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Australien

„Cook mal – Robin und Hilla 'down under'!“

Wie es sich für Große & Kleine in Australien reist

Tour 11: Von Perth nach Exmouth

Text und Fotos: Hilla Finkeldei

His Royal Highness – diesmal nicht Charles, sondern Leonhard!

Australien / WindradWir alle wissen, dass Australien noch immer eng verbunden mit dem englischen Königshaus und dem gesamten Empire ist. Wenn man nun von einer adligen Persönlichkeit erfährt, die man möglicherweise in Australien treffen kann, so denkt man an Edward und Sophie, an Andrew oder gar an Charles. Mit gaaaanz viel Glück darf man die Fähnchen ja auch mal bei einem offiziellen Empfang der Queen selbst schwingen. Doch nein, man kündigte mir an, ich könne Prince Leonhard treffen. Nun durchforschte ich mein Gedächtnis nach einem Angehörigen des englischen Königshauses mit eben diesem Namen, doch auch nach endloser Lektüre aller verfügbaren Klatschmagazine konnte ich mir darauf keinen Reim machen. Wir begaben uns dennoch auf den beschriebenen Weg und waren mehr als neugierig, was uns am Ziel, weit entfernt von jeglicher Metropole, erwarten würde. Am Rande des nördlichen Highways nach Kalbarri, auf dem man mehr tote Kängurus am Wegesrand sieht als Automobile auf der Straße, entdecken wir ein Schild: Hutt River Province. Ein Wegweiser, eine endlos scheinende Zufahrt, klapprige Häuschen, eingerahmt von großen Wassertanks und den typischen Windrädern, ein Post Office, ein Museum (Foto oben: Windrad als Wasserpumpe – das Wahrzeichen eines trockenen Landes).

Ganz und gar unabhängig: Hutt River Province

Der unbeugsame Herrscher über diese tatsächlich von Australien unabhängige Provinz in der Nähe des Kalbarri Nationalparks geriet mit der Regierung in einen heftigen Streit über die Weizenquoten und die damit verbundenen finanziellen Einbußen. Im Jahre 1970 erklärte er seine Besitztümer für losgelöst von Australien und erwarb die Unabhängigkeit. Mit circa 75 Quadratkilometern ist das Reich von His Royal Highness Prince Leonhard und seiner Frau Her Royal Highness Princess Shirley of Hutt dem Inselreich Hong Kong größenmäßig nahezu gleichgestellt und wer dieses vermeintliche Kuriosum belächelt, der mag an das wesentlich kleinere Monaco denken, das am äußeren Zipfel Frankreichs einen ebensolchen Status innehat. Obwohl vor Ort nur wenige Menschen wohnen, gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt ca. 13 000 Staatsbürger mit einem gültigen Pass der Hutt River Province, allein mit 75 Botschaftsangehörigen pflegen die Regenten diplomatische Kontakte. Man trägt die Unabhängigkeit wie eine Ritterrüstung, circa 500 Meter vom eigentlichen Zentrum des Anwesens lagert das Wasser in großen Speichern, altertümliche Generatoren sorgen für selbst erzeugte Energie, auf altmodische Weise autark erscheint der gesamte Besitz. Neugierige können eine lebensgroße Büste des Herrschers ebenso bewundern wie ihn selbst.

Australien / Büste
Büste von Prince Leonhard of Hutt

Stempel in den Pass

Da der Besucherstrom sich sehr in Grenzen hält, kommt Prinz Leonhard, jeansgewandet und auf dem Gelände in diverse Reparaturarbeiten vertieft, noch Hände schüttelnd seiner Gastgeberpflicht nach und zum Beweis des Besuches erhält man im kleinen Post Office einen Stempel des Anwesens in seinen Pass. Auf engem Raum kann man hier reichseigene Münzen und Briefmarken erwerben, die Staatsbürgerschaft beantragen oder die Ehrendoktorhüte des Prinzen bestaunen, der sich im Bereich der Physik durchaus einen Namen gemacht hat. Auch wenn unser Sohn etwas enttäuscht ist, dass ein echter Prinz nicht in Samt und Seide residiert („Mama, der trägt ja nicht mal ein Schwert!“) und kurz davor steht, das Betrugsdezernat über diesen vermeintlichen Scharlatan zu informieren, beeindruckt ihn zumindest die Größe des kleinen Königreichs („So weit du gucken kannst“), wenn auch nicht der „Hofstaat“ („Wo ist denn die Prinzessin? Ach die, die sieht aber alt aus…mindestens dreißig.“).

Australien / Straßenschild
Straßenschild zur Hutt River Province

Die Hutt River Province gibt es wirklich. Man findet sie ca. 25 Kilometer nördlich von Northhampton am West Coastal Highway – für mich war sie ein Beweis dafür, dass tief im Westen, ob in Bochum, Kalifornien oder am Indischen Ozean, der Traum von der kleinen Freiheit, und sei er auch noch so skurril, möglich bleibt.



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