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Emden in Ostfriesland - Wallpromenade

Spazierweg oder auch gern genutzter Verbindungsweg mit dem Rad: ein Teil der Wallpromenaden

Der ausgedehnte Grünzug und die vielen Wasserwege machen Spaziergänge durch die Stadt wirklich liebenswert, wenn man denn weiß, welche Wege man nehmen muss, auch um dem Autoverkehr zu entgehen. Wer allerdings architektonische Highlights in größerer Zahl erwartet, wird enttäuscht. Schuld daran sind die Bombenangriffe in den letzten Kriegsjahren, die 90 Prozent der Innenstadt und 80 Prozent Emdens insgesamt in Schutt und Asche gelegt haben. Bauten wie die Neue Kirche im Barockstil, die nach fünfjähriger Bauzeit 1648 fertiggestellt wurde, wurde nach der Zerstörung bis auf die Grundmauern, wieder aufgebaut, entspricht aber nur in Teilen dem ursprünglichen Bau.

Emden in Ostfriesland - Blick auf die Neue Kirche vom Roten Siel aus

Blick auf die Neue Kirche vom Falderndelft aus gesehen, das Gebäude links davon ist das Gödenser Haus und wurde 1551 errichtet. Es diente schon als Kaserne für die Brandenburgische Marine, Zuchthaus, Amtgericht und Eichamt, heute gibt es Studenten ein Dach über dem Kopf

Auch das von einem Antwerpener Stadtbaumeister zwischen 1574 und 1576 mit Anklängen an das seiner Heimatstadt gebaute Rathaus wurde nur unter Aufnahme einzelner Stilelemente und nicht originalgetreu bis 1962 wieder aufgebaut. Früher befand sich die Rüstkammer der Stadt im Rathaus, die das Waffenarsenal und die Schutzausrüstung für die Bürgerwehren behergerte. Als deren Zeit zu Ende ging, verlor auch die Rüstkammer ihre Bedeutung, wenngleich in späteren Zeiten der Fundus noch erweitert wurde. Heute lässt sich die zahlen- und qualitätsmäßig beeindruckende Sammlung in Teilen im Ostfriesischen Landesmuseum in einem Flügel des Rathauses bewundern. Die Dauerausstellung zeigt schwerpunktmäßig Objekte aus dem 16. und dem 17. Jahrhundert.

Emden in Ostfriesland - Das Emder Rathaus am Ratsdelft

Das Emder Rathaus am Ratsdelft, hinter dem Durchgang gelangt man zum Landesmuseum

Nicht sehenswert, weil zu weit entfernt im Turm des Rathauses, aber dafür sehr hörenswert ist das Glockenspiel. Das Gusswerk mit 23 Glocken wurde gestiftet von Brahms, nein nicht dem, sondern dem Emder Bürger Bernhard Brahms. Als Überlebener der Luftangriffe von ’44 überwältigte ihn wohl 56 Jahre später die Dankbarkeit, die Jahrtausendwende erleben zu dürfen. Danke für das schöne Geschenk in der Tonart G-Dur, das in einer Glockengießerei in den Niederlanden gefertigt wurde. Sehr passend trägt die größte Glocke die Inschrift „Den Bürgern und Gästen zur Freude“ in Latein.

Emden in Ostfriesland - Pelzerhäuser in der Pelzerstraße

Ein Blick auf die archtitektonische Vergangenheit Emdens

Kommt man in der Pelzerstraße vorbei, sollte man einen Blick auf die Pelzerhäuser werfen. Das linke der beiden mit der Hausnummer 11 wird auf die Zeit 1570/80 datiert. Es sollte sich wohl um eines der ältesten erhaltenen Häuser in der ostfriesischen Stadt handeln. Natürlich hat der Bau über die Zeit durch Renovierungen und Restaurierungen sein Äußeres verändert, aber schön anzusehen ist es doch und lässt erahnen, wie die Stadt an der Ems in vergangenen Epochen vielleicht einmal ausgesehen hat. Auch mit kleinen engen Gassen und derbem Kopfsteinplaster.

 

Ausflüge

Wie schon geschrieben, primäres Traumziel für Nordseeurlauber ist Emden sicherlich nicht, aber die Stadt liegt günstig für Ausflüge in viele Richtungen.

Emden in Ostfriesland - Mühle in Larrelt

Schön restaurierte Mühle im Stadtteil Larrelt, 1732 gebaut und gehört seit 1978 der Stadt

Wer sich fit genug fühlt, dem sei ein Fahrradausflug empfohlen, etwa entlang der „Niedersächsischen Mühlenstraße“ oder direkt am Deich an der Ems entlang, mitten hindurch durch Schafherden, die den Deich verdichten und das Gras kurz halten. Und tun Sie sich etwas Gutes, mieten Sie in einem örtlichen Fahrradverleih ein Pedelec, Sie kommen entspannt deutlich weiter.

