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Königliches Museum für moderne Kunst
und für alte Kunst in Brüssel

Symbolismus, Impressionismus, Abstraktion und Kinetik

Alle Welt redet vom Prado, vom Louvre und von der Tate Gallery, kaum einer vom unstrittigen Weltrang der Sammlung der Musées Royaux des Beaux-Arts. Der spendable König Léopold II. beauftragte Alphonse Balat mit einem pompösen Museumsbau, der sich seit 1876 hinter korinthischen Säulen verbirgt und an der Rue de la Régence die Schätze der "Alten Kunst" aufbewahrt. Zu zahlreich sind die Gemälde und Skulpturen bedeutender Meister, als daß man sie sich alle während eines Museumsbesuches anschauen kann. So wählt man am besten aus und beschränkt sich bei seinem Besuch. Die nachfolgenden Impressionen sind Momentaufnahmen. Da die Sammlungen umfangreich sind, sind Umhängungen und andere Präsentationen ander Tagesordnung, sodass nicht jedes nachstehend aufgeführte Werk beim nächsten Museumsbesuch noch an seinem Platz sein muss.

Nach Durchqueren der Eingangshalle lohnt sich der Besuch der Skulpturengalerie des 18. und 19. Jahrhunderts. Belgische Bildhauer von Rang und Namen sind hier vertreten: Der durch sein Relief "Die Menschlichen Leidenschaften" - im Horta-Tempel des Parc du Cinquantenaire (Jubelpark) zu bestaunen - bekannte Jef Lambeaux (1852-1908) formte für "La Folle Chanson" ein lustiges Bachantenpaar. Constantin Meunier (1831-1905), der in Brüssel ein eigenes Museum besitzt (s.S. ), reizte wie im Bronzerelief "Landmänner am Meer" (1894) die Darstellung arbeitender Menschen. Von den alten flämischen Meistern schaut man sich auf dem Rundgang durch die Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts vielleicht lediglich Pieter Bruegel d. Ä. (1525-1640) an (Saal 32). Seine "Volkszählung von Bethlehem" findet in einem verschneiten , barbarischen Dorf statt: Auf dem Eis eines zugefrorenen Teichen laufen Kinder Schlichtschuhe, schlägt ein kleiner Junge mit der Peitsche den Kreisel. Auf einem Esel reitet Maria zu den Bauern heran, die ihre mit Korn beladenen Wagen entladen. Neben der Dorfherberge ragt ein kahler Baum in den Himmel. Im Hintergrund erblickt man eine christliche Kirche!

Masken und Symbolisches
Zur Sammlung des Museums für Alte Kunst gehört auch die skurrile Bilderwelt des aus Oostende stammenden James Ensor (1860-1949), dessen Sujets Masken und Tod sind. Das alltägliche Leben scheint für ihn eine inszenierte Maskerade zu sein. Der Mensch, sich selbst und anderen entfremdet, verbirgt sich bei Ensor in der Masse, zieht sich hinter die im Ausdruck erstarrten Masken zurück. Wie leblose Puppen wirken die von Ensor Porträtierten. Sie scheinen an einem absurden Spiel teilzunehmen, das sie nicht selbst bestimmen. Dieses Spiel ist wie in seinem Werk "Verärgerte Masken", in der eine maskierte Frau in schrill grünrotem Kleid mit einem Knüppel in der Hand ihren am Tisch sitzenden Mann beim heimlichen Trinken ertappt, nicht frei von einem Schuß Komik. Neben Ensor findet man den belgischen Maler und Buchillustrator Fernand Khnopff (1858-1921) in der Abteilung des 19. Jahrhunderts. Venusgleiche Frauen mit verführerischen Blicken und sinnlichen Lippen hat er der Nachwelt hinterlassen. Mit zarten Pastelltönen bannte er eine Frau in weißem Kleid und Bubikopf auf die Leinwand, die mit einem Finger ihre Lippen zum "Schweigen" (1890) verschließt. Vor dem Hintergrund einer toskanischen Landschaft schmiegen sich in "Liebkosung" (1904) ein schmalbrüstiger Jüngling und ein blondes Weib mit schlankem Gepardenkörper eng aneinander. Wie die Bubikopf-Schöne schwieg sich Khnopff zur Symbolik seiner Arbeiten aus. Vermutlich verbarg sich hinter seinen venusgleichen Frauen sein eigenes Frauenbild, das zwischen Jungfrau und Hure schwankte. In diesem Sinne könnte das Geparden-Weib die nymphomane Gespielin sein, die geschwind von Liebhaber zu Liebhaber eilt.

Vom Impressionismus zur Postmoderne
Unterirdisch erreicht man vom Musée d'Art Ancien aus das Musée d'Art Moderne, dessen Haupteingang sich an der Place Royale gegenüber der Kirche St-Jakob auf dem Koudenberg befindet. Tief in den Kunstberg hinein führt der Weg von Ausstellung zu Ausstellung, vom Neoimpressionimus bis zur Postmoderne. Zu vielfältig sind die ausgestellten Kunstwerke der Moderne, als das bei einem Besuch jedes ausführlich betrachtet und wahrgenommen werden kann. So bleibt die Auswahl: Die mit grellen Farben gestalteten Blicke aus dem Fenster eines Auguste Oleffe (1867-1931) mögen den einen ansprechen, die lichte Landschaft Flanderns eines Théo Van Rysselberghes (1862-1926) den anderen. Gefühl für das harte Leben der flämischen Bauern verrät Constant Permekes (1886-1952) in "Bauern bei der Aussaat". Tiefgebückt verschmelzen die Bauern mit der expressiven, in dunklen Braun- und Gelbtönen eingefangenen Landschaft zwischen Schelde und Leie.

