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REIHE ESSEN & TRINKEN UNTERWEGS

Hopfen und Malz an der Maas

Eine Entdeckungsfahrt zu Brauereien und Abteien in der Umgebung von Namur

Text: Ferdinand Dupuis-Panther
Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther/OPT/Belgisches Verkehrsamt

Kenner wissen, dass man an jedem Tag des Jahres ein anderes belgisches Bier genießen kann, darunter Abtei- und Trappistenbiere, aber auch Kirsch- und Himbeerbier sowie säuerliches Gueuze. 2.000 Biersorten gibt es bei unseren Nachbarn. Hochprozentig sind sie alle, ob sie nun hopfig oder eher malzig schmecken, Wer sich auf der Suche nach ausgefallenen Geschmacksnoten des Gerstensafts auf eine Biertour entlang der Maas begibt, wird nicht nur seinen Gaumen befeuchten können, sondern auch das eine oder andere »bauhistorische Juwel« entdecken.

Belgien, Namur - Biersorten

Wer die Wahl hat ...

Belgien, Namur - alte BrauereiWie bei uns, so hält sich auch in Belgien die Tradition von Kleinstbrauereien auf dem Lande. Einst, so wird berichtet, hatte wohl jedes belgische Dorf eine eigene Brauerei, die von einem Bauern nebenbei betrieben wurde. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei. Doch bei unserer Fahrt von Namur aus entlang der Maas begegnen wir einer dieser ländlichen Kleinstbrauereien, die die Schnecke im Logo führt und noch mit Holz den Maischkessel anheizt.

Auch die Brasserie du Bocq, die nicht nur Weißbier namens »Blanche de Namur« braut, sondern auch helles und dunkles »La Gauloise« gehört zu denjenigen belgischen Brauereien, die auf dem flachen Land heimisch sind.

Zunehmend wird kleinen Brauereien das Leben schwer gemacht, da europäische Hygienevorschriften auch auf Betriebe angewendet werden sollen, die seit dem frühen 19. Jahrhundert in traditioneller Weise Bier brauen. Nach den Vorstellungen der Brüsseler Eurokraten muss eine Brauerei auf jeden Fall klinisch steril sein. Doch ein Teil der Brauereien (Foto rechts: traditionelle Braumethode), so Cantillon in Brüssel-Anderlecht, können derartigen Normen gar nicht nachkommen, da sie auf Bakterien angewiesen sind, die die Spontangärung bewirken. Würde klinische Hygiene durchgesetzt, so würden die Bakterienkulturen vernichtet, ohne die Biere wie Lambic und Gueuze nie entstehen könnten.

Trutzburg am Zusammenfluss von Sambre und Maas

Belgien, Namur - BefestigungsanlageBeginnen wollen wir unsere kleine Bierreise am Zusammenfluss von Sambre und Maas, wo Namur im zehnten Jahrhundert gegründet wurde. Die Stadt mit ihrer mächtigen Befestigungsanlage (Foto rechts) auf einem Felsensporn oberhalb von Maas und Sambre war als Teil der Grafschaft Namur Widersacherin des Fürstbistums Lüttich und diente über Jahrhunderte als Grenzfeste. Bis heute thront die Zitadelle von Namur mit ihren Bastionen, Kasematten und Kasernen über der Stadt.

Behäbig stampfen Binnenschiffe durch die Fluten von Maas und Sambre. An der Mündung beider Flüsse blickt Albert II. hoch zu Ross über das Wasser. Die wallonische Fahne mit rotem Hahn und die belgische Trikolore flattern im Wind. Zu Füßen des Standbilds des belgischen Soldatenkönigs haben sich ein paar Jugendliche niedergelassen und zupfen auf ihren Klampfen. Kleine Jacques Brels sind allerdings nicht unter den Barden.

Wer durch die Stadt streift, wird auf zahlreiche Zeugnisse maasländischer Baukunst stoßen. Zu den im Renaissance-Stil errichteten Bauwerken gehört unter anderem die ehemalige, am Ufer der Sambre gelegene Halle al’Choir, die Fisch- und Fleischmarkthalle, in der seit dem 19. Jahrhundert das Archäologische Museum untergebracht ist. Auch das heutige Hotel Les Tanneurs de Namur, das aus mehreren Häusern besteht, ist in maasländischem Stil erbaut. Im späten Mittelalter gingen hier fesche Damen ihrem horizontalen Gewerbe nach. Dies geschah sehr zum Leidwesen einiger frommer Frauen, die die Häuser in Brand steckten, nicht ahnend, dass sie damit auch ein Großteil der Stadt in Feuer und Asche legen würden.

