Unterwegs im Kinzigtal
Ein Reiseführer durch den mittleren Schwarzwald

Gengenbach

Eine Perle an der Deutschen Fachwerkstraße

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

 

Gengenbach Fachwerk mit Rautenmuster

Was haben Duderstadt, Celle, Einbeck, Quedlinburg, Bietigheim-Bissingen, Herrenberg und Haslach mit Gengenbach gemeinsam? Sie liegen alle an verschiedenen regionalen Abschnitten der Deutschen Fachwerkstraße. Diese 1990 ins Leben gerufene Kulturroute erstreckt sich von der Elbe bis zum Neckar und zum Bodensee, schließt das Wendland ebenso wie den Harz, das Weserbergland und die Oberlausitz mit ein. Zu sehen sind Fachwerkbauten aus dem 13. bis zum 19. Jahrhundert. Enge Gassen und Stadttore sowie Reste der Stadtmauer lassen das Mittelalter wieder aufleben.

Gengenbach Fachwerkpracht hinter dem Winzerhof

Fachwerkpracht hinter dem Winzerhof

In Bahnhofsnähe stoßen wir auf das Alte Spital, das im hohen Mittelalter als Spital der damaligen Reichsstadt Gegenbach eingerichtet wurde. Den Grundstein für den jetzigen Spitalbau legte man aber erst Jahrhunderte später, nämlich im Mai 1753. Gegenüber vom Spital leben die Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in ihrem Kloster und betreiben einen Klosterladen. Im Klosterladen werden christliche Literatur, Devotionalien, Kerzen und Kunstgegenstände angeboten.

Ziel unseres Besuches in Gegenbach ist jedoch nicht, klösterliches Leben zu erfahren, sondern eine Stadt zu erkunden, die durch ihre zahlreichen Fachwerkbauten und ihrem Rathaus besticht, das sich in der Adventszeit in einen riesigen Adventskalender verwandelt. Dann öffnen sich zwar keine Kalendertürchen, hinter denen sich Naschwerk verbirgt, sondern die Fenster mit entsprechenden Fensterbildern.

Gngenbach Blick auf den Niggel-Turm

Blick auf den Niggel-Turm

Über die Leutkirchstraße erreichen wir die Hauptstraße. Von Weitem ist der gestufte Niggelturm mit seinem Spitzhelm auszumachen, der über die Dächer der Stadt ragt. Dabei passieren wir die einstige Werkstatt eines Schusters, der in einem Fachwerkbau des 17. Jahrhunderts seinem Handwerk nachging. Nebenan war ein Huf- und Wagenschmied tätig. Als Fassadenschmuck auf einem tiefrot getünchten Haus sehen wir ein Stadttor, durch das sich eine vierspännige Kutsche bewegt. Um welches Tor es sich handelt, kann man vor Ort leider nicht in Erfahrung bringen. Die Narrenzunft der Stadt residiert unweit davon in einem Haus mit steinernem Sockelgeschoss und einem Fachwerkaufbau mit roten Fachwerkbalken und weißer Verfachung. Durch ein großes Tor kann man zum 36 Meter hohen Niggelturm gelangen, der einst Bollwerk in der Stadtbefestigung war und zeitweilig auch das Verließ der Reichsstadt beherbergte. 132 Stufen muss man überwinden, will man zur Balustrade im obersten Stockwerk gelangen. Heute ist in diesem Stadtturm das Narrenmuseum untergebracht. Wer sich für die alemannische Fasned interessiert, sollte das Museum unbedingt aufsuchen.

Gengenbach Haus der Narrenzunft und  Zugang zum Narrenmuseum

Haus der Narrenzunft und Zugang zum Narrenmuseum

So lernen wir dann den Schalk kennen, der mit dem Spruch „Schalk wach uf, Schalk mach mit, Schalk kum ra, ‘s isch Fasendszit! rechtzeitig von der versammelten Narrenschar zur fünften Jahreszeit begrüßt wird und den Niggelturm verlassen darf. Zur Gengenbacher Fasnet gehört auch die Hexe mit geschnitzter Gesichtsmaske. „Gegenspieler“ der Hexe ist der Spättlehäsel. Kopfhaube mit schwarzen Samthörnern nebst Glöckchen, eine Jacke und Hose mit bunten Stoffstreifen, die überlappend auf die Jacke genäht wurden, gehören zur „Kostümierung“. Ohne Hemdeglunker mit ihren weißen Spitzhauben, ihrem weißen Kittel und dem umgehängten Bottich als Schlagwerk ist keine Gengenbacher Fasned zu feiern. Wie gesagt, mehr über die Tradition der Narrenzunft und der Gengenbacher Narren erfährt man beim Museumsbesuch.

