Cuxhaven in der Nebensaison

 

Vom Cuxhavener Hafen aus erstreckt sich der Deich fast in einem Halbkreis bis zum Ortsteil Döse. Schon von Weitem sieht man ein weithin bekanntes und auf Postkarten, Andenken und im Ort selber immer wieder zu findendes Wahrzeichen, das darüber hinaus das Wappen der Stadt ziert: die Kugelbake. Das fast 30 Meter hohe Seezeichen, das in seiner heutigen hölzernen Konstruktion 1924 errichtet wurde, markiert das geografische Ende der Elbe. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts markierten die Hamburger die Fahrrinne der Elbe mit so genannten Baken, damit die Handelsschiffe sicher in die Hamburger Häfen gelangten, schließlich war Hamburg der größte Nutznießer des Seehandels.

Cuxhaven - Kugelbake an der Elbmündung

Ziert das Stadtwappen: die Kugelbake

Nach 1653 gab es mit dem „Kugelbakenlicht“ für Seeleute auch in der Dunkelheit die Möglichkeit sich zu orientieren, ohne Schiffbruch zu erleiden. Mehrmals wurden Vorläufer der heutigen Kugelbake von Sturmfluten weggespült, ebenso variierte der Standort. Heute ist die Kugelbake für den Seeverkehr allerdings bedeutungslos, genau genommen, wird sie ihrem Namen eigentlich auch gar nicht mehr gerecht, denn es fehlt die charakteristische Kugel an der Spitze. Oben auf dem Deich steht ein Gedenkstein zu Ehren des Seefunkpioniers Professor Dr. Zenneck, der um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert an der Kugelbake erste Versuche unternahm, einen Funkkontakt zwischen dem Festland und Schiffen auf See herzustellen.

Cuxhaven - Fort Kugelbake

Relikt aus vergangenen Tagen - Geschütz im Fort Kugelbake

Hinter den Deich duckt sich, gerade noch zu sehen, die einzige noch erhaltene Marinefestung Deutschlands. Das Fort Kugelbake wurde auf Betreiben Preußens zwischen 1869 und 1879 errichtet. Der pentagonale Bau mit einer Größe von 5 Hektar inklusive Kehlgraben diente dem Schutz des wichtigen Schifffahrtsweges, der genau davor vorbeiführt, war also strategisch ideal gelegen. Noch im Ersten Weltkrieg wurde die Festung genutzt, u.a. stand hier der größte Scheinwerfer jener Zeit. Neben den Gebäuden gibt es im Fort heute zahlreiche Geschütze, darunter ein Schiffsgeschütz von 1900 zu besichtigen. Hinein kommt man allerdings nur nach Voranmeldung und in der Gruppe. Wer an einer Führung interessiert ist, kann sich in einem kleinen Häuschen am Kurpark ein kleines Stück hinter dem Deich anmelden. Im angrenzenden Kurpark sorgen die täglichen öffentlichen Fütterung der Pinguine im dortigen Minizoo besonders bei Kindern für Unterhaltung und Abwechslung.

Cuxhaven - Pinguine im Kurpark Döse

Pinguine im Kurpark Döse

Wieder auf dem Deich, geht’s mit dem Drahtesel weiter. An Döse schließt sich der Ortsteil Duhnen an. Das Nordseeheilbad ist einer der wichtigsten Fremdenverkehrsorte an der niedersächsischen Küste, davon zeugen unter anderem zahlreiche Hotels hinter der Strandpromenade. Im dahinter gelegenen Stadtkern sorgen mehrere Boutiquen mit Klamotten für „Schietwetter“ ebenso wie für wüstenartige Gluthitze, Andenkenläden und Gelegenheiten gegen den großen und den kleinen Hunger dafür, dass man als Gast nicht mit zuviel Geld in der Tasche wieder nach Hause fährt.

Cuxhaven - Strandkörbe in Duhnen

Strandkörbe am Strand von Duhnen

Dann mischen sich für eine Stadt eher ungewöhnliche Töne unter die übliche Geräuschkulisse: rhythmisches Getrappel von Pferdehufen. Und schon biegt eine ziemlich hoch aufgebockte Kutsche mit zahlreichen Menschen an Bord um die Ecke. Als das Vehikel kurz darauf über eine spezielle Abfahrt über den Strand und dann ins trocken gefallene Watt rollt, wird klar, warum man gerne mal etwas höher sitzt. Salzwasser und der an vielen Stellen schlickige Meeresboden werden durch die Reifen hoch gespritzt. Ziel der Ausfahrt durch das Watt ist die kleine Insel Neuwerk, die man bei Ebbe mit dem Pferdewagen oder auch zu Fuß erreichen kann. Bei gutem Wetter ist die Wanderung ein schöner Tagesausflug.