Belgien, Namur - Zitadelle

Ein Teil der ehemaligen Befestigungsanlagen

Als Teil der ehemaligen Stadtbefestigung gehört der wuchtige Glockenturm mit anderen flämischen und wallonischen Glockentürmen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein architektonisches Highlight Namurs ist das Hôtel de Groesbeek-de-Croix unweit der Rue de Brasseurs, einer der prächtigsten Privatpaläste der Stadt.

Zwischen Mittelalter, Renaissance und Barock

Beim Spaziergang durch die Straße der Brauer wird man vergeblich nach einer der fünfzehn Brauereien Ausschau halten, die hier vom 17. bis 19. Jahrhundert ihren Gerstensaft herstellten. Nur noch an einem Haus kann man den Schriftzug Brasserie entdecken. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurden mitten in Namur jährlich 28.166 Hektoliter Bier gebraut. Alle Brauereien, die wegen des notwendigen Wassers entlang der Sambre entstanden waren, mussten im 19. Jahrhundert für immer ihre Pforten schließen. Nicht nur die Brauereien verschwanden aus der Stadt, sondern auch die Mühlen, die Metzger und die Schneider mussten weichen, als das Wohnen am Wasser für das aufstrebende Bürgertum chic wurde. Seither wird auch das zu Ehren der Gräfin von Namur gebraute Weißbier »Blanche de Namur« nicht mehr in den Mauern der Stadt angesetzt.

Belgien, Namur - Haus

Hier kann man nicht nur sein Bier geniessen.

Mit dem Restaurant Les Temps des Cerises gibt es in der Rue des Brasseurs erfreulicher Weise einen Ort, an dem regionale Biere der Brauerei Caracole ausgeschenkt werden, ob nun »Saxo«, »Troublette« oder »Nostradamus«. Und wie wäre es denn mit Entenbrust in Biersauce, zu der man auch mal ein Kirschbier probieren sollte? Auch das kann man im Restaurant »Die Zeiten der Kirschen« genießen.

Nicht nur die steinernen Zeugnisse der Renaissance und des Mittelalters sind in Namur zu entdecken, sondern auch der Barock, in dem vornehmlich die Kirchen der Stadt wie die Kathedrale Saint-Auban und die Jesuitenkirche Saint-Loup erbaut wurden. Auch das Eingangstor des ehemaligen Fluchthauses der Abtei von Floreffe weist barocken Zierrat auf.

Belgien, Namur - Comicfiguren

Langsamkeit braucht seine Zeit

Wer über den Place d’Armes läuft, wird auf eine Skulpturengruppe stoßen, die ein wenig befremdet. Es handelt sich um zwei Comicfiguren, Joseph und Françoise, die Schnecken in einem Käfig gefangen halten. Diese Szene spielt darauf an, dass die Bewohner Namurs sich noch langsamer als die Schnecken bewegen und handeln.

Ein Paradies für Bierkenner

Freunde des lokalen Biers treffen sich auf dem Platz vor der Kirche Johannes der Täufer, dem einstigen Gemüsemarkt, und lassen sich in einer der ältesten Kneipen Namurs, dem Café »le Ratin-Tot« ein dunkles, recht malzig-würzig schmeckendes Bier durch die Kehle rinnen. Der Namurer Tempel für Gambrinusfreunde schlechthin ist die Kneipe »Le Chapitre« hinter der barocken Kathedrale der Stadt. Eigentlich ist diese Kneipe nicht mehr als ein großes Wohnzimmer und bisweilen sind alle Tische belegt, so dass man draußen warten muss, bis einige eifrige Kneipengänger nach Hause gehen.

