VII. sowie auf  die Baracke der Zimmermänner aus der Zeit der deutschen Besatzung Norwegens. Ebenfalls aus jener Zeit stammt der massive Bunker auf dem Gelände der Festungsanlage.

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts war die Funktion von Bergenhus, den natürlichen Hafen der Stadt zu schützen. Als 1665 eine holländische Kaufmannsflotte im Hafen Schutz vor der Verfolgung durch englische Verbände suchte, wurden die englischen Angreifer dank des Geschützfeuers, das die Besatzung von Bergenhus abgab, in die Flucht geschlagen. In die Geschichtsbücher ist dieses Ereignis als Schlacht von Vågen eingegangen. Stark beschädigt wurden die mittelalterlichen Anlagen der Festung während des II. Weltkriegs, als die deutsche Marine Bergenhus als westliches Hauptquartier nutzte. Durch die Explosion eines mit Munition beladenen Schiffes wurde unter anderem die Königshalle in Mitleidenschaft gezogen.


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