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Reiseführer Rom


Diokletiansthermen

Der großflächige Komplex antiker öffentlicher Badeanlagen in Sichtweite der Stazione Termini trägt den Namen des Diokletian, eines bedeutenden Reformers auf dem römischen Kaiserthron. Hierzulande ist er eher bekannt als Initiator der letzten großen Christenverfolgungen. Er teilte das römische Riesenreich in vier Präfekturen auf und führte damit die Tetrarchie, die „Vierherrschaft“, als neue Regierungsform ein. Er hatte die Erfahrung machen müssen, dass ein Herrscher allein nicht mehr alle Reichsteile und Grenzregionen unter Kontrolle halten konnte. Zu seinen drei Mitregenten zählte Maximianus Herculius, kurz: Maximian. Er war der eigentliche Bauherr der Thermen. Nach seinem siegreichen Feldzug in Nordafrika gab er im Jahr 298 n. Chr. den Bau in Auftrag und widmete ihn anlässlich der Einweihung im Jahr 306 seinem alten Freund und Kampfgefährten Diokletian.

In der Stiftungsinschrift heißt es: Unsere Herren Diocletianus und Maximianus (…) haben ihren lieben Römern die glückbringenden Diocletiansthermen geweiht, die Maximianus Augustus nach seiner Rückkehr aus Afrika (…) plante und zu bauen befahl und die er dem Namen seines erhabenen Bruders Diocletianus weihte, nachdem er den Grund und Boden für ein so gewaltiges Unternehmen aufgekauft hatte und den Bau mit all seinem üppigen Schmuck vollenden ließ (…).


Mittelalterliche Quellen sprechen von 40.000 zwangsverpflichteten Christen, die den Bau errichtet haben sollen. Seine Grundfläche erreichte 141.000 m². Damit war er mit Abstand nicht nur die größte Thermalanlage Roms, weltweit erreichte kein anderes antikes Badeparadies seine Ausmaße. 3.000 Gästen, so vielen wie in keiner anderen Badeanlage, bot sie gleichzeitig Platz (die Caracalla-Thermen fassten „nur“ 1.500 Besucher gleichzeitig). Das neue Prunkstück war überfällig, denn die verwöhnten Großstädter wollten bei Laune gehalten werden. Ältere Badeanstalten wie die Thermen Neros und Trajans und selbst die Thermen des Caracalla hatten schon wiederholt wegen angeblicher Mängel Missfallen hervorgerufen. Freilich sollte das gehobene Badevergnügen nicht allzu lange währen, geriet die Metropole am Tiber doch im Verlauf der Völkerwanderung immer häufiger ins Fadenkreuz vordringender germanischer Stämme, so 410, als die Westgoten unter Alarich Rom eroberten und plünderten oder 455 mit dem Überfall der Vandalen unter Geiserich, die ganze 14 Tage plündernd durch Rom zogen. Noch schlimmer gebärdeten sich die Ostgoten mit ihrem Anführer Totila. Während ihrer Belagerung zerstörten sie im Jahr 537 die in die Stadt führenden Aquädukte, was das abrupte Ende der großen Thermen bedeutete.

Die einst prachtvollen Bade- und Vergnügungsparks Roms verkamen zu Steinbrüchen, wo man sich bequem mit Baumaterial eindecken konnte, Säulen und Marmorverkleidungen, Reliefs und Skulpturen entführte und damit Kirchen und Paläste ausschmückte. Bald war das Gelände der Diokletiansthermen mit wild wuchernder Vegetation bedeckt, Tiere siedelten sich an und Roms Adel traf sich hier zur Jagd. Andere nutzten einen noch überdachten Gebäudeflügel als Reithalle. Die zunehmende Verwahrlosung der Stätte rief Papst Pius IV. auf den Plan. Er übertrug die Thermen 1561 an den Karthäuser-Orden von Santa Croce in Gerusalemme und wenig später begann der hochbetagte Michelangelo mit der Umwandlung des gut erhaltenen Frigidariums (Kaltbad), das gerade noch als Reithalle gedient hatte, in die Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri (im Grundriss grau eingezeichnet). In anderen Räumen wurden Getreide- und Ölspeicher eingerichtet und die Karthäuser-Mönche erhielten nach einem kleinen noch einen großen Kreuzgang. Zuvor hatte Papst Sixtus V. einige Thermengebäude mit Sprengstoff beseitigen und viel Baumaterial abtransportieren lassen, um seiner Schwester den Bau eines Palazzo und der Santa Maria Maggiore die Errichtung der Krippenkapelle zu ermöglichen. Als 1889 das Kloster aufgelöst wurde, zog das Museo Nazionale Romano mit dem Thermenmuseum in die leerstehenden Räume ein. Es ist heute Teil einer der bedeutendsten Antikensammlungen der Welt.

