Urlaub an der Nordsee im ostfriesischen Norddeich

 

Norden - die eigentliche Stadt

 

Norden - Ludgerikirche auf dem Marktplatz

Die Ludgerikirche auf dem Marktplatz

Norddeich ist kein eigenständiger Ort, sondern ein Stadtteil von Norden. Die Stadt, die nur wenige Kilometer entfernt liegt und mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist, ist die älteste und mit 25.000 Einwohnern viertgrößte Stadt Ostfrieslands. 1255 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt und war im 14. Jahrhundert sogar Seehafen. Durch Eindeichungen bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie schließlich immer weiter vom Meer abgeschnitten und hat seit 1929 keinen direkten Seezugang mehr. Auf dem Marktplatz wird ein Teil der Stadthistorie offenbar. Die Ludgerikirche etwa ist die größte noch erhaltene mittelalterliche Kirche in Ostfriesland. Der Bau ihres Langhauses wurde bereits im 13. Jahrhundert begonnen. Von außen eher schmucklos, steht in der Kirche eine sehenswerte Orgel des zu seiner Zeit berühmten Orgelbauers Arp Schnitger aus dem 17. Jahrhundert. Das Instrument ist die zweitgrößte in Deutschland noch erhaltene Orgel des Instrumentenbauers. Sehenswert ist auch die Barockkanzel aus dem Jahr 1712.

Norden - die Bürgerhäuser De dree Süsters

Die Bürgerhäuser "De dree Süsters" und das Rathaus

Weitere Bauten wie die Bürgerhäuser „De dree Süsters“ (die „Drei Schwestern“) aus dem 16. und 17. Jh., ein Privathaus ebenfalls aus dem 17. Jh., das heute die Mennonitenkirche beherbergt, das ursprünglich um 1500 erbaute Vossenhus, ein Glockenturm aus dem 14. Jh. und schließlich das Alte Rathaus aus dem 16. Jh. machen den über sechs Hektar großen Marktplatz mit seinem Baumbestand zu einem attraktiven und geschichtsträchtigen Mittelpunkt der Stadt.

Norden - das Schöninghsche Haus

Das Schöninghsche Haus

Im Alten Rathaus ist heute das Ostfriesische Teemuseum Norden untergebracht. Tee hat in Ostfriesland eine lange Tradition. Hier wird nicht nur zehnmal mehr Tee getrunken, als in irgendeiner anderen Region Deutschlands, sondern hier wird auch Tee in größerem Stil gehandelt. Natürlich kann man den dann auch in zahlreichen Geschäften in der an den Marktplatz grenzenden Fußgängerzone kaufen oder trinken. Gleich in der Osterstraße steht mit dem Schöninghschen Haus aus dem Jahre 1576 wohl eines der schönsten Renaissance-Bürgerhäuser der ganzen Region. Überhaupt wirkt die Bummelmeile mit ihren kleinen Nebengassen und einigen ausgebauten alten Lagerhäusern sehr einladend. Geht man noch ein Stück weiter, gelangt man zum alten Hafen und zur Frisia-Mühle, einem vierstöckigen Galerieholländer, einer von drei noch in Norden verbliebenen Mühlen.

Norden - Frisia-Mühle

Frisia-Mühle

Ein Ausflug nach Emden

Der Wind fegt über den Deich und treibt feinen Nieselregen vor sich her. Angesichts des norddeutschen Schmuddelwetters verschieben wir unseren Inselausflug und fahren mit dem Zug nach Emden. Die Stadt an der Emsmündung ist auch wenn es nicht gerade regnet ziemlich wasserreich, denn abgesehen von den Häfen, ziehen sich rund 150 Kilometer zumeist künstlich angelegte Kanäle durch das Stadtgebiet.

denkbar.

Emden - Dat Otto Huus

Dat Otto Huus mit dem durch die Wand brechenden Ottifanten

So liegt das alte Rathaus ebenso am Wasser, wie Dat Otto Huus, in dem sich alles um das Schaffen des in Emden geborenen Komikers Otto Walkes dreht. Vor der Haustür dieses Eckhauses, im Ratsdelft, einem über Jahrhunderte bis ins 20. Jahrhundert regional wirtschaftlich bedeutenden Hafen, liegen heute Museumsschiffe wie das Feuerschiff „Deutsche Bucht“ und der Seenotkreuzer „Georg Breusing“.

Emden - Museumsschiffe im Ratsdelft

Museumsschiffe im Ratsdelft

Dass sich früher Kaufleute mit ihren Geschäften gerne in unmittelbarer Hafennähe ansiedelten, zeigen zwei Kaufmannshäuser aus dem 16. Jh. in der nachweislich ältesten Straße der Stadt, der Pelzerstraße. Die Renaissance-Häuser im niederländisch-flämischen Stil gehören zu den wenigen in der Altstadt, die den Bomben im Zweiten Weltkrieg nicht zum Opfer gefallen sind. Ob eines der so genannten Pelzerhäuser tatsächlich von einem Pelzhändler oder vielleicht von einem Gerber bewohnt wurde ist nach Funden, die bei Renovierungsarbeiten in den Kellerräumen zutage gefördert wurden, durchaus denkbar.

