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Ideal für Intensiv-Touristen

Die eigentliche City ist überschaubar und leer, in den Museen gibt es keine Schlangen, die Tierparks leisten sich kleine Grüppchen und jeder kommt beim Streicheln der Tiere zum Zuge. Als Tourist mit Kind kann ich die Weihnachtsferien daher ganz besonders empfehlen, denn während der Schulzeit der Australier sieht es da etwas quirliger aus. Da scheint es fast Pflicht zu sein, zumindest einen Wandertag in die Hauptstadt zu verlegen, um dem Nachwuchs vor Augen zu führen, dass hier und nicht in Sydney oder Melbourne das eigentliche Herz Australiens schlägt. Denn eigentlich hatten tatsächlich die Städtegiganten Melbourne und Sydney das Privileg der Metropole jeder für sich beansprucht.

Alles kam anders

Hilla Finkeldei hingegen versucht sich mit ganz eigenen Gedanken in die Welt des US-amerikanischen Architekten Walter Burley Griffin zu versetzen, der von 1913 bis 1935 in Down Under lebte und Canberra am Reißbrett entwarf. “Ich nehme an, dem Architekten ist Folgendes immer wieder durch den Kopf gegangen: Wie baue ich eine Stadt, die als Mittlerin zwischen Sydney und Melbourne auftreten soll? Ärger vermeiden, prächtig und nicht protzig sein, politische Mitbestimmung signalisieren und natürlich Repräsentant Australiens sein!” Über all diesen Überlegungen schwebte aber auch ein Maxime: Nur nicht anecken!

Der Kreis

Und eines schönen Tages, als sein Blick zunächst wieder gehetzt von Sydney im Nordosten nach Melbourne im Südwesten geschweift war und von dort über die andere Schulter zurück, da war die Idee geboren: Ein Kreis muss her! Nicht einer, nein, die ganze Stadt soll ein Kreis sein. Denn im Kreis setzt man sich zusammen, im Kreis ist keiner ausgeschlossen. Der Kreisel ist die Lösung. Wir machen’s weich und rund, integrativ und verbindend. Ja, das ist eine Botschaft! Diese Stadt soll Regierungssitz sein und Hauptstadt Australiens – wir umschließen das Land! Und so kam es, dass Canberra eine Anhäufung von bauchigen Formen wurde, verliebt in die äußeren und inneren Kreisverkehre und Blumenkübel. Australien / Canberra / FontäneSo quadratisch wie die meisten amerikanischen Reißbrettstädte, so rund und kurvig präsentiert sich die künstliche Alternative zu den beiden alteingesessenen Konkurrenzstädten der Antipoden.

Unverständnis der Kritiker

Meist hört man Ironisches über Canberras, Abwertendes. Von mir jedoch nicht. Darum verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Canberra ist wirklich schön! Der große Lake Burley Griffin, der – wiederum in kurviger Form und ein wenig dem Lauf der Themse nachempfunden – den “Wassergraben” für das Regierungsviertel bildet, glitzert in der Sonne. Eine große Fontäne schießt aus dem Captain Cook Memorial Jet (Foto) und begrüßt die Angestellten, die sich mittags gern an den Tischen im Commonwealth, Kings oder Stirling Park ein Päuschen gönnen. Geschichts- und bedeutungsträchtige Namen sind hier Usus. So gibt es zum Beispiel auch einen königlichen und einen föderalistischen Golfplatz. Ob man auch als unpolitischer Mensch die Mitgliedschaft erwerben kann? Oder muss man von einem Royal Committee zu diesen außerordentlichen Ehren am See oder am Red Hill berufen werden?



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