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Reiseführer Pirmasens

 

Ausflüge in die Umgebung von Pirmasens:

Die Rosen- und Pferdestadt Zweibrücken

 

Das Zweibrücker Schloss

Das Zweibrücker Schloss

Zweibrücken ist eine von vier ehemaligen barocken Residenzstädten der Region. Dazu gehören auch Saarbrücken, die saarländische Landeshauptstadt, Blieskastel, u.a. mit der barocken Schlosskirche und dem Barockgarten an der Orangerie, Ottweiler mit dem Witwenpalais und dem Barock-Rosengarten, und eben auch Zweibrücken mit dem ehemaligen Residenzschloss und der Parkanlage Tschifflick.

Nicht nur von der Regentschaft des Schwedenkönigs Karl XII., sondern auch von der Herrschaft von Christian IV. profitierte Zweibrücken. Der schwedische Baumeister Jonas Erikson Sundahl war für den Entwurf des Schlosses verantwortlich und für den Auftrag zur Gestaltung des Herzogplatzes Christian IV. Die Parkanlage Tschifflick ist hingegen dem exilierten Polenkönig Stanislaus Leszczyński zu verdanken, dessen Tochter Maria mit dem französischen König Ludwig XV. verehelicht war.

Zweibrücker Geschichte
1410 entstand das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken aus der Grafschaft Zweibrücken. In der Zeit der Regentschaft Karls XII. wurde dem Polenkönig Stanislaus Leszczyński und dessen Familie in Zweibrücken Asyl gewährt. Die Blütezeit der Stadt ist eng mit dem Namen des Herzogs Christian IV. verbunden. Er versuchte, höfisches Leben französischer Art nach Zweibrücken zu verpflanzen. Diesem Herzog ist auch die Gründung des Landgestüts zu verdanken, das damals an Friedrich den Großen 150 Hengste und Zuchtstuten für das Gestüt Trakehnen lieferte. 1770 besuchte der Dichterfürst Wolfgang von Goethe die Stadt, von der er wohl recht angetan war.

Der heute bestehende Rosengarten wurde 1914 auf dem Gelände der ehemaligen herzoglichen Hofgärten angelegt. Dieser Garten zählt zu den bedeutendsten Rosarien in Deutschland. Wer durch die Stadt schlendert, wird hier und da auf Infotafeln stoßen, die auf verschwundene Baudenkmäler verweisen. Dies verwundert nicht, bedenkt man, dass beim Luftangriff am 14.März 1945 mehr als 80% der Stadt zerstört wurden.

Klassizistisches Ensemble an der Herzogsstraße

Klassizistisches Ensemble an der Herzogsstraße

Die Herzogvorstadt
Beginnen wollen wir unseren Stadtspaziergang in der während der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts entstandenen Herzogvorstadt. Die Idee zu dieser Vorstadt hatte Herzog Christian IV., der jedem zukünftigen Hausbesitzer eine Steuerfreiheit von vier Jahrzehnten versprach. Doch allzu zahlreich waren die Bauwilligen nicht. Gebaut wurde daher erst, nachdem der Fürst für alle Staatsbeamten und Zünfte eine Zwangslotterie verpflichtend machte. Wer in der Lotterie gewann, der wurde stolzer Besitzer eines zuvor im Auftrag des Landesherrn erbauten Hauses.

Zur heutigen Herzogvorstadt gehört unter anderem das siebenachsige, weiß getünchte Rathaus. Am Goetheplatz erinnert eine Gedenktafel an den Besuch des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Reise von Straßburg durch Elsass und Lothringen: „Mit zwei werten Freunden und Tischgenossen begab ich mich zu Pferde ... so eilten wir durch Zweibrücken, das als eine schöne und merkwürdige Residence wohl auch unsere Aufmerksamkeit verdient hätte. Wir warfen einen Blick auf das grosse einfache Schloss, auf die weitläufigen regelmässig mit Lindenstämmen bepflanzten, zum Dressieren der Parforcepferde wohleingerichteten Esplanaden, ... auf die Bürgerhäuser, welche der Fürst baute, um sie ausspielen zu lassen.“ so heißt es in „Dichtung und Wahrheit“.