Belgien, Namur - Kneipe

Eine typische Kneipe

Nur auf Klingel wird dem Bierfreund die Pforte geöffnet, um einen Abend im »Bierparadies von Namur« zu verbringen. Zu jedem der angebotenen Biere, die hier ausgeschenkt werden, darunter helles »Moinette«, kann man entsprechende Käsehäppchen bestellen. Eine besondere Leckerei ist der Apfel-Birnen-Sirup, in den man die Käsestückchen stippen kann. Wer mit dem Besitzer ins Plaudern kommt, der erfährt von den verschiedenen Farben des Bieres: hellgelb, bernsteingelb, braun und weiß. Etwas erstaunt nimmt man auf, dass bei belgischen Bieren Sirup, Mehl, Gewürze, Orangenschalen und Karamell zugesetzt werden dürfen. Das treibt zwar die Gralshüter des deutschen Reinheitsgebots auf die Barrikaden, doch dem Geschmack des Gebräus ist dies sehr zuträglich. Und davon kann man sich bei 60 Spezialbieren, die angeboten werden, selbst überzeugen.

Ein gut gezapftes oder eingeschenktes Bier sollte eine schöne Blume haben, so verrät uns der Patron der Kneipe. Nur Lambic und Gueuze, diese in und um Brüssel gebrauten Biere mit Spontangärung, dürfen keinen Schaum aufweisen, erläutert der Kneipenwirt. Und auf noch etwas macht er mich aufmerksam: Wer ein Prickeln auf der Zunge verspürt, trinkt Bier, das zu viel Kohlensäure enthält. Und: Ein sehr bitterer Nachgeschmack deutet auf zu viel Hopfen oder eine Verunreinigung hin.

Emailschilder mit Bierreklame, ein Bierfass, ein Wildscheinkopf, ein altes Radio und einfache Tische und Stühle machen die genügsame Innenausstattung des »Kapitels« aus. An manchen Tagen erklingen in der »Bierklause« auch fröhliche bretonische Dudelsackweisen. Man genießt ein leicht bitteres Quintine, zu dem ein gleichnamiger Käse oder Herve-Käse sehr gut passen. Gewöhnungsbedürftig ist der Herve-Käse nicht nur wegen seines intensiven Geruchs, sondern auch wegen seiner Schärfe, die selbst alten Tilsiter oder Bierkäse übertrifft. Mindestens drei Monate lagert der Moinette-Käse, der zum obergärigen hopfigen Bier gleichen Namens sehr gut schmeckt. Neben dem hellen Moinette aus der Brauerei Dupont mundet auch das braune Moinette – beide haben 8,5% alc. vol. –, das erst nach der Flaschengärung überhaupt gereift ist und ausgeschenkt werden darf. Vielleicht wählt man aber lieber herzhaften Ardenner Schinken oder Pastete zum leckeren Bier.

Zu Besuch bei Vater Bruno

Belgien, Namur - Abtei LeffeWer im Tal der Maas unterwegs ist, sollte unbedingt vor den Toren Dinants Halt machen und die Abtei von Leffe besuchen. An einer der Türen des Klosters, in dem Norbertinerchorherren leben, kann man noch ein Schild mit einer Bierflasche entdecken (Foto rechts). Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Abteiherren sich einst auf das Bierbrauen verstanden haben. Doch längst wird das Leffe-Bier außerhalb der Abtei gebraut. Die Lizenz für das Leffe-Abteibier bringt Einnahmen in die Kasse der Gemeinschaft der Chorherren und als Beigabe gibt es ein Deputat, das die Chorherren gerne in Empfang nehmen. Von Luft und Liebe, so Vater Bruno, dem ich bei meinem Besuch begegnete, kann man schließlich auch als frommer Mann nicht leben. Wer also beim Besuch der Abtei nach einem Brausaal mit Läuterbottich sucht oder den Geruch von Hopfen und Malz vermisst, sollte nicht allzu sehr enttäuscht sein, da die Begegnung mit Pater Bruno ein ungeahntes Erlebnis verspricht.

Die Abtei besteht schon seit mehr als 850 Jahren an den Ufern der Maas. Die Gemeinschaft der »Weißen Väter« – der weiße Habit der Chorherren ist namensgebend – geht auf den heiligen Norbert zurück. Bis zur Französischen Revolution wurde in Leffe auch gebraut. Doch die Säkularisierung der Kirchengüter setzte dem ein Ende. Nach der Rückgabe des Kirchenbesitzes wurde diese Tradition wieder aufgenommen, jedoch in den 1950er Jahren eingestellt. Stattdessen wurde dann das Leffe bei einer Brauerei in Overijse gegen Lizenzgebühren hergestellt. Unterdessen ist dies auch bereits Geschichte: Heute braut man bei St. Guibert, (Interbrew-Brauerei) etwa 350000 Hektoliter »Leffe« im Jahr, das »Leffe blonde« ebenso wie das »Leffe brune«, »Leffe radieuse« und »Leffe vieille cuvée«.

