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Reiseführer Rom


Fontana delle Naiadi (Najaden-Brunnen)

"Auf dem Platz vor der Kirche erhebt sich ein großer Brunnen, den die Stadtverwaltung 1901 mit einigen höchst anstößigen und skandalösen Bronzefiguren ausschmückte. Kein guter Christ würde sie betrachten und sogar ein Ungläubiger mit nur etwas Selbstachtung würde sich entrüstet abwenden", befand der Jesuit Peter Joseph Chandlery in „Pilgrim-walks in Rome. A guide to its holy places“, der 1903 in London und New York erschien. Er war nicht der Einzige, der sich empörte. Aus Kreisen römischer Stadträte, die die Statuen am liebsten entfernen lassen wollten, war zu hören Nicht die Nacktheit in der Kunst beleidigt uns, sondern die Posen und der Ausdruck. Die „lasziven Posen“ waren in aller Munde, Schaulustige umlagerten den Brunnen.

Mussolini dagegen bewunderte das Ensemble, pries es als eine „esaltazione dell`eterna giovinezza“, eine Verherrlichung der ewigen Jugend, und sah in ihm „un primo saluto d`arte della capitale“, einen ersten Gruß der hauptstädtischen Kunst. Längst hat sich die Aufregung gelegt und der Brunnen mit seinen freizügigen Mädchen, die sich mit merkwürdigen Wasserkreaturen vergnügen, gilt heute als eines der wenigen bemerkenswerten Werke der Belle Époque und des Art Nouveau in Rom.


Ihr Schöpfer war Mario Rutelli, ein Bildhauer aus dem sizilianischen Palermo, der auch Garibaldis Gefährtin Anita auf dem Gianicolo hochdramatisch in Bronze verewigte – auf galoppierendem Pferd mit wehendem Haar, im linken Arm ein kleines Kind, in der hoch erhobenen rechten Hand eine Pistole. Als Modelle engagierte Rutelli zwei Mädchen, Zwillinge, die sich als Darstellerinnen in Varietés versucht hatten. Seine amourösen Abenteuer mit dem Duo sollen Stadtgespräch gewesen sein. Sehr viel später, so will es eine anrührende Geschichte, reisten sie – nun schon ältere Damen – regelmäßig nach Rom, besuchten den Brunnen und ergingen sich in Erinnerungen an die Zeit, als sie noch jung und schön waren und auch Rutelli machte sich bis ins hohe Alter auf den Weg nach Rom, um die Zwillinge zu treffen und zum Essen auszuführen.

Nach misslungenen Restaurierungsversuchen wirken die bronzenen Najaden ein wenig ramponiert und auch ihre einst berüchtigte „laszive Attitüde“ wirkt heute etwas abgestanden, jedenfalls „faintly erotic“, kaum erotisch, wie der englische „Blue Guide“ kürzlich feststellte. Die zehn Jahre nach der Einweihung des Brunnens in seiner Mitte aufgestellte Figur des griechischen Meeresgottes Glaukos symbolisiert die Fähigkeit des Menschen, widrige Naturkräfte besiegen zu können. Und um ihn herum gruppieren sich die wasserbesprühten, glitzernden Nymphen, jede beschäftigt mit einem Tier, das an ihre jeweilige Lebenswelt erinnert: die Najade der Seen mit einem Schwan, die der Flüsse mit einem Wasserungeheuer, die Nymphe der unterirdischen Gewässer liegt auf einem Drachen und ein (See)pferd, Sinnbild des Meeres, wird von der Najade der Ozeane gebändigt.



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