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El Hierro - "das Ende der Welt"

 

Wer die Ruhe liebt, ist hier richtig

"Punta de Orchilla, das letzte sichtbare Zeichen der europäischen Welt", schrieb Christoph Columbus am 3. Oktober 1493 auf seiner zweiten Amerikareise in sein Bordbuch, als er an El Hierro vorbeisegelte. Ein Jahr zuvor war es ihm vergönnt gewesen, den abendländischen Horizont um ein paar Tausend Meilen nach Westen zu erweitern. Der Mathematiker, Astronom und Geograph Claudius Ptolemäus hatte im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung den Nullmeridian - er wurde erst 1883 ins englische Greenwich verlegt - durch das Westkap der Insel, die Punta de Orchilla, gelegt. Seitdem verkörperte El Hierro das Ende der Welt; irgendwo hinter Hierro, davon waren noch die Menschen im späten Mittelalter überzeugt, musste der Atlantik in einen tiefen Schlund hinunterstürzen und alle Schiffe mit ihm.

Nur wenige Touristen kommen alljährlich auf der Suche nach Ruhe und Einsamkeit auf die kleinste der sieben großen Kanarischen Inseln. Wer "El Tranquillo", die Ruhe, liebt, findet auf Hierro seinen inneren Frieden.

Esel

Und diesen findet man nach wie vor nicht im Zentrum des Geschehens, sondern am Ende der Welt. Für den Diktator Franco schien die Insel wegen ihrer weltabgewandten Lage als Verbannungsort für Oppositionelle geradezu prädestiniert. Unter den Verbannten befanden sich unter anderem der Schriftsteller und Arzt Miguel de Espinosa sowie der Ex-Minister Inigio Cavera. Der eine oder andere Tourist mag sich auch schon als Verbannter gefühlt haben, denn wenn der Wind zu stark über die Insel braust, dann geht ein paar Tage lang nichts mehr, keine Fähre und keine Flugverbindung.

Pinienwald und Rieseneidechsen

Das eher unscheinbare El Hierro ist in gewisser Hinsicht auch eine Insel der Superlative. El Hierro ist nicht nur die südlichste, westlichste Insel des Archipels, sondern ist zugleich die jüngste, dünn besiedelste und ärmste Insel. Nicht genug: wer durch den schönsten Pinienwald der Kanaren streifen will, muss ebenfalls nach El Hierro kommen. Zudem stammen aus Hierro bekanntlich die besten Luchadores. Schon von frühester Jugend an proben die Herreños ihre Kraft im Lucha Canaria, dem Kanarischen Ringkampf. Wer zweimal den Boden mit einem anderen Körperteil als den Füßen berührt hat, verlässt die Kampfstätte als Verlierer.

Vor dem Mirador de la Peña an der Nordküste liegen die Roques Salmór im Meer. Die kleinen Felsen sind der letzte Lebensraum der Largatos Gigantes, einer hierher zurückgedrängten Echsenart. Nur rund ein paar Hundert Exemplare dieser archaischen Rieseneidechsen leben noch hier.

Die Roques Salmór markieren den östlichen Teil von El Golfo. Dieser halbrunde mächtige Rand eines im Meer versunkenen Vulkankraters riesigen Ausmaßes ist ohne Frage die landschaftlich reizvollste Region der Insel. Zudem liegen in der Bucht die fruchtbarsten Böden Hierros. Der schönste Blick auf El Golfo eröffnet sich übrigens vom Mirador Jinama.

Wasser ist Leben

"No malgasta el aqua y energías!" - "Verschwende kein Wasser und keine Energie!" Der maßvolle Umgang mit den lebenswichtigen Ressourcen wird überall auf der Insel angemahnt, denn bis heute ist die Wasserversorgung ein großes Problem der Bewohner geblieben. Zwar fällt auf El Hierro - im Vergleich mit Lanzarote und Fuerteventura - relativ viel Regen, doch versickert das meiste im wasserdurchlässigen Vulkangestein. Regenwasserzisternen prägen allenthalben das Bild. Bis heute gibt es bis nur eine nennenswerte Quellen auf Hierro; diese gilt zwar als Heilquelle, doch wer Wasser braucht, muss sich eines tiefen Brunnens bedienen - mit fatalen Folgen für den Grundwasserpegel. Es verwundert kaum, dass wiederholte Dürreperioden zahlreiche Herreños zur Auswanderung zwangen. Nur rund 7.500 Einwohner zählt die Insel derzeit, weit mehr als doppelt so viele sind ausgewandert.

Aus der Wasserarmut speist sich auch der Mythos vom Garoé-Baum. Am 7. April 1612 fiel der Heilige Baum der Insel einem Wirbelsturm zum Opfer. Glaubt man den zeitgenössischen Aufzeichnungen, so soll das einer mittlerweile ausgestorbenen Baumart zuzurechnende Exemplar bis zu 80 Hektoliter Wasser pro Tag abgetropft haben: Wasser, das der Baum zuvor aus den Wolken kondensiert hat.

 

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