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Jan van Eyck und das Geheimnis des Lamm Gottes

von Ferdinand Dupuis-Panther


Jan van Eyck:
Genter Altar, Anbetung des Lamm Gottes

INHALT

Einleitung
Meisterdiebe am Werk
Eine Beichte auf dem Sterbebett
Ein Diebstahl der besonderen Art
Ein Roman als Vorlage?
Eine Kopie ersetzt das Original
Die Suche nach den "Gerechten Richtern"
Ein Schrein für den Genter Altar
Zur Geschichte des Genter Altars
Der Genter Altar: Anlass für Interpretationen
Seltsame Interessenten
Praktische Tipps
Ein Meister und sein Meisterstück
Ein Meister seiner Zeit voraus
Lebensdaten von Jan van Eyck


Einleitung

Nicht nur die Herkunft des altniederländischen Tafelmalers gibt der Fachwelt bis heute Rätsel auf, sondern auch das ihm und Hubert van Eyck zugeschriebene Genter Altarbild in der St.-Bavo-Kathedrale. Zentralmotiv dieses Altars ist die Anbetung des Lamm Gottes. Dieses Altarbild gehört neben dem Turiner Grabtuch, der Bundeslade und dem heiligen Gral wohl zu den großen Geheimnissen in der Geschichte des Christentums, nicht nur weil seit 1934 eine der gestohlenen Bildtafeln bis heute nicht wieder aufgetaucht ist, sondern vor allem auch wegen der meisterlichen, naturalistisch anmutenden Malerei, der Brillanz des Ausdrucks, der genialen Komposition und Maltechnik und der versteckten Symbolik der Darstellung.


Meisterdiebe am Werk

Im Land Kommissar Maigrets ereignete sich vor Jahrzehnten der bisher wohl dreisteste Diebstahl in der Geschichte des Kunstraubs. In der Nacht vom 10. zum 11. April 1934 geschah es: Unter den Augen eines kleinen Ganoven - der unterwegs war, um seinen "eigenen Geschäften" nachzugehen, und dabei einen Lichtschein in der seit 19 Uhr geschlossenen Kathedrale erblickte - spielte sich der Raub zweier Tafeln des berühmten Genter Altars ab. Nachdem der Stadtganove sich der Kathedrale genähert hatte, sah er zwei Männer aus der Kirche kommen. Sie versuchten mit viel Aufwand, zwei Holztafeln in ihrem Chevrolet zu verstauen, der in der Kapittelstraat geparkt worden war. Neugierig ging der unerwünschte Augenzeuge auf die Männer zu. Um ihn schnellstens loszuwerden, gaben sie ihm einen Geldbetrag, der ihn zum Verschwinden bewegte und zur Verschwiegenheit verpflichtete. Dass es sich bei den Holztafeln um Teile des Genter Altars handelte, wusste unser Gelegenheitsdieb zu jenem Zeitpunkt nicht.


Ist die Bildtafel "Die gerechten Richter"
vielleicht im Genter Belfried versteckt,
der mit anderen flämischen Glockentürmen
zum UNESCO-Welterbe gehört?
Foto: Ferdinand Dupuis-Panther


Eine Beichte auf dem Sterbebett

Und auch wir wissen von diesem Diebstahl nur dank einer Beichte auf dem Sterbebett: Kurz vor seinem Tod gestand der aus Wetteren nahe Gent gebürtige Finanzmakler Arsène Goedertier seine Beteiligung am Diebstahl der Bildtafeln des Genter Altars, allerdings ohne genau zu verraten, wo sich die bis dahin unauffindbare Bildtafel der "Gerechten Richter" befindet. Nicht nur Hobby-Maigrets, sondern auch der ehemalige Genter Polizeikommissar Karel Mortier bemühen sich seither um Aufklärung des Falls.


