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Heilige Pfirsichfrüchte

Spuren des Christentums finden sich im heute weitgehend muslimischen Syrien aber auch außerhalb von Damaskus. Etwa in dem rund dreißig Kilometer entfernten Ort Sednaya, über dem ein festungsähnliches griechisch-orthodoxes Felsenkloster thront. Gegründet wurde das Kloster, das aus dem Jahr 554 stammen soll und das für sich in Anspruch nimmt, das älteste durchgehend bewohnte Kloster der Welt zu sein, angeblich vom byzantinischen Kaiser Justinian. „Er war im Krieg mit den Persern und lagerte mit seinen Armeetruppen hier in der Gegend. Als das Wasser und die Nahrungsmittel knapp wurden, sah er in der Wüste eine Gazelle und verfolgte sie, um sie zu jagen. Plötzlich blieb die Gazelle stehen, genau an diesem Platz, wo sich heute das Kloster befindet, und hat sich in ein sehr leuchtendes Bild von Maria verwandelt, “ beteuert Ahmed Khaddour. Die Marienerscheinung, so berichtet Khaddour weiter, soll den Soldaten eine Felswasserquelle gezeigt haben – und gleichzeitig darum gebeten, hier ein Kloster zu errichten. Eine Gründungslegende, die am Klostereingang in feinen Mosaiken nachgebildet wird.

Syrien Damaskus Kloster Sednaya
Das Kloster Sednaya

Doch das Kloster ist noch aus einem anderen Grund eine beliebte Pilgerstätte. Eine in der Klosterkapelle aufbewahrte Marienikone soll Krankheiten heilen und Wunder bewirken – weshalb die Wand des kleinen Raum, in dem die Ikone aufbewahrt wird, mittlerweile über und über mit Amuletten behängt ist.

Syrien Damaskus Kreuz„Wer Kopfschmerzen hat, bringt eine Nachbildung des Kopfes dort an, wem die Füße wehtun, der hängt einen minituarisierten Fuß an die Wand“, erläutert Ahmed, der seinen Besuchern gerne noch eine weiteres christliches Kloster zeigt – das Sergiuskloster über dem Dorf Ma’lula.

„In diesem Ort sprechen die Menschen heute noch aramäisch, die Sprache, die auch Jesus Christus gesprochen hat“, sagt Ahmed, bevor er – bei einer Wanderung durch die Umgebung – übergeht zu Geschichte der Heiligen Thekla, die von Paulus im Griechenland zum Christentum bekehrt worden war und deshalb vor dem Römern nach Syrien fliehen musste. Als ihre Verfolger näher kamen, öffnete sich vor ihr plötzlich eine Felsspalte, und sie konnte entkommen. Seither blieb Thekla in der Gegend und sie wurde auch bei Ma’lula begraben. „Neben ihrem Grab seht ein Pfirsichbaum. Viele Christen kommen hierher und essen eine der Pfirsichfrüchte, weil sie glauben, sie werden dadurch heilig“, versichert Ahmed.

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