Sozialer Realismus
Einer der Sammlungsschwerpunkte des Hauses liegt auf den belgischen Realisten des ausgehenden 19- Jahrhundetrs. In diesem Zusammenhang ist Constant Meunier besonders zu nennen, der wie kein anderer, das Schicksal der Bergarbeiter und dessen Familien thematisiert hat. Den wechselvollen Alltag der fliegenden Händler hat Léon Frederic (1856-1940) vor der Kulisse Brüssels realistisch auf die Leinwand gebannt. Den sozialen Konflikt zwischen Arbeiten und Unternehmern stellt Eugène Laermans in »Die rote Fahne« (1893) dar. Doch nicht nur die Dockarbeiter und Bergleute fanden als handelnde Personen Eingang in die Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Charles de Groux thematisierte in »Das Dankgebet« das harte Leben der Bauern und präsentiert dieses Werk auf dem Salon von Antwerpen. An derartige realistische Malerei knüpfte Jacques Lennep 1985 in seiner Arbeit zum Grubenunglück von Marcinelle (1956) an.

Wie anderenorts auch so fanden sich Künstler vor und nach dem Ersten Weltkrieg in Künstlerkolonien zusammen. Zur Gruppe der Maler von Sint-Martens-Latem bei Gent gehörte Gustave van Woestyne (1881-1947), dessen »Sonntagnachmittag« (1914) zum Museumsfundus gehört.

Surreale Welten
Ein eigenes Haus hat im Museumskomplex auf dem Kunstberg unterdessen der bekannte belgische Surrealist René Magritte erhalten. Wer unter dem Titel "Die Domäne von Arnheim" (1962) eine niederländische Landschaft mit Poldern und bewaldeten Inlanddünen erwartet, wird überrascht werden, wenn er vor Magrittes Arbeit steht. Den Titel für sein Werk entlieh sich der Künstler bei dem amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe und dessen gleichnamiger Erzählung. In Gestalt eines Adlers türmt sich bei Magritte ein schneebedeckter Gebirgszug auf. Auf der Balustrade im Vordergrund des Bildes liegen zwei Vogeleier, Symbole für die Leichtigkeit der Poesie eines Edgar Allan Poe. Theatralischen Inszenierungen gleichen die von Paul Delvaux (1897-1994) gemalten "Abendzug" (1957) und "Kreuzigung" (1951/2). Nackte Frauenfiguren mit breiten Hüften tauchen bei ihm in einer kulissenhaften Traumwelt der Antike auf.

Abstraktion und Kinetik
Tief unten im Kunstberg haben die belgischen Abstrakten ihren Platz. Einer von ihnen ist Victor Servranckx (1899-1965), der die Allgegenwart der Maschinenwelt in "Opus 47 Exaltation du Machinisme" (1923) thematisierte. Ob bewegliche kupferne Kreissegmente und von Motoren getriebene Holzzylinder, die der belgischen Konzeptkünstler Pol Bury erdacht hat, Kunst sind, entscheidet der Betrachter für sich. »Erektion« und »Zarte Interpunktion« sind Titel der sich im Schneckentempo bewegenden Objekte, die Bury mit Sinn für die Langsamkeit geschaffen hat. Zwischen Abstraktion und Konstruktivismus ist das Werk von Jo Delahaut anzusiedeln, der ebenso wie Marthe Donas (1885-1967) mit ihren abstrakten Kompositionen die Sammlung bereichert.

Internationale Kunstszene
Auch die internationale Kunstszene ist im Museum zu Gast: Claes Oldenburg, Christo, Daniel Buren und Name June Paik sind nur einige, die hier zu nennen sind. Zu den jüngsten Ankäufen zählt Henri Moores aquarellierte Zeichnung »Ideen für eine Skulptur« (1942).

Mit der kürzlich dem Museum übertragenen Sammlung Gillion Crowert, die Ende 2008 in die Sammlung des 19. Jahrhunderts integriert werden soll, kommen nun 235 Meisterweke auf den Brüsseler Kunstberg, darunter Arbeiten der Art-nouveau-Künstler Emile Gallé, Alfons Maria Mucha und René Lalique. Zudem erweitert sich der vorhandene Sammlungsbestand symbolistischer Arbeiten, da auch Xavier Mellery und Fernand Khnopff zum Fundus der Privatsammlung Gillion Crowert gehören. (fdp)

Königliche Museen für Schöne Künste (alte und moderne Kunst)
Rue de la Régence 3
1000 Bruxelles
Tel.: 32.2/508.32
tägl. 10-17 Uhr
http://www.fine-arts-museum.be



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