Ein Diebstahl der besonderen Art

Doch wie trug sich dieser Diebstahl der Bildtafeln genau zu? Goedertier, ein rastloser Zeitgeist, der die Landung auf dem Mond voraussagte und Flugzeuge entwarf, konnte die Tafeln nicht alleine entwendet haben, wenn er denn überhaupt der Täter und nicht nur ein unfreiwilliger Mitwisser des Diebstahls war. Die Größe der Tafeln und die Schwierigkeit, sie aus dem Gesamtaltarbild zu lösen, erforderten wohl Helfershelfer. Außerdem mussten die Täter profunde Kenntnis von diesem Altarbild besessen und gewusst haben, dass nur zwei Tafel lose in einen Rahmen gesteckt waren, so dass man sie ohne Beschädigung herausnehmen konnte. Im Laufe der nachlässig geführten Untersuchung des Falls fand man alsbald zwei Mitbeschuldigte Goedertiers. Angeblich ließen sich die drei Täter in der Kathedrale einschließen, um die Tat zu begehen: Einbruchsspuren fand man an der Kathedrale nicht, Ausbruchsspuren wohl. Während Goedertier auf dem Sterbebett über den Aufbewahrungsort der Tafel der "Gerechten Richter" orakelte: "Sie ist für jedermann sichtbar, aber nur der Bischof kann sie an sich nehmen", schwiegen die beiden Mitbeschuldigten, deren plötzliches Ableben bis heute unerklärlich blieb. Statt das Ableben der drei tatsächlichen oder vermeintlichen Diebe polizeilich untersuchen zu lassen, befassten sich vier der höchsten Richter des Landes mit dem Fall, jedoch ohne Ergebnis. Im Zusammenhang mit diesem Diebstahl bot der damalige Justizminister dem König gar seinen Rücktritt an. Zufall oder Teil eines Komplotts? Und wenn es denn ein "von oben" geplanter Coup war, wie Befragungen naher Angehöriger der Verdächtigten nahe legen, welches Ziel wurde damit verfolgt?


Ein Roman als Vorlage?

Erinnert wird man bei diesem Diebstahl an die Romanfigur Arsène Lupin: Ein Meisterdieb trieb in der Fantasie von Maurice Leblanc ("Le monde d'Arsène Lupin") sein Unwesen. Sollte also der dreiste Genter Kunstraub gar nur die Nachstellung einer Romanhandlung sein? Und wenn ja: zu welchem Zweck?


Eine Kopie ersetzt das Original

Während die Tafel mit Johannes dem Täufer bald wieder in den Besitz der Kathedrale gelangte, ohne dass die Kirche auf die Forderungen aus 14 Erpresserbriefen eingegangen war, blieb die Suche nach den "Gerechten Richtern" bisher erfolglos. Wer die Taufkapelle besucht, um die "Anbetung des Lamm Gottes" zu sehen, erblickt nur eine 1943/44 angefertigte Kopie dieser unauffindbaren Bildtafel. Dass sie anfertigt werden konnte, ist u. a. der "Kapelle des Jodocus Vijd" (1829, Rijksmuseum Amsterdam), einem Gemälde von Pierre François de Noter, zu verdanken. Auf diesem Gemälde ist außerdem zu erkennen, dass ursprünglich eine gotische Steinarchitektur das Altarbild wie ein Baldachin überkrönt. Auch diese Bekrönung ist nicht mehr vorhanden.


Die Suche nach den "Gerechten Richtern"

hat bis heute kein Ende gefunden. Das Wohnhaus Goedertiers nahe der St.-Gertrud-Kirche in Wettern wurde auf den Kopf gestellt. Man ließ Wünschelrutengänger nach der Tafel suchen und trug 1990 gar eine Brücke ab, weil man in ihr die Bildtafel vermutete. Sechs Jahre zuvor war das Kriegsdenkmal in Melle zerlegt worden, aber auch hier keine Spur von den "Gerechten Richtern". Unermüdlich ist nach wie vor der Ex-Polizeichef Mortier: Er meint, dass man den Fußboden unter der Orgel abtragen müsse. Oder liegt das Versteck gar in der Krypta? Und zu alledem schweigt der Bischof beharrlich.


Ein Schrein für den Genter Altar

Der Genter Altar, auch als "Anbetung des Lamm Gottes" bekannt, befindet sich seit 1986 diebstahlgesichert in der Taufkapelle der St.-Bavo-Kathedrale (Sint-Baafskathedraal), eines prächtigen gotischen Kirchenbaus mit romanischer Krypta, der 1500 Taufkirche Kaiser Karls V. war. Ursprünglich stand der Altar in der Vijdt-Kapelle, ehe der Ansturm der Besucher und ein größeres Sicherheitsbedürfnis den Umzug an den heutigen Standort erzwang. Dieser Jan und Hubert van Eyck, vielfach aber nur Jan van Eyck zugeschriebene Altar lässt ein anderes in der Kirche vorhandenes Meisterwerk nahezu unbeachtet: "Der Einzug des heiligen Bavo" (1623) von Peter Paul Rubens.


