Zakynthos

Eine Insel im Zeichen von Caretta caretta

Text und Fotos: Stephan Eigendorf

 

Zakynthos, Ionische Inseln, Griechenland - Kaktusblüte

Zakynthos? Hm, hört sich irgendwie ... griechisch an. Diese Feststellung bedarf einer weiteren Erklärung, das macht mir der fragende Gesichtsausdruck meines Gegenüber deutlich. Ja, genau. Zakynthos ist nach Kefalonia und Korfu die drittgrößte der Ionischen Inseln im gleichnamigen Meer und gehört zu Griechenland. Auch wenn jedes Jahr weit mehr als eine Million Touristen die auf italienisch Zante genannte Insel besuchen, ist sie vielen Reisenden offenbar unbekannt.

Zakynthos, Ionische Inseln, Griechenland - Insel bei Agios Sostis

Bei Hochzeitspaaren beliebt: kleine Insel bei Agios Sostis

Begibt man sich im Netz auf Bildersuche zu der 406 km² großen Insel, stößt man vor allem auf ein sehr häufig wiederkehrendes Motiv, das von verschiedenen Fotografinnen und Fotografen im Laufe der Jahre aus einem ähnlichen Winkel abgelichtet wurde: die Bucht Navagio an der nordwestlichen Küste. Alles Schrott, oder was? Nun, das liegt im Auge des Betrachters und von denen gibt es zur Saison reichlich, ob nun mit oder ohne Kamera. Tatsache ist jedenfalls, dass das vor sich hin rostende Wrack des Küstenmotorschiffs „Panagiotis“ zum Wahrzeichen von Zakynthos geworden ist.

Zakynthos, Ionische Inseln Griechenland - Schiffswrack in der Schmugglerbucht, Navagio

Wrack des Küstenmotorschiffs „Panagiotis“ in der Navagio-Bucht

Das liegt sicherlich einerseits an dem Ambiente, das sich den neugierigen Blicken von der kleinen, nur wenige Quadratmeter großen Aussichtsplattform an einer Felskante in schwindelerregender Höhe bietet. Von hier scheint das Wrack am Ende der kleinen, früher „Agios Georgios“ genannten Bucht auf feinstem Sandstrand zu liegen und sanft rollen die Wellen des in der Sonne türkis leuchtenden Meeres am Ufer aus. Der Szenerie, in der die sichtbare Vergänglichkeit der Dinge auf die schroffe Schönheit der Natur stößt, wohnt eine gewisse Ästhetik inne, der man sich selbst aus nächster Nähe kaum entziehen kann - auch wenn sich der Sandstrand als recht kiesig entpuppt. Der Anblick ist so anziehend, dass manch eine Touristin oder ein Tourist für einen besseren Blick oder das bessere Foto die eigenen Fähigkeiten als zweibeinige Bergziege abseits aller erlaubten Pfade bis an die Grenze zum Selbstmörderischen austestet. Als braver Inselbesucher schießt man die Warnungen natürlich nicht in den Wind und reiht sich ordentlich in die oft lange Schlange der Wartenden vor der Plattform ein. Da bleibt Zeit genug, sich die waghalsigen Aktionen der wenigen Mitmenschen aus genügend Abstand anzusehen, bis sich einem die Nackenhaare sträuben. Leider haben schon in der Vergangenheit Leichtsinnige etwa für das ersehnte Selfie mit ihrem Leben bezahlt, als sie unrettbar in die Tiefe stürzten.

Zakynthos, Ionische Inseln Griechenland - Schiffswrack in der Schmugglerbucht, Navagio

Besucherandrang in der Schmugglerbucht

Die Faszination für den rostigen Stahlhaufen wird andererseits auch durch die Geschichte befeuert, die dem schon damals nicht ganz taufrischen Frachter in dieser einsamen Bucht im Jahr 1980 das Ende seiner eigentlichen Bestimmung bereitet hat. Es war stürmische See und der Mannschaft war die Küstenwache auf den Fersen, als die Maschine den Dienst versagte. Bevor die Crew das Schiff aufgab, ließ sie die Landung über Bord gehen, illegale Zigaretten. Man sagt, nichts davon sei offiziell je wieder aufgetaucht, sondern von Insulanern geborgen und versteckt worden. Bis zum heutigen Tag sollen Glimmstängel aus den Beständen in Rauch aufgehen. Nun, Geschichten eben, die die Faszination für die Schmugglerbucht eher nur erhöhen.