Für den Weg zu der etwa 12 Kilometer entfernten Insel, die übrigens zu Hamburg gehört, braucht man je nach Fitness zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Kleiner Tipp: Ziehen sie alte Schuhe an, wenn sie nicht barfuß gehen möchten. Nach einem Aufenthalt mit einem kleinen Imbiss kann man später nach Einsetzen der Flut mit dem Schiff nach Cuxhaven zurückfahren und gelangt mit einem Bus der Bäderlinien wieder nach Duhnen oder Sahlenburg zurück. Da das Watt extrem gefährlich werden kann, wenn man von der Flut überrascht wird, informieren Sie sich vor einer Wattwanderung auf eigene Faust unbedingt über die wechselnden Gezeiten und etwaige Verhaltensweisen im Notfall. Die Helfer von der DGzRS mit ihrem Rettungskreuzer sind zwar schnell, aber ebenso schnell kann es zu spät sein.

Cuxhaven - Zeichen

Wenn dieses Signal hochgezogen wird, sollten Sie zu Ihrer Sicherheit das Watt verlassen

Wieder in Duhnen geht es weiter Richtung Sahlenburg. Kurz nachdem wir an der Strandpromenade von Duhnen die Hotelzeile hinter uns gelassen haben, endet der Strandstreifen abrupt und geht in einen Grünstreifen über. Dieser so genannte Duhner Anwachs, der durch Maßnahmen zur Landgewinnung seit 1936 entstanden ist, dient heute Vögeln als Hochwasserrastplatz und darf das ganze Jahr nicht betreten werden. Von einem Aussichtsturm aus kann man allerdings die Vögel aus der Ferne beobachten, ohne sie zu stören.  

Cuxhaven - Strand bei Sahlenburg

Strand bei Sahlenburg

Bei Sahlenburg kehrt dann der Strand zurück. Mit diesem Ortsteil haben wir die Endstation unseres Ausflugs erreicht, wie die kleine Strandbahn auch, die uns unterwegs schon mehrfach begegnet ist. Auf den ersten Blick wirkt Sahlenburg fast wie die kleine Schwester von Duhnen, nur etwas kleiner und ruhiger eben. Wer von hier nach Neuwerk aufbrechen möchte, findet übrigens dieselben Bedingungen und Möglichkeiten wie in Duhnen vor, die Strecke ist mit rund 8 Kilometern sogar etwas kürzer. Darüber hinaus hat Sahlenburg eine Besonderheit zu bieten, den Wernerwald - und ein Waldfreibad. Das, was an der Ostsee häufig auftritt, nämlich dass sich Waldgebiete bis direkt an die Wasserkante erstrecken, ist in dieser Form an der Nordsee äußerst selten und der Wernerwald ist der einzige Wald dieser Größe an der deutschen Nordseeküste, der direkt am Übergang zum Wattenmeer wächst. Der Name geht zurück auf seinen Begründer, den Hamburger Amtsverwalter Werner, der dazu geraten hatte, das 315 Hektar große, damals ziemlich ausgelaugte Stück Land aufzuforsten. Das war 1880. Nach der Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten und mehr als 120 Jahre später ist daraus ein Wald geworden, der bei Radfahrern, Läufern, Reitern und Spaziergängern gleichermaßen beliebt ist. Aber auch Camper finden hier ein schattiges Plätzchen auf einem Campingplatz und zur Erfrischung gibt’s ein Bad im von Bäumen umstandenen Waldfreibad.

Cuxhafen - Feuerschiff Elbe1

Das ehemaligen Feuerschiff im Hafen wurde 1988 nach 40 Dienstjahren außer Dienst gestellt

 

Reiseinformationen

Informationen:

Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH
Cuxhavener Straße 92
27476 Cuxhaven
Tel.: 04721 - 404 0
Fax.: 04721 - 404 198
E-Mail: info@tourismus.cuxhaven.de
www.cuxhaven.de/cuxhaven.php

Prospekte zu Cuxhaven können Sie unter www.cuxhaven-tours.de/html/prospektorder.htm bestellen.

Informationen zu Duhnen gibt es unter www.duhnen.de

Informationen rund um Sahlenburg liefert www.sahlenburg.com

Anfahrt: Cuxhaven ist über die Autobahn A27 sowie mit der Bahn gut zu erreichen

Verkehr: Die Seebäder lassen sich vom Hauptbahnhof in Cuxhaven sehr gut mit dem Bus (Bäderlinien) erreichen, Fahrkarten löst man bei der Fahrerin oder dem Fahrer; man kann problemlos überall Fahrräder ausleihen, bei unseren Tests war der Zustand sehr gut und die Preise annehmbar; allerdings ist man auf einen fahrbaren Untersatz nicht zwingend angewiesen, denn es lässt sich auch alles zu Fuß erreichen

Joachim-Ringelnatz-Museum
Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags von 10-13 Uhr und von 14- 17 Uhr
Internet: www.ringelnatzmuseum.de/museumhaupt.htm

Fischereimuseum Cuxhaven e.V.
Ohlrogge Straße – Halle VII – Abt. 65 + 66
27472 Cuxhaven
Tel. 04721 / 66 52 62
Fax 04721 / 66 52 32
Internet: www.fischereimuseum-cuxhaven.de

Wattführungen
www.cuxwatt.de

 

Website des Autors: www.bremen-sehenswert.de

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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