Belgien, Namur - Abteigebäude

Hier wird kein Bier mehr gebraut

Neunzehn Patres und zwei Novizen leben momentan in der Abtei und bestreiten ihren Lebensunterhalt als Organist, als Pfarrer, als Computerspezialisten oder in der AIDS-Hilfe. Nur innerhalb der Abtei trage man, so Vater Bruno, die Ordenskleidung. Wer aber in der Gemeinde unterwegs ist, lege sie ab. Der Tagesablauf innerhalb der Abtei scheint streng geregelt: Um 6 Uhr steht man auf, dann geht es zum gemeinsamen Gebet in die Kirche. Um 11 Uhr wird die Messe gehalten, zwischendurch gibt es Frühstück. Doch wenn man Vater Bruno bei seiner Schilderung lauscht, hat man nicht den Eindruck, das Leben hinter den Abteimauern sei wegen des Zölibats und der Besitzlosigkeit trist und karg. Es sei schon eine Kunst, das Gleichgewicht zwischen der Religiosität einerseits und den Anforderungen des Lebens außerhalb der Abtei zu finden, gesteht Vater Bruno jedoch.

Bei den Benediktinern von Maredsous

Nicht weit von der Maas entfernt liegt in einem Seitental die im 19. Jahrhundert gegründete Abtei von Maredsous, ein neogotischer Bau in graublauem Stein, ein wenig abweisend und längst nicht so freundlich wie die in Backstein gehaltenen Gebäude der Abtei von Leffe. Zu verdanken ist diese Klosterstiftung einem Industriellen, der nicht nur das Land zur Verfügung stellte, sondern auch den Bau finanzierte.

Auch in Maredsous wurde einst Bier gebraut, das nun von der Brauerei Moortgat in Breendonk produziert wird. Diese Brauerei ist eigentlich bekannt für ihr »Duvel« (»Teufels«) und in Lizenz wird das leicht bernsteinfarbene Maredsous mit 6 % alc. vol. ebenso gebraut wie das Maredsous mit 8% alc. vol., das eine gelbbraune Färbung aufweist und einen leichten Nachgeschmack hat, der an Schokolade und Kaffee erinnert.

Vor Ort wird, wenn auch nicht durch die ortsansässigen Benediktinermöche, auch der bekannte Maredsous-Käse herstellt. Pro Tag verlassen 32 Tonnen Käse die Käserei. Im Restaurationsbetrieb des Klosters kann man sowohl das Bier als auch den Käse probieren. Eine große Terrasse lädt dabei zum Verweilen ein, wenn die Sonne auf die Hügel der Umgebung fällt.

Die Schnecke als Markenzeichen

Belgien, namur - WerbungLassen wir die Mauern der Abteien hinter uns und durchfahren das Örtchen Dinant, das einst eine Hochburg der Kesselschmiede war und von einer mächtigen Zitadelle bewacht wird. Weiter die Maas hinab fahrend erreichen wir schließlich die Brauerei Caracole. Mit dem Namen knüpfen die Betreiber an den Spitznamen der Bewohner der Provinz und Stadt Namur an, die als ähnlich behäbig gelten wie eine Schnecke.

Bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts bestand an diesem Ort eine Brauerei, die sich auf das Brauen von Tafelbier spezialisiert hatte. Derartiges niedrigprozentiges Bier wird heute nicht mehr angesetzt. Stattdessen werden Spezialbiere, »Troublette«, »Saxo«, »Caracole« und »Nostradamus«, gebraut, die in der Umgebung an Kneipen, aber auch im Ausland – vornehmlich in den USA – vertrieben werden, so erzählt François Tonglet, der 1994 mit dem Brauen begonnen hatte. Die kleine Brauerei, an die keine Mälzerei angeschlossen ist, verfügt über eine zusammengekaufte Ausstattung, die den Stand der Technologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts widerspiegelt. François berichtet voller Stolz, dass seine Brauerei wohl die weltweit Einzige ist, die Kessel mit Holzfeuer betreibt.

