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Gomera

 

Die Insel des Alternativtourismus

Eine Insel, die lange Zeit nur mit dem Schiff zu erreichen war, strahlt eine ungleich höhere Anziehungskraft aus; sie vermittelt ein Gefühl der Ruhe und Abgeschiedenheit, stillt die Sehnsucht nach einem irdischen Paradies.

Gomera / Laja Stausee

Wanderer beim Laja Stausee

Doch sobald sich Landepisten auf ihrem Rücken breit machen, verkürzt sich die Reisezeit drastisch, gerade so, als ob die Insel über Nacht der Zivilisation ein paar Tausend Kilometer näher gekommen wäre. Auch Gomera hat dieses "Schicksal" ereilt: 1999 eröffnete der seit mehreren Jahren geplante Flughafen den Protesten der Umweltschützer zum Trotz. Der Geldmangel der Kanarischen Regionalregierung konnte beseitigt werden: die staatliche Flughafenverwaltung Spaniens hat die fehlenden Gelder zur Verfügung gestellt: Damit erhält nun auch Gomera als letzte Insel des Archipels einen Flughafen.

Bleiben wird die Schiffsverbindung: Mehrmals täglich setzten die Ferry Gomera und das Tragflügelboot Barracuda von Los Cristianos auf Teneriffa nach Gomera über. Die Inselhauptstadt San Sebastián ist zugleich der Haupthafen Gomeras.

Gomera / San Sebastian

Die Inselhauptstadt San Sebastián mit Blick auf den Teide

Von der Hafenmole aus streben die Touristen der Plaza de la América zu, besteigen den Bus oder das Taxi und verteilen sich über die Insel, zumeist in Richtung Valle Gran Rey, dem schönsten Tal der Insel.

"Mit diesem Wasser wurde Amerika getauft"

In San Sebastián hat auch Christoph Columbus ein letztes Mal Station gemacht; er nahm Proviant und Holz an Bord und ergänzte seine Süßwasservorräte, bevor er sich aufmachte, einen neuen Seeweg nach Indien zu erkunden. Am Brunnen im Innenhof des alten Zollhauses an der Plaza de la Constitución kündet stolz eine Tafel: "Mit diesem Wasser wurde Amerika getauft".

Gomera / San Sebastian

San Sebastián - Plaza de la Constitución

Fast vier Wochen, vom 12. August bis zum 6. September, blieb Columbus hier; angeblich weil es ihm so schwer gefallen sein soll, sich aus den Armen der schönen Inselherrin Beatriz de Bobadilla zu lösen.

Landschaftlich ist Gomera eine Insel der Gegensätze. Beim Fischerdorf Playa de Santiago im kargen und trockenen Süden ist auch im Winter Sonne und Wärme garantiert, Kakteen, Agaven und das Wolfsmilchgewächs Tabaiba säumen die Straßen. 

Gomera / Playa de Santiago

Fischerboote in Playa de Santiago

Doch je höher sich die Serpentinen ins Inselinnere empor schlängeln, desto grüner und dichter wird die Vegetation. Die Krönung ist der immergrüne Lorbeerwald, der Bosque El Cedro, ein vom Passat genährter subtropischer Urwald. Im Unterholz wachsen mannshohe Farne, die dicken Stämme sind moosbedeckt und von den Ästen des Erikabaums hängen lange Flechten herab. 1981 wurde das in Nebelschwaden gehüllte zentrale Hochland zum Nationalpark Garajonay erklärt, um den einzigartigen Lorbeerwald der Nachwelt zu erhalten.

Gomera / Natinalpark Garajonay

Loorbeerwald im Nationalpark Garajonay

Von der Inselmitte aus bahnen sich die Haupttäler ihren Weg zur Küste. Diese tiefeingeschnittenen "Barrancos" werden von bis zu 1000 Meter hohen Bergrücken getrennt. Daneben gibt es noch zahlreiche kleinere "Barrancos", deren Schönheit sich nur dem Wanderer erschließt. Es nimmt nicht wunder, dass die Gomeros die Pfeifsprache El Silbo erfanden, denn der Weg zum nächsten Tal ist mit allzu großen Mühen verbunden.

Ein paradiesisches Tal

Das zwischen gewaltigen Felswänden eingebettete Valle Gran Rey kommt mit seinen Tausenden von Palmen, den Terrassenfeldern, Bananenplantagen und verstreuten Dörfern der Vorstellung vom Paradies sehr nahe.

Gomera / Valle Gran Rey

Valle Gran Rey - Ortsteil La Calera

Als erste waren die Hippies und Alternativtouristen der Faszination des Tales erlegen. Sie waren es auch, die das Nacktbaden an der Playa des Inglés einführten.

Gomera / Valle Gran Rey

Valle Gran Rey - Strand

In den achtziger Jahren flohen viele Mütter mit Kleinkindern vor den Folgen von Tschernobyl nach Gomera und es schien fast so, als hätten im Valle Gran Rey nur die Mütter eines Kleinkindes eine Aufenthaltsberechtigung. Egal ob am "Baby-Beach", am Hafen, im Restaurant - überall jauchzende Kinder mit glücklichen Müttern, schreiende Kinder mit entnervten Müttern: ein überdimensionaler Kinderladen. Bis heute ist das "Valle" fest in der Hand der Alternativtouristen, wenngleich wie so oft auf der Welt die Pauschaltouristen allmählich an deren Seite treten. Doch noch immer herrscht im "Valle" und anderen Teilen Gomeras ein ganz anderes Flair als auf Teneriffa oder Gran Canaria.

 

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