Lotus, Sonnenblume und ...
Transvaalstraat
und Pretoriastraat verdanken ihre Namensgebung dem Unabhängigkeitskampf
der Buren Südafrikas. General van Merlen, der sich gegen die Österreicher
hervorgetan hatte, wurde ebenso bei der Straßenbenennung bedacht wie
General Capiaumont, der für die belgische Unabhängigkeit gegenüber dem
Vereinigten Königreich der Niederlande stritt. Und in einem Land, in
dem der Radsport populärer als Fußball ist, darf eine Velodroomstraat
auch nicht fehlen. Dort entstand 1895 ein Velodrom - heute längst verschwunden
-, in dem 1905 die Bahnradweltmeisterschaften ausgetragen wurden. Häuser
erhielten Namen wie »De Aarde« (»Die Erde«) oder »De Zonnebloem«
(»Die Sonneblume«).

Zierliches
Gitterwerk auf Sandstein - nicht
untypisch für das einst hochherrschaftliche
Wohnen unweit der Bahnhofs Berchem

Teil
einer Eckbebauung an der Waterloostraat
und General Van Merlenstraat 27-30:
"Die vier Jahreszeiten" (1899)
Da
gutsituierte Antwerpener Bürger stets Landhäuser und Sommerfrischen
vor den Toren der Stadt hatten, lag es nahe, im Rahmen der Stadterweiterung
nach Südosten Terrain für das gutbürgerliche Wohnen zu erschließen.
Diese Stadterweiterung nahm von der Domäne des Zurenborg-Hofes ihren
Ausgang, einem Besitz des Baron Eduard Osy und seiner Schwester Josephine,
die mit Senator John Cogels verheiratet war. Sie waren die Gründer der
Baugesellschaft für den Osten Antwerpens, die in der „Gesellschaft für
Bauen von Bürgerhäusern“ aufging. Diese wiederum war maßgeblich an der
Anlage des neuen Stadtviertels beteiligt.
Römische Klassik, italienische Renaissance - im neuen Gewand
Anleihe
in der römischen Mythologie nimmt Cogels-Osylei 13-15. Dort wacht
Minerva, die römische Kriegsgöttin, auf dem Dach. Zwei, drei oder
fünf Bürgerhäuser verschwinden wie Cogels-Osylei 25-29 hinter einer
Fassade im flämischen Renaissancestil mit Backstein und »weißen Specklagen«.
Einem venezianischen Palazzo gleichen die Häuser Cogels-Osylei 67-71.
Hier harmonieren bauchige Säulenbalustraden mit Kleeblattornamenten
als ornamentaler Schmuck einer Backsteinfassade. Dort, wo die Cogels-Osylei
auf die Generaal Van Merlenstraat stößt und sich als Platz erweitert,
scheint das weiße Loireschloß Chambord mit seinen unzähligen Schornsteinen,
Türmchen und Erkern neu interpretiert worden zu sein. In der Generaal
Capiaumonstraat 2 hingegen, einem griechischen Tempel gleich, spielt
auf einer Säule die Muse der Musik, Eupteria, auf der Flöte.

Huis
Lotus und Papyrus, Transvaalstraat 52-54 (1901)
»De Vier Seizoenen«, vier Eckhäuser mit Mosaiken der vier Jahreszeiten und dreieckigen, aus der Fassade springenden Erkern umstehen die Kreuzung Generaal-Van-Merlenstraat und Waterloostraat. Florale Friese auf zartblauem Hintergrund sind Etagenabschlüsse in der Waterloostraat 49, und einem aufklappbaren Flügelaltar gleicht die gelbrötliche Fassade der Waterloostaat Nr.57-61.
In der Transvaalstraat finden sich in Nr.45 Zitate des englischen Cottagestils, und in Nr. 15. - im Haus »De twaalf apostelen« (1907) sind tatsächlich zwölf steinerne Apostel versammelt. Kontrast zur hellen Fassade ist der hölzerne, rote Aufbau eines »Burgerkers« im »Huis Boreas« (Transvaalstraat Nr.56). Klassizistisches Tempelensemble mit Dreiecksgiebeln und strengen horizontalen Gesimsbändern findet man in der gleichen Straße in Nr.27-33. Mit weißen »maurischen Hufeisenreliefs« macht schließlich »De Lotus« - Haus Nr.52 - auf sich aufmerksam.