An einem Brautag, der in aller Herrgottsfrühe beginnt und selten vor 22 Uhr endet, werden zum Ansetzen der Bierwürze 500 Liter Wasser und 850 Kilogramm zerkleinerter Malz benötigt. Sechs Stunden muss man den Sud bei 50 Grad Celsius simmern lassen, um die Temperatur nach und nach auf bis zu 80 Grad Celsius zu erhöhen. Nach der Filtrierung, die weitere sechs Stunden in Anspruch nimmt, werden Hefe, Kräuter und Orangenschalen zugesetzt, um schließlich die Bierwürze in Fermentierungstanks zu pumpen. Hier lagert das Gebräu zwei Wochen lang, ehe die Fass- oder Flaschenabfüllung beginnen kann. Und auch dies ist wie alles in der »Schneckenbrauerei« Handarbeit. Da das Bier der Brauerei erst mit Flaschengärung vollendet schmeckt, muss man bei der Abfüllung in die Flaschen nochmals Hefe, aber auch Zucker zufügen, um den Fermentierungsprozess ein weiteres Mal in Gang zu setzen.

Wer beim Brauen zuschauen möchte, ist an allen Tagen in den Sommermonaten herzlich willkommen. Wegen der Öffnungszeiten sollte man vorher unbedingt bei den »Schneckenbrauern« anrufen. Übrigens: Schneckenbier kann man in Namur im »Le Chapitre« und im »Le Temps des Cerises« trinken, in Brüssel im Delirium-Café und im Poechenellekelder(unweit von Manneken Pis).

Weißbier, La Gauloise und Apfelbier

Auf eine lange Tradition des Brauens blickt die Brauerei du Bocq zurück, die 1858 gegründet wurde. Benannt ist die zweitgrößte Brauerei in der Wallonie nach dem Flüsschen Bocq. Neben eigenen Bieren wie »La Gauloise« werden auch Biere im Fremdauftrag produziert. Zu den »Fremdbieren« gehört das Abteibier »Corsendonk«.

Belgien, Namur - Brasserie du Bocq

Schaut auf eine lange Tradition zurück: Brauerei du Bocq

Bis zu 60.000 Hektoliter Bier, ob »La Gauloise«, »Blanche de Namur«, »Triple Moine« oder das leicht trübe, dunkle »St. Benoit«, verlassen jährlich die ländliche Brauerei im Hinterland von Dinant. Bis zu 40 Beschäftigte sind nötig um die bei du Bocq gebrauten Biere – es sind Biere mit Flaschengärung – herzustellen. »La Gauloise« wird mit unterschiedlichem Alkoholgehalt und Farben – hell, dunkel und bernsteinfarben – produziert. »Blanche de Namur« ist nicht etwa, wie viele meinen, ein Weizenbier, sondern ein Weißbier. Diesem Bier darf im Gegensatz zum Weizenbier Weizenmehl zugefügt werden.

Pro Tag werden im Brausaal mit Maischkessel und Läuterbottich zwei Brauvorgänge begonnen. Dabei hat auch bei du Bocq die Automatisierung die Handarbeit weitgehend verdrängt. Als Zwischenlager des Gebräus dienen 30 Tanks, in denen das Bier bis zu 18 Tage verbleibt, um zu reifen. Nach der Filtrierung erfolgt die Abfüllung und die Nachgärung durch Zugabe von Hefe und Zucker. Die Nachgärung nimmt bis zu drei Wochen in Anspruch, ehe das Bier ausgeliefert und ausgeschenkt werden kann.

Seit 2005 hat du Bocq ein besonders erfrischendes Bier mit niedrigem Alkoholgehalt (3,1% alc. vol.) auf dem Markt. Dazu wurde Weißbier mit herbem Apfelsirup versetzt. Wer allerdings bei dieser Zutat an etwas Ähnliches wie Berliner Weiße mit Schuss denkt, der irrt: Das »Appelbocq« ist herb-erfrischend und nicht so zuckersüß wie Berliner Weiße mit Schuss. Also: Prost!

 

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