Hofgärtner, Hofmaler und ein Gestüt
Bummeln wir durch die Herzogstraße, so passieren wir das Haus des Hofgärtners Ernst August Bernhard Petri. Es handelt sich um einen frühklassizistischen Bau, in dem heute das Stadtmuseum, das Kulturcafé und die Stadtbücherei untergebracht sind. Schräg gegenüber steht das sogenannte Mannlichhaus, das der Landesherr Christian IV. einst seinem Hofmaler Johann Christian von Mannlich geschenkt hatte. Diesem Hofmaler ist der Aufbau der Münchner Pinakothek mit über 2000 Gemälden und 7000 Grafiken zu verdanken.

Nur wenige Schritte sind es von hier zum Landgestüt, an dessen Eingang Pferdeköpfe auf Säulen zu sehen sind. Um den Säulenschaft ranken sich rote Rosen. Das Landgestüt ist wie die Herzogvorstadt Christian IV. zu verdanken. Vollblutaraber waren es, die einst den Ruf des Gestüts begründeten. Doch die französischen Revolutionskriege bedeuteten das Ende des Landgestüts, das erst unter Kaiser Napoleon im Jahr 1806 zu neuem Leben erweckt wurde. „Zweibrücker“ erfreuen sich im Reit-und Fahrsport seither großer Beliebtheit. Aktuelle hoch im Kurs sind Hengste mit so illustren Namen wie „Cassius Clay“, ein Dunkelfuchs, wie der Trakehnerschimmel „Hope of Heaven“ oder der Rappe „Stockholm“.

Nicht nur für Pferderennen
Entlang des Schwarzenbachs und unter dem ausladenden Laubdach der vierreihigen Platanenallee setzen wir unseren Stadtbummel fort. Linkerhand von uns erstreckt sich die sogenannte Zweibrücker Rennwiese, auf der erstmals 1821 ein offizielles Pferderennen stattfand. Heute werden hier Vielseitigkeitsprüfungen ebenso durchgeführt wie Grasbahnrennen und Crossläufe für Leichtathleten. Bevor wir die Rennwiese erreichen, springt uns noch die ursprünglich 1926 erbaute und nach den Kriegszerstörungen 1953 wiederaufgebaute Festhalle an der Saarlandstraße ins Auge, die ganz im Geist des Neuen Bauens entstand.

Im Stil des Neuen Bauens gehalten: die Festhalle

Im Stil des Neuen Bauens gehalten: die Festhalle

Auf dem Rosenweg unterwegs
Auf der gegenüberliegenden Seite des Schwarzenbachs erstreckt sich der 50000qm große Rosengarten mit mehr als 2000 Rosensorten. Zu dessen Anlage gehört ein See ebenso wie sprudelnde Fontänen, formale Rosenbeete und Kinderspielmöglichkeiten. Folgen wir dem Lauf des Schwarzenbachs, so stoßen wir auf eine Kanu-Slalomstrecke. Im Weiteren können wir ausgeschilderte Themenwege zur Gartenanlage Fasanerie und zum Wildrosengarten nutzen. Bei heißen Temperaturen lockt der Besuch des vom Schwarzenbach umflossenen Freibads.

Auf dem sogenannten Rosenweg, einem Themenweg, der aus der Stadt herausführt, entdecken wir zahlreiche Texttafeln, die uns Wissenswertes über die Rose vermitteln. So erfahren wir, dass der Ursprung der Rose vermutlich in Zentralasien liegt und sie über die Seidenstraße und den Seeweg in den Mittelmeerraum gelangte. Aphrodite gilt, so ist auf einer anderen Textsäule zu lesen, als die Schöpferin der Rose – das liegt bei der Göttin der Liebe nahe! Zudem wird der Wanderer unterwegs darüber aufgeklärt, was es mit den Rosenkriegen auf sich hatte. So wurden die um die englische Thronherrschaft geführten Auseinandersetzungen bezeichnet, die zwischen 1455 und 1485 stattfanden. Als Rosenkaiserin ist die Gattin Napoleons I. in die Geschichte eingegangen: Sie trug in ihrem Garten 250 Rosensorten zusammen.