St.-Bavo-Kathedrale in Gent
Foto: Ferdinand Dupuis-Panther



Hinter diesem Portal ein Juwel gotischer Malerei:
Die Anbetung des Lamm Gottes
Foto: Ferdinand Dupuis-Panther

Zur Geschichte des Genter Altars

6. Mai 1432
vermutlich Weihe des Altars in der Kapelle des Stifters Jodocus Vijd in der Kirche St. Johannes (St. Jan, später St. Bavo)

1517
In einer Reisebeschreibung eines Begleiters des Kardinals Luigi d'Aragona wird der Altar als "das schönste Werk der Malerei der Christenheit" erwähnt.

1521
Der Nürnberger Maler Albrecht Dürer besichtigt den Genter Altar und bezeichnet ihn als ein "überköstlich, hochverständig Gemäl".

1566-1586
Aus Furcht vor den Bilderstürmern verschwindet der Altar erst im Kirchturm, dann im Rathaus.

1781
Die Tafeln mit dem nackten Adam und der entblößten Eva müssen auf Befehl Kaiser Josephs II. wegen ihrer nach damaligen Geschmack vorhandenen Anstößigkeit entfernt werden.

1794
Vier Mitteltafeln werden von französischen Republikanern nach Paris verschleppt.

1821
Verkauf der Flügeltafeln ohne "Adam und Eva" nach Berlin

1861
"Adam und Eva" tauchen wieder auf und gelangen in den Besitz des Brüsseler Museums für Alte Kunst.

1920
Rückführung der Tafeln aus Berlin aufgrund des Vertrags von Versailles


Der Genter Altar: Anlass für Interpretationen

Das geschlossene Retabel, die Werktagsseite, umfasst zwölf Tafeln, die in drei Reihen angeordnet und überwiegend in Ocker und Braun gehalten sind. Gegenüber dieser eher schlichten Altarmalerei offenbart das geöffnete Retabel eine schwelgerische Farbigkeit. Man entdeckt prächtige Brokatgewänder aus purpurroter, grüner und brauner Seide - von Gold- und Silberfäden durchbrochen -, glänzende Edelsteine, aber auch funkelndes Gold. Und über allem thront Gottvater als Weltenrichter mit der Tiara auf dem Haupt und der Königskrone zu Füßen. Sicherlich offenbart der Etagen-Aufbau in der Auswahl der Bildmotive einen biblischen Kontext: Verkündigungsszene, Vertreibung aus dem Paradies, das himmlische Gloria und das mystische Lamm als Sinnbild der Kirche. Doch auf den zweiten Blick erkennt man kirchliche Würdenträger, die sich vom Lamm Gottes abwenden. Ist das Absicht? Wenn ja, wie ist diese Bildsprache zu deuten? In den vier Reitern meinen Kunsthistoriker Philipp den Kühnen, Ludwig von Male, Johann Ohnefurcht und Philipp den Guten zu erkennen, also Grafen von Flandern. Doch warum wurden gerade diese Adligen von Jan van Eyck verewigt? Schließlich sind auch die Ritter Christi, die Tempelritter, auszumachen, Angehörige eines mächtigen und reichen Ordens, der von Papst Clemens V. und dem französischen König Philipp dem Schönen 1307 verboten worden war. Beweist van Eyck durch seine Darstellung Sympathie mit diesem Orden?


Seltsame Interessenten

Diese eher verborgene Bildsprache war es auch, welche die SS mit der Abteilung "Ahnenerbe" auf den Plan brachte. Sie war besonders am Genter Altar interessiert, glaubte sie doch in ihm einen Schlüssel zum heiligen Gral zu finden. Zudem verstand sie sich als Erbe der Templer und der Deutschritter. Hitler selbst liebte die Pose des Ritters und Wächters des heiligen Grals, und so ließ er sich denn auch als Ritter im Harnisch porträtieren. Kein Wunder also, dass nach dem Überfall der Wehrmacht auf Belgien der direkte Vormarsch gen Frankreich teilweise unterbrochen wurde, um einen Umweg über Gent zu nehmen. Doch die Nazis kamen zu spät: Der Genter Altar war 1940 bereits auf dem Weg in den Vatikan. Dieses Unterfangen scheiterte am Kriegseintritt Italiens, so dass man das gotische Meisterwerk in den Südwesten Frankreichs transportierte. Es wird berichtet, dass die Nazis 7 000 französische Kriegsgefangene gegen den Altar eintauschen wollten und 1942 einen Oberstleutnant nach Gent abkommandiert wurde, damit er die Suche nach der verschwundenen Tafel der "Gerechten Richter" aufnahm - vergebens, wie wir heute wissen.


