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Fuerteventura - ein Hauch von Afrika

 

Mehr als ein staubtrockenes Eiland

"Que fuerte ventura!" (Welch ein großes Abenteuer!), soll der normannische Eroberer Jean de Béthencourt im Jahre 1402 bei den Kämpfen um die zweitgrößte kanarische Insel ausgerufen haben. Doch muss Fuerteventura seinen Name schon früher erhalten haben, wie Seekarten des 14. Jahrhunderts überzeugend dokumentieren. Wie dem auch sei, durch Béthencourt wurde die Insel Teil der abendländischen Zivilisation.

Lediglich ein wenig mehr als 600 Meter ragen die meisten Erhebungen der Insel aus dem Meer empor - nicht genug, um die vom Passat getriebenen Wolken zu ausreichenden Niederschlägen zu zwingen.>Nur an wenigen Tagen im Jahr regnet es, und das auch nur in bescheidenem Ausmaß. Mit jährlich rund 200 Millimetern Niederschlag pro Quadratmeter ist Fuerteventura die trockenste Insel des Kanarischen Archipels. Doch nach einem Regenguss sprießt für kurze Zeit frisches Grün aus dem dürren Boden. Die Nähe Afrikas macht sich zudem durch feine Sandwolken und hohe Temperaturen bemerkbar. Jahrhunderte lang litt die Bevölkerung unter der Wasserarmut, heute schaffen Meerwasserentsalzungsanlagen Abhilfe.

Gerade darauf basiert jedoch der touristische Erfolg: Fuerteventura besitzt Sonnenscheingarantie! Kamen 1967 nur 1105 Gäste auf die Insel, so sind es mittlerweile rund 500 000 Touristen, vorwiegend aus Deutschland, die an den Stränden Fuerteventuras vom unbeschwerten Inselglück träumen.

Fuerteventura / Hotel

Morro Jable Riu (Fuerteventura): Calypso-Hotel

Wer an einem Kultururlaub interessiert ist, wählt ohnehin eine andere Insel, denn abgesehen von dem den zeitgenössischen kanarischen Malern gewidmeten Centro de Arte Canario in La Olivia, einem kleinen Museum für religiöse Kultgegenstände in Pájara und Betancuria, dem historischen Zentrum Fuerteventuras, hat die Insel so gut wie keine kulturellen Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Fuerteventura / La Olivia

La Olivia - Casa Mané

Schöne und einsame Strände

Keine andere kanarische Insel kann hingegen mit so schönen und einsamen Sandstrände aufwarten. An der Ostküste Fuerteventuras schmiegen sich schier endlose sonnendurchflutete Dünenlandschaften an das Meer, smaragdgrüne Fluten plätschern über den goldgelben Sandstrand. Im Norden bei Corralejo und auf der Halbinsel Jandia im Süden schossen in wenigen Jahren große Ferienzentren und Clubdörfer regelrecht aus dem Boden.

Fuerteventura / Corralejo

Dünen am Meer bei Corralejo  (Duñas de Corralejo)

In Castillo de Fustes hat man sogar alte Festungsanlagen in ein modernes Feriendorf einbezogen. Der für die herrlichen Dünenlandschaften verantwortliche Saharawind sorgt für ideale Bedingungen zum Surfen.

Fuerteventura / El Cotillo

Surfer bei El Cotillo

Ein Lob auf die Monotonie

Im Inselinneren lockt eine asketisch anmutende Landschaft voll karger Ursprünglichkeit. Eine dünnbesiedelte weitläufige Ebene erstreckt sich zwischen dem buckeligen Mittelgebirge und dem Meer. Nur selten wird die pastellfarbene Monotonie durch das Grün einer Oase oder das Weiß der Häuser aufgelockert. Man muss die melancholische Stimmung auf sich wirken lassen, um sie als wohltuend zu empfinden; allzu sensible Gemüter leiden unter einem Anflug von Tristesse.

Fuerteventura / Mühle bei Tefia

Windmühle auf kargem Boden bei Tefia

Der dürre Boden gibt wenig her, gerade genug für die Ziegenherden, die Puerto del Rosario einst den Namen gaben. Bis 1956 hieß der Hauptort der Insel nämlich noch Puerto de Cabras. Aber wer wohnt schon gerne in einem "Ziegenhafen"?

Insel der Verbannten

Fuerteventura erschien dem spanischen Diktatoren Primo de Rivera als trostlos und abgelegen genug, um die anarchistischen Oppositionsführer hierher zu verbannen. Unter den Verbannten war auch der Dichter und Philosoph Miguel de Unamuno y Jugo, an den nordwestlich von Puerto del Rosario ein Denkmal erinnert.

Fuerteventura / Denkmal

Denkmal des Dichters und Philosophen Miguel de Unamuno y Jugo in Tindaya

Seinem Schicksal zum Trotz konnte sich der gebürtige Baske an diesem Eiland erfreuen: "Dieses Skelett aus Erde, felsiger Eingeweide, die aus der Tiefe des Meeres emporsteigen, Vulkanruinen; dieses rötliche, vom Dunst gepeinigte Gerippe! Und doch welche Schönheit! Ja Schönheit! Sichtbar für den, der das innere Geheimnis der Form zu suchen versteht, die Essenz des Stils in den klaren Linien des Skeletts; für den, der in einem kahlen Totenschädel die Schönheit eines Kopfes zu entdecken weiß."

 

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