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Namur

Die Stadt, am Zusammenfluss von Sambre und Meuse (Maas) gelegen und umgeben von den Ausläufern der Ardennen, ist Provinzhauptstadt und Sitz der Verwaltung und Regierung der Wallonischen Region. Einst war Namur als Teil der Grafschaft Namur Widersacherin des durch den deutschen Kaiser im 10.Jh. gegründeten Fürstbistums von Lüttich. Zu der  Zeit, als Notger zum ersten Fürstbischof ernannt wurde, ließ der damalige Graf von Namur eine erste Befestigungsanlage mit Burgfried dort errichten, wo sich auf einem Felsvorsprung die heutige Zitadelle erhebt.

Belgien - Wallonien - Namur
Blick über Namur © OPT JP Remy

Dass die Zitadelle die Stadt nicht davor bewahrte  eingenommen und besetzt zu werden, unterstreicht die wechselvolle Geschichte Namurs: 1429 fiel Namur an die Herzöge von Burgund, ehe die spanischen Habsburger es zu ihrem Territorium machten. Obgleich die Zitadelle immer wieder ausgebaut worden war, widerstand sie 1692 dem Angriff der französischen Armee nicht. Lange konnten sich die Truppen des Sonnenkönigs in Namur jedoch nicht halten. Spaniens Verbündete der sogenannten Augsburger Liga belagerten und bombardierten 1695 Namur mit Erfolg. Während einer erneuten Belagerung durch die französische Armee wurde 1746 bei der Explosion des Pulvermagazins ein Teil der mittelalterlichen Burg vernichtet. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten spielte die Zitadelle von Namur eine wesentliche Rolle in der Geschichte der Stadt, auch wenn sie nicht verhinderte, dass deutsche Truppenverbände im Ersten und Zweiten Weltkrieg die Stadt überrannten. Erst 1977 verlor diese Festungsanlage ihren militärischen Charakter.

Die Zitadelle, das Highlight von Namur

Vor dem Hintergrund dieser skizzierten Geschichte kann von der Citadelle de Namur als einem der wichtigsten Bauwerke der Stadt gesprochen werden. Zu Fuß kann man die Zitadelle nach einem steten Aufstieg von der Stadt aus erreichen. Wer über die Steintreppen zur Rampe Verte hinaufläuft, gelangt zunächst zum ältesten Teil der Anlage. Zur Zitadelle gehören zwei Bastionen, die Bastion des cing frères und die Bastion des quarte vents. Die Befestigungsanlage Terra Nova (17.Jh.) und die von den Holländern 1815 für 1200 Soldaten erbaute Kaserne sind von dort aus gut zu überblicken. Über Terrassen gelangt man zum Eingang der dreigeschossigen Kaserne. Unweit von hier befindet sich der Zugang zu den Kasematten, den sogenannten Galeries de Boufflers. Diese unterirdischen, in das Gestein geschlagenen und sich auf drei Stockwerken ausdehnenden Gänge dienten als Lagerraum, Waffenarsenal und Kaserne zugleich. Benannt wurde dieser Teil der Zitadelle nach Louis-Francois de Boufflers, der 1695 Militärbefehlshaber in Namur war und die Verteidigung gegen die angreifenden Soldaten der Augsburger Liga befehligte.

Belgien - Wallonien - Zitadelle in Namur
Zitadelle von Namur © OPT JL Flémal

Weitere Teile der ausgedehnten Festungsanlage sind das Werk des französischen Festungsbaumeisters Vauban, der unter Louis XIV. nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Teilen Europas seine Spuren hinterlassen hat. Ein Teil dieses Festungswerks wurde vor dem II. Weltkrieg zu Schutzbunkern gegen Gasangriffe ausgebaut. Kurzzeitig dienten sie auch als Kommandantur. Angesichts der deutschen Übermacht nach dem Einmarsch im Mai 1940 kapitulierte die belgische Armee alsbald und zog sich kampflos aus der Zitadelle zurück.

Am Ende der Kasematten kann man noch Schießscharten entdecken, die der Verteidigung des Grabens zwischen Terra Nova und Mediane (16.Jh.) dienten. In dem Graben befinden sich das Pulvermagazin (1855/56) und außerdem die einstigen Stallgebäude (1835) für 48 Pferde der Belgischen Kavallerie. Vom ältesten Teil der Festung ist neben dem Burgfried die alte Schmiede erhalten geblieben. Im sogenannten Colombier von Mediane hat sich Guy Delforge ein Parfüm-Labor und eine „Parfümorgel" aus Kühlflaschen mit Essenzen zur Herstellung von Parfüms eingerichtet.