Praktische Tipps

Öffnungszeiten St.-Bavo-Kathedrale und Lamm Gottes

Öffnungszeiten der St.-Bavo-Kathedrale
1. April-31. Oktober Mo.-So. 8.30-18.00 Uhr, 1. November-31. März Mo.-So. bis 17.00 Uhr, geschlossen 1. Januar und Sonntagvormittag sowie an christlichen Festtagen vormittags und während der Gottesdienste
Eintritt: frei

Öffnungszeiten Lamm Gottes und Krypta
1. April-31. Oktober Mo.-Sa. und feiertags 9.30-17.00 Uhr. So. 13.00-17.00 Uhr, 1. November-31. März Mo.-Sa. und feiertags bis 16.00 Uhr, So. 13.00-17.00 Uhr

Postanschrift
Kerkfabriek van Sint-Baafskathedraal
Bisdomplein 1
B-9000 Gent
Tel.: 00 32 / (0)9 /2 25 16 26
Fax: 00 32 / (0)9 / 2 23 39 59


gent-van-eyck
Die Brüder van Eyck : Denkmal neben der
Sint-Baafs-Kathedrale

Foto: Ferdinand Dupuis-Panther

Ein Meister und sein Meisterstück

Sicherlich gehört die "Anbetung des Lamm Gottes" zu den Meisterwerken Jan van Eycks, der zwar nicht die Ölmalerei erfand, jedoch durch die Farbwahl und eine besondere Beimischung in den Firnis seinen Bildern einen besonderen Glanz verlieh. Die Komposition des zentralen Altarbildes gleicht in ihrer geometrischen Anordnung einem geschliffenen Diamanten. Ausgehend von der Sonne und den Sonnenstrahlen über die links und rechts des achteckigen Brunnens knienden und stehenden Figuren lässt sich eine Raute anlegen. Zentralpunkt ist der Altar mit dem auf ihm stehenden Lamm, dessen Blut in einen Kelch, Symbol für den heiligen Gral, rinnt. Horizontalen und Diagonalen ergeben sich aus der Anordnung der zum Altar Eilenden, darunter Propheten und Apostel, die heilige Ursula und ihr Gefolge, Reiter und kirchliche Würdenträger. Und ist unter ihnen nicht auch Jan van Eyck selbst, der Mann mit dem Turban, vielleicht aber auch sein Bruder, der Mann mit der Pelzkappe in der Nähe des turbangeschmückten Mannes, zu erblicken? Kunstgelehrte streiten sich trefflich darüber.


Ein Meister seiner Zeit voraus

Würde man in einem Ritt durch die Kunstgeschichte formale Vergleiche über Bildwerke unterschiedlicher Epochen mit dem Genter Altar anstellen, man wäre überrascht: Ähnelt nicht der wohlgeformte Kopf von Jodocus Vijd dem so genannten "Grünen Kopf" eines Priesters aus dem 1. Jh. v. Chr., der sich im Ägyptischen Museum in Berlin befindet? Es scheint, als gleiche die polierte Nacktheit der Eva, dargestellt auf der rechten oberen Bildtafel des Altars, der Gestalt eines ägyptischen Prinzen aus dem 14. vorchristlichen Jahrhundert, den man im Pariser Louvre bewundern kann. Was Manet und van Gogh mit lebendigem Pinselstrich Jahrhunderte später auf die Leinwand bannten, nahm van Eyck schon ein wenig vorweg: Nur als Tupfer sind bei ihm die Blüten angedeutet und mit einem Stöckchen zog er Grashalme in die noch feuchte Farbe. Der Glanz, durch den die Früchte in den Stillleben Cézannes so faszinieren, taucht bei van Eyck in der Darstellung der Juwelen auf: Ein weißer Strich auf den blauen Edelsteinen lässt uns das Funkeln der Edelsteine spüren, welche die burgundischen Gewänder der singenden Engel schmücken. Ein Engel trägt eine Mantelbrosche mit einem blauen, rechteckigen Edelstein. In ihn hat van Eyck die Spiegelung des gotischen Glasfensters in die feuchte Farbe geritzt. Wie das Spiel von Licht und Schatten um die Figuren beweist dies, dass das Altarbild bewusst auf den ursprünglichen Standort hin komponiert und entworfen wurde. Schaut man auf die Gesichter der Engel, so sieht man individuellen Gesichtsausdruck, erkennt aus der Mimik, welche Tonlage sie singen und ob es unter Anstrengung geschieht. Van Eycks paradiesische Landschaft gleicht einem botanischen Lexikon: Naturliebhaber können Palmen, Lobelien, Pinien, Mohn, Lilien, Basilikum und eine Fülle anderer Pflanzen unterschiedlicher Regionen erkennen.