Emden - Kaufmannshäuser aus dem 16. Jh. in der nachweislich ältesten Straße der Stadt, der Pelzerstraße

Kaufmannshäuser aus dem 16. Jh. in der Pelzerstraße

Bei Kunstinteressierten weit über Stadtgrenzen hinaus bekannt ist die Kunsthalle Emden. Zu verdanken ist der Bau aus rotem Backstein und Glas Henri und Eske Nannen. Seit 1986 beherbergt die Kunsthalle vor allem die Kunstsammlung des STERN-Gründers, wobei es sich vorwiegend um Werke der klassischen Moderne handelt. Zur Jahrtausendwende kam die Schenkung des Münchner Galeristen Otto van de Loo mit Kunst nach 1945 hinzu. Damit bildet Kunst des 20. Jh. bis heute den Mittelpunkt der Sammlung. Wechselnde Sonderausstellungen sorgen regelmäßig für überregionales Interesse und bringen Menschen in die Stadt. Uns steht allerdings gerade nicht der Sinn nach Kunst und so machen wir uns nach einem Bummel durch die angrenzende Innenstadt auf zurück zum Bahnhof.

Emden - Kunsthalle

Blick auf die Kunsthalle in Emden

Reif für die Insel

Die Sonne strahlt, als wäre das Wetter nie anders gewesen und macht das Schietwetter vom Vortag vergessen. Also steht einem Inselausflug nichts mehr entgegen. Da wir auf Juist schon waren, entscheiden wir uns für Norderney, übrigens mit 25 Quadratkilometern die zweitgrößte der ostfriesischen Inseln. Dichtes Gedränge herrscht an der Gangway zur Fähre und auch die teilweise offenen Personendecks über dem Parkdeck sind schon gut gefüllt. Die Überfahrt dauert rund eine Stunde, da die Schiffe nicht direkt fahren, sondern sich an eine bestimmte Route halten müssen, die fast wie in einer Schlangenlinie durch das Wattenmeer führt. Der Grund dafür offenbart sich bei Ebbe, denn dann taucht an vielen Stellen der Meeresboden aus dem Wasser auf und die schmale Fahrrinne wird zu der einzigen Stelle im umliegenden Watt, an der die Schiffe noch genug Wasser unter dem Kiel haben. Das ist dann auch die Zeit, zu der man mit Glück Seehunde auf den Sandbänken liegen sehen kann, was jedes Mal für Begeisterung unter den Passagieren sorgt.

Norddeich - Seehunde auf einer Sandbank im Watt

Seehunde auf einer Sandbank im Watt

Norderney ist nur zweieinhalb Kilometer breit und das auch nur an der breitesten Stelle. Wenngleich es gute Busverbindungen und auch einen Fahrradverleih direkt am Schiffsanleger im Süden der Insel gibt, kann man bequem per Pedes an den Sandstrand an der Nordseite gelangen und dabei noch einen kleinen Abstecher in den Hafen machen. Eigentlich kann man den Strand gar nicht verfehlen, ist er doch insgesamt 15 Kilometer lang und einfach traumhaft. Wer lange Strandspaziergänge liebt und nicht nur in der Sonne schmurgeln will, kommt hier voll auf seine Kosten. Wobei man sich in den Entfernungen auch leicht mal vertun kann, denn die optische Nähe täuscht am flachen Strand mitunter und das Laufen im Sand ist kräftezehrend. Die eine oder andere Flasche Wasser im Gepäck kann also nicht schaden, besonders wenn die Sonne vom Himmel brennt. Spätestens dann ist auch die Zeit reif für eine gute Portion Sonnencreme, denn durch die Spiegelung des Sonnenlichts auf dem Wasser steigt die Intensität der Sonneneinstrahlung und zum Brand im Mund gesellt sich flugs der auf der Haut.

Norderney - Blick auf den Strand

Blick auf den Strand von Norderney

Der Appetit zieht uns schließlich in den Ort Norderney in eines der Cafés an der Promenade, wo man bei einem kleinen Happen mit Blick auf die Nordsee in der ersten Reihe sitzt. Für ein Mehr an Überblick über die Insel und ein Weniger an Körperfett bietet sich in direkter Nachbarschaft die Georghöhe, eine Erhebung in der Landschaft mit angelegtem Zugangsweg, an. Von hier reicht der Blick weit über die Insel und bietet die Möglichkeit, sich das nächste Besichtigungsziel oder die nächste Radelroute auszugucken. Unser Ziel ist klar, wir müssen zurück zum Schiff , bevor wir auf der Insel übernachten müssen.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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