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Reiseführer Pirmasens

 

Unterwegs in Pirmasens
Vom Exerzierplatz zum Alten Friedhof

 

Die Tage des Landgrafen Ludwig sind ebenso Vergangenheit wie die Blütezeit der Schuhindustrie. Doch die Zeugnisse jener Zeiten kann man in Pirmasens auf Schritt und Tritt entdecken.

Das neue Rathaus am Exerzierplatz in Pirmasens

Das Neue Rathaus am Exerzierplatz

Wir beginnen unseren Stadtrundgang am Exerzierplatz. An dessen Rand steht die Skulptur des exzentrischen Landgrafen Ludwig IX., dessen Leidenschaft nicht der Kriegsführung, sondern dem Exerzieren und dem Komponieren von Militärmärschen galt. Dafür ließ er sogar eigens eine Exerzierhalle bauen. Am Rande des Exerzierplatzes steht das siebzehnachsige Rathaus der Stadt mit seinen beiden abschließenden „Eckbauten“, die von einem Dreiecksgiebel bekrönt sind. Es handelt sich bei diesem Bauwerk um die ehemalige Exerzierschule, einen klassizistischen Putzbau mit drei Geschossen. Der Platz vor dem Rathaus ist von einer bogenförmigen Kolonnade bestimmt. Auf dem Platz finden regelmäßig Wochenmärkte und Stadtfeste statt.

Treffpunkt Exerzierplatz in Pirmasens

Treffpunkt Exerzierplatz

Bismarck-Denkmal und Altes Rathaus
Begeben wir uns zur Fußgängerzone, so sehen wir jeweils am Anfang und Ende der Zone zwei Säulen mit „flammenden Granaten“ als Aufsatz. Diese Säulen waren ursprünglich Bestandteil der Stadttore. Dass wir unterwegs auf eine Stierplastik stoßen, ist nicht verwunderlich. Wie die bunten Löwen in München, die bunten Bären in Berlin sowie die bunten Wasserträger in Hamburg so sind die Stiere das „Wahrzeichen“ der Stadt Pirmasens, die über Jahrhunderte von Gerbereien und Schuhfabriken lebte. Die Darstellung von Pirmasenser Kiepenträgerinnen als Kunst am Bau zu sehen, erinnert daran, dass einst Schuhhausierer mit Kiepen über Land zogen, um Schuhe aus Pirmasens an den Mann und die Frau zu bringen.

Der Schlossbrunnen in Pirmasens

Der Schlossbrunnen

Beim Weitergehen „stolpern“ wir über das Denkmal für den „Eisernen Kanzlers“, das 1912 errichtet wurde. Es zeigt nicht etwa  Bismarck, sondern Georg, den Drachentöter, was ein wenig verwunderlich erscheint. Nur noch der Name Schlossplatz erinnert daran, dass an dieser Stelle einstmals ein landgräfliches Schloss stand. An seiner Stelle ergießt der mit einem Stier und Bronzeschwänen verzierte Schlossbrunnen sein Wasser über Kaskaden von der hoch gelegenen Schlossstraße hinab zum Schlossplatz. Neben der Brunnenanlage befindet sich Kuchem's Brauhaus, wo leckerer Gerstensaft gebraut wird. Der aufwändig mit „Wellenbändern“ gepflasterte Schlossplatz wird an einer Seite vom Alten Rathaus begrenzt. In diesem Baudenkmal aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind zurzeit u. a. das Schuhmuseum und die Galerie Heinrich Bürkel untergebracht. Noch immer finden im Rathaus Trauungen statt, sodass insbesondere an Samstagen die Hochzeitsgesellschaften sich hier sprichwörtlich die Klinke in die Hand geben. Erbaut wurde das achtachsige Gebäude mit aufgesetztem Uhrturm und stattlichem Mansarddach aus rötlichem Sandstein.

Der hl. Georg – Denkmal für den „Eisernen Kanzler“ in Pirmasens

Der hl. Georg – Denkmal für den „Eisernen Kanzler“

Pirminius- und Lutherkirche
Oberhalb der Schlosstreppe erheben sich die Doppeltürme der Pirminius-Kirche dort, wo einst die gräfliche Exerzierhalle stand. Bei diesem Sakralbau handelt es sich eine neugotische Hallenkirche, die im ausgehenden 19. Jahrhundert für die katholischen Gläubigen der Stadt erbaut wurde. Zu Füßen des Gotteshauses entdecken wir einen  „braunen Stier“ im Gehölz, der für den Reit- und Landhof Heckenaschbacherhof bei Zweibrücken Reklame macht.