Emden in Ostfriesland - Radausflug an die Ems

Radausflug an die Ems mit Schafherden am Deich. Im Hintergrund verläßt ein RoRo-Schiff den Hafen

Eine Stadtbesichtigung wert ist der nahegelegene Ort Norden, mit seinem Teemuseum, netter Fußgängerzone und ja, auch Mühlen. Etwas abgeschnitten ist der Ortsteil Norddeich, direkt an der Nordseeküste, vielen Urlaubern wohl nur bekannt als Fährhafen zu den Inseln Juist und Norderney. Da der Zug direkt neben dem Anleger hält und auch die riesigen Parkplätze für Inselurlauber fast direkt an das Fährterminal grenzen, wird Norddeich als Ort von Ihnen kaum wahrgenommen. Dennoch ist das Package Norden und Norden-Norddeich unbedingt einen Besuch wert und ein solcher im Fischrestaurant im Hafen sogar empfohlen. Vielleicht machen Sie auch eine Wattwanderung mit, laufen über den trockengefallenen Meeresboden und erfahren mehr über das Leben im geschützten Nationalpark Wattenmeer, ob im Wasser, auf oder im Sand. Mehr können Sie hier nachlesen.

Norden-Norddeich - auf zur geführten Wattwanderung

Unterwegs im Watt, aber bitte nur mit offiziellem Führer

Gut, für das ultimative Nordsee-Erlebnis mit langem Sandstrand und offenem Meer zum Baden, sind, wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel lacht und die Temperaturen steigen, die Inseln wohl nicht zu schlagen. Bei Schietwetter ist das alternative Angebot allerdings dort eher eingeschränkt. Vom Emder Bahnhof kann man ganz entspannt direkt an die Wasserkante fahren, kauft sich ein Ticket für Hin- und Rückfahrt und geht an Bord für die gut einstündige Überfahrt nach Norderney. Vom Hafen aus ist der Nordstrand fußläufig in rund 20 Minuten zu erreichen. Aufgrund der Gezeiten muss ein Kurzzeit-Besuch der autofreien Insel Juist dagegen deutlich besser geplant werden.

Norderney - Blick auf den Nordstrand

Blick auf den Nordstrand von Norderney

Was in anderen Zusammenhängen für viele keine gute Nachricht ist, nämlich LEER, sieht in Ostfriesland zwar nicht grundsätzlich anders aus, aber hier ist LEER auch gut. Wieder ist der Bahnhof ein guter Ausgangspunkt, ob Sie mit der Bahn oder dem Auto anreisen, denn der liegt nahe der Fußgängerzone. Richtig interessant wird es allerdings erst am Ende dieser Zone, wenn man in die sehenswerte Altstadt kommt. Das Stammhaus des 1808 gegründeten Teehandelshauses Bünting nebst hauseigenem Teemuseum im Nachbarbau und der ebenfalls von dem Künstler Karl-Ludwig Blöke geschaffenen Bronzeplastik „Teelke“ (1991) markieren den Übergang.

Leer - Bronzeplastik Teelke

Eine Tasse Tee?

Wer nicht auf eigene Faust kreuz und quer die Altstadt erkunden möchte, folgt den metallenen Wegweisern im Straßenplaster, „LEER Pfad“ steht darauf und der ist tatsächlich lehrreich.

Leer - Pittoreske Häuserzeile in der Rathausstraße

Pittoreske Häuserzeile in der Rathausstraße

So oder so landet man wohl früher oder später in der Rathausstraße, deren pittoreske Häuserzeile vielleicht das meistfotografierte Motiv in der ostfriesischen Stadt ist, die immer auch mal wieder zum Schauplatz der ZDF-Krimi-Reihe „Friesland“ wird, etwa am Museumshafen. Dort steht unter anderem die 1714 erbaute Waage, die heute ein Restaurant beherbergt. Von dessen Terrasse hat man einen schönen Blick auf einen Nebenarm der Leda, der ein Wegstück weiter hinter dem Historischen Dampfschiff Prinz Heinrich endet. Der Weg am Wasser entlang ist ein wirklich schöner Spazierweg, der übrigens ganz nebenbei auch wieder zum Bahnhof zurückführt.

Leer - historische Schlepper im Museumshafen

Historische Schlepper im Museumshafen

Infos

https://kunsthalle-emden.de

http://www.landesmuseum-emden.de

http://www.denkmallok-043.de

http://www.matjestage.de

http://www.niedersaechsische-muehlenstrasse.de

 

Website des Autors: https://www.bremen-sehenswert.de

 

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