Die Werktagsseite des Altars

Auch die geschlossene Werktagsseite, die man heute nicht betrachten kann, da unter dem Panzerglas nur die geöffnete Sonntagsseite mit der Dreieinigkeit über der Anbetung des Lamm Gottes zu sehen ist, verrät die Hand eines Meisters. Zwischen dem Stifterpaar stehen Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist, in Grau-in-Grau-Malerei eher Skulpturen gleichend. Im mittleren Mittelfeld des geschlossenen Flügelaltarbildes kann man durch zwei Bogenöffnungen eines Zwillingsfensters wohl gar einen Blick auf Gent erhaschen. Experten glauben, im Hintergrund das Anwesen der Brüder van Eyck an der Ecke Vogelmarkt/Koestraat zu erkennen, das 1828 abgerissen wurde.

Wer schuf den Genter Altar?

Bei aller Begeisterung für ein Meisterwerk, das in vielen Aspekten die Malerei der Folgezeit vorwegnahm, darf nicht unterschlagen werden, dass die Urheberschaft nicht vollständig geklärt ist. Vermutlich hat ein gewisser Hubert van Eyck das Altarbild begonnen. Man nimmt an, dass es sich dabei um den Bruder Jan van Eycks handelt; sicher ist dies allerdings nicht. Man vermutet außerdem, dass Jan van Eyck das Werk vollendet hat, so dass es oftmals ausschließlich ihm zugerechnet wird. Figurenunterschiede und Stilabweichungen legen nach Meinung einiger Kunstexperten das Gemeinschaftswerk der Gebrüder van Eyck nahe, so dass es nicht wundert, ihr Denkmal vor der Kathedrale zu entdecken.



Jan van Eyck:
Portät des Mannes mit der blauen Kopfbedeckung
Foto: Rumänisches Nationalmuseum
der schönen Künste, Bukarest

Lebensdaten von Jan van Eyck

um 1390 oder 1395
vermutlich in Maaseik geboren

1422-24
im Dienste Johanns III., Graf von Holland; Ausmalung der Residenz Johanns III. in Den Haag (Ausmalungen nicht mehr vorhanden!).

1425-29
als Hofmaler, Kammerherr und Diplomat in Diensten Philipps des Guten, Herzog von Burgund

1426
Reise nach Tournai und vermutlich Zusammentreffen mit Rogier van der Weyden und dem "Meister von Flémalle", zwei weiteren wichtigen Vertretern altniederländischer Malerei

ab 1430
Hof- und Stadtmaler in Brügge

1432
erstes signiertes Gemälde Jan van Eycks: "Timotheos" (National Gallery, London)

1433
"Der Mann mit dem Turban" (vermutlich Selbstporträt; National Gallery, London)

1434
"Die Hochzeit des Giovanni Arnolfini und der Giovanna Cenami" (National Gallery, London)

vermutlich 1435
"Die Madonna des Kanzlers Nikolaes Rolin" (Louvre, Paris)

1436
"Madonna des Kanonikus Georg van der Paele" (Groeningemuseum, Brügge)

1437
"Das Dresdner Triptychon" (Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden)

1439
"Maria am Lebensbrunnen" (Königliches Museum für schöne Künste, Antwerpen)

1441
Tod und Beisetzung in der heute nicht mehr vorhandenen St.-Donatian-Kirche in Brügge



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