Folgen wir der Hauptstraße, so gelangen wir zur protestantischen Lutherkirche, ursprünglich ein Saalbau von 1757/58, der wie andere historische Bauwerke auch nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg rekonstruiert wurde. Hinzuweisen ist auf das prächtig gestaltete spätbarocke Seitenportal mit dem von zwei goldenen Löwen gehaltenen und bekrönten landgräflichen Wappenschild. Vor dem Gotteshaus steht der sogenannte Schusterbrunnen. Als Brunnenfigur sehen wir einen Schuster, der einen fertigen Schuh in der Hand hält. Erinnert werden soll mit diesem Brunnen an Jean Joß, der nach dem Tod Ludwig IX. und der Auflösung der Garnison als Erster mit der Schuhfertigung begann. Auf dem Brunnenrand kann man unter anderem folgende Inschrift lesen: „Der Schuh hat hier uns gross gemacht, drum Schuh und Schuster nicht veracht.“ Und weiter heißt es: „Verlässt der Schuh die städtisch' Grenz', soll Lob er sein für Pirmasens.“ Nebenan steht die ehemalige 1760 aus Rotsandstein errichtete Garnisonsschule mit markantem Walmdach.

Der Eingang zur Fußgängerzone Hauptstraße in Pirmasens

Der Eingang zur Fußgängerzone Hauptstraße

Schuhfabrik Kopp und Bahnhofsviertel
Von hier aus gehen wir die Hauptstraße bis zur Bahnhofstraße zurück, biegen in diese ein und passieren die ehemalige Schuhfabrik Kopp (1907–11). Erbaut wurde der Komplex mit fünfeckigem Grundriss auf einem Felsensporn. Folgen wir der Bahnhofstraße weiter, dann liegen das ehemalige Bezirksamt und das Amtsgericht auf unserem Weg. Berühmtheit erlangte das Bezirksamt im Zusammenhang der für die Autonome Pfalz kämpfenden Pirmasenser Separatistenbewegung. Am 12. Februar 1924 fand hier ein Massaker an Mitgliedern dieser Separatistenbewegung statt. Die durch sandsteinerne Gesimse und Fensterlaibungen gegliederte Fassade weist im Dreiecksgiebel des Daches das bayerische Wappen auf. Dies ist eine Erinnerung daran, dass die Pfalz von 1816 bis 1945 Teil des Königreichs Bayern war.

Über die Felsentreppe gelangen wir auf die Schäferstraße und zur Parkanlage Strecktal. Auch hier wartet ein bunter Stier auf die Besucher der Stadt.

Eine Oase der Ruhe: der Strecktal-Park in Pirmasens

Eine Oase der Ruhe: der Strecktal-Park

 

Grüne Oase im Strecktal
Am Nordrand des Strecktals steht auf einem Hang die ehemalige Schuhfabrik Rheinberger, in dem heute unter anderem das Dynamikum zuhause ist. Doch verweilen wir noch ein wenig in der ausgedehnten Parkanlage im Strecktal, ehe wir uns mit dem Thema Mechanik im Science Center Dynamikum befassen. Dahlien findet man in der Parkanlage ebenso wie weitere gut duftende Blumen. Immer wieder gibt es Ruheplätze mit und ohne einen sprudelnden Brunnen. Gehölzgruppen, Staudenränder und ausgedehnte Rasenflächen, aber auch eine Streuobstwiese sind weitere Charakteristika des Parks unterhalb der Strecktalbrücke. Was es mit einem Insektenhotel auf sich hat, wird auf einer Texttafel und dank eines Schauinsektenhotels erläutert. Der Strecktalweiher ist für die  jüngeren Besucher ebenso ein Anziehungspunkt wie ein  Wasserspielplatz. Eine Sandstein-Burg animiert den einen oder anderen Knirps zu Ritterspielen. Wassertreten kann man im Strecktalpark ebenso wie Beachvolleyball und Streetball spielen. Wer mit seinen Inlinern über Hindernisse unterwegs sein möchte, findet im Park eine entsprechende Anlage - genau das Richtige für sportive Jugendliche. Wer Ball, Frisbee oder Sprungseil vergessen hat, kann diese in der Touristinformation im Dynamikum gegen ein Pfand ausleihen.

Über dem Strecktal erhebt sich der Hans-Sachs-Bau der einstigen Schuhfabrik Rheinberger (Pirmasens)

Über dem Strecktal erhebt sich der Hans-Sachs-Bau
der einstigen Schuhfabrik Rheinberger

Immer in Bewegung bleiben
Alle Sinne sind gefragt, wenn man sich durch das Dynamikum bewegt. Acht Themengebiete stehen dem interessierten Besucher, jung oder alt, zur Auswahl zur Verfügung. „Bewegte Masse“ und „Der Tanz der Welt“ werden ebenso behandelt wie „Bewegungsmaschinen“ und „Die schnelle Natur“.