Belgien - Wallonien - Parfüm-Labor
Parfüm-Labor von Guy Delforge © OPT

Ein Bummel durch die Gassen und Sträßchen der Stadt wie Rue des Brasseurs, Rue Fumal, Rue St.Jean und Marché aux Legumes bringt Besucher zur Jesuitenkirche Eglise Saint Loup und der Cathedrale St.Aubain (1751-1772). Lohnenswert ist auch der Besuch der zahlreichen Museen von Namur.

Belgien - Wallonien - in der Kirche Saint Loup in Namur
In der Kirche Saint Loup © OPT Joseph Jeanmart

Namur museal

Das Musée de Groesbeek-de Croix, untergebracht in einem für den Graf Alexandre-François de Groesbeek erbauten Herrenhaus (1750-1753), präsentiert unter anderem eine umfangreiche Porzellansammlung (18./19.Jh.) aus den Manufakturen Saint-Servais. Nicht minder lohnenswert ist der Besuch der Schatzkammer der Kathedrale, wo Goldschmiedearbeiten aus Namur, Glashandwerk aus dem Tal der Maas und Reliquare aus dem 8. bis 18. Jh. ausgestellt sind. Auf jeden Fall sollte der Trésor du Prieure d'Oignies und das Musée Felicien Rops auf dem Programm stehen, wenn man Namur einen Besuch abstattet: Untergebracht im ehemaligen Convent Soeurs de Notre Dame sind die Goldschmiedearbeiten von Hugo d'Oignies, einem der bedeutendsten Kunsthandwerker des 12./13.Jahrhunderts. Die filigranen Arbeiten wie das byzantinische Kreuz sowie die Reliquienmedaillons des hl. Martins und des hl. Hubertus' sind wichtige Arbeiten von d'Oignies.

Belgien - Wallonien - Gemälde von Felicien Rops
Gemälde von Félicien Rops © FTPN

In einem Herrenhaus aus dem 19.Jh. befindet sich das dem Lithografen, Maler und Buchillustratoren Félicien Rops gewidmete Museum Félicien Rops. Es zeichnet mit den Werken des Künstlers, der 1833 in Namur geboren wurde, die Stationen seines Lebens nach. Begonnen wird mit den Arbeiten, die in Namur entstanden. Es sind Skizzen, Radierungen und Lithografien wie die des sächsischen Klarinettisten Karl Ludwig Buch, der im Hause Rops verkehrte. Mit dem „Journal Uylenspiegel" schuf sich Rops während seiner Brüsseler Zeit ein Medium für seine weitere Arbeit. In dieser Zeit illustrierte er die „Les Derniers Flamands" von Charles de Coster, dem Schöpfer der Geschichte des „Uylenspiegel". Bissige Satire prägen Blätter wie „Le Medaille de Waterloo" mit einem Gevatter Tod als Napoleon, der, umgeben von barbusigen Frauen, über ein Totenfeld schreitet. Mit langen schwarzen Handschuhen und luftigem Röckchen skizzierte er „La Mort qui danse". Rops scheint eine besondere Vorliebe für das Morbide, das Erotische und teilweise Pornografische gehabt zu haben, wie sein Briefwechsel mit Baudelaire und Arbeiten wie „Le Sacrifice" (1882) belegen. Nicht nur der mit einer Liegenden kopulierende Teufel in „Le Sacrifice", sondern auch „Les Sataniques - Le Calvarie" mit einem am Kreuz hängenden, sexuell erregten Teufel, der sich um eine barbusige Schöne schlingt, sind Arbeiten aus Rops' Pariser Phase zwischen 1874 und 1898.

Zum Weiterlesen: Hopfen und Malz an der Maas

Weitere Informationen

Maison du Tourisme
square Léopold
5000 Namur
Tel. 081/24 64 49
info@namurtourisme.be
www.namurtourisme.be

Citadelle de Namur
Terra-Nova
Route Merveilleuse, 64
5000 Namur
Tel.  081/ 65.45.00
http://www.citadelle.namur.be/contact.php?lang=DE

Parfümerie Guy Delforge
Route Merveilleuse, 60
5000 Namur
Tel. 081/22 12 19
http://www.delforge.com

Diözesanmuseum und Schatzkammer der Kathedrale St. Auban
place du Chapitre 1
5000 NAMUR
Tel. 0476/97 23 24

Musée de Groesbeek-de Croix
rue Saintraint 3
5000 NAMUR
Tel. 081/24 87 24

Trésor du Prieure d'Oignies
rue J. Billiart 17
5000 NAMUR
Tel. 081/25 43 00

Félicien Rops Museum
Rue Fumal, 12
5000 Namur
Tel.081/77 67 55
rops@ciger.be
http://www.ciger.be/rops



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