Zakynthos, Ionische Inseln, Griechenland - Blue Caves

Blick in die Blue Caves

In die Bucht selbst gelangt man nur vom Wasser aus. Nahezu überall auf Zakynthos werden organisierte Boots- bzw. Schiffstouren dorthin angeboten, Badestopp inklusive. Inbegriffen im Programm der meisten Touren ist auch ein Besuch der Blue Caves, die praktischerweise auf der Route der Schiffe vom Hafen der im Osten gelegenen Hauptstadt Zakynthos zur Navagio-Bucht kurz vor der Nordspitze der Insel liegen. Und es sind nicht nur diese, wenn auch die größten, die sich an der felsigen Küste im Nordosten von Zakynthos aneinanderreihen. Was diese Höhlen so sehenswert macht, sind weniger geologisch einzigartige Besonderheiten, sondern vor allem das Sonnenlicht, das vom flachen hellen Meeresboden reflektiert wird, damit das glasklare Wasser türkis oder blau leuchten lässt und die Caves in Szene setzt.

Zakynthos, Ionische Inseln, Griechenland - Badestopp vor den Höhlen auf Marathonissi

Eines der größeren Ausflugsschiffe bei einem Badestopp vor den Höhlen auf der Insel Marathonissi

Die Höhlen hier, nur wenige Kilometer Wasserlinie von der Nachbarinsel Kefalonia entfernt, sind nicht die einzigen auf Zakynthos. Regelmäßig werden von Ausflüglern auch die Höhlen von Keri und auf Marathonissi im Inselsüden angefahren. Bucht man eine Tour bei einem der kleineren Anbieter vor Ort, etwa in Agios Sostis in der Bucht von Laganas, bekommt man oft mehr für’s Geld. Bis zu acht Gäste dürfen in den kleinen Booten mit Außenbordmotor Platz nehmen, das ist schon fast familiär. Die Boote sind extrem wendig und haben kaum Tiefgang, so gelangt man bis tief in die Höhlen hinein. Unser junger Bootsführer erweist sich als äußerst geschickt und erzählt fröhlich lachend, während der Bootsrumpf leicht den steinigen Grund touchiert, dass er nur zehn Jahre und einige kaputte Boote für die Erlangung seiner Fähigkeiten benötigt hätte. Wenig später setzt er das Boot mit Fingerspitzengefühl auf einen Kiesstrand, vertäut das Gefährt und lädt zum Schwimmen ein. Ein einmaliges und unvergleichliches Erlebnis, wie er versichert.

Zakynthos, Ionische Inseln, Griechenland - in einer Felshöhle

Das geht nur mit kleinen Booten, sich die Höhlen von Innen anzusehen

Bereits relativ früh am Morgen hört man in der Bucht von Laganas die Boots- und Schiffsmotoren brummen und es sind keine Fischerboote, denn zu fangen gibt es hier nicht mehr viel. Neben Urlaubern mit ihren Mietbooten und eben kleinen Ausflugsbooten sind es vor allem einige größere Touristenschiffe, die in dem Gewässer kreuzen. Und dazu hat unser nette Bootslenker eine sehr deutliche Meinung und die ist keine gute. Die Schiffe seien viel zu schwerfällig, hätten zu viel Tiefgang mit ihren großen Schrauben und das sei unverantwortlich gefährlich, sagt er mit ernstem Gesicht. Im Blick hat der Zakynther dabei Caretta caretta, und dass er damit zweifellos recht hat, wird beim Turtle-Watching mit ihm deutlich.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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