Blick in den Rosengarten

Blick in den Rosengarten

Mittelalterliche Burganlage und Fasanerie
Gelangen wir an den Hinweis zur Fasanerie und Barockstraße, so halten wir uns leicht rechts und begeben uns bergan in ein Waldstück. Dort befindet sich auf einer Anhöhe eine mittelalterliche Ruine – Teil des Themenwegs „Gärten und Landschaft“. 1975 wurde der Komplex oberhalb des Bahnhofs Niederauerbach freigelegt. Es handelt sich um eine hochmittelalterliche Burganlage mit einem Kernbau, einer Zisterne, einem Turm und einem Graben innerhalb und außerhalb einer Umwallung. Diese Ruine gibt allerdings noch allerlei Rätsel aufgibt. Es mangelt an schriftlichen Quellen, die auch eine bessere Datierung als den Zeitraum Ende des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts zulässt. Dem Wanderweghinweis mit einem welligen roten W in Richtung Fasanerie folgen wir von nun an, ehe wir auf einem Waldlehrpfad mit zahlreichen Infotafeln unterwegs sind.

Eine einst hochmittelalterliche Burg unweit der Fasanerie

Eine einst hochmittelalterliche Burg unweit der Fasanerie

Unter uns liegt schließlich die Fasanerie mit den Grundzügen einer barocken Parkanlage. Hier hatte sich der polnische Exilkönig Stanislaus Leszczyński seinen Landsitz errichten lassen. Erst im 20. Jahrhundert entstand das heutige Hotel, das aus einem Ausflugslokal hervorging. Es handelt sich um das Romantik-Hotel Landschloss Fasanerie, in dem sich auch das Gourmetrestaurant Tschifflick befindet. Vor dem Hotel wurde in einer modernen Skulptur von Gernot Waldner der Polenkönig Stanislaus Leszczyńsky verewigt. Diese Arbeit zeigt den Monarchen, der vier Jahre lang in Zweibrücken im Exil lebte, als Wanderer.

Das Landschloss Fasanerie heute

Das Landschloss Fasanerie heute

Wilde Rosen
Gegenüber dem Hotelareal erstreckt sich auf einem Hang der Wildrosengarten, der auf Ideen des Gartenbaudirektors Oskar Scheerer basiert. Die ersten Wildrosenpflanzungen datieren auf das Jahr 1974. Der Eingang des Gartens ist mit Rosen berankt. Doch man findet auch Rhododendren, die seit 2002 in einem eigenen Gartenteil prächtig blühen – wenn auch nur im Mai und Juni.

Im Wildrosengarten - dort sind Rot- und Rosatöne vorherrschend - kann man sich an den leicht duftenden Blüten der „Duchesse d'Abrantes“ (1851) ebenso erfreuen wie an denen der „Jacques Cartier“ (1868). Rosenbögen sind in der Anlage ebenso wenig zu übersehen wie eine mächtige Sonnenuhr.

Anschließend an diesen Besuch werfen wir noch einen Blick auf eine nahe gelegene Streuobstwiese, auf der Grünspecht und Gartenrotschwanz zuhause sind. Danach bewegen wir uns auf der Fasaneriestraße talwärts ins Stadtzentrum von Zweibrücken.

Vor dem Zweibrücker Schloss: die „Hambacher Vorbotin“, eine Skulptur von Christiane Maether

Vor dem Zweibrücker Schloss: die „Hambacher Vorbotin“,
eine Skulptur von Christiane Maether