Gründerzeitliches Bahnhofsviertel
Eine geschlossene gründerzeitliche Bebauung ist in der Stadt eine Rarität, jedoch in der Bahnhofstraße und Schützenstraße – im sogenannten Postdreieck - noch vorhanden. Auffallend ist an einigen Häusern aus Rotbuntsandstein und Sandstein der plastische Fassadenschmuck. Früchte und Blattwerk sind ebenso zu sehen wie der Kopf eines Landsknechts oder gar liebliche Schönheiten. Als Kulturzentrum wird zurzeit das ehemalige Königlich-Bayerische Postamt (1893) mit seiner aufwändig gestalteten Buntsandsteinfassade hergerichtet. Gedacht ist daran,  den Pirmasenser Landschaftsmaler Heinrich Bürkel dort ebenso gebührend vorzustellen wie den Dadaisten Hugo Ball. Zudem sollen auch Wechselausstellungsflächen entstehen. Im Kuppelsaal sind zudem Theaterveranstaltungen und Kleinkunstabende geplant.

Fassadenschmuck des gründerzeitlichen Königlich Bayerischen Postamtes, des zukünftigen Kulturzentrums von Pirmasens

Fassadenschmuck des gründerzeitlichen Königlich Bayerischen Postamtes,
des zukünftigen Kulturzentrums der Stadt

Kunst-Exkursion: Der Alte Friedhof
Wem der Weg bis zum Alten Friedhof zu weit ist, der kann auch den Bus 207, 203 oder 211 am Exerzierplatz besteigen. Zu Fuß geht es über die Hauptstraße, Nagelschmiedsbergtreppe – sie ersetzt jeden Treppentrainer eines Fitnessstudios – Allee- und Friedhofstraße zur ehemaligen Einsegnungshalle, den Carolinensaal. Dieses Bauwerk aus rötlichem Buntsandstein entstand Ende des 19.Jahrhunderts ganz im Stil des Klassizismus. Dies ist unschwer am säulenbestandenen Portikus und dem Dreiecksgiebel des Portikus zu erkennen. Benannt ist der heute als Veranstaltungsort genutzte Carolinensaal nach der Gattin des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Nicht nur wegen der Grabdenkmäler des 19. Jahrhunderts ist der seit Jahren aufgelassene Alte Friedhof bedeutsam, sondern auch wegen der dortigen Kunst im öffentlichen Raum. Nicht zu übersehen sind die Kriegergedenkstätte 1870/71, das Kriegerdenkmal 1914/18 und ein modernes Denkmal für die drei Kriege 1870/71, 1914/18 und 1939/45.

Der Carolinensaal am Alten Friedhof in Pirmasens

Der Carolinensaal am Alten Friedhof


Der Alte Friedhof macht einen Teil der Skulpturenwege in Rheinland-Pfalz aus, zu denen auch der Skulpturenweg im Schweinstal und das Skulpturenufer Remagen zählen. Im Rahmen des Bildhauersymposiums 1998 wurden einige großformatige Skulpturen auf dem Gelände des aufgelassenen Friedhofs platziert.

Massiv ist der Steinblock, von dem steinerne Tropfen herabrinnen – eine Arbeit des italienischen Bildhauers Villi Bossi. Für die Skulptur „Durchbruch“ hat Ljubo de Karina aus Kroatien dem gebrochenen Steinquader ein „Fenster“ ohne Glas verpasst. Tischähnliche Wellensteine dem Luxemburger Bertrand Ney zu verdanken. Wie ein Kopf mit Helm wurde ein  Sandsteinblock von Karl-Heinz Deutsch behauen, der seine Skulptur „Große Kopfform“ nannte. Spuren von Vandalismus – ein riesiges Herz ziert die Oberfläche – sind nicht zu übersehen. Zu sehen ist zudem Georg Ahrens „Kämpferischer Engel“. Kaum zu entziffern sind einige Grabinschriften historischer Grabsteine, die man bei seinem Besuch auf dem Alten Friedhof ebenso wenig übersehen kann wie Jian-Yong Zhangs Arbeit „Sprechen/Hören – Schweigen/Stein“.

„Sprechen/Hören – Schweigen/Stein“ von Jian-Yong Zhang (China) in Pirmasens

„Sprechen/Hören – Schweigen/Stein“ von Jian-Yong Zhang (China)

 

Weitere Information
Stadtmarketing & Tourismus Pirmasens
www.pirmmasens.de

Dynamikum
www.dynamikum.de

Skulpturenweg Rheinland-Pfalz
http://www.skulpturenweg.rlp.de/

 

 

 



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