Gengenbach Alte Post

Alte Post

In Fachwerk gehalten ist auch die alte Post in der Hauptstraße, die bis Mitte des 19. Jhds. betrieben wurde und über ein Steintreppenportal verfügt. Feuerrot verfacht ist das „Frei“, Kulturstätte und Restaurant in der Hauptstraße. Hier kann man FreiBier in der Bügelflasche verkosten und den kleinen und großen Hunger stillen.

Das Frei Ort für Genuss und Kultur in Gengenbach

Das Frei, Ort für Genuss und Kultur in Gengenbach

Gengenbach liegt ja nicht nur an der Deutschen Fachwerkstraße, sondern auch an der Badischen Weinstraße und dem Ortenauer Weinpfad. So wundert es nicht, im Verlauf der Hauptstraße auf die Weinmanufaktur Gengenbach und den Winzerhof zu stoßen, dabei das Rathaus schon im Blick habend. Die Weinmanufaktur residiert im Haus Bender, dessen Ursprungsbau bei einem verheerenden Stadtbrand im 17. Jahrhundert ein Raub der Flammen wurde. Als Ort für edle Weine fungiert das Haus seit dem Ende des 1. Weltkriegs, nunmehr in der Hand einer Winzergenossenschaft. Weißburgunder Kabinett trocken und Spätburgunder Rosé Klassik oder „Vom Löwenberg“ hat man ebenso im Angebot wie vom Zeller Abteiberg Spätburgunder Rotwein Premium St., im Barrique gereift.

Gengenbach Die Weinmanufaktur - ein Ort für Weingenießer

Die Weinmanufaktur - ein Ort für Weingenießer

 

Unterwegs im Kinzigtal
Ein Reiseführer durch den mittleren Schwarzwald

Die Kinzig fließt durch den mittleren Schwarzwald zwischen Kehl im Rheintal und Loßburg im Schwarzwald, wo das Flüsschen auch entspringt. Entlang des 93 Kilometer langen Flusslaufes finden sich sehenswerte Fachwerkstädte wie Schiltach, Haslach und Gengenbach. Einstiges Klosterleben und die hohe Kunst des Brauens machen den Reiz von Alpirsbach aus. In einem Nebental der Kinzig, im Gutachtal, stoßen wir auf das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof mit verschiedenen Gehöften aus allen Teilen des Schwarzwaldes. Ein weiterer lohnenswerter Abstecher führt nach Zell am Harmersbach, wo neben Spuren der mittelalterlichen Stadtbefestigung auch die Architektur des Jugendstils das Stadtbild prägt. Rund um Gengenbach und Offenburg versteht man etwas von edlen Weinen. Man besucht dabei ein wichtiges Gebiet des badischen Weinbaus. Auf dem Ortenauer Weinpfad, einem Wanderweg quer durch die Region, kann man mehr über Reben und Rebensaft in Erfahrung bringen.

Die Kinzig war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Wasserstraße, auf der Flößer unterwegs waren. Sie brachten Bauholz nach Straßburg und auch nach Amsterdam. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn wurden die Flößer dann arbeitslos. Ab und an gibt es noch Schauflößen auf der Kinzig bei Schiltach zu sehen. Ist man auf dem Flößerpfad von Loßburg nach Wolfach unterwegs, dann folgt man den Spuren der Flößer, erfährt dank zahlreicher Informationstafeln am Wegesrand, was ein Flößerbub zu tun hatte oder was ein Gamber ist. Schließlich organisieren die Narrenzünfte der genannten Städte zur Fasnet närrische Umzüge in der Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Dann beherrschen Hexen, Hemdglunker, Narrenbolezei, Klepperlesgarde, Büttel, Storch und Elefant die Straßen und Gassen.

 

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