Die gewaltigen, aus Ziegelsteinen erbauten Thermenhallen ähnelten stark den rund 200 Jahre früher entstandenen Thermen des Trajan, von denen nur wenig erhalten ist. Nach ihrem Vorbild wurden auch die Caracalla-Thermen errichtet. Gemeinsam ist den drei großen Thermen die Anordnung einer Mittelachse mit den hintereinander liegenden Badesälen, die auf beiden Seiten flankiert werden von Nebenräumen und Sportanlagen. Anders als die imposanten Bauten Caracallas am Osthang des kleinen Aventins sind die großen Haupträume der Diokletiansthermen aber niemals eingestürzt. Sie wurden von namhaften Architekten der Renaissance eifrig unter die Lupe genommen, durch Nachnutzung erhalten und später auch in die städtische Bebauung eingebunden. Leider gibt es in der Nähe keinen erhöhten Aussichtspunkt, um einen Überblick über die Anlage zu gewinnen, die immerhin ein ganzes Stadtviertel bedeckt. Die ursprüngliche Umfassungsmauer bildete ein Viereck, nur an der Südwestseite beschrieb sie einen riesigen Halbbogen, die Exedra, wohl ein Ort der Begegnung, vielleicht eine Freiluftbühne? Die im Halbkreis gebauten modernen Gebäude an der Piazza della Repubblica geben exakt den Verlauf der antiken Mauer an dieser Stelle wieder. Der Najaden-Brunnen im Zentrum der Piazza liegt gegenüber dem Portal der von Michelangelo geschaffenen Basilika Santa Maria degli Angeli. Hier betritt man heute das Thermengelände.


Der Eingang (1) für Besucher der Badeanlagen lag früher auf der gegenüberliegenden Seite. Neben dem Eingangsraum (2) befand sich das Apodyterium (Umkleideraum 3), von dem man sich zum großen Schwimmbecken (Natatio 4) begab. Ihm schloss sich das Kaltbad/Abkühlraum (Frigidarium 5) an im zentralen Saal der Anlage mit den seitlich liegenden Sportplätzen (Palästra 6). Deutlich kleiner war das nun folgende Warmbad (Tepidarium 7), ein kreisrunder Bau mit zwei großen quadratischen Nischen. Schließlich führte von hier ein Durchgang zum Heißbad (Caldarium 8), das heute größtenteils verschwunden ist, mit drei Badebecken in den Apsiden und vier an den Langseiten neben den Apsiden. Die Apside zum Tepidarium bildet heute das bogenförmige Portal der Basilika.

Geht man auf dem Viale Einaudi (9, im Grundriss gestrichelt) um die Südecke der Anlage herum und folgt dann einige Dutzend Meter dem Viale Enrico de Nicola (10), liegt vor dem kleinen Giardino (Garten) dei Cinquecento (11), den rechts gut erhaltene Exedren an der Umfassungsmauer (12) begrenzen, der Eingang zum Thermen-Museum (13) und dem von Michelangelo entworfenen phantastischen Kreuzgang/Kreuzgarten (14). Er birgt ein überaus reichhaltiges Steindepot antiker Bauskulptur – Statuen und Kapitelle, Säulen und Friese, Reliefs und Inschriften.



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