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Tipp Nr. 6

Frühkeltischer Fürstensitz Heuneburg (Hebertingen)

Auf einem Plateau über der Donau befand sich einst ein keltischer Fürstensitz namens Heuneburg. Dabei handelte es sich um das älteste massive Bauwerk aus Lehm nördlich der Alpen. Was wir heute sehen ist jedoch nicht das Original, sondern eine Rekonstruktion. Auch die beiden nahe gelegenen Grabhügel 1 und 2 wurden in den 1990er Jahren rekonstruiert. Die Herausforderung, in der Südostecke des Bergplateaus die Heuneburg zu rekonstruieren, konnte zwischen 1998 und 2001 gemeistert werden.

Frühkeltischer Fürstensitz Heuneburg (Hebertingen)

Das bestehende Freilichtmuseum Heuneburg wurde am historischen Ort eingerichtet. Der Name „Heuneburg“ tauchte erstmals im Mittelalter auf, hat also keinen Bezug zur keltischen Geschichte des Ortes. Wahrscheinlicher ist der Name „Pyrene“ für die frühgeschichtliche Höhensiedlung am Oberlauf der Donau, die es vermutlich an dieser Stelle gab. 5000 Menschen, so viele Einwohner hatte laut Herodot Pyrene, konnten wohl nicht auf dem Plateau untergebracht werden. Daher muss man sich eine große Außensiedlung um die Heuneburg herum vorstellen. Von dieser Siedlung kennt man bisher aufgrund von Grabungen etwa 100 ha.

Frühkeltischer Fürstensitz Heuneburg (Hebertingen)

Die keltische Gehöftsiedlung auf der Heuneburg, deren Rekonstruktion wir besuchen, datiert aus der Zeit um 620 vor unserer Zeitrechnung. Ein nachfolgender verheerender Brand – darauf weisen die gesicherten Brandschichten hin – vernichtete den Fürstensitz und die Außensiedlung. Statt der ursprünglich dichten Bebauung der Heuneburg erfolgte ein Wiederaufbau in lockerer Bebauung, während man die Außensiedlung komplett aufgab. Erst im frühen Mittelalter ließen sich nach Aufgabe der Keltensiedlung hier erneut Menschen nieder. Doch dies fand 1200 sein Ende. Seither blieb das Plateau unberührt – ein Glücksfall für die Archäologen, die erstmals 1871 Grabungen durchführten. Dabei fand man u.a. Bronzekessel und goldene Armreife.

Nur ein Drittel der bestehenden Bebauung ist bisher überhaupt nachgewiesen worden, sodass man heute auch nur einen kleinen Ausschnitt der Bebauung zeigen kann. Neben der auf einem Steinsockel errichteten Lehmziegelmauer und dem sogenannten Donautor – sie stammen aus der ersten Bebauung der Heuneburg – hat man auch das Haus der Fürsten sowie Werkstatthäuser und Speicher wieder errichtet.

Frühkeltischer Fürstensitz Heuneburg (Hebertingen)

Die überdachte, etwa 80 Meter lange Lehmziegelmauer diente einst der Verteidigung der Heuneburg und war daher mit einem Wehrgang ausgestattet. Vom Bau her war diese Verteidigungsmauer mit an der Luft getrockneten Lehmziegeln für diese Gegend untypisch und eher dem Mittelmeerraum zuzuschreiben. So steht bis heute die Frage im Raum, warum sich hier eine derartige Bauweise jenseits der Alpen etablieren konnte.

Informationen

Heuneburg
www.heuneburg.de

 

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