Ins Herz der Stadt
Wir passieren den Rosengarten und wenden uns nachfolgend nach links in eine Grünanlage, an deren Rand die Westpfalz-Halle und das Landesbibliothekzentrum stehen. Wir erblicken auf dem weiteren Weg die Heilig-Kreuz-Kirche, den drittältesten Kirchenbau der Stadt, ehe wir auf das Schloss stoßen. Zuvor jedoch kommen wir an einer Gedenktafel vorbei, die auf das Kleine Gefängnis verweist, das 1898 erbaut und 1945 weitgehend zerstört wurde. Hier wurden während der NS-Zeit Regimegegner inhaftiert. Vor dem Schloss mit vorspringenden Mittel- und Seitenrisaliten steht die von Christiane Maether 2008 gestaltete Hambacher Vorbotin, Symbol der Freiheit und des Kampfs für einen demokratischen Rechtsstaat. Am Schlossplatz stand – daran erinnert eine Texttafel – einst die herzogliche Porzellan-Manufaktur. Ein Kunstwerk aus Stahl – eine Arbeit von Gernot Waldner - ist am Rande des Schlossplatzes aufgestellt worden. Es ist ein Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung, wie man den unter dem torbogenartigen Kunstwerk im Boden eingelassenen „Schrifttafeln“ entnehmen kann. Auf diesen ist unter anderem zu lesen: „Kunst ist der Versuch, dem Stummen Sprache zu geben, dem Vergessen das Erinnern entgegenzusetzen, auf Trümmern Hoffnung zu pflanzen.“
Wir beenden unseren Besuch in Zweibrücken an der Alexanderkirche, die einst eine der bedeutendsten spätgotischen Hallenkirchen der Pfalz war. Erbaut wurde sie nach Plänen von Meister Philipp von Gemünd. Doch dessen Bau wurde zerstört und nach Vorstellungen des Zweibrücker Rokokomeister Christian Ludwig Hautt Mitte des 18. Jahrhunderts weitgehend wiederaufgebaut. Ein Wiederaufbau war auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs notwendig. Dieser erfolgte zwischen 1953 und 1955, allerdings unter starker Vereinfachung des einstigen Hallenbaus. Beton ist nunmehr sichtbarer Bestandteil dieses Sakralbaus.

Nordic Walking – kein Problem
Gibt es eigentlich noch ein Ort ohne Nordic-Fitness-Park? Auch die Rosenstadt bietet Parcours für Nordic Walking nebst Pauschalarrangements an. Drei Schwierigkeitsgrade von Leicht bis Schwer gibt es unter den vorhandenen Laufstrecken. Leicht ist die Luipoldrunde, die ebenso wie die mittelschwere Mariensteinrunde an der Fasanerie ihren Ausgangspunkt hat und durch waldiges welliges Gelände führt. Die schwierigste Tour ist die Tiefentalrunde (11,4 km), bei der 220 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Auch diese Tour beginnt nahe der Fasanerie.

Als Pedalritter unterwegs
Zweibrücken liegt am Pirminius-Radweg, der von Hornbach nach Wilgartswiesen führt. Auf der Strecke sind nicht nur in Pirmasens, sondern auch bei Thaleischweiler-Fröschen einige Höhenmeter zu meistern und auch unterwegs muss man mächtig in die Pedale treten. Der Radweg durchquert das Wirkungsgebiet des hl. Pirminius, der um 740 in Hornbach ein Kloster gegründet hatte. Pirmasens, die einstige Hochburg der deutschen Schuhindustrie, lädt heute Jung und Alt ins Science Center „Dynamikum“ ein, um in diesem Mitmach-Museum alles rund um das Thema  „Bewegung“ zu erfahren. In einem kleinen Schuhmuseum kann man sich über die Ursprünge der Pirmasenser Schuhindustrie informieren und einen Überblick über die Schuhmode der Vergangenheit gewinnen.

 

 

Weitere Informationen

Touristische Informationen
Kultur- und Verkehrsamt
Herzogstraße 1
66482 Zweibrücken
www.zweibruecken.de

Landgestüt
Gutenbergstraße 16
66482 Zweibrücken
http://www.landgestuet-zweibruecken.de/

Rosengarten
Rosengartenstraße
66482 Zweibrücken
http://www.zweibruecken.de/Rosengarten_Zweibr%C3%BCcken-3546.html

Anreise
Regionalbahn vom Hbf. Pirmasens zum Hbf. Zweibrücken

Flughafen Zweibrücken
Verbindung Berlin-Schönefeld nach Zweibrücken


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