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Alhambra: Palacio Real (Königspalast)

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Zunächst gelangt man in den Axuar, die Audienzhalle, in der auch Recht gesprochen wurde. In christlicher Zeit mehrfach umgebaut, ist sein ursprüngliches Aussehen weitgehend verändert worden. Eine Galerie wurde eingezogen, die Kacheln an der Wand stammen aus dem 16. Jh., neben kufischen Schriftbändern ist auch das Wappen Karls V. zu entdecken. Am Ende des Saales befindet sich eine reich verzierte und mit Inschriften versehene Gebetsnische (mihrab), von der Balustrade aus kann man auf das Tal des Darro blicken.

Der kleine Patio de Mexuar mit einer Wasserfontäne in der Mitte schließt sich an. Er ist begrenzt von reich verzierten Fassaden mit filigraner Stuckornamentik und farbiger Marmor- und Azulejoverkleidung in warmen Tönen. Zur einen Seite öffnet sich der Hof über drei Bögen und einen Vorraum zum sog. Goldenen Zimmer (Cuarto Dorado) im Norden, dessen Ausstattung hauptsächlich aus dem 16. Jh. stammt, der jedoch durch seinen mudejaren Stil nicht völlig aus dem gesamten Erscheinungsbild herausfällt.

Andalusien: Alhambra in Granada

Blick auf das Goldene Zimmer

Gegenüber kennzeichnen zwei farbig eingerahmte Türen den Weg zum Myrtenhof (patio de los Arrayanes), dem zentralen Hof des Serail. Wir sind nun in dem Teil des Palastes angelangt, der von den christlichen Herrschern zum Glück nicht mehr verändert wurde und der am deutlichsten den Glanz orientalischer Palastarchitektur atmet. Zentrum des 37 mal 23 Meter großen Hofes ist ein Wasserbecken. Während die Längsseiten der begrenzenden Fassaden relativ nüchtern gehalten sind – sieht man von den reich verzierten Türen, Fenstern und Nischen einmal ab – sind die Schmalseiten umso verschwenderischer gestaltet. Doch keine barocke Überladung macht sich hier geltend, alles erscheint luftig, grazil, fast schwebend. Ein geschicktes Spiel mit Wasser, Licht und Schatten macht beständig Neues sichtbar. Die Faszination wird nicht durch Konzentration auf ein herausragendes Kunstwerk im Zentrum erreicht, sondern durch eine durchgehend elegante Gestaltung, die das Auge immer wieder neue Details entdecken läßt, wobei sich die Gestaltungsvielfalt jedoch im Unendlichen zu verlieren scheint. Die Unendlichkeit des Ornaments, seine Unfassbarkeit als Ganzes, entspricht der islamischen Gottesauffassung. Das Auge – und damit der Geist – schweift umher, ohne sich an einem der Details festzubeissen, frei für die Konzentration auf das Wesentliche, die Anbetung Allahs. Nach Süden hin sieht man den Palast Karls V., davor sieben halbkreisförmige Bögen über einer Säulenhalle mit Kuppeln, darüber eine Fensterreihe mit einer weiteren bogenverzierten Arkade.

Andalusien: Alhambra, patio de los Arrayanes (Myrtenhof)

Der Myrtenhof (Patio de los Arrayanes)

Über die nördliche Stirnseite ragt der mächtig Torre de Comares heraus, in den man durch ein Vorhalle, die Sala de la Barca, gelangt. Hier mussten die Besucher warten, bevor sie den Thronsaal betreten durften. In diesem Sala de Embajadores, Empfangssaal für die Gäste des Königs, erreicht die filigrane Ausschmückung einen ersten Höhepunkt. Der quadratische Saal mit 11 Meter Seitenlänge und einer Höhe von 18 Metern ist über und über mit feinsten Stuck- und Holzarbeiten verziert, die Vielfalt der Ornamentik ist schlicht überwältigend, Inschriften, Pflanzenmuster und geometrische Linien und Kurven wechseln sich harmonisch ab. Vermutlich war der Eindruck einst noch intensiver, da der Stuck früher bemalt war.

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